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Bergwandern | Hochkönig: Der Schattenkönig


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Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 14.11.2020

Der Hochkönig überragt mit seinen 2941 Metern alle anderen Gipfel der Berchtesgadener Alpen. Doch in Sachen Bekanntheitsgrad ist er Watzmann oder Hochkalter deutlich unterlegen. Warum eigentlich?


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Bildquelle: Bergsteiger - Das Tourenmagazin, Ausgabe 12/2020

Der Hochkönig, ein imposanter Gebirgsstock


1 Das Matrashaus, eine der höchstgelegenen Hütten der Ostalpen


Wettersteingebirge ist gleich Zugspitze. Und die Berchtesgadener Alpen sind der Watzmann. Vielleicht liegt es an dieser riesigen »Schicksalswand«, dass nicht nur Turnschuhtouristen den versteinerten König für den höchsten Gipfel weit und breit halten. Dabei kulminiert das riesige Kalkgebirge südlich des ...

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... Königsees nicht an der 2713 Meter hohen Watzmann Mittelspitze, sondern gut fünfzehn Kilometer weiter südlich am über zweihundert Meter höheren Hochkönig. Schuld an solchen geografischen Fehlschlüssen ist freilich auch die sogenannte »mental map«, unsere individuelle »Karte im Kopf«. Da wir meist von Norden in Richtung Berchtesgadener Alpen anreisen, bildet diese Hochkalter, Watzmann & Co. als wesentlich bedeutender ab, als den eigentlichen Herrscher von Steinernen Meer und Hagengebirge.

Neue Wege gehen

So braucht es bisweilen einen schneereichen Winter, um bekannte Pfade zu verlassen. Noch Anfang Juli liegt nordseitig so viel Schnee, dass wir eine längere Anreise in Kauf nehmen und die Berchtesgadener Alpen erstmals von Süden erobern wollen.

Schwül ist es an diesem Tag. Schwer drückt die Luft auf die Dächer von Hinterthal. Erwartungsvolle Blicke richten sich nach Norden. Dorthin, wo ganz weit oben die Wasserfallscharte zu erahnen ist: unser von steilen Felsflanken eingerahmtes Eintrittstor ins Steinerne Meer. Kaltes Schmelzwasser sprudelt uns beim Anstieg entlang des Wasserfallbachs entgegen. Sein Ursprung lässt die ganze Unternehmung zwei Stunden später fast platzen. Wäre der steile Lawinenschnee-Hang nur eine Spur härter, wäre ohne Pickel und Steigeisen jetzt schon Schluss. Vorsichtig schlagen wir Mini-Tritte in den Altschnee, bis wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen spüren. Der Hang wird noch steiler, das Geröll zum kompakten Fels. Dank fester Griffe und Tritte geht es zügig hinauf, bis sich das Gelände an der Wasserfallscharte imposant zurücklehnt. Vor uns liegt die endlose Karstlandschaft des Steinernen Meer. Dank der guten Sicht können wir den Südabstürzen des Steinernen Meer in Richtung Osten folgen. Hochstreif und Bonegg werden rechts liegen gelassen, um zügig zum 2567 Meter hohen Scharegg aufzusteigen. Viel Zeit, die schwindelerregende Aussicht zu genießen, haben wir nicht.

2 Aufstieg zum Brandhorn im Steinernen Meer


Notunterkunft deluxe

Schon von weitem schaut das schindelbedeckte Wildalmkirchl-Biwak sehr heimelig aus. Das schnöde Attribut »Notunterkunft« wird dem gemütlichen Hexagon nicht gerecht. Licht durchflutete Fenster, Stockbetten mit frischen Decken und in der Mitte ein schöner Massivholztisch. Hier kann man es eine Nacht lang sehr gut aushalten. Eine Heiz- und Kochmöglichkeit gibt es allerdings nicht. Deshalb haben wir Kocher und Topf dabei. Während zwei von uns damit beginnen, die Hinterlassenschaften des letzten Winters zu schmelzen, steigen wir anderen einem abendlichen Balanceakt entgegen. Sowohl am ausgesetzten First des Wildalmkirchl als auch an seinem Gipfelturm darf man sich keinen Fehltritt leisten. Stahlseile? Fehlanzeige! Und das zum Glück. So bleibt uns dieser abendliche Kletterspaß in ganz besonderer Erinnerung.


Der eigentliche Herrscher der Berchtesgadener Alpen


Deutlich flacher, aber auch deutlich länger präsentiert sich der Folgetag. Drei Gipfel haben wir bereits überschritten als wir an der Torscharte vom Steinernen Meer zum Hochkönigstock wechseln. Die Gletscherreste der Übergossenen Alm schwitzen in der heißen Junisonne. Die Luft flimmert über Karstfelsen, hinter denen der Hochkönig scheinbar nur zentimeterweise näherkommt. Doch dann ist der befürchtete Schlussanstieg viel kürzer als gedacht. Trotz großen Durstes lassen wir das Matrashaus erst einmal links liegen und gehen weiter. Dorthin, wo der Hochkönig mit einer riesigen Steilwand nach Süden hin abbricht. Genau hier wird seine rekordverdächtige geografische Lage augenscheinlich: Der Hochkönig überragt alle Berge im Umkreis von rund 34 Kilometern. Mit einer Schartenhöhe (die Differenz von Gipfelhöhe und der höchstgelegenen Einschartung, bis zu der man absteigen muss, um einen höheren Gipfel zu erreichen) von 2181 Metern gehört der Hochkönig zu den geographisch prominentesten Bergen der Alpen. Er wird nur übertroffen von den Berühmtheiten Mont Blanc, Großglockner, Finsteraarhorn, Wildspitze und Piz Bernina.

1 Kraxelei im Herzogsteig am zweiten Tourentag vom Brandhorn zum Hochkönig


2 Das Wildalmkirchl-Biwak, ein gemütliches und lichtdurchflutetes Hexagon


Gipfelbier im Matrashaus

Dass bis heute auf dem Gipfel eine Bergsteigerunterkunft steht, ist übrigens keine Selbstverständlichkeit. Da sich das Haus in einem der kaiserlichen Jagdreviere befand, sollte es 1912 auf Geheiß des Thronfolgers Franz Ferdinand abgetragen werden. Franz Eduard Matras sprach beim Kaiser vor und fand Gehör. Siebzig Jahre später brannte das nach ihm benannte Gebäude dann bis auf die Grundmauern nieder. Der spätere Neubau konnte im Herbst 1985 eröffnet werden. Nach wie vor ist die Instandhaltung des Matrashauses auf knapp 3000 Metern schwierig. Das Hüttenteam wartet bei unserem Besuch gerade sehnsüchtig auf ein wichtiges Ersatzteil. Die Pumpe, welche das Wasser von einem kleinen Restgletscher-See zur Hütte pumpt, hat vorgestern ihren Geist aufgegeben. Zum Glück befindet sich aber noch genug Regenwasser in der Zisterne.

Als Mitautor der »Wilden Hutten « von Mountain Widlerness fuhlte sich Michael Pröttel am Wildalmkichl-Biwak und am Matrashaus richtig aufgehoben.


Foto: pixelio.de/Josef Thoma

Fotos: Michael Prottel

Fotos: Michael Prottel