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Bergsteigen: Ortler Höhenweg: Des Königs neue Runde


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 14.09.2019

Ein neuer Höhenweg führt in einer Woche einmal um den Ortler. Für Bergsteiger mit weniger Zeit und Gipfelambitionen empfiehlt sich diese Variation: Nach drei Tagen Anschmachten, Anstarren und Anpirschen wird der Ortler am vierten überschritten.


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Bildquelle: Bergsteiger - Das Tourenmagazin, Ausgabe 10/2019

Der Ortler Höhenweg bietet jeden Tag neue Perspektiven auf den Ortler, hier von Nordosten.


1 Immer im Blick: Ortler, Monte Zebrù und Königsspitze


Ob wir den König beleidigt haben? Oder ist er einfach ein bisschen gschamig? Schließlich haben wir ihn lang und unverhohlen angestarrt. Das kann selbst einem König zu viel werden. Und so ist es nach einer aussichtsreichen ...

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... Auftaktetappe für die nächsten vier Tage vorbei mit der freien Sicht auf den Ortler.

Aufmerksamkeit dürfte er eigentlich gewohnt sein, als höchster Berg Südtirols ist er der Bergsteigermagnet schlechthin. Neu aber ist die Runde, auf der Bewunderer seit diesem Sommer wandern: der Ortler Höhenweg. In sieben Tagen führt er mit 8230 Höhenmetern und 120 Kilometern einmal herum. Initiiert hat ihn der Suldner Bergführer Olaf Reinstadler: »Ich hab‘ mir schon lange gedacht, dass der Ortler im Mittelpunkt einer Rundwanderung stehen sollte.« Viel hat auch gar nicht gefehlt, bis auf zwei Abschnitte bestand das Wegenetz bereits.

Das Tolle an der Tour ist laut Olaf Reinstadler, dass man sich nicht an die vorgegebene Struktur halten muss. Statt am Stilfser Joch starten wir daher in Sulden – grätschen sozusagen in Etappe 2 rein. Und auch den Schluss werden wir abkürzen, denn wir wollen noch rauf auf den Ortler, haben aber nur fünf Tage Zeit. Also bauen wir uns unsere eigene Runde, auf der wir bei wenig Zeit von allem etwas haben: die neu angelegten, aussichtsreichen Wege um die Düsseldorfer Hütte, die alpinistisch anspruchsvollste Höhenwegsetappe mit der Gletscherquerung vor der Casatihütte und die Überschreitung des Ortler über den Hintergrat.

Die neue Runde hat Potenzial

Feierlich eröffnet im Herbst 2018, sind wir Anfang Juli einige der Ersten, die auf dem Ortler Höhenweg unterwegs sind. Der Schnee hält sich in diesem Sommer hartnäckig, was den Übergang von der Düsseldorfer zur Zufallhütte zum alpinen Unterfangen macht. »Ein paar wollten es schon versuchen und haben gesagt, sie schauen mal, wie weit sie kommen«, erzählt Veronika Reinstadler von der Düsseldorfer Hütte. Den Reinstadlers kommt der Höhenweg ganz gelegen, denn mit dem neuen Teilstück zum Schöntaufjoch hat ihre Hütte endlich eine Verbindung zu anderen Hütten ohne Talabstieg. Etliche Gäste hätten bereits bei der Buchung angegeben, dass sie auf dem Ortler Höhenweg unterwegs sein werden. Das Interesse an der neuen Runde ist groß, die Anfragen zahlreich, bestätigt auch Andreas Tschurtschenthaler, Geschäftsführer der Ferienregion Ortlergebiet: »Viele erkundigen sich, wie schwer die Tour ist, ob sie schon begehbar ist.«

3 Der Nebel versteckt den Abgrund: Kletterei am Hintergrat


2 Fast geschafft: der steile Abstieg vom Ortler


Am Madritschjoch heißt es für einen knappen Tag Abschied nehmen vom Ortler mit seinem wolkenverhangenen Haupt. Der Weg führt ins Madritschtal zum Madritsch Boden Moor. Vor 12 000 Jahren reichten die Gletscher bis hier unten. Als sie sich zurückzogen, bildete sich auf einer Lehmschicht aus Pflanzenresten das Moor. Der pH-Wert des Bodens ist sauer, zu erkennen am Wollgras, wie Olaf Reinstadler am nächsten Tag erklärt.

Wir treffen den Bergführer beim Frühstück auf der urig verschachtelten Zufallhütte. Der Höhenweg sei in diesem Sommer noch kaum begangen worden, meint er. »Bis vor zwei Wochen war hier alles voll mit Schnee.« Er kann sich nicht vorstellen, dass die tapferen Aspiranten, von denen Veronika Reinstadler erzählt hat, die Etappe geschafft haben. Auch er ist »seinen« Weg noch keine zehn Mal gegangen. Zumindest das Stück von der Zufallzur Pizzinihütte wird er künftig aber wohl häufig führen. Der Höhenweg richtet sich an fitte Bergwanderer. Dass diese nicht unbedingt Hochtourenerfahrung haben oder die Ausrüstung wegen einer Gletscheretappe sieben Tage lang mitschleppen wollen, sei etwas unpraktisch, muss Olaf zugeben. Die Ausrüstung könne man aber in der Zufallhütte ausleihen. Und wie Lukas Stecher, Projektleiter des Nationalparks Stilfser Joch, sagt: »Das Extreme zieht in der Werbung immer. Die Leute suchen die Herausforderung.« Stecher empfiehlt im Zweifel aber stets, zumindest die Gletscherpassage mit Bergführer zu gehen.

Entlang der Randmoräne steigen wir Richtung Langerferner auf. Hier soll demnächst noch eine Schautafel zum Gletscherrückgang aufgestellt werden. Doch auch ohne Tafel und genaue Zahlen ist das Ausmaß der Veränderung ersichtlich: Wo noch vor wenigen Jahrzehnten alles mit Eis gefüllt war, klafft heute ein Abgrund. Nachdem wir ein steiles Schneefeld zum Eisseepass hinaufgestapft sind, erreichen wir den Gletscher. »Der Langerferner ist flach, aber recht spaltig und die Spalten gehen kreuz und quer«, erklärt Olaf. »Viele machen den Fehler, sich zu nah am Rand zu halten, wo die meisten Spalten sind. Wenn sie dann nicht angeseilt sind, ist es sch…« Gesagt und Seil ausgepackt. Die Steigeisen können wegen des vielen Schnees getrost im Rucksack bleiben.

Ausflug nach Italien

»Jetzt machen wir einen Ausflug nach Italien, in die Lombardei!«, ruft Olaf beim Erreichen der Casatihütte und deutet auf die südöstlich liegende Zufallspitze: »Hier verläuft die Grenze zur Lombardei, und an der Zufallspitze treffen sich die Provinzen Trentino und Südtirol.« Neben Geografieunterricht im Dreiländereck gibt es etwas Landeskunde. Olaf erzählt vom brutalen Gebirgskrieg, der hier im Ersten Weltkrieg tobte, von 300 Kilo schweren, italienischen Kanonen, von den Österreichern erbeutet und heraufgeschleppt, aber nicht benutzt, weil sie so danebenschossen, dass die Kugeln im falschen Tal einschlugen. Die Schautafel zum Dolomitenkrieg ist bereits angebracht. Sie steht für das, was den Ortler Höhenweg laut Lukas Stecher ausmacht: »Früher haben sich die Leute dort beschossen, jetzt haben wir einen gemeinsamen Höhenweg.« In Zusammenarbeit habe man Großartiges erreicht. Zwar gehöre Südtirol zu Italien, aber sonst koche jeder sein eigenes Süppchen, gebe es kaum gemeinsame Projekte.

Unser Ausflug nach Italien geht nur einige Meter, denn anstatt dem lombardischen Teil des Ortler Höhenwegs zur Pizzinihütte und ins unbesiedelte Zebrutal zu folgen, gehen wir an Kriegsrelikten vorbei auf die Suldenspitze und über den Suldengletscher zur Hintergrathütte.

2 Gleich wird es etwas sumpfig: das Madritsch Boden Moor


Finale im Nebel

Dort warten Kurt Ortler und der Ortler auf uns. Über 1350 mal war der Bergführer schon oben, er kennt jeden Weg im Schlaf. Auch den Hintergrat, über den wir – noch reichlich verschlafen – früh am nächsten Morgen hinaufkraxeln auf den König. Der scheint immer noch verstimmt zu sein, anders als vom Wetterbericht versprochen ist der Berg in dicke Wolken gehüllt. Am Gipfel weht ein eisiger Wind und im Abstieg über den Oberen Ortler Ferner sind wir froh, dass Kurt sich auch im dicksten Nebel zurechtfindet. Die gewaltigen Spalten, die später im Jahr Everest gleich mit Leitern überbrückt werden, sind noch verschlossen. 2018 mussten die Bergführer erstmals zwei Leitern aneinander binden, erzählt Kurt. Solange es die Sicherheit erlaube, tue man alles, damit der Gletscher passierbar bleibe. »Wir dürfen nicht zulassen, dass der Ortler nicht mehr geht.« Sulden lebt schließlich vom Ortler. Und so werden – finanziert von Alpinschule und Hotels – Leitern gelegt, Drahtseile gespannt und Stufen in den glatten, vom Eis freigegebenen Fels gehauen. Wobei die Bergsteiger nur einen kleinen Teil der Touristen im Ort ausmachen, wie Kurt sagt. Besonders die Italiener kämen eher zum Wandern oder zur Sommerfrische.

Die Wanderer und alle, denen die Besteigung (wegen des Gletscherschwunds) zu anspruchsvoll ist, haben mit dem Ortler Höhenweg nun eine weitere lohnende Option im Suldner Tourenangebot.

Franziska Haack fand es schon schade, nicht den ganzen Höhenweg gesehen zu haben. Sie will bald wiederkommen und die facettenreiche Runde komplett gehen.


Service: ► DIE ORTLER-RUNDE

Eine viertägige Hüttentour durch die Berge um Sulden, die in der Besteigung des Ortler gipfelt

WO STARTE N/ANKOMMEN?

In Sulden (1840 m)

WAS ERWARTET EINEN?

Aussichts- und abwechslungsreiche Rundtour, bei der Schwierigkeit und Gehdauer stetig steigen. Alpine Erfahrung und Hochtourenausrüstung nötig!

WO SCHLAFEN?

Düsseldorfer Hütte (2721 m) , Juni bis Oktober, Tel. 00 39/3 33/2 85 97 40,
www.duesseldorferhuette.com
Zufallhütte (2265 m) , geöffnet Juni bis Mitte Oktober, Tel. 00 39/3 35/6 30 66 03,
www.zufallhuette.com
Hintergrathütte (2661 m) , geöffnet Juni bis Oktober, Tel. 00 39/04 73/61 31 88,
www.hintergrathuette.com
Evtl: Payerhütte (3029 m) , geöffnet Mitte Juni bis Anfang Oktober, Tel. 00 39/04 73/61 30 10,
www.payerhuette.com

WO ANKLOPFEN?

Informationsbüro Sulden, 00 39/04 73/ 61 30 15, www.ortler.it Alpinschule Ortler, Tel. 00 39/04 73/ 61 30 04, www.alpinschule-ortler.com

SICH ORIENTIEREN

Freytag & Berndt 1:25 000, Blatt 08 »Ortlergebiet «; spezielle Karte zum Ortler Höhenweg in der Touristeninformation Sulden erhältlich; Alle Etappen des Ortler Höhenwegs: www.vinschgau.net

Tourenkarte Heftmitte: 9-12

1 Profitiert vom neuen Wegabschnitt: die Düsseldorfer Hütte


Fotos: Clarissa & Franziska Haack