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„Bei Bayern musst du vorsingen –bei Chelsea vortanzen!“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 26.01.2022

BUNDESLIGA

Artikelbild für den Artikel "„Bei Bayern musst du vorsingen –bei Chelsea vortanzen!“" aus der Ausgabe 4/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 4/2022

„Ich werde nie aussehen wie Leon Goretzka, aber Muskelmasse sollte ich schon zulegen“

SPORT BILD: Jamal Musiala, Paul Wanner hat Ihnen im Alter von 16 Jahren und 15 Tagen den Rekord als jüngster Bundesliga- Spieler der Bayern-Geschichte abgejagt. Wie froh sind Sie, nicht mehr länger das Bambi im Klub zu sein?

JAMAL MUSIALA (18): Paul ist ein Super-Typ und ein Riesentalent. Sein Debüt freut mich sehr. Denn es ist wirklich cool, dass ich nun nicht mehr der Jüngste im Team bin. So darf ich Paul sagen: „Ab jetzt trägst du die Bälle auf dem Platz!“ (lacht)

Sie haben die Chelsea-Jugend in England durchlaufen. Aus der Premier League hört man viele Geschichten, was Jungspieler bei den Profis zum Start alles „erleiden“ müssen. Kennen Sie da Beispiele?

Ein paar ehemalige Mitspieler haben mir Videos geschickt, was sie zum Einstand so machen mussten. Zum Beispiel vor den gestandenen Spielern tanzen. ...

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... Jeder einzeln – eine Minute lang. Vor den Profis und dem gesamten Trainer- Team! Ich würde das wirklich nicht machen wollen.

Bei Bayern müssen junge Spieler vorsingen ...

Für mich war es nach einem 3:0 in der Champions League beim FC Barcelona soweit. Nach dem Essen hieß es plötzlich: „So, jetzt singen die jungen Spieler!“ Ich habe Bruno Mars’ „Billionaire“ gewählt. Mein Vorteil war: Ich hatte den Song schon bei den Amateuren vorsingen müssen, und er ist schön kurz.

Mussten Sie allein ran?

Nein. Im Anschluss mussten sogar die neuen Trainer singen, auch Julian Nagelsmann. Das macht es einem leichter. Singen ist nicht ganz so schlimm wie das Vortanzen in England.

Sie haben in den U-Nationalmannschaften bei England mit Dortmunds Jude Bellingham gespielt, der noch heute ein Kumpel von Ihnen ist. Ist er zum falschen Klub gewechselt, um Meister zu werden – und hat er diese Erkenntnis schon zugegeben?

Wir schreiben und reden natürlich öfters miteinander, aber nicht über Dortmund und Bayern. Wir sind gute Freunde und kennen uns schon lange, da geht es dann nicht immer nur um Fußball.

Glauben Sie, dass die Meisterschaft bei sechs Punkten Vorsprung noch mal spannend wird?

Das haben wir selbst in der Hand! Wir sind der FC Bayern und haben vor, Spiel für Spiel zu gewinnen. Jedes einzelne! Wir sind kein Klub, der auf die Konkurrenz schaut – wir schauen nur auf uns.

Das klingt nach dem berühmten „Mia-san-mia“-Sieger-Gen. Wie sehr haben Ihnen Kollegen wie Manuel Neuer, Thomas Müller und Robert Lewandowski diese Mentalität eingeimpft?

Ich wollte schon als Kind immer gewinnen. Das auch im Profifußball auf höchstem Niveau zu übertragen, lernst du tatsächlich beim FC Bayern am besten. Das ist auch mentales Training, das du hier bekommst. Manu (Neuer; d. Red.) ist jetzt 35 Jahre alt, wird 36. Und trotzdem ist nicht abzusehen, dass er irgendwann einmal nachlassen könnte. Ich glaube, er kann noch in fünf Jahren im Bayern-Tor stehen.

Thomas Müller, der Ihre Lieblingsposition in der Zentrale hinter der Spitze spielt, traut Ihnen zu, sein Nachfolger zu werden. Können Sie für diese Rolle so viel reden wie Müller?

So viel wie Thomas kann wohl niemand anderes im Profi-Fußball reden (lacht). Mit so jemanden wie ihm habe ich noch nie zusammengespielt. Thomas ist ein überragender Fußballer und ein Typ, den es so kein zweites Mal gibt. Aber er hilft uns Mitspielern damit tatsächlich viel auf dem Feld. Was sein Erbe betrifft: Thomas wird wie Manu sicher noch viele Jahre spielen. Danach wird seine Art und seine Rolle von niemandem zu ersetzen sein. Sollte ich dann auf seiner Position spielen dürfen, bringe ich einen neuen, eigenen Style rein.

„Wir sind kein Klub, der auf die Konkurrenz schaut – wir schauen nur auf uns“

Mit Ihren Dribblings durchs Zentrum begeistern Sie. Wo haben Sie das gelernt?

Ich habe mir als Kind auf der Straße immer Hütchen aufgestellt. Nicht, weil ich dachte, ich müsste für eine Profikarriere trainieren. Es hat mir einfach viel Spaß gemacht, sie zu umdribbeln. Die Läufe mit Ball am Fuß sind darum heute eine meiner Stärken, da ich da schwerer vom Ball zu trennen bin. Ich bin körperlich noch nicht so stark wie gestandene Profis, deshalb musste ich einen anderen Weg für erfolgreiche Zweikämpfe finden.

Wie sehr müssen Sie körperlich noch zulegen?

Ich werde wohl nie so aussehen wie Leon Goretzka, das ist aber auch gar nicht mein Ziel, weil mich das in meinem Spiel eher behindern würde. Ich trainiere viel fußballspezifische Athletik und bin gut im Bällestehlen und habe eine clevere Zweikampfführung. Größe und Stärke sind nicht alles, ich bin dafür beweglich und agil.

Sie haben als Kind die koreanische Kampfkunst Habkido betrieben. Sind Sie heute auch noch kampftechnisch gefährlich?

Ja, ich kann auch gefährlich sein (lacht). Habkido hat mir sehr für meine Flexibilität geholfen. Mit dem Nebeneffekt, dass Habkido mich auch auf andere Gedanken gebracht hat, weg vom Fußball.

In Ihrer Grundschule „Corpus Christi Primary School“ in New Malden waren Sie im Schachklub. Hilft Ihnen das im Fußball?

Im Mittelfeld muss man sich tatsächlich strategisch bewegen und vorausdenken. Vor allem: Ich muss immer richtig stehen, wie die Figuren auf dem Schachfeld. Nagelsmann setzt Sie auch als Sechser ein. Wie bereitete Sie der Trainer auf die neue Rolle vor?

Der Trainer hat mir viele Tipps gegeben, wie ich richtig auf den Gegner draufgehe, welche Laufwege wichtig sind und wie und wann ich die Zweikämpfe annehmen muss. Er erwartet von mir auf dieser Position zwei Rollen: Wenn wir in der Defensive sind, bin ich ein Sechser. Wenn wir in die Offensive gehen, spiele ich einen zweiten Achter neben Thomas Müller.

Sie arbeiten auch an Ihrer Atmung und Ernährung.

Früher habe ich viele Eier gegessen, gerade Rührei oder Omelette – ich liebte es. Jetzt weiß ich, dass dies für mich als Sportler nicht so gut ist und lasse es weg, gerade am Tag vor dem Spiel. Das tut schon ein wenig weh. Denn Rührei schmeckt schon verdammt lecker, aber eine Blutanalyse hat ergeben, dass mir das nicht so guttut.

„Ich will eine große Rolle im DFB-Team spielen. Meine Zeit in der Startelf wird kommen“

Wie weh tut es Ihnen, Robert Lewandowski beim Essen zuzusehen, der auch in Sachen Ernährung ein Weltfußballer ist?

Es ist cool zu sehen, wie professionell Robert sich ernährt. Er ist 33 Jahre alt und könnte nicht fitter sein. So ein Vorbild im Team zu haben spornt mich an. Bei ihm kann man sehen, wie seine Professionalität die Karriere verlängert.

Flügelspieler, Zehner, Sechser – könnten Sie auch als Stürmer spielen?

In der Chelsea-Jugend habe ich oft die Neun gespielt, ja. Da vorn drin zu spielen ist cool. Wenn mir die Rolle in Zukunft angeboten würde, würde ich nicht Nein sagen. Ich liebe es, Tore zu schießen.

Beim FC Bayern ist die Neuner- Position mit Lewandowski bestens besetzt, in der deutschen Nationalelf herrscht da eher Bedarf.

Ich denke, es ist kein Plan von Hansi Flick, dass ich Neuner werde. Auch wenn mir Toreschießen schon viel Spaß macht.

Flick traut Ihnen die Position in Sachen Tor-Abschlüsse durchaus zu, sieht allerdings bei Ihren Kopfbällen noch Verbesserungspotenzial.

Vielleicht sollte ich mich mal wieder intensiv ans Kopfballpendel stellen, bevor ich ein Neuner werde. Hermann Gerland (ehemaliger Bayern-Co-Trainer; d. Red.) hat mich früher oft dorthin zum Training gestellt. Dem „Tiger“ habe ich daher auch mein erstes Kopfballtor für Bayern zu verdanken.

Was sind Ihre DFB-Ambitionen im WM-Jahr?

Ich will eine große Rolle im Team spielen. Das kann ich auch als Helfer. Sollte es nicht für die Startelf reichen, dann eben gerne als Joker. Ein bisschen mehr Minuten als bei der EM im vergangenen Sommer dürfen es bei der WM schon werden.

Es waren bei Ihrem ersten Turnier neun Minuten ...

Die Niederlage im EM-Achtelfinale gegen meine Zweitheimat England hat mir sehr wehgetan, weil ich erst in der Nachspielzeit eingewechselt wurde und kaum helfen durfte. Da war ich natürlich enttäuscht. Ich weiß aber: Meine Zeit in der Startelf wird kommen.

England hat viele junge Topstars wie Mount, Saka oder Bellingham. Ist diese Generation der „Three Lions“ auf dem Weg zum WM-Titel aufzuhalten?

England hat unfassbar viele gute Spieler, das stimmt. Ich kenne noch viele weitere Talente in den Jugendmannschaften, die noch durchstarten werden. England hat definitiv das Potenzial für große Titel. Wir als Deutschland wollen aber dafür sorgen, dass dies nicht passiert.

Ist die Bundesliga das perfekte Sprungbrett für englische Talente?

In der Premier League den Durchbruch zu schaffen ist verdammt hart. Für Jadon Sancho, Jude Bellingham und mich war die Bundesliga der ideale Schritt. Die jungen Spieler in England sehen das, und ich glaube, dass einige unserem Weg in die Bundesliga folgen wollen.

„Bei FIFA auf der Playstation hätte ich mir ein anderes Rating gewünscht als die 75“

Beim FC Bayern sind Sie auf dem Weg zum Stammspieler. Stellen Sie sich denn selbst auf der Playstation auf?

Ja, das bin ich mir schuldig. Der digitale „Jamal“ ist aber nicht so ein guter Spieler, hat zu viele Ballverluste. Dafür, dass es meine erste FIFA-Karte ist, will ich mich nicht beschweren. Auch wenn mir ein Rating von 90 oder zumindest 80+ schon lieber wäre als die 75, die ich habe. Was Schnelligkeit, Schießen oder Technik betrifft, sehe ich mich da schon besser als bei der FIFA- Bewertung. Fürs Erste ist es aber einfach cool, mich in diesem Spiel zu sehen.