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BAVARIA SR41: Aus Tradition neu


Motorboot Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 20/2020 vom 13.01.2020

Diese Motorboot-Geschichte fängt mit einem Segelboot an. An einem kalten Dezemberabend wird die Bavaria C42, das brandneue Segler-Modell der Giebelstädter Werft im kleinen Kreis der am Projekt beteiligten Mitarbeiter im Bavaria Testcenter am Main getauft. Im 42sten Jahr ihres Bestehens kann die Werft bereits auf eine lange Bootsbautradition zurückblicken. Und ein paar der Traditionen sind es, die dazu beitragen könnten, dass die Bavaria-Bootsbauer bald auch ein topmodernes Motorboot auf der boot Düsseldorf präsentieren können.


Artikelbild für den Artikel "BAVARIA SR41: Aus Tradition neu" aus der Ausgabe 20/2020 von Motorboot Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Motorboot Magazin, Ausgabe 20/2020


„Nicht viele haben geglaubt, dass wir es schaffen – aber wir haben es ...

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... gemeinsam geschafft!“. Bavaria CEO Michael Müller


Es waren nicht viele, die daran geglaubt haben, dass wir das schaffen – aber wir haben es gemeinsam geschafft!“ Bavaria CEO Michael Müller blickt stolz auf die applaudierende Schar der Bavaria-Mitarbeiter und schüttet den Sekt auf die funkelnagelneue Yacht. „Ich taufe Dich auf den Namen 'Bavaria Queen'!“, verkündet er unter dem Jubel der Bavaria-Crew und lädt die Anwesenden imAnschluss zu zünftigem Leberkäs und einer Flasche Bier zu einer kleinen Feier. Es weht ein neuer Wind bei Bavaria. Dass es in einer langen Firmengeschichte Höhen und auch Tiefen gibt, versteht sich fast von selbst. Wenn aber die Motivationskurve der am Projekt „Neue Modelle“ beteiligten Mitarbeiter als Maßstab genommen werden darf, zeigt der Pfeil jetzt steil nach oben. „Wir sind Bavaria“ heißt es, und dieses „Wir-Gefühl“ kann etwas bewirken: Nur neun Monate, nachdem die Entscheidung im März2019 auf einem Workshop getroffen wurde, beide Baureihen – Segel- und Motoryachten – grundlegend zu überar-beiten, liegt die Baunummer eins der Segelyachten bereits Anfang Dezember 2019 im Wasser, schaut die Baunummer zwei schon ihrer Vollendung entgegen und steht bei der Baunummer eins der neuen Motoryacht SR41 die Hochzeit von Deck und Rumpf unmittelbar bevor und sind Motoren und Antriebe installiert. „Na ja, dann nochmal durchwischen und quasi fertig…“, scherzt Norbert Leifeld, Leiter der Produktentwicklung angesichts der Baustelle und des doch engen Terminplans zur fest geplanten Präsentation der neuen Yacht auf der boot Düsseldorf.

Investoren, Geschäftsführung, Stardesigner Marco Casali aus Italien, Produktionsplaner, internationale Händler, die aus erster Hand über die Wünsche und Rückmeldungen der Kunden berichten konnten, u.v.a. diskutierten durchaus kontrovers über die Weiterentwicklung der Bavaria-Yachten. Klar war lediglich: Zur boot Düsseldorf 2020 mussten die neuen Modelle fertig sein! Neukonzeption und -Konstruktion, detaillierte Anpassungen auf die Produktionsprozesse, Fertigung der Mockups und Modelle, Neubau der Laminier-Formen und Schablonen, Abstimmung mit Lieferanten und schließlich der Bau der Prototypen – ein enges Zeitfenster, aber mit dem neuen Elan machbar, wie Bavaria CEO Michael Müller überzeugt war. Er sollte recht behalten.

Klare konstruktive Bavaria-DNA: Die Bavaria SR Baureihe (groß) soll die Vorzüge der Bavaria R (re) und der S-Modelle in sich vereinen und eine Plattform für viele Modellvarianten sein.


Für das Design konnte wieder Marco Casali von Too Design aus Italien gewonnen werden, der bereits bei früheren Projekten erfolgreich die Zeichenfeder führte. Mit dem Leiter der Produktentwicklung Norbert Leifeld und Produktmanager Siep Keizer aus Holland hatte man sich zudem zwei Persönlichkeiten ins Boot geholt, die einerseits von außen frischen Wind und neue Gedankenansätze mitbrachten, andererseits aber intime Kenner der Bavaria Werft waren. Leifeld war schon in früheren Jahren als Berater und Produktentwickler bei Bavaria tätig und hatte mit der erfolgreichen Sport 450 im Jahr 2014 sein Meisterstück abgeliefert. Der Holländer Siep Keizer, ein intimer Kenner der Branche, war lange Jahre als Yachtmakler tätig, kennt die Wünsche und Ansprüche der Kunden daher genau und ist „Vater“ und Namensgeber der Keizer 42, einer prächtigen 42 Fuß Open, die – genau! – bei Bavaria Yachtbau in Giebelstadt auf Bestellung gefertigt wird.

So aufgestellt wurde erst einmal das Vorhandene analysiert. Mit der Sport -Linie legte die Werft im Jahr 2008 eine Motorboot-Modellreihe auf Kiel, die über die Jahre in ihren Entwicklungsstufen bis zu heutigen S-Baureihe „erwachsen“ wurde und nach wie vor erfolgreich ist, was auch die gut gefüllten Produktionsstraßen am Tag unseres Werftbesuchs zeigten. Einen Level höher ist die 2013 vorgestellte Virtess- Baureihe in der Modellpalette angesiedelt. 2016 läutete Bavaria dann mit der R40 die nächste Bootsgeneration ein. Norbert Leifeld weiß aus von seinen früheren Projekten bei Bavaria: „Bavaria-Yachten sind Familienboote. Sie sind konzipiert, um darauf Urlaub machen zu können. Die Kinder sollen mitkommen und sich an Bord wohl fühlen. Es soll Platz für alle da sein, es muss Rückzugsräume an Bord geben. Stauraum ist sehr wichtig, die Boote müssen funktional sein, leicht bedienbar und praktisch. Eine Bavaria ist ein solides, ehrliches Boot!“, stellt Leifeld fest. „Sie ist ein Familienschiff und kein Partyboot, sie ist ein sportlicher Cruiser aber kein Racer. Form bedeutet dabei nicht nur Design, sondern auch immer: Funktion“, so Leifeld und erklärt damit dasBavaria-Konzept so klar wie nur Wenige vor ihm.

„Wenn ich so ein Boot zu einem adäquaten Preis anbieten will, muss ich es aber auch entsprechend effizient bauen können“, so Norbert Leihfeld.

Das aber stieß mit bisher drei Modell-Linien allein im Motorbootbereich, sowie z.T. unterschiedlichen Produktionsverfahren an die Grenzen des Machbaren. Damit stand die Werft gleich vor mehreren Herausforderungen: Das neue Boot über innovative neue Lösungsansätze verfügen, die den Kunden überzeugen, ohne die Konstruktions-DNA der Bavaria- Yachten zu vernachlässigen. Die Produktion sollte gestrafft werden und über möglichst fertigungsgerechte Bauteile und Bauverfahren, sowie eine weitgehende Teilegleichheit bei unterschiedlichen Modellen eine hohe Effizienz gewährleistet werden. Ein breites Angebot an Möglichkeiten für unterschiedliche Kundenanforderungen soll angeboten werden.

Die nagelneue SR41 im Bau Anfang Dezember. Weltpremiere ist auf der boot Düseldorf im Januar.


Neue Ideen und viel Erfahrung: Norbert Leifeld (li), Leiter der Produktentwicklung und Siep Keizer, Produktmanager Motorboote.


Die Bavaria S-Linie ist nach wie vor sehr erfolgreich.


Beim Entwurf der neuen Yacht wurden neue Konzepte diskutiert und entwickelt.


als erstes Modell einer neuen Baureihe, die eine Plattform für spätere zahlreiche Varianten sein soll“, erklärt Norbert Leifeld. Die Rumpflinien der bewährten S40 sollte die konstruktive Basis des neuen Modells bilden. „BMW-Designworks hat hier seinerzeit eine super Arbeit abgeliefert, der Rumpf läuft gut und effizient“, so Leifeld. Allerdings wurde nicht etwa einfach nur ein neues Konzept auf einem alten Rumpf gesetzt. Auch hier wurden Anpassungen vorgenommen und es wurde auch eine neue Form gebaut.

Der Rumpf wird wieder im Handauflege-Verfahren mit Osmose-resistentem Vinylesterharz gebaut. Vakuuminfusion kommt dort zum Einsatz, wo es fertigungstechnisch sinnvoll ist, ggf. Topgewicht gespart werden kann o.ä. „Im Austausch mit den Bootsbauern in der Produktion hat sich gezeigt, dass dieses Verfahren für uns hier das praktikablere und effizientere ist“, erklärt Produktmanager Keizer.

„Jetzt galt es, vorhandene Konzepte in Frage zu stellen und neu zu denken, um den Bootskunden zu überzeugen. Daraus entstand z.B. die Idee, auf einer 40 Fuß Yacht zwei Badezimmer anzubieten“, so Siep Keizer und ist sicher: „Das bringt echten Komfortgewinn. Wir haben die Eignerkabine also mittschiffs angeordnet, wo die volle Breite der Yacht zur Verfügung steht. Hier ist das Bad natürlich en suite. Daneben gibt es vorne aber noch ein zweites Bad, dasz.B. auch als Gästetoilette dienen kann, wenn Freunde an Bord sind.“ „Als der Vorschlag kam, fanden alle die Idee gut, hielten sie aber in dieser Bootsgröße nur mit zu vielen Kompromissen umsetzbar“, so Norbert Leifeld. „Wir waren am Ende selbst überrascht, wie gut das funktioniert“, freut er sich und verweist zudem auf zwei große, geschickt ins Vordeck eingelassenen Oberlichter, die neben den seitlichen Fenstern im Rumpf für zusätzlich Tageslicht unter Deck sorgen, auf die voll ausgestattete Pantry und die Sitzgruppe im Salon z.B. für den morgendlichen Kaffee.


„Keine 'entweder- oder' Konzepte, sondern 'sowohl- als auch' Lösungen.“ Siep Keizer, Produktmanager Motorboote


Aber auch an Deck wurden Konzepte neu entworfen. „Früher hatten wir eine große Sitzgruppe achtern, oder eine riesige Sonnenliege. Wir wollten keine `entweder- oder´ Konzepte, sondern `sowohl- als auch´“, erklärt Keizer. Dafür wurde die Badeplattform nun Standard und verlängert den Rumpf damit enorm. So war es möglich, nicht nur eine große Sitzgruppe zu schaffen, die sich durch das Umlegen der hinteren Rückenlehne nach vorne in eine vordere, kleinere L-Sitzgruppe und eine große achtere Sonnenliege verwandelt, sondern diese Sonnenliege auch noch so modular zu gestalten, dass sich achtern mittig statt der Liegefläche ein Tisch einbauen lässt, so dass jetzt eine große U-Sitzbank oder alternativ zwei Liegen mit mittigem Tisch nach achten ergibt. „So können die Eltern den Kindern beim Baden zuschauen, am Ankerplatz mit Blick aufs Meer den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein genießen und haben trotzdem Platz, den Sundowner abzustellen, oder bequem am Tisch auch das Abendbrot zu sich zu nehmen“, so Keizer. Beim Gang in die Werkshalle wird klar, was Keizer meint. Der Kasko der neuen Yacht erstreckt sich prominent und die typischen, sportlichen Bavaria-Linien sind erkennbar. Die Werft ist hier nicht mit dem Anspruch ans Werk gegangen, den Sportcruiser neu zu erfinden. Nein, hier steht ganz klar eine Bavaria Motoryacht, allerdings eine, die sich in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt und im Detail neu erfunden hat. So beeindruckt z.B. der Größenunterschied eines Einbaurahmens für den Niedergang einer S40 im Vergleich zu dem riesigen Plexiglaselement, das einmal das Niedergangsluk der neuen Yacht sein wird. „Das sind Details, die nur der bemerken wird, der bewusst vergleicht“, weiß der erfahrene Produktmanager. Zwar ist hier erst einmal nur ein halbfertiger Kasko zu besichtigen, die Großzügigkeit der Yacht wird aber deutlich.

Keizer erklärt die verschiedenen Baugruppen, weistauf Details wie die breiten Gangbords und die formschlüssige Sonnenliege auf dem Vorschiff hin, verweist auf den großen Abstand der B und der C-Säule des Hardtops und die daraus später einmal resultierenden großen, seitlichen Fensterflächen. Das Hardtop soll zudem einen großen Überstand nach achtern haben, so dass es möglich sein soll, den Deckssalon mittels Persenningen aber ohne ein extra Gestänge zu verschließen. Final soll die Yacht einmal mit Hardtop mit GFK-Schiebedach, alternativ mit Softtop und später auch als Coupé mit einer großen Glastür achtern verfügbar sein. Eine Open wird es hingegen nicht mehr geben.

Innovativ: Variable achtere Sitzgruppe mit Meerblick. Sie kann zu einer großen Sonnenliege umgebaut, oder durch das Umklappen der Rückenlehne an die L-Sitzgruppe vorne angeschlossen werden.


Das Layout unter Deck bietet eine große Eignerkabine mitschiffs, einen Salon mit Pantry, eine große Gäste-Kabine im Vorschiff und zwei Badezimmer.


Rendering der großzügigen Eignerkabine mittschiffs.


Motoren und Antriebe sind schon installiert, beim Blick aufs Heck ist die Großzügigkeit der SR41 zu erahnen. Vorne sind die Baugruppen der L-Sitzgruppe (Bb.) und der Wetbar (Stb.) erkennbar.


Pantry und Salon. Gut erkennbar: Eines der neuen Oberlichter über der Pantry.


Die Unterschiede im Detail: Einbaurahmen eines S40 Niedergangs neben dem Niedergangsluk der neuen SR41.



„Form bedeutet auch immer: Funktion!“ Norbert Leifeld, Leiter der Produktentwicklung


Angetrieben wird die neue Bavaria S41 mit Mercruiser Benzinern oder Volvo-Penta Dieselmotoren der neuesten Generation. Die Navigation und das Motormanagement kann am modernen Fahrstand über einen Garmin-Screen, der ebenfalls zum Standard gehört, gesteuert und angezeigt werden.

Das Beste aus der S- und der R-Modellreihe soll das neue SR-Modell bieten. Wie ist das zu verstehen? „Stell Dir eine S40 vor, über die man mit der Zuckerdose gegangen ist“, lächelt Norbert Leifeld und ergänzt: „Wir haben die praktische Funktionalität, die solide Bauweise und die bewährten Eigenschaften der erfolgreichen S-Baureihe mit der Haptik, der hochwertigen Materialauswahl und dem eleganten Stil der R-Baureihe in Kombination mit neuen Lösungen zur SR-Modelllinie geformt.“ Leifeld ist überzeugt: Das gesamte Entwicklungsteam hat mit dem Motorund dem Segelboot Großes geleistet, und das Dreieck Projektmanager – Entwicklung – Produktmanager funktioniert wieder sehr gut bei Bavaria Yachtbau. Die Entwicklung eines Produktes mit allen Fachbereichen ist die Grundlage für den Erfolg“, ist Leifeld sicher.

„Kommen Sie auf die Boot Düsseldorf in die Halle 1 an den Bavaria- Stand und überzeugen sie sich selbst“, fordert Siep Keizer uns auf und ergänzt selbstbewusst mit sympathischem holländischem Dialekt: „Sie werden sehen, wir haben ein s(ch)uper Boot gebaut!“ Und über die SR41 hinausgedacht – wie ist die Weiterentwicklung der Baureihe geplant? „Das wird derzeit diskutiert. Die nächste SR könnte größenmäßig eher unterhalb der 41er angesiedelt sein“, vermutet Leifeld, aber er ist sich sicher: „Die Bavaria SR41 ist erst der Anfang!“

www.bavariayachts.com

boot Düsseldorf Halle 1/B37