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Bergwandern: Färöer Inseln: Weiche Schale rauer Kern


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 12.10.2019

Die Färöer Inseln sind ein spezielles Wandergebiet und vielleicht gerade deswegen voll im Trend: Meist pfadlos, häufig durch steile Grasflanken und manchmal über ein paar Felsen geht es auf die windigen Inselgipfel. Genauso speziell sind übrigens auch die Bewohner der Inseln.


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Während die Westküsten der Inseln oft steil und unzugänglich sind, fällt das Land im Osten flach ab.


Foto: The North Face

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Eigentlich wirkt Johannus Hansen ganz harmlos: Mit blondem Pony-Haarschnitt, in Norweger-Strickpulli und Trekking-Hose sieht der junge Färinger so aus, als ob er keiner Fliege etwas zuleide tun könnte. Doch da ...

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... ist die Geschichte mit den toten Vögeln, die er ganz unbefangen erzählt. Und damit manchen Besucher des Archipels verstört.

Klar, die Bewohner der Inselgruppe weit draußen auf dem Nordatlantik sind dafür bekannt, dass sie seit Jahrhunderten Seevögel jagen. Dass sie aber auch heute noch losziehen, in die glitschigen Klippen oberhalb der Meeresbrandung klettern, den Lummen oder Sturmvögeln dort die Hälse umdrehen, um sie dann kurzerhand von der Steilküste ins Wasser zu werfen, wo Kumpanen mit großen Keschern die Torsos aus der See fischen: Das wollen die meisten Gäste der Färöer gar nicht so gerne hören. Denn wie gesagt: Johannus Hansen entspricht nicht gerade dem Typ »wilder Wikinger« — auf den ersten Blick zumindest. Schon gar nicht, wenn der 31-Jährige mit Gästen bei Wandertouren über seine Inseln zieht. Zum Beispiel an der Ostküste von Vagar. Grasige Bergrücken steilen sich hier zum Inselinneren oberhalb des kleinen Städtchens Sandavagur auf. Die Hänge gen Krosstindur sehen unbedenklich aus. Doch sie dürften viele Touristen aus der Komfortzone katapultieren. Denn Pfade gibt es auf den schroffen Kämmen nicht. Wer sich auf den Färöern auf Tour begibt, der sollte mit Karte und Kompass umgehen können. Und standhaft sein! Denn weil die 18 Inseln nun mal aus dem freien Meer ragen, pfeift eigentlich immer ein Lüftchen um sie. Häufig ist es eine steife Brise, oft geht das Ganze auch in einen Sturm über. Oder es mischen sich — wie an diesem Tag — Orkanböen darunter, die die wackeren Wanderer einfach umwerfen wollen.

Der Finger der Trollfrau

Johannus Hansen lässt das Ganze kalt. Er zeigt stattdessen auf eine über 300 Meter hohe Felsnadel, die sich vor der hohen und steinernen Steilküste auf baut. Nicht mal ein Dutzend Menschen hat den Tr0ll- konufingur, den Finger der Trollfrau, in den vergangenen Jahrhunderten bestiegen — Hansen zählt dazu. »2015 sind wir in einer 48-Stunden- Aktion da rauf geklettert«, berichtet er lässig: »Ich war der jüngste Färinger jemals da oben.« Das Archipel ist ein Spielplatz für Outdoor-En- thusiasten — jedenfalls, wenn diese wetterfest sind. Vier Jahreszeiten werden hier manchmal innerhalb eines Tages geboten. Von Hagel- und Schneeschauern bis zu strahlender Sonne ist alles drin. Insgesamt gilt das Klima wegen des Golfstroms als mild. Draußen unterwegs fühlt sich das aber ganz anders an. Denn wenn Island als Wetterküche Nordeuropas gilt, dann sind die Inseln, die zwischen Island und Norwegen liegen, wohl irgendein meteorologischer Hinterhof, der alles abbekommt, was es an rauen Phänomenen gibt.

Kein Baum, kein Strauch ragt deshalb auch irgendwo in die Höhe — nicht einmal in geschützten Tälern. »Kartoffeln und Rüben, mehr wächst auf den kargen Böden eigentlich nicht«, erzählt Hansen. So mussten die Insulaner seit jeher erfinderisch sein, wenn sie sich etwas zu essen besorgen wollten. Fisch gehörte schon immer auf den Speiseplan. Und auch Grindwale werden von den Färingern bis heute gejagt. Zwar gilt das Fleisch der Delfine als von Umweltgiften belastet, doch rund 800 Tiere pro Jahr werden weiterhin von Schnellbooten in die flachen Buchten der Färöer getrieben und dort am Strand geschlachtet. Die Einheimischen halten trotz internationaler Kritik an der blutigen Tradition fest. Das Fleisch und der Walspeck werden — wie schon immer — unter den Familien der Fänger aufgeteilt.

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1 Nur träumen, nicht anfassen: Die Felsen vor Vágar sind den Vögeln vorbehalten.
2 Múlafossur: ein Wasserfall im Westen der Insel
3 Malerisch: Das Dorf Bøur liegt im Dornröschenschlaf.

Weglos: Wer am Krosstindur unterwegs ist, findet nicht immer einen Pfad.


Das Land der Schafe

Neben dem Fischfang und der Lachszucht bringen vor allem die Touristen Geld ins Land. Es sind meist hartgesottene Out- door-Freaks, die die Inseln im Nordmeer ansteuern. Gerne geht Johannus Hansen mit ihnen an der Felsenküste bei Gasa- dalur auf Tour. Erst seit 2006 ist das abgelegene Dorf im Westen Vagars per Straße und Tunnel erreichbar. Zuvor musste alles, was die Bauern dort brauchten, auf einem glitschigen Pfad über den Gasadals- brekkan — einen fast 500 Meter hohen Berg — transportiert werden. Heute können Touristen die spektakuläre Aussicht auf den Mulafossur — ein Dutzende Meter hoher Wasserfall, der sich hier in den Atlantik ergießt — mit weniger Aufwand genießen. Oder aber selbst erfahren, wie die alte Postläufer-Route aussah.


Wer in die Berge der Färöer aufbricht, ist dort meist allein unterwegs.


Wer in die Berge der Färöer aufbricht, ist dort meist allein. Jedenfalls, was Menschen angeht. Denn ständige Begleiter sind die allgegenwärtigen Schafe, von denen die Inselgruppe ihren Namen hat. Es soll mehr als doppelt so viele der Wolle liefernden Tiere dort geben wie menschliche Bewohner, deren Zahl die 50 000 heutzutage knapp erreicht. Auch beim Rundgang um Gjogv am Nordzipfel von Eysturoy gehören die Schafe immer zum Landschaftsbild. Weithin sichtbar präsentieren sich die weißen wolligen Punkte im Braun-Gelb-Grün des nassen Graslandes, das am Slaettaratindur bis auf fast 900 Meter Höhe hinaufreicht. Für Johannus Hansen gerade der rechte Zeitpunkt, noch darauf hinzuweisen, dass die Färinger Schafe bisweilen an Stricken auf bestimmte Steilwiesen oberhalb des Meeres gezogen werden, um dort besonders leckeres Gras serviert zu bekommen. »Da schmeckt das Fleisch dann ganz von selbst nach Salz«, lobt er.

Zu guter Letzt muss er noch loswerden, wie man Papageientaucher am besten zubereitet, nämlich in Brotteig gebacken. Die putzigen Vögel stehen eigentlich unter Schutz. Doch alle drei Jahre brechen Hansen und seine Kameraden auf, um »die Kolonien in den Felsen zu kontrollieren«, wie er sagt. Genaueres mag man sich gar nicht vorstellen. Dabei sieht Hansen doch so harmlos aus …

Foto: Folkert Lenz

Dass das Wetter auf den Färöern »abwechslungsreich« ist, wussteFolkert Lenz . Dass man drei Mal am Tag pitschnass werden kann, lernte er.