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Bayerns Hochrisiko Kader


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 31/2021 vom 04.08.2021

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 31/2021

Weltfußballer mit höchstem Anspruch: Robert Lewandowski achtet genau auf die Qualität des Kaders. Nagelsmann führte mit ihm ein Einzelgespräch

Die aktuelle Lage des FC Bayern wurde in einem einzigen Foto zusammengefasst. Ehrenpräsident Uli Hoeneß (69) und der neue Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn (52) beobachteten mit höchst angespannter, versteinerter Miene das Treiben auf dem Feld. 0:3 verloren die Bayern am Samstag den Test gegen Neapel, der Rekordmeister blieb damit in der kompletten Vorbereitung ohne Sieg. Die Stimmung ist angespannt. Ist der Kader wirklich „exzellent“, wie ihn Kahn am Samstag bezeichnete? Verletzungen und die extrem späte Rückkehr der EM- Fahrer erschweren dem neuen Trainer Julian Nagelsmann (34) den Einstieg enorm.

Der Hochrisiko-Kader des FC Bayern sorgt für Diskussionen. Bei den Fans genauso wie intern. Das war bereits unter Hansi Flick (56) so, der im Endspurt der vergangenen Spielzeit erklärte: „Wir hatten letztes Jahr eine Mannschaft, die qualitativ – das weiß jeder und wird mir zustimmen – besser ...

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... war als die Mannschaft in diesem Jahr.“ Nun verloren die Münchner David Alaba (29), Jérôme Boateng (32) und Javi Martínez (32). Drei Spieler, die jeweils zweimal das Triple in München gewannen. Im Gegenzug kamen Dayot Upamecano (22) und Ergänzungs- spieler Omar Richards (23). Seitdem gibt es coronabedingt einen Kaufstopp. Vernünftig oder fahrlässig? Reicht der Kader wirklich für die Ziele und Hoffnungen, die in Nagelsmann gesteckt werden?

„Die Statistik der letzten Jahre zeigt, das 14, 15 Spieler 90 Prozent der Einsatzzeit bekommen“, sagt Nagelsmann: „Das heißt aber nicht, dass man nur 14 braucht! Es ist auch eine Frage des Fitnesszustandes der 14 Spieler. Wenn im Laufe der Saison Verletzungen aufkommen, ändert sich diese Statistik ganz schnell. Wir hoffen, dass alle Spieler gesund bleiben und alle drei Tage spielen können.“ Vergangene Saison war Lewandowski zum Beispiel ausgerechnet in beiden Viertelfinal-Spielen der Champions League gegen Paris verletzt, der FCB schied aus.

Es steht außer Frage, dass Bayerns erste Elf europäisches Top-Niveau besitzt. Aber wie verlässlich können die Akteure aus dieser Wunsch-Formation eingeplant werden? Schon am Samstag gab es den nächsten Schreck- Moment, als der ohnehin häufig verletzte Kingsley Coman (25) nach zehn Minuten mit einer Hüftprellung vom Feld musste. Es schien ein weiterer Fingerzeig zu sein, wie riskant das Spiel mit dem dünnen Kader ist.

SPORT BILD machte den Check über die vergangenen zwei Spielzeiten, aus dem Sextuple-Jahr 2020 sowie der vergangenen Spielzeit mit einem Titel. Hier erreicht Kapitän Manuel Neuer (35) 95,1 Prozent aller möglichen Einsatzminuten, Joshua Kimmich (26) 83,1 Prozent, Robert Lewandowski (32) 81,4 Prozent und Thomas Müller (31) 78,7 Prozent – auf sie ist also Verlass, da sie kaum verletzt ausfallen.

Deutlich schlechter sieht es dagegen bei anderen eingeplanten Stars für die erste Elf aus: So kommt Leon Goretzka (26) nur auf 51,1 Prozent aller mög- li-

chen Einsatzminuten, Lucas Hernández (25) auf 41,2 Prozent. Die Außenstürmer haben nicht viel bessere Werte: Serge Gnabry (26) spielte 62 Prozent der möglichen Minuten, Leroy Sané (25) in seiner Premieren-Saison 57,6 Prozent. Der Wert von Coman liegt mit 53,6 Prozent sogar noch darunter.

Nagelsmann stellt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Flick keine öffentlichen Forderungen. Dennoch ist ihm anzumerken, dass ihn die Niederlagen in den Tests nerven. Intern soll nach SPORT BILD- Informationen die Erkenntnis reifen: Es braucht mindestens einen starken Neuzugang in der Zentrale!

Vergangene Woche baute Nagelsmann schon vor. Und zwar doppelt. Nach dem Test gegen Gladbach (0:2) betonte er, dass es bis Dezember kaum Zeit gäbe, Trainingsinhalte einzustudieren. Und damit er nicht noch weitere etablierte Kräfte verliert, führte er vergangene Woche Einzelgespräche mit seinen Rückkehrern. Denn unter ihnen gab und gibt es Wackelkandidaten, bei denen nicht klar ist, wie lange sie noch im Klub bleiben.

Zu ihnen zählt Lewandowski. Der Weltfußballer weiß, dass er diesen Sommer nicht wegdarf, selbst wenn er noch einmal nach einer neuen Herausforderungen streben sollte. Nagelsmann suchte nach SPORT BILD-Informationen sofort den Dialog mit dem Weltfußballer. Lewandowski versicherte, dass er motiviert für die Herausforderung bei Bayern sei. Natürlich macht sich der Stürmer Gedanken über seine Zukunft und einen möglichen letzten Karriere-Schritt, nun will er aber mit dem neuen Trainer arbeiten, weitere Titel in München gewinnen.

Viel fraglicher ist die Zukunft von Goretzka, der auf ein verbessertes Angebot der Bayern wartet. Die Gespräche liegen weiter auf Eis. Trotz des großen Interesses von Manchester United plant er keine Flucht aus München: Kommt es zu keiner Einigung, will Goretzka in seinem letzten Vertragsjahr bei Bayern spielen. Dann droht jedoch wie bei Alaba jetzt im kommenden Jahr der nächste ablösefreie Wechsel. Und das bei einem Spieler, der laut transfermarkt.de einen Marktwert von 70 Mio. Euro hat.

Intern geht man von einem Verbleib Süles aus. Dennoch fiel bereits der Name Thilo Kehrer

Beim Poker mit dem Mittelfeld-Antreiber haben die Bayern jedoch auch die Einsatzzeiten des Profis mit im Blick: Diese – siehe oben – bewegen sich nicht in einer Kategorie von Müller oder Kimmich, der ebenfalls um einen neuen Kontrakt feilscht. Kimmichs Vertrag läuft bis 2023.

Die Vertragslage bei Niklas Süle (25) gestaltet sich ähnlich wie bei Goretzka: Der Kontrakt des Verteidigers läuft 2022 aus, eine Verlängerung steht aktuell nicht bevor. Nagelsmann rechnet fest mit dem Verbleib des Nationalspielers, der in guter körperlicher Verfassung aus dem Urlaub zurückkehrte. Für den Fall, dass dennoch ein Verein die geforderten rund 30 Mio. Ablöse aufbringen würde, soll es einen Alternativ-Plan geben: Der Name von Nationalspieler Thilo Kehrer (24) wurde intern diskutiert, der PSG- Spieler kann als Rechtsund Innenverteidiger eingesetzt werden. Sein Marktwert liegt bei 25 Mio. Euro, Kehrer hat in Paris einen Vertrag bis 2023.

20%

FORM

Vier Testspiele, drei Niederlagen. Die Bayern konnten sich aufgrund der extrem späten Rückkehr der EM-Spieler nicht einspielen. Nagelsmann kann seine Ideen bisher nicht umsetzen, die Zeit läuft davon.

GEWINNER

Rhein: Der Youngster nutzte seine Chance, überzeugte mit Ballsicherheit und Übersicht. Da im zentralen Mittelfeld Bedarf ist, hat er wie Stanisic Chancen auf einen Kaderplatz zum Start.

VERLIERER

Tolisso: Er war Verkaufskandidat, musste nun wegen einer Corona-Erkrankung pausieren. Kein neuer Verein, kein Training mit den Kollegen – eine schwere Zukunft droht.

BAUSTELLE

Der Kader ist sehr dünn und wird durch Verletzungen weiter strapaziert. Mindestens ein Zugang soll fürs Mittelfeld kommen.

FEHLEN ZUM START

Hernández, Davies, Roca, Früchtl (alle verletzt), Tolisso (Corona), zudem ist Coman angeschlagen

TESTPIELE

2:3 Köln, 2:2 Ajax, 0:2 Gladbach, 0:3. Neapel

Die Münchner Macher schauen sich auf vielen Positionen um, das Primärziel bleibt aber eine hochwertige Verpflichtung im zentralen Mittelfeld. Sportvorstand Hasan Salihamidzic (44) und Kaderplaner Marco Neppe (35) arbeiten hier sehr eng zusammen, zu den Testspielen in die Allianz Arena bildeten sie zuletzt sogar ein Fahrgemeinschaft. Dennoch könnte es im Bayern überlegt, für die Abwicklung und Anbahnung von Transfers künftig einen Mann hinzuzuziehen Verantwortungsbereich „Transfers“ bald Zuwachs geben: Intern soll überlegt werden, einen zusätzlichen Posten für einen Transferexperten zu schaffen, der Kontakt zu Vereinen und Beratern hält, bei der Abwicklung von Deals hilft. Für die aktuelle Transferperiode ist die Personalie noch kein Thema. Trotzdem könnte Bewegung in den Kader kommen: Chris Richards (21), vergangene Saison nach Hoffenheim ausgeliehen, dürfte gehen. Allerdings nur, wenn die nach wie vor interessierten Hoffenheimer den Verteidiger fest verpflichten und mindestens zehn Mio. Euro Ablöse zahlen. Ein Transfer von Weltmeister Corentin Tolisso (27) wird nach dessen Corona- Erkrankung noch komplizierter.

Es ist eine neue Realität, welche der Pandemie, aber auch ablösefreien Abgängen wie dem von David Alaba geschuldet ist: Der Rekordmeister muss Einnahmen generieren, um aufrüsten zu können. Die Verantwortlichen um Nagelsmann wissen: Ihre Top-Elf hat europäisches Spitzenformat. Dann darf es jedoch kaum Ausfälle geben. Die Vergangenheit zeigt: Dieser Ritt auf der Rasierklinge wird nur ganz schwer zu meistern sein.