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BERETTA „694“: Perfekte Balance?


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 21/2019 vom 07.11.2019

Wenn der älteste Waffenhersteller der Welt zu sich nach Hause einlädt, dann muss er etwas Besonderes präsentieren. Als einziges deutsches Jagdmagazin durfte WILD UND HUND an der Vorstellung der neuen Flinte in Gardone Val Trompia, Italien, teilnehmen.


Artikelbild für den Artikel "BERETTA „694“: Perfekte Balance?" aus der Ausgabe 21/2019 von Wild und Hund. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: BerndHelbach

Die „SteeliumPro“- Läufe verjüngen sich im blau gefärbten Bereich zur Mündung hin – hier in drei verschiedenen Ausführungen. Das soll die Garbe komprimieren und zusätzlich beschleunigen.


Fotos: Bernd Helbach (3), Hersteller (1)

Die Ausbuchtung am Pistolengriff schmiegt sich in der Schießhand förmlich ein.


Das Boot prescht durch die glatte ...

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Das Boot prescht durch die glatte Oberfläche des Gardasees. Endlich ein wenig kühlender Wind. Mitte September wartet der Norden Italiens noch mit für deutsche Verhältnisse sommerlichen Temperaturen auf. Ziel der Wasserfahrt ist die Isola del Garda, ein etwa ein Kilometer langes Eiland am südlichen Ende des Sees. Schon von Weitem ist die prächtige Villa der Grafen Cavazza zu erkennen. In grauer Vorzeit beherbergte die Insel eine kleine Einsiedelei, gegründet von keinem Geringeren als Franz von Assisi. Heute steht dort ein Prunkbau im Stil der venezianischen Dogen. Ein wahrlich perfekter Ort, um den rund 50 internationalen Gästen die neueste Entwicklung der Traditionsschmiede Beretta zu präsentieren.

Gespannt wie kleine Kinder folgen wir der Burgherrin, verfolgen mehr oder weniger aufmerksam ihrer Familiengeschichte, denn allen steht eine Frage auf die Stirn geschrieben: Was ist denn das neue Produkt? Im Vorfeld ließ sich Beretta nämlich nichts entlocken. Empfangen werden wir in einem kleinen Raum, in dem auf jedem Stuhl eine Virtual-Reality-Brille liegt. Das erwartet man nun nicht von einem fast 500 Jahre alten Unternehmen. Aber wie sich später noch zeigen wird, ist gerade die Vermischung von traditionellem Handwerk und neuester Technologie einer der Gründe, warum Beretta wohl zu den innovativsten und erfolgreichsten Herstellern gehört.

Während nun jeder in die virtuelle Welt eintaucht und aufmerksam der Videopräsentation lauscht, rumort es im Hintergrund. Die Brillen von den Augen und wieder zurück in der Realität, steht sie nun vor uns, aufgebahrt wie ein Heiligtum und von unten beleuchtet: die „694“. Sie in die Hand zu nehmen, wagt kaum einer. Fleißig werden die ersten Videos und Bilder gemacht. Am folgenden Morgen sollen wir genug Zeit haben, die Neue zu befühlen und auch zu schießen.

Quälend lang wirkt die Anfahrt durch die kleinen Gassen der lombardischen Dörfer zum Schießplatz. Auf einem Jagdparcours warten an fünf Stationen Hunderte teils knifflige Tontauben in den Maschinen darauf, pulverisiert zu werden. Eingeteilt in Rotten, durchlaufen wir alle Stationen. Ein paar Probeanschläge, und schon soll es losgehen. Der erste Eindruck: Passt, fühlt sich gut an, und vor allem ist die „694“ extrem gut ausbalanciert. Während manche Flinten aufgrund langer Läufe etwas kopflastig wirken oder wegen des Schichtholz-Schaftes hecklastig und somit recht nervös auf Richtungswechsel reagieren, schwingt die Neue ruhig und geradlinig mit. Die erste Taube fehle ich zwar, der Rest rieselt aber als Brocken zu Boden. Guter Start.

Die Geometrie der Waffe kommt nicht von ungefähr. Im Gegensatz zu Deutschland hat das sportliche Flintenschießen in Italien einen wesentlich höheren Stellenwert. Professionelle Schützen, die von Beretta gesponsert werden, haben bei der Ausformung der Waffe mitgewirkt. Ziel war es für das Unternehmen, eine solide und erschwingliche Flinte zu schaffen, die mit wenigen Anpassungen der Mehrheit der Schützen liegt. Aber auch Wissenschaftler legten Hand an. So ist im Vergleich zur firmeneigenen Vorgängerin „692“ die Basküle wesentlich schlanker gehalten. Material- und Belastungstests offenbarten, wo Metall eingespart werden kann. Somit verdeckt die Flinte jeweils rechts und links am Lauf die Sicht um 1° weniger und nach unten hin um insgesamt 10°. Das hört sich im ersten Moment nach wenig an, doch auf eine Schrotschussentfernung von 30 m verdeckt die Waffe eine Breite und Höhe von etwa drei Tontauben weniger. Für uns Jäger und vor allem für unsere vierläufigen Jagdhelfer erhöht das die Sicherheit dank besserer Rundumsicht im Anschlag.

Ob lang oder kurz: Das Abzugszüngel kann auf die individuelle Fingerlänge eingestellt werden.


Dank der schlanken Basküle wird die Sicht weniger eingeschränkt, und eine matte Oberfläche sorgt für weniger Reflexionen.


Langsam, aber sicher bringen wir die Waffen zum glühen. Allerdings merke ich das nicht wie bei manchen Konkurrenten am Metallschnäpper des Vorderschafts, sondern durch eine Berührung des Laufs. Der ist zwar ventiliert, aber nach einigen Schusssalven wird auch er warm. Das ist bei jeder Flinte so. Interessant ist, dass der Verschluss des Vorderschaftes nicht auf einer Hebel-, sondern auf einer Druckknopfmechanik beruht. Dadurch wird weniger Metall benötigt, es wird nicht so schnell heiß an den Fingern, und die Führhand packt in mehr griffige Fischhaut. Darunter befindet sich noch ein weiteres, innovatives Element. Die Aufnahme des Vorder schafts ist aus höher gehärtetem Metall, was den Verschleiß beim Abknicken minimieren soll, und einstellbar, was ein „Schlackern“ nach Hunderttausenden von Schüssen verhindert. Dieses Bauteil ist einfach austauschbar. Hiermit tragen die Italiener den Sportschützen Rechnung, die ihre Flinten regelmäßiger und vor allem ausgiebiger belasten, als es der Otto-Normal-Jäger in Deutschland macht.

Ich fühle mich mit der Flinte immer wohler und vertrauter. Eines fällt mir bei fast jedem Schwung wieder auf, und ich kann gar nicht betonen, wie sehr es mich begeistert: Herrje, ist die Flinte gut ausbalanciert. Trotz des normalen Gewichts von rund 3,2 kg wirkt die Flinte leichter und führiger als viele, die ich schon in den Händen hielt. Der Balancepunkt liegt ziemlich genau über dem Scharnier der Basküle – siehe Seite 74 – also bei mir mittig zwischen Schieß- und Führhand. Der Schaft passt mir ebenfalls recht gut, ist geradlinig und sorgt in meinem Fall für einen intuitiven Anschlag. Der Pistolengriff ist bei der Rechtshändervariante nach außen hin gewölbt und schmiegt sich in die gekrümmte Schießhand ein. Auch das spiegelt sich in der guten Kontrolle über die Waffe wieder.

Ein weiteres Plus der Flinte sind die kaltgehämmerten Rohre. Dank der sogenannten „SteeliumPro“-Läufe soll die Garbe kompakter zusammengehalten und zusätzlich beschleunigt werden. Das erreichen die Italiener, indem sie den Lauf ab dem Patronenlager zur Mündung hin verjüngen. Ein Düseneffekt tritt dabei auf, der für eine höhere Mündungsgeschwindigkeit sorgt.

Auch WILD UND HUND-Flintenexperte Christian Schulte machte sich von der neuen „694“ ein Bild.


Fotos: Bernd Helbach (2), Hersteller (2)

Dank der größeren Fischhautfläche am Vorderschaft liegt die Flinte satt in der Führhand.


Sportlich elegant: Die dezenten Gravuren sind mit dem typischen Beretta-Blau unterlegt.


Den Abschluss der Reise bildet ein Besuch in den heiligen Hallen Berettas. Neben dem firmeneigenen Museum, das fast 500 Jahre Waffenhistorie zeigt, und den Produktionshallen mit einem beeindruckenden Maschinenpark, werden wir in die Abteilung für Qualitätssicherung und Materialforschung geführt. Hier wird an Stahlmischungen sowie Oberflächenbeschichtungen etc. geforscht und deren Umsetzung überprüft. Bei der vorhandenen Ausrüstung werden selbst viele Universitäten neidisch, was den Anspruch an die eigenen Produkte aus dem Haus Beretta unterstreicht.

Ob die neue Flinte nun das hält, was ihr erster Eindruck verspricht, wird sich zeigen. In der Redaktion befindet sich schon eine, die ausgiebig getestet wird. Aber eines ist sicher: Trotzdem die „694“ für Sportschützen entwickelt wurde, ist sie für den Jäger bei einem Preis ab knapp unter 4 000 € sicherlich interessant.

Fast 500 Jahre Waffengeschichte zeigt das Familienunternehmen im eigenen Museum. Ob sich Gründer Bartolomeo Beretta das 1526 hat erträumen können?