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Bayerns Triple-Plan


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 35/2022 vom 31.08.2022

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 35/2022

Zum Projekt Weiterentwicklung gehört beim FC Bayern auch ein Balkon. Nach dem peinlichen Aus im Viertelfinale der Champions League 2021/22 gegen Villarreal (0:1, 1:1) begann die Analyse und Weichenstellung für die neue Spielzeit bereits im vergangenen April. Damals kündigte Julian Nagelsmann (35) an: „Wenn du zehn Meisterschaften in Folge holst, dann ist immer irgendwann der Punkt gekommen, an dem man etwas anders machen muss.“

Listen mit Wunschspielern wurden angelegt – bei den Innenverteidigern stand schon damals Matthijs de Ligt (23) ganz oben – und viele Details angesprochen. Eines davon: der Balkon! Nagelsmann bekam vor sein Trainerzimmer einen kleinen Vorbau, daneben wird es künftig eine große Videoleinwand geben. Aus seinem Büro kann er auf dem Balkon den Spielern, welche auf dem Rasen den Bildschirm sehen, mit einem Laserpointer Anweisungen bei der Analyse geben.

Es sind viele ...

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... kleine Innovationen, welche den neuen FC Bayern ausmachen. In der Bundesliga glänzten die Münchner bereits, selbst beim ersten Punktverlust gegen Gladbach am Samstag (1:1) zeigte die Mannschaft ein Offensiv-Feuerwerk, das nur von einem überragenden Torwart Yann Sommer (33) gestoppt wurde. Nach der Auslosung der Champions-League-Gruppen vergangenen Donnerstag starten die Bayern nun den Angriff auf das Triple! SPORT BILD zeigt: Was schon begeistert, was verändert wurde – und wo noch viel Arbeit wartet.

Der Name, der in den vielen Wochen der Planung für die Spielzeit 2022/23 am häufigsten fiel, war Robert Lewandowski (34). Während speziell Oliver Kahn (53) lange auf seinem „Basta“ beharrte und den Stürmer nicht gehen lassen wollte, war im Trainerteam früh klar: Ein Verkauf Lewandowskis eröffnet der Mannschaft neue Möglichkeiten. Nicht nur, weil sich bei der Taktik viel auf den polnischen Mittelstürmer konzentriert hatte. Es ging bei der internen Aufarbeitung genauso um das „Energie-Level“ bei Trainingseinheiten: Hier waren sowohl Lewandowski als auch der ablösefrei zu Dortmund abgewanderte Niklas Süle (26) nicht als Impulsgeber bekannt. Das Niveau in den Einheiten ist in dieser Saison deutlich höher, jeder zieht mit. Die Bayern haben dadurch neben den verpflichteten Stars andere Profis in ihren Reihen, die sich wie Neuzugänge anfühlen.

Dayot Upamecano (23) muss um seinen Platz kämpfen und präsentiert sich konzentrierter. Der Patzer am Samstag vor Gladbachs Führungstreffer war sein erster in dieser Saison. Für die großen Ziele muss der Verteidiger diese Fehler abstellen. Benjamin Pavard (26) bekam durch den Transfer von Noussair Mazraoui (24) Konkurrenz und blüht plötzlich auf, er ist seit Wochen einer der besten Spieler.

Mit Lewandowski kommt es nun bereits am 13. September zu einem Wiedersehen. Sein Name war am Wochenende in der Allianz Arena präsent: Die Nachfragen nach dem Angreifer nerven Spieler und Verantwortliche. Kein Wunder: Grundsätzlich funktioniert und harmoniert die neue Offensive zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison hervorragend. Wenn aber zahlreiche Chancen vergeben werden und in den Schlussminuten Abwehrspieler de Ligt zum Mittelstürmer umfunktioniert wird, kommen eben Debatten über einen Sturm-Brecher auf. Zumal Lewandowski am Sonntag für Barcelona beim Sieg gegen Valladolid (4:0) schon wieder doppelt traf.

100 MILLIONEN EURO

an Transfereinnahmen haben die Bayern nach dem Verkauf von Joshua Zirkzee (8,5 Mio. fix) an Bologna geknackt. Zudem gingen u. a. Lewandowski, Richards, Roca und Nianzou

Im Transfertheater des Sommers brachte Lewandowski die Bayern-Verantwortlichen immer wieder mit öffentlichen Statements gegen sich auf. Aber er verblüffte sie auch. Nach SPORT BILD-Informationen sorgte der Stürmer beim Treffen der Bayern-Bosse Kahn und Hasan Salihamidzic (45) mit ihm und Berater Pini Zahavi (79) Mitte Juni auf Mallorca für eine große Überraschung. Lewandowski hatte sich auf den Termin akribisch vorbereitet: Er trat mit mehreren Din-A4-Zetteln vor die Bosse und führte detailliert aus, was bis zum Zeitpunkt des Treffens passiert war, wieso sich die Situation zugespitzt hatte und weshalb er den Verein verlassen möchte. Sozusagen ein Abschieds-Referat.

Am Ende fanden Barcelona und Bayern einen Weg, Lewandowski ging für 45 Mio. Euro Fixsumme plus fünf Mio. Bonuszahlungen nach Spanien. Ein Transfer, der bislang alle glücklich macht, denn: Lewandowski trifft für seinen neuen Klub, während Sadio Mané (30), für 32 Mio. Euro aus Liverpool verpflichtet, der neue Spaßmacher der Bayern ist.

„In Istanbul hat der ganze Saal geschmunzelt und gelacht, als Barcelona Bayern zugelost wurde und Dortmund Manchester City“, sagt Ex-Boss Karl-Heinz Rummenigge (66), der bei der Auslosung live dabei war. Und weiter: „Robert gegen Bayern und Haaland gegen Dortmund – als ob es der liebe (Fußball-)Gott vorgegeben hätte. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Robert, so wie alle Bayern-Fans. Es gibt generell keinen Grund, ihm in irgendeiner Form negativ zu begegnen.“

Rummenigge hofft, dass der Mann, den er zusammen mit Uli Hoeneß (70) 2014 ablösefrei aus Dortmund nach München geholt hatte, in der Arena nicht mit Pfiffen bedacht wird: „Robert hat unendlich viel für den Verein geleistet, alle Titel gewonnen, und wir alle tun gut daran, ihm und seinen Leistungen mit Respekt und vor allem Dankbarkeit zu begegnen.“ Rummenigge führt aus: „Da hilft ein Blick über den Tellerrand und über die Grenzen – zum Beispiel nach Italien, wo die Wertschätzung für verdiente Spieler auch nach ihrem Abschied groß bleibt.“

Statt Lewandowski bejubeln die Bayern-Fans nun mit Mané einen Mann, der nicht nur wegen seiner Aktionen auf dem Spielfeld gut ankommt. Bestes Beispiel: Nach dem Abschlusstraining am vergangenen Freitag wurde er von einem Taxi an der Säbener Straße abgeholt. Noch in der Ausfahrt des Trainingsgeländes blieb das Auto stehen, der Angreifer schrieb minutenlang Autogramme. Mané ist mit seiner offenen, kommunikativen Art sofort angekommen in München. Er trifft bislang regelmäßig. Was besonders erstaunt: seine Quote in den Champions-League-K.o.-Spielen. Obwohl er kein klassischer Mittelstürmer ist, kommt er ab dem Achtelfinale auf einen Schnitt von 0,56 Toren pro Partie, traf in 27 Spielen 15-mal. Der Durchschnitt von Torjäger Lewandowski ist nur geringfügig besser: In 44 Spielen machte er 30 Tore – ein Schnitt von 0,68 Treffern.

Beim Treffen mit den Bayern-Bossen auf Mallorca hatte Lewandowski auf mehreren DIN-A4-Zetteln ein „Abschieds-Referat“ vorbereitet

„Wir werden kreativer, innovativer spielen und nicht mehr so einfach ausrechenbar sein“, prophezeit Präsident Herbert Hainer (68) im neuen SPORT BILD-Sonderheft zur Champions League (ab Freitag im Handel) über die neuen Bayern mit Mané.

Nagelsmann zog seine Schlüsse: kürzere Analysen, weniger Systemwechsel

Auch von Leroy Sané (26), der zuletzt zweimal in der Startelf stand und sowohl beim 7:0 in Bochum als auch gegen Gladbach traf, erwarten die Bosse einiges. Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic sagt im BILD-Fußball-Podcast „Phrasenmäher“: „Ich glaube total an den Jungen, weil er Qualitäten hat, die unfassbar sind. Wenn er die Mentalität, die er drin hat – diese Wut, die man zum Beispiel im Supercup in Leipzig gesehen hat, wo er total entschlossen war –, immer zeigt, dann wird er einer der Besten Europas und der Welt sein. Das muss er Training für Training und Woche für Woche raushauen, dann habe ich keine Sorgen, dass er DIE Nummer 10 des FC Bayern wird.“

Und weiter: „Bei ihm geht es darum, der Beste zu werden, alles rauszuhauen und diese Mannschaft in der Champions League zum Titel zu führen.“

Trainer Nagelsmann zog in seiner täglichen Arbeit die Schlüsse aus der Premieren-Saison, die mit der Deutschen Meisterschaft ordentlich, aber keinesfalls glänzend verlief. Das System will der Trainer seltener ändern, nicht mehr so sehr an den Gegner anpassen. Bislang starteten die Münchner in jeder Partie mit der 4-2-2-2-Grundformation. Nagelsmann hält nun vor Spielen verkürzte Gegner-Analysen ab, bespricht statt zuvor 13 bis 15 Szenen nur noch fünf bis acht. Es geht ihm um die eigene Stärke, weniger um mögliche Gefahren, die vom Gegner ausgehen. Mehr „Miasan-mia“, weniger „Mia-schauen-auf-die-anderen“!

Die Trainingsarbeit kam ebenfalls auf den Prüfstand. Im Team ist Nagelsmann dafür bekannt, dass er teilweise sehr komplizierte Inhalte in kurzer Zeit vermittelt. Damit waren manche Stars überfordert. Vor allem, weil immer neue Übungsformen einstudiert wurden. Nun vertraut Nagelsmann öfter auf bewährte, wenn auch komplexe Trainingsformen. Das kommt bei den Spielern an.

Allerdings ist er nun als Moderator gefragt: Speziell in der Offensive hat Nagelsmann die Qual der Wahl. Bereits am Samstag gegen Mönchengladbach saßen mit Serge Gnabry (27) und Jamal Musiala (19) zwei Topstars draußen. War Musiala in der vergangenen Saison noch eher Newcomer und konnte leichter mal auf die Bank „verbannt“ werden, so drängt der mehrfache „Spieler des Spiels“ (drei Tore in drei Ligaspielen) nun vehement in die Startelf. Doch dort wollen genauso etablierte Stars wie Thomas Müller (32), Kingsley Coman (26), Sané oder erst recht Mané stehen.

„Dass die Stimmung positiv bleibt, ist nicht ganz so einfach“, sagt Nagelsmann und betont mit Blick auf Auszeiten für Topstars: „Ich werde versuchen, die Spieler daran zu gewöhnen, dass das Normalität ist.“

Eine gute Voraussetzung ist: Im Team gibt es kein alles überstrahlendes Ego mehr. Andererseits gibt es nur noch Topspieler. Für den Triple-Plan muss ein Wir-Gefühl entstehen, in dem kein Spieler ausschert: Es liegt an Nagelsmann und seinem Team, das durch eine offene, direkte Kommunikation zu verhindern. Das ist dem Trainer durchaus bewusst: Er führte nicht nur freiwillige, regelmäßige Teamabende nach Heimspielen ein. Am Sonntag feierten Spieler und Trainerteam mit Familien ein Sommerfest mit Currywurst, Hüpfburg und Sackloch-Werfen. Es war ein letztes Durchatmen, bevor nun die Englischen Wochen beginnen: Ein Startschuss für die Triple-Attacke der Bayern!