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bb-NACHLESE: ROSENHEIMER FENSTERTAGE 2019 TEIL II: Aus der Perspektive des Ingenieurs und des Juristen


Bauelemente Bau - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 05.12.2019
Artikelbild für den Artikel "bb-NACHLESE: ROSENHEIMER FENSTERTAGE 2019 TEIL II: Aus der Perspektive des Ingenieurs und des Juristen" aus der Ausgabe 12/2019 von Bauelemente Bau. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler, Schüco International KG. Referat zum Thema „Innovationen im Fenster- und Fassadenbau. Die Perspektive eines Ingenieurs.“


Fotos: bauelemente bau

Prof. Christian Niemöller, SMNG Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Referat zum Thema „Innovationen im Fenster- und Fassadenbau. Die rechtlichen Aspekte“.


Ein kritischer Rückblick auf die Entwicklungen der vergangenen 30 Jahre führt zur Erkenntnis, dass sich der Wettbewerb in der Bau- und Immobilienbranche kontinuierlich verschärft hat. Im Basissegment ging es um Kostenführerschaft, im Premiumsegment um Differenzierung. Im zweiten ...

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... Segment spielt – neben Qualität und Design – Innovation eine besondere Rolle.

Der Fenster- und Fassadenbau beschäftigt sich praktisch nicht mit Grundlagenforschung. Vielmehr werden in der Regel Technologien adaptiert, welche in anderen Branchen bereits etabliert und am freien Markt verfügbar sind. Zudem investieren nur wenige Firmen nennenswert in strategische Innovationen. Das Engagement endet meist bei der Verbesserung einzelner Leistungsmerkmale an bestehenden Produkten. Nur selten werden clevere Ideen für grundlegend neue Produktgenerationen generiert. Falls doch, dann scheitert es oft an der Umsetzung in marktfähige Produkte. So haben sich im Fenster- und Fassadenbau seit vielen Jahren, abgesehen von inkrementellen Weiterentwicklungen, nur wenige Innovationen erfolgreich, und das heißt nicht zuletzt margenstark, am Markt durchgesetzt.

Woran liegt´s?

Liegt die schlechte Bilanz an mangelnder Liquidität, Kreativität oder Prozessqualität in unserer Branche? Es hat sich jedenfalls nicht als zielführend erwiesen, neue Technologien in den Markt „zu drücken“ („Technology Push“). Ist die bescheidene Innovationsbilanz vielleicht darin begründet, dass sich die konservative Branche zwanghaft an vertrauten und bewährten Strukturen sowie Technologien festklammert? Gilt das vielleicht auch für die eingesetzten Methoden und Prozesse in der Planung und Ausführung? Andere Branchen sind diesbezüglich flexibler, und sie haben längst begriffen, dass es nicht ausreicht, in der Produktentwicklung die aktuellen, regionalen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss die spezifischen Erwartungen der Kunden (in unserem Fall insbesondere Projektentwickler, Bauherren und Nutzer) verstehen. Dann gilt es, diese mit entsprechenden Produkten, Dienstleistungen sowie Geschäftsmodellen tatsächlich zu befriedigen („Market Pull“). Beim Blick in die kurzund mittelfristige Zukunft der Bau- und Immobilienbranche stellt sich nicht zuletzt die Frage, ob der Fenster- und Fassadenbau bereit ist für eine „smarte Welt“ und ganz speziell für BIM.

Die rechtlichen Facetten

Mit Blick auf die in den letzten Jahren gestiegenen Anforderungen an Bauwerke und -elemente sind (neben der technisch geprägten Weiterentwicklung der Bauteile „Fenster“ sowie „Fassade“) auch im Vertragsrecht Entwicklungen zu beobachten, die sich an den neuen Ansprüchen des Kunden, beispielsweise an nachhaltiger Errichtung von Bauwerken („Green Building“) sowie den Anforderungen an erhöhte Gebäudesicherheit (Widerstandsklassen RC1 ff. für Fenster), aber auch an deren Bedürfnissen nach Optimierung der Prozesse beim Bauen und Bewirtschaften des errichteten Gebäudes orientieren. Konflikte und traditionelle Bearbeitung werden mehr und mehr zur ökonomischen Last.

BIM

In diesem Zusammenhang gerät die Planungsmethodik „BIM“ (Building Information Modeling) in den Blick. BIM stellt einen modellbasierten Prozess dar, der die an der Realisierung eines Bauvorhabens Beteiligten verbindet, so dass sie Bauvorhaben effizienter gemeinsam planen, bauen und betreiben können. Die Arbeit mit BIM soll Projektrisiken über Kommunikation senken, zeitliche Abfolgen sowie Kosten optimieren und im Ergebnis zu (wirtschaftlich) besseren Ergebnissen führen als bei traditioneller Bauabwicklung. Hierbei sollen alle relevanten Gebäudedaten erfasst, kombiniert und vernetzt werden. Im Rahmen von BIM sind – aus rechtlicher Sicht – insbesondere die Themen „Leistung“, „Versicherung“, „Haftung“, „Vergütung“ sowie „Urheberrecht“ regelungsbedürftig. Dies bedeutet für die im Zusammenhang mit BIM abzuschließenden Verträge, dass die wechselseitigen Leistungen in einer neuen Qualität zu beschreiben sind. Durch BIM entstehen neue Beziehungen und Haftungsszenarien, so dass darauf zu achten ist, dass die sich ergebenden neuen Möglichkeiten, aber auch Verantwortlichkeiten vertragsrechtlich voneinander abgegrenzt werden. Festzuhalten ist, dass BIM im deutschen Recht bislang eher „stiefmütterlich“ behandelt wird. Gesetzliche Vorgaben oder höchstrichterliche Rechtsprechung explizit zu BIM gibt es aktuell nicht

Der Mehrparteienvertrag

Um den Anforderungen aus verdichteten Vertragsbeziehungen nicht nur im Zusammenhang mit der Planungsmethodik BIM Rechnung zu tragen, entwickelt sich aktuell in Deutschland der sogenannte Mehrparteienvertrag im Rahmen von Partnerschaftsoptionen. Beim Mehrparteienvertrag ist der Auftraggeber/Bauherr mit allen anderen Mitgliedern bzw. Baubeteiligten durch einen einheitlichen Vertrag verbunden. Der Mehrparteienvertrag bedeutet eine Abkehr vom System der „Zwei-Parteien-Verträge“, bei dem der Auftraggeber regelmäßig der einzige Projektbeteiligte ist, der mit allen anderen Baubeteiligten vertraglich verbunden ist. Der Mehrparteienvertrag soll direkte vertragliche Verbindungen zwischen allen Beteiligten begründen, so dass zwischen ihnen unmittelbar Rechte und Pflichten bestehen.

Adjudication

Kommt es bei der Durchführung von Bauvorhaben zu Konflikten, ist bei den Baubeteiligten mittlerweile eine deutliche Unzufriedenheit mit den staatlichen Angeboten zur Konfliktlösung festzustellen. Dies deshalb, weil mehrjährige Bauprozesse zur Durchsetzung eines Vergütungs- oder Mangelanspruchs keine Seltenheit sind. Zeitund kostenaufwändige Bauprozesse führen regelmäßig dazu, dass sich finanzielle Schäden am Ende des Verfahrens erheblich vergrößern. Vor diesem Hintergrund wählen Baubeteiligte mitunter bei Konflikten die Möglichkeiten der sogenannten Adjudication. Es handelt sich um ein außergerichtliches Instrument zur Beilegung von Streitigkeiten am Bau. Ziel des Adjudications-Verfahrens ist es, für während der Bauphase auftretende Konflikte zwischen den Baubeteiligten ein schnelles und effizientes Instrument zur Konfliktlösung zur Verfügung zu stellen, welches insbesondere einen längeren Baustillstand und damit verbundene Schadensrisiken für den Auftraggeber gering hält oder ganz verhindert. Grundlage eines Adjudications-Verfahrens kann ein Schiedsgutachtenvertrag sein. Die Leitung und Entscheidung des Verfahrens obliegt dann einem Schiedsgutachter, der von den Parteien berufen wird. Der Schiedsgutachter entscheidet die Streitigkeit grundsätzlich in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht. Das Adjudications-Verfahren soll im Ergebnis zu einer schnellen, aber durch die staatlichen Gerichte dann im Nachhinein noch überprüfbaren, außergerichtlichen Entscheidung führen