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BELLE


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Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 03.06.2022
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Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 3/2022

In heutigen Zeiten der alternativen, virtuellen Realitäten und der Verlagerung des sozialen Lebens auf digitale Plattformen besinnt sich der japanische Animations- und Filmkünstler Mamoru Hosoda mit seinem jüngsten Film „Belle“ auf ein altes französisches Volksmärchen. Am 9. Juni startet sein visuell opulenter Ausnahme-Anime in den deutschen Kinos und dürfte nicht nur für japanophile Filmliebhaber einen Blick wert sein.

Wer Hosodas frühere Werke wie „Summer Wars“ (2009), „Ame & Yuki – Die Wolfskinder“ (2012) oder „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“ (2018) bereits kennt, wird sicher einige Gründe zur Vorfreude haben. Neben dem berühmten Oeuvre von Studio Ghibli stechen auch Hosodas Filme durch ihre hohe Produktionsqualität, ihre Detailverliebtheit und gefühlvollen wie lebensnahen Erzählungen aus dem scheinbar uferlosen Anime-Spektrum heraus und gelangten so zu internationalem Ruhm. Da wir uns im ...

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... Vorfeld „Belle“ bereits komplett zu Gemüte führen konnten, freuen wir uns, unsere Eindrücke hier teilen zu können – und es gibt so einiges Bemerkenswertes zu berichten.

La Belle et la Bête

Welches französische Märchen hier Pate stand, liegt schon vermöge des Titels auf der Hand. Die allermeisten werden vor allem den Disney-Trickfilm zu „Die Schöne und das Biest“ von 1991 kennen, vielleicht auch noch das 2017er Realfilm-Remake oder womöglich sogar die französisch-deutsche Koproduktion von 2014 mit Léa Seydoux und Vincent Cassel. „Belle“ lässt sich jedoch mit keiner dieser Umsetzungen vergleichen. Dafür ist Hosodas Vision dieser jahrhundertealten Erzählung viel zu einzigartig. Gleichsam sind seine Themen so universell wie in all seinen anderen Werken.

Alles beginnt mit der jugendlichen Schülerin Suzu. Die scheue und verschlossene Träumerin hat den frühen und tragischen Tod ihrer Mutter nie richtig verarbeitet. Gleich einer zentnerschweren Eisenkugel schleppt sie diese Last mit sich herum. Ihre eigentliche Gabe, ihre Stimme und ihr Gesang, liegen unter ihrem immensen Kummer verborgen. Kaum einen klaren Ton bekommt sie heraus. Doch Suzu lebt nicht in einem Märchen, sondern im modernen Japan der Jetztzeit, also in einer hoch technisierten und digitalisierten Zeit, in der eine gigantische Online-Plattform mit dem simplen Namen „U“ nahezu die gesamte Gesellschaft vereinnahmt und gleichsam wie ein virtuelles Abbild derselben erscheint, nur viel bunter und ausufernder. Viele Milliarden Menschen aus aller Welt tummeln sich auf diesem riesigen Spielplatz. Jeder Avatar wird über einen verschlüsselten Algorithmus aus dem digitalen Profil und den biometrischen Daten des jeweiligen Nutzers erstellt und ist somit ein Unikat. Wie das technisch funktionieren soll, will Hosoda in seinem Film gar nicht erklären. Entscheidend ist die Vision.

Zeige mir dein wahres Ich

Als sich Suzu einen eigenen Avatar erstellt, ist sie überrascht, dass eine ebenso zierliche wie hübsche junge Frau dabei herauskommt. Sie gibt ihr den Namen „Belle“. Suzus erster Eintritt in die endlosen Sphären von „U“ ist wie ein Befreiungsschlag. Hier gehorcht ihr ihre Stimme plötzlich wieder und ihr wunderschöner Gesang verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Community. Innerhalb kürzester Zeit sammelt sie riesige Fan-Scharen um sich, die ihren digitalen Konzerten verzückt lauschen. Ein Star scheint geboren. Doch wie im besagten französischen Märchen taucht auch in „U“ unvermittelt ein entstelltes Biest auf.

Gleich einer Mischung aus gehörntem Drachen und reißendem Werwolf sprengt es eines der großen Konzert-Events von Belle und prügelt sich wie ein unbesiegbarer Wahnsinniger durch die selbst ernannten Rächer von „U“ – bei letzteren handelt es sich um eine Art Polizeitruppe, die sich dem „Schutz“ jener Online-Gemeinschaft und ihrer eigenen Vorstellung von Gerechtigkeit und Ordnung verschrieben hat.

Belle alias Suzu ist fasziniert von diesem geheimnisvollen Nutzer, der seine inneren Narben offen auf dem entstellten Antlitz seines Avatars zur Schau trägt. Und je mehr Suzu in ihrem echten Leben an ihrer Suche nach Glück und letztlich an sich selbst zu scheitern droht, desto dringender will sie dieses „Biest“ finden und ihm helfen.

Denn seine tiefen seelischen Verletzungen kann sie nur allzu gut nachempfinden.

Das „U“-niversum

Was genau ist „U“ eigentlich? Das ist eine komplexe Frage, die der Film in vielen Aspekten bewusst offen hält. In „Belle“ wollen Regisseur Mamoru Hosoda und Concept-Artist Eric Wong kein reines Abbild bereits existierender Online-Plattformen darstellen. Ebenso wenig fokussieren sie sich auf eine besonders kritische Betrachtungsweise virtueller Realitäten oder von Social Media.

Stattdessen scheint für Hosoda und Wong ihre eigens erdachte Online-Welt eine Art digitales Utopia zu sein, innerhalb dessen sie ihre eigene Philosophie einer alternativen, virtuellen Realität verwirklichen wollen.

So ist Eric Wong mit der Darstellung von „U“ ein origineller Stil gelungen, der auf der strukturellen Ebene ästhetisch clever die Makro- mit der Mikro-Dimension verknüpft. Die megalomanische Metropolregion von „U“ erinnert optisch sowohl an Millionenstädte wie New York oder Tokyo samt gigantischer Monumentalbauten und dichten Verkehrsnetzen als auch an die Hauptplatine eines Computers, auf der sich alle wichtigen Hardware-Komponenten und Datenströme kreuzen. Hier scheint auch Disneys „Tron“ nicht weit entfernt, wo in den 1980ern schon die Idee verfolgt wurde, dass das vollgestopfte Innenleben eines Computers einer modernen, quirligen Großstadt ähnelt. Und doch ist Hosodas und Wongs Vision auch damit nicht vergleichbar. „U“ befindet sich ständig im Fluss. Fliegende Wolkenkratzer, gebündelt in riesigen Block-Gebilden, ziehen über- und aneinander vorbei wie in einem gigantischen, nicht abreißendem Datenstrom. „U“ kennt scheinbar keine Grenzen und wird stetig erweitert. Es soll alles und jeden abbilden, jeden Gedanken, jede Idee, jede Person, alles, was vorstellbar ist – ein allumfassendes, virtuelles Parallel-Universum. Ob das wirklich wünschenswert ist, steht allerdings auf einem anderem Blatt geschrieben.

Der digitale Marktplatz

Doch damit ist die visuelle Vielseitigkeit noch längst nicht erschöpft. Abseits dieses „städtischen“ Ballungsraumes finden sich in „U“ auch malerische, wolkenverhangene Landschaften, in deren Mitte jenes verwunschene, europäisch inspirierte Schloss verborgen liegt, auf dem Belle wie im Märchen zum ersten Mal persönlich dem Biest begegnet. In den weiten Gebieten dieses abgelegenen „No Man’s Land“ finden sich auch die Ruinen und die „Lost Places“ von „U“: Eingestellte Serviceplattformen von längst insolventen Konzernen, die von keinem Konsumenten mehr genutzt werden. Visuell symbolisiert durch leergefegte, in sich zerbröckelnde und ziellos frei schwebende Häuser- und Datenblockschluchten. So reiht sich ein visuelles Highlight von Szene zu Szene an das nächste und macht „Belle“ allein optisch zu einem echten Erlebnis.

Was in „U“ jedoch ebenso omnipräsent ist, sind die User-Kommentare in Form von regelmäßig aufploppenden Sprechblasen, die teils den kompletten Bildschirm überfrachten, wenn ein Großereignis Wellen durch die Community schlägt.

Das simple Design dieser Kommentar-Blasen, das an bekannte Social-Media-Plattformen angelehnt ist, bricht bewusst mit der visuell ausufernden Opulenz der sonstigen „U“-Welt und verdeutlicht dadurch umso mehr die erdrückende Wucht der User-Kommentare. Hosoda war es scheinbar wichtig, die große Wirkmacht dieser Community-Dynamiken in ihrer sozialen Ambivalenz darzustellen – besonders da es heute Generationen gibt, die von Kindesbeinen an mit all diesen sozialen Medien aufgewachsen sind.

Ebenso klar ist aber, dass Hosoda hier keine expliziten Werturteile einfließen lässt. Ob man in „Belle“ also tatsächlich ein Plädoyer für das reale Leben abseits der digitalen und medialen Überfrachtung sehen will, bleibt ganz dem Zuschauer überlassen. Die Realwelt, in der Suzu, ihre Familie und ihre Freunde leben, bildet den passenden Kontrast dazu. Diese ist optisch ebenso detailverliebt und farbenreich gestaltet, strahlt im Gegensatz zu „U“ aber über weite Strecken eine kontemplative Ruhe aus, die die überbordende Online-Szenerie passend erdet. So ist es Hosoda und Wong eindrucksvoll gelungen, in ihrem grafischen Stil das Menschliche und das Virtuelle, die Realwelt und die grenzenlose Online-Fantasie in einen gemeinsamen Strom fließen zu lassen. Die Fragen nach der technischen Realisierbarkeit sparen sie dabei bewusst aus, um sich stattdessen auf die sozialen und emotionalen Ebenen zu konzentrieren.

Das Primat des Besonderen

Auch das Phänomen der japanischen Pop Idols wird aufgegriffen, obwohl sich die Figur „Belle“ nicht 1:1 in einen Topf mit diesen stecken lässt.

Trotzdem offenbaren sich hier einige Schattenseiten der japanischen, aber auch unserer westlichen Kultur, in der sich der Einzelne oftmals über Leistung zu definieren scheint. Alle Hauptcharaktere dieses Anime zeichnen sich durch ihre herausragenden Fähigkeiten aus: Suzu ist eine grandiose Sängerin und Song-Schreiberin und ihre Mitschüler, die sie auf ihrem Weg begleiten, ragen gleichsam aus der Masse heraus. Shinobu ist der Top-Basketballspieler an der Schule.

Shinjiro alias Kamishin ist ein Ass im Rudersport.

Die allseits beliebte Ruka kann nicht nur hervorragend Saxophon spielen, sondern gleichzeitig in leichtfüßigen Schritten dazu tanzen. Und Suzus engste Freundin Hiroka ist ein Physik- und IT-Genie. Zugespitzt könnte man sagen, wer keine besonderen und präsentierbaren Leistungen erbringt, spielt in diesem System auch keine Rolle.

Schaut man sich das Phänomen der Pop Idols in Japan etwas genauer an, fällt schnell auf, dass bei den überwiegend männlichen Fans eine stark sexualisierte Komponente nicht zu leugnen ist. Dieser Aspekt wird in „Belle“ allerdings nicht beleuchtet. Was hingegen deutlich mitschwingt, ist die Einsamkeit des Individuums, der Durst nach Liebe und Anerkennung sowie eine (zunächst) verhinderte Selbstverwirklichung, die daraus resultiert. All das bündelt sich in der Figur von Suzu. Die Pop Idols und Suzus Online-Avatar „Belle“ nehmen in diesem Sinne eine Stellvertreterfunktion ein. Sie leben ihre Träume aus und bekommen scheinbar die Wertschätzung, die den meisten anderen als anonymer Teil der Masse verwehrt bleibt. Sie führen ein Leben, das von allen gesehen wird und das in Korrelation zum Zuwachs ihrer „Fans“ exponentiell an Bedeutung gewinnt. Eine skeptische Betrachtungsweise dieser sozialen und digitalen Dynamiken liegt hier sehr nahe. Umso mehr zeigt Hosodas Film, dass das virtuelle Leben jedoch kein Ersatz für ein echtes menschliches Miteinander ist. Alle Stricke, die in „U“ geknüpft werden, laufen letztlich doch in der realen Welt mit den realen Personen zusammen.

Eine klar definierbare Gesellschafts- oder Sozialkritik lässt sich in diesem Kontext also nicht herauslesen. Sie schlummert irgendwo zwischen den Zeilen, ist aber auch kein integraler Bestandteil der Geschichte. Und vor allem ist sie Interpretationssache des Zuschauers.

Glück und Kitsch

Anknüpfend an all diese vielseitigen Aspekte zieht sich vor allem eine zentrale Frage durch den gesamten Film: Was ist Glück und wie können wir unser eigenes Glück finden? Diese tiefe innere Sehnsucht geht uns wohl alle etwas an und kann u.a. bis auf den altgriechischen Begriff der „eudaimonia“ zurück verfolgt werden.

Grob herunter gebrochen, bedeutet die eudaimonia nach Aristoteles’ Philosophie nicht mehr und nicht weniger als eine gute und gelungene Lebensführung, die einen ausgeglichenen Gemütszustand als Ziel hat und so letztlich zur Glückseligkeit führt. Inwiefern Hosodas Gedanken wirklich auf die alten Griechen zurück gehen, ist natürlich rein spekulativ. Doch allein die Möglichkeit dieser Verknüpfung verdeutlicht die Universalität seines Anliegens.

Ganz ohne Kitsch kommt „Belle“ dabei aber nicht aus. Und es ist ja auch kein Geheimnis, dass die Japaner einen ausgeprägten Faible für selbigen pflegen. Das macht sich vor allem in der Musik und besonders bei den Songtexten bemerkbar, die nicht selten eine gebündelte Ladung poetisch verrührten Herzschmerz zelebrieren. Das ist vom kompositorischen Arrangement her zwar durchaus beeindruckend gestaltet und stellenweise auch bewegend. Wer allerdings eine eher geringe Toleranzgrenze gegenüber solchem musikalischen Gefühlspathos hat, wird hier sicher das ein und andere Mal genervt die Augen verdrehen. So kann „Belle“ in diesem Punkt beim Zuschauen zu einem polarisierenden, inneren Tauziehen führen, im Zuge dessen man sich einerseits beschämt die Hand vor den Kopf schlägt, während im quasi selben Atemzug einzelne Tränen der Rührung die Wangen herunter kullern können.

All dieser feierliche Gesangs-Pomp findet überwiegend in „U“ statt, sodass die weltlichen Alltagsszenen des Films einen angenehmen Kontrapunkt bilden, der sich vornehmlich durch eine melancholische wie authentische Emotionalität auszeichnet. In diesen Szenen kommt stellenweise auch der gelungene Humor des Films zum Tragen, der mit seinem drolligen Animations-Slaptstick die scheinbar unerträglichen Peinlichkeiten des pubertierenden Gefühls-Wirrwarrs köstlich und wohl dosiert zuspitzt.

Glanz und Gloria

Zum Schluss soll natürlich die Qualität des filmischen und technischen Handwerks nicht unerwähnt bleiben. „Belle“ liegt in seiner visuellen Qualität deutlich über dem üblichen Anime-Durchschnitt, was von einem sehr hohem Produktionsaufwand zeugt. Das fällt allein schon bei den Animationen auf, die sehr feingliedrig und detailreich ausgearbeitet wurden. Abgehackte, grobe Animationsstufen wurden sorgfältig vermieden, außer sie dienen in ihrer abstrusen Verzerrung jenem gelungenen, typisch japanischen Humor. Ansonsten zeichnen sich die Animationen durch angenehm fließende Bewegungsabläufe ab, die den ganzen Körper und nicht nur einzelne Partien desselben mit einbeziehen.

Hosoda achtet dabei stets auf eine realistische und tiefgreifende Emotionalität seiner Figuren, die sich durch die grandiose Mimik auszeichnet.

Die detailreichen Hintergründe, die warme Lichtstimmung und die äußerst vielseitig komponierte sowie konstant stilsichere Farbpalette machen „Belle“ zusätzlich zum herausragenden Design zu einem optischen Fest für die Sinne, das trotz des unbestreitbaren Kitsch-Faktors auch durch den gelungenen Soundtrack wesentlich gestützt wird. Wie es auch schon für „Summer Wars“, „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ (2006) und seine anderen Werke charakteristisch war, hat sich Hosoda wieder zutiefst menschlichen Themen verschrieben wie Familie, Verlust und Trauer, Liebe und dem Erwachsenwerden. Dabei offenbart er sein großes Herz für die überschäumende und chaotische Gefühlswelt heranwachsender Teenager. Im Zusammenspiel mit dem spannenden und zu vielen Gedanken anregenden Konzept der Online-Welt „U“, das unsere digitalisierten Sozialräume kreativ aufgreift, und in Kombination mit dem einzigartigen visuellen Stil ist ein kaum vergleichbarer Anime entstanden. „Belle“ ist ein überragendes Bildnis unserer Zeit, dass man gesehen haben sollte!

FELIX RITTER

MAMORU HOSODA AUF BLU-RAY