Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 17 Min.

BEOBACHTUNGEN: Die Kometen des Jahres 2017


Sterne und Weltraum - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 13.07.2018

Noch nie wurden innerhalb eines Jahres so viele Kometen entdeckt oder wiederentdeckt wie 2017. Zwar gab es unter diesen Objekten keine sehr hellen Schweifsterne, doch wer genau hinsah, konnte eine ganze Reihe überraschender Entwicklungen verfolgen, die wir in einem ausführlichen Rückblick vorstellen.


Längst nicht in jedem Jahr taucht ein spektakulärer Komet am Himmel auf – so auch 2017. Dennoch: Nachdem nun alle verfügbaren Einzelbeobachtungen des zurückliegenden Jahres aufwändig geordnet und systematisch ausgewertet sind, blicken Amateur- und Fachastronomen nun auf eine beeindruckende Bilanz zurück. ...

Artikelbild für den Artikel "BEOBACHTUNGEN: Die Kometen des Jahres 2017" aus der Ausgabe 8/2018 von Sterne und Weltraum. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sterne und Weltraum, Ausgabe 8/2018

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Sterne und Weltraum. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2018 von LESERBRIEFE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von LESER FRAGEN – EXPERTEN ANTWORTEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESER FRAGEN – EXPERTEN ANTWORTEN
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von NACHRICHTEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NACHRICHTEN
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von Nanodiamanten senden schwache Mikrowellen-Signale. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nanodiamanten senden schwache Mikrowellen-Signale
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von Außergewöhnliche Dünen auf Pluto. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Außergewöhnliche Dünen auf Pluto
Titelbild der Ausgabe 8/2018 von Vor 50 Jahren. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Vor 50 Jahren
Vorheriger Artikel
MONATSTHEMA: Die Perseiden: Meteore am Sommerhimmel
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel WUNDER DES WELTALLS: Überraschung!
aus dieser Ausgabe

... Insgesamt 301 Kometen wurden entdeckt oder wiederentdeckt, was einen neuen absoluten Rekord darstellt! Hierunter fallen 57 im Jahr 2017 entdeckte oder erstmals wiederentdeckte Kometen, die bis Mitte April 2018 eine offizielle Bezeichnung erhalten hatten. Hinzu kommen 244 weitere Objekte, die sich dadurch verrieten, dass sie das Blickfeld der Sonnenforschungssonden SOHO und STEREO durchliefen. Die Bahnelemente dieser Objekte konnten auf Grund von Finanzierungsproblemen bislang nicht berechnet werden, so dass sie noch keine Bezeichnungen erhalten haben. Bei diesen Körpern handelt es sich fast ausschließlich um kleinste Kometenfragmente in unmittelbarer Sonnennähe, die ihre extreme Annäherung an das Zentralgestirn nur in den seltensten Fällen überstehen.

Wer im zurückliegenden Jahr genau hinsah, konnte bei einigen Schweifsternen außergewöhnliche Details entdecken. So zeigte der Komet C/2016 R2 (PANSTARRS) zum Jahreswechsel 2017/18 einen hochdynamischen Schweif. Für die Aufnahmen zu diesem Farbkomposit nutzte Gerald Rhemann am 8. Januar 2018 um 21:06 Uhr UT einen Astrografen mit zwölf Zoll Öffnung (f /3,6) und eine CCD-Kamera FLI PL16200.


Gerald Rhemann

Die auf den folgenden Seiten dargestellten Diagramme veranschaulichen die Entwicklung der Helligkeit und des Komadurchmessers der helleren Schweifsterne. Sie enthalten alle plausiblen Schätzungen, sowohl von Mitgliedern der FGK als auch von internationalen Beobachtern. Zur Abschätzung des störenden Einflusses von Mondlicht auf die Kometenbeobachtungen zeigen die Kreise über den Abszissen der Diagramme die Vollmondtermine an.

Aus den Schätzungen der FGK-Mitglieder und der internationalen Beobachter habe ich für die Kometen Helligkeitsparameter abgeleitet. Die resultierenden Lichtkurven einschließlich Konfidenzintervallen sind ebenfalls in die Diagramme eingezeichnet. Die Helligkeitsparameter werden im Allgemeinen mit Hilfe einer Standardformel ermittelt (siehe Kasten links)

Zwei erdnahe Kometen im ersten Jahresdrittel

Bis zum 7. Januar 2017 konnten die Beobachter die Annäherung des schon im Vorjahr sichtbaren SchweifsternsC/2016 U1 (NEOWISE ) an die Sonne weiter verfolgen. Bei seinem Verschwinden in der Morgendämmerung präsentierte sich dieser Komet immerhin 7,2 mag hell und war damit wesentlich heller als erwartet (siehe SuW 8/2017, S. 64).

Der DC-Wert

Die Helligkeitsverteilung innerhalb der Koma eines Kometen wird durch den DC-Wert beschrieben. DC ist die Abkürzung für den englischen Ausdruck» degree of condensation« (Kondensationsgrad). Je größer der Wert ist, desto steiler steigt die Helligkeit der Koma in Richtung des Zentrums an. Die Skala reicht von 0 (sehr diffuse Koma ohne Helligkeitszunahme zum Zentrum hin) bis 9 (punktförmige Koma).

Andreas Kammerer

Zeitliche Entwicklung von Helligkeit und Komadurchmesser beim Kometen 45P/Honda-Mrkos-Pajduçaková


In Sonnennähe präsentierte der Komet 45P/Honda-Mrkos-Pajduçaková einen nahezu geraden Schweif. Michael Jäger nahm die Bilder zu diesem Farbkomposit am 31. Dezember 2016 um 16:45 Uhr UT auf. Er belichtete mit CCD-Kamera Moravian G3-16200 an einem Zehn-Zoll-Astrografen (f /4).


Michael Jäger

Bis auf 0,084 AE kam der Komet45P/Honda-Mrkos-Pajdušaková am 11. Februar der Erde nahe, genau sechs Wochen nachdem er am Silvestertag 2016 den sonnennächsten Punkt seiner Bahn – das so genannte Perihel – im Abstand von nur 0,53 AE durchlaufen hatte. Von Anfang Dezember 2016 bis zum 10. Januar 2017 wurde dieses Objekt am Abendhimmel verfolgt – allerdings in Horizonthöhen von weniger als zehn Grad, durchquerte er doch die Sternbilder Schütze und Steinbock. Am Morgenhimmel tauchte er erst wieder Anfang Februar auf und ließ sich dann bis Ende März visuell beobachten. In diesem Zeitraum bewegte er sich durch die Sternbilder Adler, Herkules, Bärenhüter, Jagdhunde und Löwe bis in die Jungfrau und erreichte dabei Höhen von bis zu 70 Grad über dem Horizont.

Dieser altbekannte periodische Komet weist einen relativ hohen Aktivitätsparameter auf und zeigt sich im sonnennahen Teil seiner Bahn hochverdichtet, mit einem visuell erkennbaren, fotografisch auffälligen dynamischen Gasschweif. Dementsprechend stieg die Helligkeit während der Abendsichtbarkeit von 11,0 auf 6,1 mag an, während sich die Koma von 1,5 auf 6 Bogenminuten vergrößerte, was einer Ausdehnung von 80000 beziehungsweise 160000 Kilometern entspricht. Parallel hierzu verdichtete sich die Koma: Ihr Kondensationsgrad stieg von DC 2 – 3 auf DC 6 an (siehe Kasten S. 63). Der fotografisch auffällige, nach Osten gerichtete Schweif erreichte eine Länge von 0,2 Grad, was einer räumlichen Ausdehnung von 400000 Kilometern entspricht (siehe Bild oben).

Ein ganz anderes Bild bot der Komet während seiner Morgensichtbarkeit (siehe Bild rechts oben). Als er über dem Osthorizont auftauchte, zeigte er eine zehn Bogenminuten (70000 Kilometer) große, nur mäßig verdichtete Koma (DC 4) mit einer Gesamthelligkeit von 7,0 mag. Wegen der zu dieser Zeit ungünstigen Beobachtungsumstände könnten diese Werte möglicherweise zu gering sein. Am Tag der Erdnähe zeigte sich der Schweifstern als elliptisch verformtes, recht diffuses, 6,5 mag helles Objekt mit einem Winkeldurchmesser von 25 Bogenminuten, dem ein räumlicher Durchmesser von 170000 Kilometern entspricht. Anschließend gingen alle Werte zurück.

Ende März präsentierte sich der Komet mit 13,0 mag nur noch als lichtschwaches Objekt, das eine extrem diffuse Koma (DC 1) aufwies. Ihr Winkeldurchmesser von zwei Bogenminuten entspricht einem Durchmesser von 60000 Kilometern. Visuell ließ sich während der Morgensichtbarkeit kein Schweif ausmachen. Die beobachtete Helligkeitsentwicklung lässt sich mit einer Standardformel nur mäßig gut darstellen, wobei eine Unterscheidung zwischen den Zeiträumen vor und nach dem Perihel nicht signifikant ist. Die entsprechende Formel lautet:

m = 11,4 mag + 5 lg Δ + 12,8 lgr .

Der Komet2P/Encke durchlief am 10. März 2017 sein Perihel in einer Sonnendistanz von 0,34 AE. Von Mitteleuropa aus konnten Beobachter seine Entwicklung bis Anfang März am Abendhimmel in Horizonthöhen von weniger als 30 Grad verfolgen.

Der Komet zeigte seine bekannt rasche Helligkeitssteigerung, wobei sich seine anfangs sehr diffuse Koma kontinuierlich verdichtete. Im Perihel dürfte er eine Maximalhelligkeit von 7,0 mag erreicht haben – zu dieser Zeit war er jedoch unbeobachtbar. Seine größte beobachtete Helligkeit von 7,5 mag erreichte der Komet am 23. März. Die gesamte Helligkeitsentwicklung lässt sich durch eine ungewöhnliche, aber für diesen Schweifstern typische Formel beschreiben:

m = 6,5 mag + 5 lg Δ + 4,3r

Der räumliche Durchmesser der Koma betrug Ende Januar 175000 Kilometer. Maximale scheinbare Durchmesser von 3,5 Bogenminuten erreichte die Koma Mitte Februar und Ende März. Ihr Kondensationsgrad stieg vor dem Perihel von DC 1 auf DC 7 an, um danach ebenso rasch wieder zurückzugehen. Den schwachen Gasschweif des Kometen konnten die Beobachter nur fotografisch nachweisen (siehe Bild unten).

Am 18. Februar 2017 passierte der Komet 45P/Honda-Mrkos-Pajduçaková die Galaxie NGC 4656 im Sternbild Jagdhunde. Dabei befand sich der Komet in Erdnähe. David Bender fotografierte das ungleiche Paar um 22:06 Uhr UT mit einer CCD-Kamera FLI ML8300 an einem Astrografen mit acht Zoll Öffnung (f /2,8).


David Bender

Für die Liebhaber von Schweifsternen zählt der Komet 2P/Encke zu den Klassikern. Das von dem deutschen Astronomen Johann Franz Encke im 19. Jahrhundert als periodisch erkannte Objekt benötigt für einen Umlauf um die Sonne nur 3,3 Jahre. Am 27. Februar 2017 befand sich der Komet erneut in Sonnennähe. Michael Jäger fotografierte ihn um 18:05 Uhr UT mit einer CCD-Kamera Moravian G3-16200 an einem Zehn-Zoll-Astrografen.


Michael Jäger

Am 12. April 2017 passierte der Komet41P/Tuttle-Giacobini-Kresak ein weiteres Mal das Perihel seiner Bahn im Abstand von 1,05 AE. Diesmal hielt er sich zugleich in der Nähe der Erde auf, wobei er am 1. April eine Minimaldistanz von 0,14 AE erreichte. Die Astronomen erwarteten eine Maximalhelligkeit von 5 bis 6 mag und einen maximalen Durchmesser der Koma von 20 Bogenminuten. Der Komet, der die Beobachter schon mehrfach mit großen Helligkeitsausbrüchen von bis zu 10 mag überraschte, hätte in einem solchen Fall kurzfristig zu einem gut erkennbaren bis auffälligen Objekt für das bloße Auge werden können.

Visuell beobachtet wurde der Schweifstern zwischen Februar und Juni, während er durch die Sternbilder Löwe, Kleiner Löwe, Großer Bär, Drache, Herkules in den Schlangenträger lief und dabei im April Höhen von rund 80 Grad über dem Horizont erreichte. Da die Koma – für diesen Kometen typisch – sehr diffus war, erforderte ihre Beobachtung einen möglichst dunklen Himmel.

Leider kam es zu keinem Ausbruch, und somit blieb der Komet ein im Fernglas recht schwieriges Objekt (siehe Bild S. 66). Seine Helligkeit entwickelte sich vor und nach dem Erreichen des Perihels recht unterschiedlich: Vor dem Periheldurchgang stieg sie rasant von 14,0 mag Ende Januar auf ihren Maximalwert von 6,9 mag, den der Komet während der zwei Wochen um das Perihel beibehielt (siehe Grafik S. 66 links oben). Nach dem Perihel ging die Helligkeit deutlich langsamer zurück und betrug Ende Juni noch immer 11,0 mag. In Formeln stellt sich diese Entwicklung wie folgt dar:

Vor dem Perihel:
m = 10,4 mag + 5 lg Δ + 35 lgr
Nach dem Perihel:
m = 10,9 mag + 5 lg Δ + 12,0 lgr

Der Komadurchmesser maß Ende Januar knapp eine Bogenminute (20000 Kilometer). Bis Ende Februar war er erst auf knapp fünf Bogenminuten (70000 Kilometer) angestiegen. Danach vergrößerte er sich jedoch immer rascher und erreichte am 1. April den Maximalwert von 30 Bogenminuten, was einem absoluten Durchmesser von 190000 Kilometern entspricht. Dem schnellen Anstieg des Komadurchmessers folgte in den Wochen nach dem Maximum eine deutlich langsamere Abnahme: Ende April betrug der Durchmesser noch 20 Bogenminuten (165000 Kilometer), Ende Mai zehn Bogenminuten (125000 Kilometer) und Ende Juni 4,5 Bogenminuten (90000 Kilometer). Die Koma war stets sehr diffus bis extrem diffus, mit einem Kondensationsgrad zwischen DC 1 und DC 3. Im Teleskop zeigte sich eine kleine, bis 13 mag helle zentrale Verdichtung. Ein Schweif ließ sich visuell nicht ausmachen.

Auf der erdabgewandten Seite der Sonne erreichte der am 1. März 2017 entdeckte KometC/2017 E1 (Borisov) am 10. April 2017 sein Perihel im Abstand von 0,90 AE. Entsprechend gering waren seine Winkelabstände zum grellen Tagesgestirn, so dass den Beobachtern nur wenige Sichtungen gelangen. In den Tagen des Periheldurchgangs erreichte der Komet eine maximale Helligkeit von 10,5 mag, wobei sich die 2,5 Bogenminuten (140000 Kilometer) messende Koma eher gering verdichtet (DC 3) zeigte.

Zeitliche Entwicklung von Helligkeit und Komadurchmesser beim Kometen 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak


Die zeitliche Entwicklung von Helligkeit und Komadurchmesser beim Kometen C/2017 E4 (Lovejoy) zeigt ab Mitte April einen deutlichen Einbruch.


Der Komet 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak im Maximum hat die Beobachter schon mehrfach durch große Helligkeitsausbrüche überrascht. Ein solches Ereignis blieb im Jahr 2017 allerdings aus. Roland Fichtl erstellte diese Aufnahme am 4. April 2017, um 20:08 Uhr UT, mit einem 16-Zoll-Astrografen. Für die Belichtung nutzte er eine CCD-Kamera CDS-5D.


Roland Fichtl

Am 9. März 2017 entdeckte der australische Amateurastronom Terry Lovejoy im Sternbild Schütze einen 15 mag hellen Kometen. Der Periheldurchgang vonC/2017 E4 (Lovejoy) erfolgte am 23. April im Abstand von 0,49 AE, ebenfalls auf der erdabgewandten Sonnenseite. Die für diesen Zeitpunkt prognostizierte Maximalhelligkeit betrug 8,5 mag. Von Mitteleuropa aus ließ sich der Komet nur zwischen dem 20. März und dem 15. April am Morgenhimmel ausmachen. Seine Bahn führte ihn durch die Sternbilder Steinbock, Wassermann, Pegasus und Andromeda, so dass seine Horizonthöhen 20 Grad nicht überschritten.

Die Helligkeit des Kometen stieg in den ersten Wochen steil an; am 8. April, 15 Tage vor seiner Perihelpassage, betrug sie 6,2 mag (siehe Grafik oben). Zu dieser Zeit hatte der Komet auch einen visuell sichtbaren Schweif entwickelt (siehe Bild rechts oben). Doch damit hatte die Helligkeit bereits ihr Maximum erreicht, denn in den folgenden Tagen stürzte sie regel-recht ab: Der Komet begann sich aufzulösen. Visuelle Beobachtungen am 21. April zeigten nur noch ein 10,0 mag helles, sehr diffuses Objekt ohne Helligkeitszentrum – und am 24. April gelangen den Astrofotografen letztmals Aufnahmen dieses Schweifsterns (siehe Bild rechts).

Der Komet C/2017 E4 (Lovejoy) präsentierte sich am 4. April 2017 im größten Glanz. Norbert Mrozek fotografierte ihn um 2:58 Uhr UT mit einer CCD-Kamera an einem Newton-Teleskop mit acht Zoll Öffnung (f /2,8).


Norbert Mrozek

Am 24. April 2017, 2:15 Uhr UT, als Michael Jäger den Kometen C/2017 E4 (Lovejoy) fotografierte, zeigte dieser Schweifstern deutliche Auflösungserscheinungen. Die Aufnahme gelang mit einem Zwölf-Zoll-Astrografen (f /4) und einer CCD-Kamera Moravian G3-16200.


Michael Jäger

Der Komadurchmesser stieg von weniger als einer Bogenminute (30000 Kilometer) bis zum 2. April auf den Maximalwert von acht Bogenminuten (220000 Kilometer) an. Danach schrumpfte die Koma und maß am 21. April nur noch etwas mehr als zwei Bogenminuten (90000 Kilometer). Dabei verdichtete sie sich bis in die ersten Apriltage hinein stetig von DC 2 auf DC 7. Anschließend wurde sie rasch diffuser, mit DC 2 am 21. April. In der Woche vor dem Zerbrechen zeigte sich ein nach Westen gerichteter Schweif von bis zu 25 Bogenminuten Länge (700000 Kilometer). Die folgenden Formeln beschreiben den Helligkeitsverlauf recht gut:

t < –15 Tage:

m = 11,7 mag + 5 lg Δ + 23 lgr

t < –15 Tage:

m = 10,0 mag + 5 lg Δ + (0,18 mag/Tag) = (tT )

Wenig los im Sommer
Eine interessante Helligkeitsentwicklung zeigteC/2015 ER61 (PANSTARRS). Für den Zeitpunkt seines Periheldurchgangs, am 9. Mai 2017 im Abstand von 1,04 AE, erwarteten die Beobachter eine Maximalhelligkeit von 8 mag. Tatsächlich zeigte der Komet eine leicht überdurchschnittliche Aktivität, die sich mit der folgenden Formel gut beschreiben lässt:

m = 6,9 mag + 5 lg Δ + 12,0 lgr

Am 4. April kam es zu einem Helligkeitsausbruch, der dazu führte, dass am 6. April die Maximalhelligkeit von 6,1 mag erreicht wurde (siehe Bild S. 68). Bis zum 28. April ging die Helligkeit wieder auf das Ausgangsniveau zurück. Verursacht wurde dieser Ausbruch durch ein vom Kometenkern abbrechendes Fragment, das Mitte Juni nachgewiesen werden konnte. Für mitteleuropäische Beobachter blieb diese Entwicklung unbeobachtbar. Sie konnten den Kometen erst Anfang Juli am Morgenhimmel sichten, als seine scheinbare Helligkeit nur noch 10,0 mag betrug. Bis Ende Oktober, als der Komet nur noch 13,0 mag hell war, folgte seine Helligkeitsentwicklung weiterhin der obigen Formel.

Gerald Rhemann gelang es, den Kometen C/2015 ER61 (PANSTARRS) während eines Helligkeitsausbruchs zu fotografieren. Die Einzelaufnahmen für dieses Farbkomposit nahm er am 6. April 2017 um 3:34 Uhr UT auf. Hierfür nutzte er einen Zwölf-Zoll-Astrografen (f /3,6) mit einer CCD-Kamera FLI PL16200.


Gerald Rhemann

Die Koma erreichte während des Ausbruchs einen maximalen Winkeldurchmesser von 7,5 Bogenminuten (400000 Kilometer). Außerhalb des Ausbruchs betrug der Maximalwert knapp sechs Bogenminuten (300000 Kilometer). In den Wochen um das Perihel zeigte sich die Koma signifikant verdichtet (DC 5); während des Ausbruchs erreichte sie kurzfristig einen Kondensationsgrad von DC 6 – 7. Den Schweif des Kometen sichteten visuelle Beobachter zwischen April und Juni. Er erreichte eine Länge von 25 Bogenminuten, was rund zwei Millionen Kilometern entspricht.

Ab Ende 2016 zog der bereits rund ein Jahr zuvor entdeckte KometC/2015 V2 (Johnson ) die Blicke der visuellen Beobachter auf sich (siehe Bild rechts oben). Von Europa aus konnten sie ihn bis Anfang Juli 2017 verfolgen: in den ersten Monaten dieses Zeitraums am Morgenhimmel, danach die ganze Nacht über und gegen Ende der Sichtbarkeit am Abendhimmel. Dabei zog der Komet durch die Sternbilder Bärenhüter und Herkules, dann nochmals in den Bärenhüter und schließlich in das Sternbild Jungfrau, um anschließend weit in den Südhimmel zu laufen. Das Perihel im Sonnenabstand von 1,64 AE passierte der Schweifstern am 12. Juni 2017, nur eine Woche nachdem er seine geringste Erddistanz von 0,81 AE erreicht hatte. Auf Grund des relativ großen Perihelabstands erwarteten die Astronomen, dass er eine unspektakuläre Sichtbarkeit abliefern würde – die nun folgenden Details sind aber dennoch bemerkenswert.

Zeitliche Entwicklung von Helligkeit und Komadurchmesser beim Kometen C/2015 V2 (Johnson)


Der Komet C/2015 V2 (Johnson) präsentierte im März und April einen auch visuell sichtbaren gekrümmten Schweif. Roland Fichtl nahm ihn am 26. März 2017 um 22:20 Uhr UT mit einem 16-Zoll-Astrografen und einer CCD-Kamera CDS-5D auf.


Roland Fichtl


David Bender

Der Anstieg der Helligkeit verlief während der Annäherung an die Sonne etwas langsamer als der Rückgang danach. Dies deutet auf eine gewisse Erschöpfung des Aktivitätsgebiets hin und lässt sich formelmäßig wie folgt beschreiben:

Vor dem Perihel:
m = 6,8 mag + 5 lg Δ + 6,8 lgr
Nach dem Perihel:
m = 6,1 mag + 5 lg Δ + 10,4 lgr

Hatte die Helligkeit des Kometen im Dezember 2016 erst 12,0 mag betragen, so stieg sie in den folgenden Monaten stetig an und erreichte am 7. Juni 2017 einen Maximalwert von 7,8 mag (siehe Grafik links unten). Im gleichen Zeitraum vergrößerte sich die Koma von knapp zwei Bogenminuten Durchmesser (200000 Kilometer) auf knapp 14 Bogenminuten (480000 Kilometer). Bis zu seinem Verschwinden über dem mitteleuropäischen Horizont Anfang Juli war die Helligkeit des Kometen erst auf 8,5 mag zurückgegangen, sein Komadurchmesser auf elf Bogenminuten. Letzteres war einzig durch die wieder zunehmende Erddistanz bedingt, da der räumliche Komadurchmesser zunächst konstant blieb. Mitte Oktober betrugen die entsprechenden Werte 12,0 mag beziehungsweise 1,5 Bogenminuten (200000 Kilometer).

Die Koma war zu Beginn und am Ende der Sichtbarkeit mäßig verdichtet (DC 3), zwischen Februar und Juni erschien sie jedoch merklich kondensiert (DC 4 – 5). Dabei wies sie stets eine deutliche zentrale Verdichtung auf sowie über viele Wochen hinweg einen 13,0 mag hellen kompakten Kern. Diese auch als False nucleus bezeichnete Erscheinung ist allerdings nicht mit dem physischen Kometenkern identisch, sondern repräsentiert nur den innersten, stark verdichteten Bereich der Koma, der dem Auge sternähnlich erscheinen kann.

Zwei überraschende Details betrafen den konstant nach Nordwesten gerichteten Schweif, den die Beobachter zwischen Dezember 2016 und Juni 2017 visuell sichteten, und der eine maximale Länge von 25 Bogenminuten (2 Millionen Kilometer) erreichte (siehe Bild links). Der Schweif wies im März und April eine auch visuell deutlich erkennbare Krümmung auf, was für einen Kometen in Marsdistanz ungewöhnlich ist. Zudem kreuzte die Erde am 31. Mai 2017 die Bahnebene des Kometen, was zum Auftreten eines dünnen Gegenschweifs führte, der allerdings nur fotografisch festgestellt werden konnte.

Zeitliche Entwicklung von Helligkeit und Komadurchmesser beim Kometen C/2017 O1 (ASASSN)


Immerhin 10,0 mag hell wurde der Komet71P/Clark während seiner Perihelpassage am 30. Juni 2017 im Abstand von 1,59 AE. Von Mitteleuropa aus ließ er sich leider kaum beobachten, bewegte er sich doch durch die südlichen Bereiche der Sternbilder Schütze und Skorpion. Die Entwicklung seiner Helligkeit lässt sich ein weiteres Mal nur durch zeitabhängige Formeln gut beschreiben, mit einer absoluten Helligkeit des Kometen vonm 0 = 11,1 mag.

Vor dem Erreichen des Perihels stieg seine Aktivität rasch an und nahm dann deutlich langsamer ab: Die zeitliche Helligkeitsänderung betrug vor dem Perihel 0,031 mag pro Tag, danach 0,010 mag pro Tag. Die vor dem Perihel deutlich verdichtete Koma (DC 5 – 6) wurde nach dem Perihel stetig diffuser und erreichte einen maximalen Durchmesser von knapp drei Bogenminuten (95000 Kilometer).

Der sehr aktive Komet29P/Schwassmann-Wachmann zeigte auch im Jahr 2017 mehrere Ausbrüche. Der größte, Anfang September, ließ ihn immerhin 11,5 mag hell werden. Von Mitteleuropa aus erreichte der Schweifstern allerdings nur geringe Höhen über dem Horizont.

Aktive Kometen im Herbst

Am 19. Juli 2017 stieß ein automatisiertes Himmelsüberwachungssystem zur Suche nach Supernovae, der All-Sky Automated Survey for Supernova (ASASSN) auf dem Cerro Tololo in Chile, auf einen 11,5 mag hellen Kometen im Sternbild Walfisch. Den Berechnungen zufolge sollte das Objekt mit der BezeichnungC/2017 O1 (ASASSN) am 14. Oktober im Abstand von 1,50 AE den sonnennächsten Punkt seiner Bahn durchlaufen und dabei gleichzeitig seine geringste Distanz zur Erde von 0,72 AE erreichen. Die bis zum Jahresende berechnete Bahn führte durch die Sternbilder Stier, Perseus, Giraffe und Kepheus, was ausreichend große Höhen am Morgenhimmel erwarten ließ. Ebenfalls viel versprechend war die prognostizierte Maximalhelligkeit von 8,0 mag. Doch anders als erwartet, blieb der Komet ein für Amateurastronomen unspektakuläres Objekt (siehe Bild oben).

In den Wochen nach seiner Entdeckung nahm die Aktivität trotz der Annäherung an die Sonne kontinuierlich ab – ein Indiz dafür, dass der Komet kurz zuvor entweder einen steilen Aktivitätsanstieg oder einen Ausbruch durchgemacht haben dürfte und die Aktivität in den folgenden Wochen wieder auf das Normalmaß zurückging. Darauf weist auch die Helligkeitsentwicklung nach dem Periheldurchgang hin, die sich mit der folgenden Formel am besten darstellen lässt:

m = 5,4 mag + 5 lg Δ + 24 lgr

Ein rascher Aktivitätsrückgang des Kometen muss die Ursache dafür gewesen sein, dass er zum Jahresende nur noch 12,0 mag hell war (siehe Grafik links oben).

Lediglich auf Grund seiner Erdnähe erschien der Komet mit einer maximalen Helligkeit von 8,9 mag am Himmel, die er am 15. Oktober erreichte. Diese bedingte auch einen maximalen Komadurchmesser von immerhin zehn Bogenminuten. Denn absolut schrumpfte die Koma während der gesamten Sichtbarkeit kontinuierlich von 600000 Kilometer Ende Juli auf 100000 Kilometer Mitte Januar 2018. Dies und die stetig diffuser werdende Koma – von DC 2 – 3 auf DC 1 – 2 abfallend – sind weitere Indizien für einen Ausbruch oder einen steilen Aktivitätsanstieg kurz vor der Entdeckung des Schweifsterns.

Der Komet96P/Machholz durchlief am 27. Oktober 2017 ein weiteres Mal das extrem sonnennahe Perihel seiner Bahn in einer Distanz von nur 0,12 AE. Seine Annäherung an das Tagesgestirn verfolgten die Astronomen bis Mitte Oktober, wobei er dann erst 11,0 mag hell war und einen Komadurchmesser von 1,0 Bogenminuten aufwies. Die Sonnenforschungssonde SOHO konnte ihn in den Tagen der Perihelpassage beobachten, wobei er eine Helligkeit von immerhin 3 mag erreichte.

Am 14. Oktober 2017 begegnete der Komet C/2017 O1 (ASASSN) dem in Nebel eingehüllten Sternhaufen NGC 1624. Norbert Mrozek fotografierte das Rendezvous um 21:50 Uhr UT mit einem Acht-Zoll-Newton-Teleskop (f /2,8) und einer CCD-Kamera Moravian G2-8300.


Norbert Mrozek

Um eine Magnitude lichtschwächer als erwartet blieb der Komet24P/Schaumasse während seines Periheldurchgangs am 16. November 2017 im Abstand von 1,21 AE: Im letzten Novemberdrittel wies er eine Maximalhelligkeit von nur 11,5 mag auf. Die gering verdichtete (DC 2 – 3) Koma erreichte einen Durchmesser von 3,5 Bogenminuten (250000 Kilometer).

Am gleichen Tag, aber im größeren Sonnenabstand von 1,38 AE, durchlief der Komet62P/Tsuchinshan sein Perihel – und entwickelte sich sehr positiv: Vor dem Periheldurchgang steigerte er seine Helligkeit beinahe explosionsartig (m 0 = – 0,5 mag /n = 30) und erreichte im letzten Novemberdrittel eine Maximalhelligkeit von 10,6 mag. Nach dem Perihel ging seine Aktivität und mit ihr die Helligkeit deutlich langsamer wieder zurück (m0 = 4,7 mag /n = 15). Der Durchmesser der eher gering verdichteten Koma (DC 2) erreichte vier Bogenminuten (230000 Kilometer).

Der normalerweise nur 17 bis 18 mag helle Komet174P/Echeclus , der sich zwischen der Jupiter- und Uranusbahn aufhält und für einen Umlauf um die Sonne 35 Jahre benötigt, überraschte bereits mehrfach durch Helligkeitsausbrüche. Mitte Dezember 2017 – mehr als zweieinhalb Jahre nach seiner Perihelpassage am 22. April 2015 im Abstand von 5,82 AE – ereignete sich auf ihm ein großer Ausbruch, wobei er immerhin 13,5 mag hell wurde, so dass er sich für wenige Tage sogar visuell ausmachen ließ.

Eine ungewöhnliche Schweifaktivität zeigte der im Orion und Stier positionierte KometC/2016 R2 (PANSTARRS) ab Ende November. In einer Sonnendistanz von immerhin 3 AE wies er eine scheinbare Helligkeit von lediglich 11 mag auf. Sein Komadurchmesser lag dabei zwischen 1,0 Bogenminuten (150000 Kilometer) und 4,5 Bogenminuten (450000 Kilometer). Dennoch präsentierte er fotografisch einen hochdynamischen Schweif, mit rasch abströmenden Schweifwolken sowie zahlreichen Schweifstrahlen, die ihre Orientierung innerhalb kurzer Zeit veränderten (siehe Bild S. 63). Wurden die währenddessen aufgenommenen Fotos zu einem Video zusammengesetzt, so deutete sich sogar eine dreidimensionale Rotation der Schweifstrahlen an! Der Komet durchlief sein Perihel in der Sonnendistanz von 2,60 AE am 9. Mai 2018; die weitere Entwicklung versprach spannend zu werden.

Kurz vor Jahresende ließ sich der KometC/2017 T1 (Heinze) visuell ausmachen. Er kam der Erde am 4. Januar 2018 bis auf 0,22 AE nahe und passierte sein Perihel am 21. Februar in einer Sonnendistanz von lediglich 0,58 AE. Entsprechend rasch steigerte sich die scheinbare Helligkeit, und zwar von 12,5 mag Mitte Dezember 2017 auf 10,0 mag an Silvester. Parallel hierzu vergrößerte sich die Koma von einer Bogenminute (30000 Kilometer) auf 4,5 Bogenminuten (70000 Kilometer). Allerdings ließ sich die recht diffuse Koma nur unter einem dunklen Himmel in ihrer vollen Ausdehnung ausmachen, so dass die Schätzungen stark variierten. Detaillierter werde ich die beiden letztgenannten Schweifsterne im Jahresbericht 2018 beschreiben.

Wer 2017 Kometen beobachten wollte, musste sich häufig an einen dunklen Standort begeben und vielfach auch früh aufstehen, um seine Lieblingsobjekte gut beobachten zu können. Diesen unermüdlichen Beobachtern gilt daher der besondere Dank für ihren Einsatz – stellen doch ihre Ergebnisse die Basis dieses Jahresberichts dar. Sollten auch Sie Interesse an der Arbeit der Fachgruppe Kometen haben, so besuchen Sie doch die Internetseitehttp://fg-kometen.vdsastro.de ! Dort finden Sie alle Auswertungen, auch die der lichtschwächeren Objekte des Jahres.

Eine Tabelle mit den Daten der von der Fachgruppe im Jahr 2017 beobachteten Kometen, die heller als 16 mag wurden, finden Sie unter:www.sterne-und-weltraum.de/artikel/1571530

ANDREAS KAMMERER interessiert sich seit 1967 für Astronomie. Seit 1974 ist er Mitglied in der Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS), von 1992 bis 2003 leitete er die Fachgruppe Kometen. In »Sterne und Weltraum« publiziert er regelmäßig Beiträge.