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BEDARFS GERECHT


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 110/2022 vom 07.10.2022
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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 110/2022

Raufutter wie Heu ist die Basis jedes Futterplans. Hingegen braucht nicht jedes Pferd Kraftfutter

Kennen Sie das Gefühl, vor Supermarktregalen zu stehen und nicht zu wissen, welches Produkt Sie eigentlich wirklich brauchen? Auch im Fachhandel für Pferdefutter gibt es mittlerweile ein vielfältiges Angebot an (Zusatz-)Futtermitteln. Vom Spezialmüsli über Heucobs bis hin zu Ölen und Co. Wer sein Pferd richtig füttern möchte, muss sich mit der Natur der Vierbeiner beschäftigen. Kein Pferd ist dafür gemacht, die meiste Zeit des Tages in einer Box zu stehen und auf die Stallgasse zu gucken. Auch wenn so mancher Reiter denkt, dass eine große, komfortable Box ausreicht. Pferde haben bestimmte Grundbedürfnisse, die erfüllt werden müssen, damit sie lange gesund und vital bleiben. Eine gute Fütterung ist daher auch immer Gesundheitsvorsorge.

Dauerfresser in Bewegung

Im Vergleich zu unseren Hauspferden durchstreiften Wildpferde in großen Herden die Steppen. Das Futterangebot war eher rar, und daher waren ...

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... sie permanent mit der Nahrungssuche beschäftigt. Wildpferde wanderten rund 16 Stunden täglich umher. Dabei legten sie nicht nur viele Kilometer zurück, sondern füllten den Magen auch immer wieder mit kleinen Portionen. Das lohnte sich: Denn so konnten die Vorfahren unserer Hauspferde bis zu 50 oder 60 Kilogramm Weidegras pro Tag zu sich nehmen. Das entspricht einem Trockensubstanzgehalt von zehn bis zwölf Kilogramm.

Dazu wird einfach der Wassergehalt von der Gesamtmenge abgezogen. Ein Pferd, das 500 bis 600 Kilogramm wiegt, hat also in der freien Wildbahn rund zwei Kilogramm Futter in der Trockensubstanz aufgenommen.

Noch heute ist Raufutter die Basis jedes Futterplans, denn der Verdauungstrakt der Pferde hat sich nicht verändert, nur weil wir sie in Boxen stellen und das Futter rationieren. Im Prinzip haben unsere Vierbeiner das instinktive Bedürfnis, ständig zu fressen und sich dabei zu bewegen. Pferde sind Dauerfresser, und ihr Magen ist darauf ausgelegt, permanent kleinere Futtermengen zu verarbeiten. Aus diesem Grund produziert er ununterbrochen Magensäure, um die aufgenommene Nahrung zu verdauen. Diese kann nur durch Speichel neutralisiert werden. Und genau dazu ist das Kauen wichtig.

Fresspausen mit fatalen Folgen

Lange Fresspausen ohne Kauen und somit ohne Speichelfluss führen schnell zu Magenproblemen. Stellen Sie sich vor, Sie haben Sodbrennen und den Drang, etwas zu essen, damit die Schmerzen aufhören, aber Sie sind in einem Geschäftstermin und müssen warten, bis dieser vorbei ist. Das Gefühl ist sehr unangenehm, und wahrscheinlich leidet ihre Konzentration recht bald unter den Umständen. Pferden, die in der Box stehen beziehungsweise keinen Zugang zu Raufutter haben, geht es im Prinzip ähnlich. Kann das Pferd länger als vier Stunden kein Futter aufnehmen, fehlt der Speichel, der die Magensäure abpuffert.

Diese wird allerdings weiter produziert und greift die Magen- und Darmschleimhaut an. Nicht nur Verhaltensauffälligkeiten oder -störungen bis hin zum Weben oder Koppen, sondern auch Magengeschwüre und Koliken können die Folge einer mangelhaften Versorgung und zu langer Fresspausen sein.

Kommt jetzt noch Stress durch das Training hinzu, sind weitere Probleme vorprogrammiert. Pferde sollten so gehalten werden, dass ihr Bedürfnis nach einer steigen Aufnahme von faserreichem Futter gestillt wird. Dazu gibt es verschiedene Ansätze: stets genügend Raufutter in der Box, Offenstallhaltung mit Auslauf und entsprechender Fütterung oder mehr Weidegang. Obwohl auch hier darauf geachtet werden muss, dass die Pferde genug Gras aufnehmen können. Der letzte Sommer war zum Beispiel so heiß und regenarm, dass viele Vierbeiner auf völlig trockenen, kurzen Wiesen ins Leere gestarrt haben.

Raufutter

Raufutter ist faser- und strukturreich, aber relativ energiearm. Es bildet die lebensnotwendige Basis der Pferdefütterung und kann in trockenes Raufutter (Heu oder Stroh) und feuchtes Raufutter (z. B. Heulage) unterteilt werden.

Um eine intakte Verdauung zu gewährleisten, muss dem Pferd ausreichend Raufutter zur Verfügung stehen. Das sollten mindestens 1.500 Gramm, besser zwei Kilogramm kaufähige Rohfaser pro 100 Kilogramm Körpergewicht pro Tag sein. Ein Pferd mit einem Gewicht von 500 Kilogramm sollte pro Tag also mindestens siebeneinhalb Kilogramm Heu bekommen. Bei Sportpferden muss die Ration entsprechend der Leistung angepasst werden. Hochwertige Heulage kann zum Beispiel für Allergiker, Pferde mit Atemwegserkrankungen oder Staubempfindlichkeit eine gute Alternative sein. Dabei ist darauf zu achten, dass die Heulage möglichst trocken und wenig vergoren ist, da die beim Gären entstehende Milchsäure nicht gut für die Verdauung des Pferdes ist. Für Pferde eher nicht geeignet ist richtige Silage, die deutlich nasser und saurer ist. Stroh wird häufig nur als Einstreu für Box oder Offenstall gesehen. Doch hochwertiges und staubarmes Stroh ist durchaus eine gute Ergänzung des Raufutters. Da Stroh sehr faserreich ist, muss sich der Darm langsam auf dieses Raufutter einstellen.

Kraftfutter

Dazu zählen Getreidearten wie Hafer, Gerste, Mais, aber auch Müsli mit verschiedenen Inhaltsstoffen.

Gegenüber anderen Getreidesorten ist Hafer noch relativ energieund eiweißarm. Dabei ist er in der Regel sehr gut verträglich, und die Pferde können die enthaltenen Nährstoffe nahezu vollständig verwerten. Deutlich energiereicher und weniger gut verdaulich ist dagegen Gerste.

Ziemlich fettig, aber eiweiß- und rohfaserarm sowie schwer verdaulich ist Mais. Müslimischungen sind in ganz unterschiedlichen Varianten erhältlich – beispielsweise eiweißreduziert, getreide- und zuckerfrei oder aber energiereich.

Kraftfutter kann sowohl als Zusatz zum täglichen Raufutter gegeben werden sowie eine schnelle Energiezufuhr vor oder nach dem Training bezwecken. Dabei spielt die Zusammensetzung eine Rolle, denn je mehr Rohfaser das Müsli enthält, desto weniger Energie liefert es. Dafür sind jedoch mehr Vitamine und Mineralien enthalten. Pferde, die Turniere gehen, benötigen einen anderen Futterplan als Freizeitpferde mit leichter Belastung.

Wie viel Kraftfutter ein Pferd tatsächlich benötigt, hängt unter anderem von Faktoren wie der geleisteten Arbeit, dem Alter oder dem Gesundheitszustand ab. Es gibt eher leichtfuttrige Pferde, die schneller zunehmen, und solche, die eher schwer zunehmen und daher größere Mengen benötigen, um ihr Gewicht zu halten. Sie können die Futtermengen auch mal von Tag zu Tag leicht varriieren und zum Beispiel nach dem anstrengenden Training eine Handvoll extra Futter geben.

Den Bedarf individuell decken

Pferde brauchen nicht nur Wasser und Eiweiß, sondern auch Kohlenhydrate, Fett, Mineralien, Spurenelemente und Vitamine. Durch qualitativ hochwertiges Heu kann der Erhaltungsbedarf des Pferdes gedeckt werden. Manche Pferde und Ponys kommen auch noch bei leichter Arbeit problemlos ohne Kraftfutter aus. Dennoch sollte die Fütterung nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die Heuqualität ist nicht immer gut und kann sich von Ballen zu Ballen unterscheiden. Über Kraft- und Zusatzfuttermittel kann nicht nur der erhöhte Energiebedarf, sondern auch der Bedarf an Mineralstoffen gedeckt werden.

Zudem muss beachtet werden, dass manche Pferde einen höheren Grundbedarf haben. Zum Beispiel hoch im Blut stehende Rassen. Verschiedene Faktoren beeinflussen den Energie- und Nährstoffbedarf des Pferdes. So benötigt ein Sportpferd, das täglich Leistung erbringt, ein Kraftfutter mit einem höheren Energiewert als ein Freizeitpferd, das nur leicht gearbeitet wird. Allerdings steigt der Energiebedarf nicht nur durch sportliche Belastungen. Auch heranwachsende Fohlen oder (hoch-) tragende Stuten haben einen erhöhten Nährstoffbedarf. Zu den gängigen Kraftfuttern zählen Hafer, aufgearbeiteter Mais, Gerste und Mischfutter. Das Getreide liefert neben Mineralstoffen und Vitaminen auch etwas Fett und viel Eiweiß, das zum Muskelaufbau benötigt wird. Während Hafer das traditionellste Kraftfutter für Pferde ist, gelten Gerste und Mais als schwerer verdaulich. Kraftfutter ist in verschiedenen Formen erhältlich.

Von Einzelfuttermitteln über Pellets aus zerkleinerten und gepressten Futterteilen bis hin zu diversen Müslisorten. Dabei werden unterschiedliche Getreidesorten miteinander vermischt. Manchmal sind Getreidekörner in ihrer ursprünglichen Form enthalten oder gequetscht, geschrotet beziehungsweise in Flockenform. Ob Sportler mit erhöhtem Energiebedarf oder Freizeitpferd mit Stoffwechselstörungen – Kraftfutter- und Müslimischungen sind in allen möglichen Varianten erhältlich. Die entsprechende empfohlene Futtermenge des jeweiligen Herstellers ist in der Regel auf den Futtersäcken angegeben.

Auch wenn die Fütterung von Kraftfutter in vielen Ställen üblich ist, sollte sie gegebenenfalls überdacht werden. Hat das Pferd nur ein geringes Arbeitspensum oder nimmt es leicht zu, dann muss nicht unbedingt Kraftfutter in den Trog. Für die Berechnung des Energiebedarfs des Pferdes gibt es spezielle Tabellen.

Nur durch Kauen produziert das Pferd Speichel, der die Magensäure abpuffert

Ist getreidefrei besser?

Doch nicht nur Faktoren wie das Training, sondern auch das Klima, das Alter und der Gesundheitszustand des Pferdes haben einen Einfluss auf den Bedarf. Daher ist bei der Fütterung auch das Auge des Besitzers gefragt. Fällt Ihnen zum Beispiel auf, dass Ihr Pferd abnimmt und das Fell stumpfer wird? Dann kann das möglicherweise an einer Unterversorgung liegen. Im Gegensatz dazu gibt es auch Pferde, die schnell zunehmen oder gesundheitliche Probleme haben.

Ein Grund, warum das Interesse an getreidefreiem Futter stark zugenommen hat. Von der Industrie wird es als gesünder, besser verträglich und weniger belastend beworben. Diesen Kraftfuttersorten werden statt Getreide unter anderem gehäckseltes Heu oder Luzerne, Grünhafer, Gemüseoder Obststückchen beigemischt. In kleinen Mengen sind diese Futtermittel auch für Pferde, die eigentlich kein Kraftfutter benötigen geeignet. Getreidefrei ernährt werden sollten Pferde, die Getreide nicht gut vertragen oder an Magengeschwüren leiden. Oft ist jedoch der Gehalt an Zucker in getreidefreien Müslis höher als in Einzelfuttermitteln. Rehegefährdete oder bereits betroffene Pferde und Ponys dürfen auf keinen Fall zuckerhaltige Futtermittel bekommen.

Hafer – Fluch oder Segen?

„Mein Pferd sticht der Hafer“ – ist an dieser Redewendung wirklich etwas dran, und gibt es Pferde, die auf Hafer mit einem regelrechten Energieüberschuss reagieren?

Während manchen Pferdebesitzern aus Prinzip kein Hafer in den Trog kommt, schwören andere auf das Getreide. In Kombination mit Heu ist und bleibt Hafer die Grundlage der Pferdefütterung. Im Vergleich zu anderen Getreidesorten besitzt Hafer einen hohen Gehalt an Rohfaser. Daher wird das energiereiche Kraftfutter auch intensiver eingespeichelt, was wiederum von großer Bedeutung für das Abpuffern der Magensäure und die weitere Verdauung ist.

Die Energie des leicht verdaulichen Hafers gelangt schnell ins Blut, was eine kurzfristige Leistungssteigerung bewirken kann. Das kann also der Grund sein, warum der Hafer „sticht“. Doch nicht selten sind es auch andere Gründe, die zum Beispiel zu einer vermehrten Nervosität oder zu einem explosiven Verhalten unter dem Sattel führen. Fehlen dem Pferd generell Auslauf oder Sozialkontakte? Bekommt es genügend Raufutter, oder steht es den ganzen Tag ohne Futter in der Box und leidet es womöglich an Magenproblemen? Eine weitaus ruhigere Energie wird Gerste zugesprochen. Denn die enthaltene Energie wird langsamer freigesetzt. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel nicht so stark an. Im Vergleich zum Hafer besitzen Gerste und Mais eine geringere Stärkeverdaulichkeit. Das liegt unter anderem an der Struktur und Größe der Stärkekörner.