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Begegnungen mit Bären


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 120/2022 vom 11.11.2022

ANWOHNER AM LACHSFLUSS

Artikelbild für den Artikel "Begegnungen mit Bären" aus der Ausgabe 120/2022 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 120/2022

?Hey, Thomas, Du bekommst Besuch!? ? Wie Begegnungen zwischen Anglern und Bären ausgehen, das hängt sehr vom Verhalten des Anglers ab. Thomas und der Autor verbrachten mit dieser Bärin und ihren Jungen eine Woche Schulter an Schulter beim Lachsfischen.

Niemals, unter keinen Umständen, darf man zwischen eine Bärin und ihr Junges geraten! Doch es ist zu spät. Als er den Jungbären hinter sich entdeckt, schießt die wütende Grizzlybärin bereits aus den Büschen hervor und richtet den Trapper aufs Übelste zu, zerlegt ihn förmlich…

Diese Bilder gehen mir durch den Kopf, als Thomas, Greg und ich durch das Buschwerk am Ufer eines kleinen Flusses in Alaska entlanglaufen. „Greg, hast Du den Film ‚The Revenant’ gesehen?“ „Den mit Leonardo DiCaprio? Ja, habe ich. Muss auch gerade an die Szene denken…“

Das mulmige Gefühl wird nicht besser, als wir dem Pfad durch die Büsche folgen. Es ist ein Bärenpfad! Ein mächtiger Haufen Bärenkot rechts, mehrere Quadratmeter plattgelegenes Gras links, ein frisches Pfund Lachs-Eingeweide mitten auf dem Weg. Greg, der mit seiner Bären-Büchse vorneweg geht, ruft „Hello Bear, here we are!“, um einen eventuell ...

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... schlafenden Grizzly rechtzeitig auf uns aufmerksam zu machen. Ich gehe mit geschulterter Kamera hinten und rufe „Hello Bear, Lunch is ready!“ und hoffe, dass der Grizzly keine Probleme mit seinen Ohren hat. Thomas geht in der Mitte, dreht sich um und fragt: „Hattest Du eigentlich Bacon zum Frühstück? Bären lieben Bacon…“.

Nach 20 Minuten Fußmarsch weitet sich der Willie Creek. Im flachen Wasser sind Kiesgrund und Geröll zu erkennen – und reichlich Rotlachse! Das ideale Jagdgebiet für Ursus arctos horribilis! Thomas und ich postieren uns mit unseren Teleobjektiven wie Scharfschützen im Gebüsch einer steilen Abbruchkante, knapp 10 Meter über dem Fluss, Greg sichert uns nach hinten hin großkalibrig ab. Und dann beginnt das Warten auf einen 400 Kilogramm großen Lachsjäger. Wir warten auf einen Grizzly.

BRAUNBÄREN GIBT ES VON ALASKA BIS GRIECHENLAND!

Es zieht mich in Bären-Länder. Ich habe bereits die Schwarzbären und Grizzlys in Kanada besucht, war mit Kodiakbären auf Kodiak unterwegs, habe Eisbären in Nunavik gefilmt und zusammen mit Kamtschatkabären auf Kamtschatka gefischt. Das passte gut, denn wissenschaftlich heißt der Kamtschatkabär mit Nachnamen „piscator“, lateinisch für „Fischer“.

Bären sind, genau wie wir Angler, gerne an Flüssen unterwegs. Besonders gerne natürlich an Lachsflüssen. Doch Bären leben nicht nur in fernen Ländern, wie Kanada und Alaska. Bären sind auf der Nordhalbkugel viel mehr verbreitet als so man einer glauben mag. Was zum Beispiel nur wenige wissen: Auch in Europa gibt es derzeit rund 17.000 Braunbären (Schätzung des WWF), die meisten davon leben in den Karpaten. Karpaten klingt weit entfernt, sicher, doch auch dicht vor unserer Haustür, in Slowenien, leben 500 Braunbären. Mindestens! Vermutlich sind es doppelt soviel …

Auch in Schweden, Norwegen und Finnland leben diese großen Bären, in Finnland geht man aktuell von 3.000 Braunbären aus. Und es gibt diese großen Tiere, Überraschung, auch in Italien, Spanien, Bulgarien und sogar in Griechenland! Hätten Sie das geahnt oder sogar gewusst? Mir war das bis vor wenigen Jahren nicht bekannt.

„Der Unterschied zwischen Grizzlykacke und Schwarzbärenkot? In Grizzlykacke findest Du Reste von Wathosen und Rutengriffen …“

HUNDE, PFERD UND PILZE SIND GEFÄHRLICHER ALS BÄREN

Wenn man mich fragt, ob ich bei der Begegnung mit den Bären denn keine Angst gehabt habe, lautet meine Antwort: „Respekt ja, Angst nein. Hunde und Pilze sind gefährlicher.“ Immerhin sterben pro Jahr in Deutschland im Schnitt 3 Menschen durch Hundebisse, ebenso viele übrigens durch Pilzvergiftungen. Zum Vergleich: Bei Reitunfällen sterben rund 15 Menschen pro Jahr.

Okay, okay, zugegeben: Bären sind große Tiere, und von Tieren dieser Größe geht immer eine Gefahr aus. Braunbären, zu denen auch Grizzly und Kodiakbär gehören, sind jedoch nicht von Natur aus aggressiv und der Mensch gehört nicht in ihr Beuteschema. Beim Eisbären ist das ein wenig anders, doch die Wahrscheinlichkeit, beim Fischen über einen Ursus maritimus zu stolpern, die ist wirklich sehr, sehr gering. Mit meinem Freund Thomas bin ich weit in den arktischen Bereich Kanadas gereist, um diese imposanten Tiere beobachten und fotografieren zu können. Mir ging, ehrlich gesagt, der Arsch auf Grundeis, als wir diesem imposanten Raubtier gegenüberstanden!

Wie gesagt: Braunbären greifen keine Menschen an, denn sie betrachten uns nicht als Beute. Wenn es so wäre, würde kein Mensch einen Bärenangriff überleben, garantiert nicht! Ein Bär greift an, wenn er seine Jungen oder sich bedroht fühlt. Oder weil er denkt, Sie machen ihm sein Fressen oder sein Revier streitig. Normalerweise …

DER TRAGISCHE TOD DES TIMOTHY TREADWELL

Wer sich mit Bären beschäftigt, der wird die Geschichte von dem Fotografen kennen, der unter Bären lebte und von diesen getötet und gefressen wurde. Timothy Treadwell war sein Name, sein Buch „Unter Grizzlys“ machte ihn bekannt. Sogar so, dass er es im Februar 2001 in die amerikanische Late-Night-Show von David Letterman schaffte. Während der Show sagte Timothy, dass er sich unbewaffnet unter Bären in Alaska sicherer fühle als im Central Park in New York. Welch eine fatale Fehleinschätzung dies war, das konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen. Nur zwei Jahre später wurden Timothy Treadwell und seine Freundin Amie Huguenard von einem oder mehreren Bären getötet, ihre Leichen wurden von einem Piloten gefunden. Ein Grizzly hatte die angefressenen Leichen der Beiden verscharrt, wie es diese großen Braunbären mit ihren Nahrungsvorräten häufig machen.

Die beiden Zelte des Paares waren unbeschädigt, ein klarer Hinweis darauf, dass die beiden von dem Bären nicht angegriffen wurden, während sie schliefen oder während sie sich im Zelt aufhielten, sondern außerhalb der Behausung.

GRUNDREGELN FÜR DIE BEGEGNUNGEN MIT BÄREN

Wenn Sie irgendwo auf der Welt in Gebieten mit Bären unterwegs sind, sollten Sie diese Vorsichtsmaßnahmen beherzigen: Was auf keinen Fall passieren darf: Geraten Sie nicht zwischen eine Bärin und eines ihrer Jungtiere! Behalten Sie ALLE Bären im Blick und achten Sie darauf, dass sich kein Jungbär unbemerkt in Ihren Rücken schleicht! Das ist mir fast passiert, ich konnte den Jungbären mit tiefer Stimme gerade noch daran hindern. Sieht eine Bärin ihr Junges in Gefahr, greift sie an. Oft sind es nur Scheinangriffe, die wenige Meter vor der Bedrohung stoppen, doch wer behält schon die Nerven, wenn so ein mehrere hundert Kilo schweres, wütendes Muskelpaket auf einen losstürmt?

Laufen Sie NIEMALS weg! Weglaufen löst den Jagdtrieb aus und ein Bär ist schneller als Sie, garantiert! Bären erreichen problemlos 40 km/h.

Vorsicht, wenn Sie Aasgeruch wahrnehmen! Bären fressen Aas. Ganz gleich, ob ein toter Elch im Wald oder ein toter Wal am Strand liegt, der Bär betrachtet den Kadaver als sein Essen. Und beim Essen hört der Spaß auf – selbst bei einem Walkadaver, den der Bär niemals alleine verputzen könnte. Füttern Sie NIEMALS Bären! Kommt der Bär auf den Geschmack, will er mehr. Jetzt, hier, gleich und sofort! Und wo der leckere Müsli-Riegel, Lachs, Apfel oder sonst was herkam, da könnte ja noch mehr sein. Und die Idee, dass der Bär dankbar und satt sein könnte, die ist einfach nur naiv. Ein Grizzly kann an einem Tag bis zu 40 Kilogramm Futter verdrücken! Man kann es nicht deutlich genug sagen: Lassen Sie es, füttern Sie nie einen Bären! Die Leibesvisitation eines hungrigen Bären, der nach dem zweiten Müsli-Riegel sucht, die möchten Sie nicht erleben, wirklich nicht! Gleiches gilt beim Angeln: Wenn Sie einen Fisch an der Rute haben und ein Bär nähert sich, senken Sie die Rute zur Wasseroberfläche, damit der Fisch nicht an der Oberfläche platscht oder springt. Für einen Bären ist das wie eine Mittagsglocke. Blockieren Sie notfalls die Angelrolle, damit der Fisch abreißt oder sich der Haken löst. Mit einem Bären sollten Sie sich NIEMALS um einen Fisch streiten. Nahrungsmittel: Diese gehören in Bärenländern NIEMALS ins Zelt, bewahren Sie Lebensmittel immer weit abseits Ihres Schlafplatzes auf. Bären mögen keine Überraschungen! Schleichen Sie daher nicht durchs Gelände, sondern machen Sie sich bemerkbar, vor allem, wenn Sie gegen den Wind laufen (der Bär kann Sie dann nicht riechen). Reden ist in diesem Fall Gold. Eine Glocke am Rucksack oder klapperndes Blechgeschirr ebenfalls. Geben Sie sich als Mensch zu erkennen, bewegen Sie sich ruhig und bringen Sie einen Bären niemals in eine für ihn unangenehme Situation, das könnte echt unangenehm enden – für Sie.

„Wie unterscheidest Du ganz schnell Braun- von Schwarzbär? Klettere auf einen Baum. Der Schwarzbär klettert hinterher, der Braunbär schüttelt Dich runter..“

DAS WARTEN AUF DEN GRIZZLY

Der große Grizzly, auf den wir am Anfang dieser Geschichte warteten, tauchte nicht auf. Schade, aber kein Problem. Denn Thomas und ich hatten bereits viele, viele beeindruckende Begegnungen mit Schwarz-, Braun- und Eisbären. Apropos Eisbär: Bei Begegnungen mit diesem großen Bären geht mir wirklich die Pumpe!

Und unbewaffnet sollte man sich in Gegenden, in denen Eisbären an Land unterwegs sind, nicht alleine bewegen. Anders als seine dunkelhaarigen Verwandten ist der Eisbär ein reiner Fleischfresser! Er heißt zwar Ursus maritimus, also „Meeresbär“, ist aber in den Sommermonaten an Land unterwegs. Dass Eisbären im Sommer fasten, stimmt nicht, zumindest nicht generell. Wir haben in Arctic Quebec Eisbären beobachtet, die an Flüssen große Saiblinge gefischt haben – wir hingegen haben aus verständlichen Gründen aufs Fischen verzichtet.