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Bei Fieber & Erkältung: Starke Weiden


LandApotheke - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 11.09.2019

Der Begriff„Salix“ für Weide trägt die Salicylsäure bereits im Namen: Ein starker Helfer, der uns gesund und schmerzfrei über den Winter bringt. Isabella Zauscher zeigt uns auf ihrem Hof am Mieminger Plateau die wunderbare Kraft dieses starken Baums.


Artikelbild für den Artikel "Bei Fieber & Erkältung: Starke Weiden" aus der Ausgabe 4/2019 von LandApotheke. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: LandApotheke, Ausgabe 4/2019

Als Tee, Tinktur, Creme oder Auszug – Weide bringt uns gesund durch den Winter


Die große Weide in Isabellas Garten, vermutlich ein Hybrid aus Trauer- und Silberweide


Ganz sachte kratzt Isabella Zauscher die Weidenrinde von dem Ast, den sie soeben geschnitten hat. So wie es unsere Vorfahren vermutlich vor hunderten oder sogar tausenden von Jahren auch schon ...

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... taten. Schon die Mittelaltermedizin kannte die Weide als schmerzstillendes und harntreibendes Mittel und der botanische Name „Salix“ trägt den wertvollen Inhaltsstoff, Salicin bzw. Salicylsäure, schon im Namen. Vor 200 Jahren wurde er erstmals aus der Weidenrinde isoliert und in der Medizin eingesetzt. Isabella Zauscher, Kräuterfachfrau hier auf dem malerischen Mieminger Plateau in der Nähe von Innsbruck, weiß: „Auch in Fachkreisen sind die fiebersenkenden und schmerzlindernden Eigenschaften der Weidenrinde anerkannt, dazu ihre Heilkraft bei rheuma tischen Beschwerden.“ 2014 befand sogar die Stiftung Warentest die Einnahme von Weidenrinde als „geeignet bei leichter Arthrose, leichten Gelenk- und Rückenbeschwerden sowie Verspannungen“ .

WERTVOLLER WIRKSTOFFMIX

Weidenrinde enthält neben einem hohen Anteil an Gerbstoffen mehr als 10 Prozent Salicylsäuren beziehungsweise Salicylate, dazu Gerbstoffe und Phenolglykoside. Zwei dieser Salicylate sind Salicin und Salicortin. Das Salicin wird im Körper zu Salicylsäure umgewandelt, Grundstoff von ASS-Medikamenten wie Aspirin. Und auch das wirkt ja anerkannt fiebersenkend, schmerzlindernd und antirheumatisch. Die Weide kann noch mehr: Auch länger anhaltende fieberhafte Erkrankungen, grippale Infekte, Kopfschmerzen, rheu matische Erkrankungen, durch Entzündungen hervorgerufene Schmerzzustände (z. B. Sehnenscheidenentzündung), Knochenhautentzündung, Neuralgien, Gicht, Gelenkschmerzen, Arthrose, Arthritis und chronische Rückenschmerzen bekommt man damit in den Griff. Auch als Durchfallmittel und zur Mundhygiene kann die Weidenrinde eingesetzt werden.

KAUM NEBENWIRKUNGEN

Das Erstaunliche: Die Wirkung der Weidenrinde ist viel stärker, als sie sein dürfte, bzw. als es dem Salicingehalt entspricht. Man geht davon aus, dass auch das Zusammenspiel mit den Wirkungen der anderen Inhaltsstoffe wie Flavonoide die heilenden Effekte verstärkt. Vor allem aus Silberweide (Salix alba) und Purpurweide (Salix purpurea) werden bis heute medizinische Wirkstoffe gewonnen. „Das heißt aber nicht, dass andere Weiden nicht auch heilkräftig sind, ich mache unseren Weidenrindentee für die Erkältungszeit aus unserem Trauerweidenhybrid im Garten“, so Isabella Zauscher.
Auch die Reifweide (Salix daphnoides), und die Bruchweide (Salix fragilis) werden für medizinische Zwecke gezüchtet. Das Gute an dieser natürlichen Medizin: Die natürliche Salicylsäure hat kaum Nebenwirkungen. Es wurde getestet, dass bei einer Tagesdosis für Erwachsene à sechs bis zwölf Gramm Rinde die Wirkung bis zu zwölf Stunden anhält. Dabei aber hemmt die Rinde kaum die Blutgerinnung. Also gibt es auch keine Mikroblutungen im Magen wie bei synthetischer Acetylsalicylsäure (ASS). Dafür aber hat es auch keinen Sinn, Weide zur Herzinfarkt-Vorbeugung einzunehmen. Bei einer Allergie auf Salicylate, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit sowie bei Kindern sollten übrigens Weidenrinde-Präparate nicht angewendet werden. Fragen Sie bei Kindern über vier Jahren erst Ihren Kinderarzt, ob die Einnahme unbedenklich ist, Kleinkindern geben sie keine Weide. Auch Asthmakranke, Menschen mit verengten Bronchien, Magen-Darm-Geschwüren oder Funktionsstörungen der Nieren oder Leber sollten zuerst mit dem Arzt sprechen, wenn sie Weidenrinde einnehmen wollen.

ERSTE BIENENWEIDE

Wie alle starken Drogen steht auch die Weide in Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen: Weidenrinde kann die Wirkung von gleichzeitig angewendeten blutgerinnungshemmenden und blutzuckerspiegelsenkenden Medikamenten verstärken, die Wirkung von Gichtmitteln aber vermindern.
Isabella Zauscher freut sich an der Vielfalt dieses Baums oder Strauchs: „Unter den 450 Weidenarten gibt es bis 30 Meter hohe Bäume, aber auch Zwergsträucher, die nur drei Zentimeter hoch werden. Im Frühjahr, noch vor den Blättern, erfreuen sie uns mit ihren puscheligen Weidenkätzchen, die erste Nahrung für Hummeln und Bienen. Im Sommer helfen ihre Blätter bei Insektenstichen, die Rinde schützt uns in der Läusezeit vor den Parasiten und im Herbst und Winter erspart sie uns den Weg zur Apotheke.“
Kati Hofacker

Kräuterfachfrau Isabella Zauscher muss nur wenige Meter gehen, um heilkräftige Kräuter und Bäume zu finden. Ihre Kräuterwanderungen und -kurse sind stets gut besucht


Weidenrinde selbst gewinnen

Im Winter werden Weiden in den Parks geschnitten


So kann man sich leicht Zweige besorgen, die man abschält


Die Rinde dann klein schneiden und trocknen


Tinktur aus Weidenrinde

gegen Kopfschmerzen und Migräne

ZUTATEN:
9 Teile frische Weidenrinde, 1 Teil Johanniskraut, 1 Teil Alkohol (60 %ig), 1 Schraubglas in geeigneter Größe, es soll mit Alkohol ganz angefüllt werden können

ZUBEREITUNG:
1 Die gewünschte Menge Weidenrinde fein schneiden. Ein Schraubglas der entsprechenden Größe damit locker zu zwei Drittel befüllen.
2 Mit dem 60%igen Alkohol das Glas ganz auffüllen.
3 Gut verschlossen 3 Wochen bei Zimmertemperatur ziehen lassen, dabei dunkel stellen und täglich 1 Mal schütteln. Abfiltern und in dunkle Flaschen bzw. Fläschchen füllen. Beschriften (Inhalt, Datum) und dunkel lagern. Haltbarkeit der Tinktur: 2 Jahre.

ANWENDUNG:
Erwachsene nehmen bei Bedarf nach den Mahlzeiten ein bis drei Mal täglich 20 Tropfen in etwas Wasser verdünnt ein, dabei vor dem Schlucken eine Zeit lang im Mund behalten. Schulkinder nehmen 7 bis 15 Tropfen mit 100 ml Wasser verdünnt ein.

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Weidensalbe

gegen rheumatische Beschwerden

ZUTATEN:
etwa 100 g getrocknete Weidenrinde für ein kleines Glas (1 EL sind etwa 13 g),ca. 150 ml Öl (zum Beispiel Olivenöl oder Kokosöl), 150 g Bienenwachs, 3 bis 5 Tropfen ätherische Öle ( Lavendel, Ingwer oder Thymian) pro 50 ml Basisöl

ZUBEREITUNG:
1 Zwei Drittel des Glases mit getrockneter Weidenrinde füllen, mit dem Öl (zum Beispiel Oliven- oder Kokosöl) bedecken und gut verschließen. Alles intensiv durchschütteln.
2 Etwa zwei bis drei Wochen an einen sonnigen Platz stellen und täglich schütteln.
3 Abseihen.
4 Anschließend das Bienenwachs und das Öl – jeweils getrennt – in einem Wasserbad erhitzen. Verwenden Sie hierfür genau so viel Bienenwachs, wie Sie Öl haben. Sobald das Wachs komplett geschmolzen ist, vermischen Sie es gut mit dem Öl, geben jetzt die ätherischen Öle hinzu und rühren so lange, bis die Masse eine zähe Konsistenz bekommt.
5 In Salbendosen abfüllen und abkühlen lassen.
6 Sollte die Salbe zu hart sein, noch etwas Öl hinzufügen. Sollte sie zu flüssig sein, etwas Wachs unterrühren. Die Salbe kann zu diesem Zweck auch immer wieder schonend erhitzt werden.

TIPP: Salbe zur besseren Haltbarkeit im Kühlschrank aufbewahren.

ANWENDUNG:
Mehrmals täglich die betroffenen Stellen damit massieren.

Shampoo

zur Kopfläuseprophylaxe

ZUTATEN:
250 ml Wasser, 2 EL Weidenrinde frisch oder getrocknet, 2 EL flüssige Seife auf Olivenölbasis, 2 Tropfen Lavendelöl

ZUBEREITUNG:
1 Weidenrinde in eine Tasse geben.
2 Das Wasser zum Kochen bringen und die Rinde damit übergießen. 20 Minuten ziehen lassen, Pflanzenteile durch ein feines Sieb abseihen.
3 Weidenrindentee abkühlen lassen und mit der flüssigen Seife mischen. Das Lavendelöl dazuträufeln und in eine Flasche füllen.

ANWENDUNG: Sobald die Läusezeit im Kindergarten ausgebrochen ist, waschen Sie Ihrem Kind die Haare ausschließlich mit diesem Shampoo gegen Kopfläuse. Am besten täglich, morgens, bevor Sie es in den Kindergarten bringen. Wenn Ihr Kind bereits befallen ist, sollten Sie mit dem Kinderarzt sprechen, das Shampoo funktioniert lediglich als vorbeugende Maßnahme

Kaltwasserauszug

bei Fieber, Entzündungen und bei Kopfschmerzen

ZUTATEN:
2 Teelöffel (ca. 7,0 g) Weidenrinde300 ml kaltes Wasser

ZUBEREITUNG:
1 Die Mischung über Nacht (8 bis 9 Stunden) ziehen lassen.
2 Am nächsten Morgen abfiltern.

ANWENDUNG:
Den Auszug über den Tag verteilt trinken. Dieser Absud ist praktisch, z. B. im Büro, wenn Sie keine Möglichkeit haben, den Tee jeweils frisch zuzubereiten.

Weidenrinden-Apfel-Tee

bei Fieber, grippalen Infekten, Kopfschmerzen, rheumatischen Erkrankungen, Entzündungen und Durchfall

ZUTATEN:
1 gut gehäufter EL getrocknete und zerkleinerte Weidenrinde einer der geeigneten Arten (z. B. Silberweide, Purpurweide, Bruchweide, Reifweide), ½ Apfel

ZUBEREITUNG:
1 Den Apfel schneiden, in einem Kochtopf die Weidenrinde und den Apfel mit dem kalten Wasser übergießen. Zugedeckt langsam erhitzen.
2 Fünf Minuten sanft köcheln lassen.
3 Abseihen. Weidenrindentee immer frisch zubereiten, nicht auf Vorrat kochen.

ANWENDUNG: Morgens und spätnachmittags, immer zur gleichen Zeit, z. B. um 8 Uhr und um 16 Uhr, nach dem Essen 1 Tasse frisch zubereiteten Tee schluckweise trinken. Bei Bedarf den Tee 3 Wochen lang trinken, dann 1 Woche aussetzen und wieder 3 Wochen lang trinken. Die volle Wirksamkeit des regelmäßigen Teekonsums macht sich nach ungefähr 2 Wochen Einnahme bemerkbar. Dem Tee kann auch, leicht abgekühlt, Zitronensaft und Honig beigegeben werden. Großen Kindern dem Gewicht entsprechend weniger geben – bis zur halben Erwachsenendosis

Weidenblätter medizinisch direkt anwenden

bei kleinen Wunden und Insektenstichen

ZUTATEN:
frische, saubere Weidenblätter, sauberer Mörser oder Messerchen

ZUBEREITUNG:
1 Blätter sorgfältig mit Wasser reinigen und trocknen.
2 Mit dem Mörser oder einem Messerchen zerkleinern. Zur Not kann man in der freien Natur auch ein Blatt mit den Fingern zerquetschen.

ANWENDUNG:
Auf Insektenstiche und kleine Wunden auflegen. Insektenstiche damit abreiben.

BESTELLSET

Isabella Zauscher schickt Ihnen ein Set aus 50 g Weidenrinde, 330 g Fruchtaufstrich, 500 ml Kräutersirup und 120 g Kräutersalz vom Mieminger Plateau. Für 19,00 Euro plus Porto aus Österreich.isabella@zauscherhof.at

KONTAKT

Isabella Zauscher, Ferienhof Zauscherhof
A-6413 Wildermieming, Unterfeld 3
Tel. +43 (0)6 64/8 31 24 13
E-Mail: isabella@zauscherhof.at
www.zauscherhof.com

Weidenrinde-Absud

bei Mundschleimhautentzündungen, Halsschmerzen, Zahnfleischbluten, bei verletzter Haut und schlecht heilenden Wunden und Hautschäden, bei übermäßigem Fußschweiß

ZUTATEN:
4 g Weidenrinde, 250 ml Wasser

ZUBEREITUNG:
1 In einem Kochtopf die Weidenrinde mit dem kalten Wasser übergießen. Zugedeckt langsam erhitzen.
2 Eine viertel Stunde sanft köcheln lassen. Abseihen.

ANWENDUNG:
Für ein Fußbad die Zutaten verdoppeln, ebenfalls 15 Minuten köcheln lassen. Anschließend dem Wasser des Fußbades beifügen.
Für ein Ganzkörperbad die achtfache Menge nehmen, ebenfalls 15 Minuten köcheln lassen . Anschließend zum Badewasser dazugeben.


FOTOS: BIRGID ALLIG. STYLING: MONIKA NODERER. PRODUKTION