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Berlin: Arena Treptow: HIGHMELIGES HEIMSPIEL


Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 19.06.2019

Zum achten Mal öffnet das DESERTFEST BERLIN seine Tore, zum zweiten Mal residiert der Frühlingstreff für Stoner-, Doom-und Heavy Psych-Freunde in der Arena Treptow. Die Organisatoren haben an einigen Stellschrauben gedreht und ein gelungenes, international besuchtes Drei-Tages-Event aus dem Wüstenboden gestampft, das die rar bestellte Festival-Kultur der Hauptstadt um so manche Nuance bereichert.


Artikelbild für den Artikel "Berlin: Arena Treptow: HIGHMELIGES HEIMSPIEL" aus der Ausgabe 7/2019 von Metal Hammer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Metal Hammer, Ausgabe 7/2019

Das Feedback aus dem Vorjahr kam offenbar an: Dem damals schwachen Sound setzen die Veranstalter nun eine Abhängkonstruktion entgegen, welche die riesige Mehrzweckhalle in zwei Bereiche teilt. Im Inneren der ...

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... festen Stoffbahnen spielt die Musik, außerhalb lockt in rotem Schummerlicht ein Markt mit Merch, allerlei Nippes und Kunst, Live-Tattoos und Essen – sogar eine Kuchenbar zum Erhaschen später Leckereien ist geboten. Am Spree ufer vor der Halle lockt ein Biergarten sowie das verankerte Schiff Hoppetosse, auf dessen Deck einige Outdoor-Konzerte pro Tag stattfinden. Zudem wurde das Token-System vereinfacht und ist nun selbst in vernebeltem Zustand durchschaubar. Dem Festival-Genuss steht somit nichts mehr im Weg – rein in die Riff-Schwaden!

Freitag, 3. Mai

Zur Eröffnung lockenThe Devil And The Almighty Blues eine nicht unerhebliche Menge in die Halle in der Halle. Zum zweiten Mal Gast der Berliner Wüstenfestspiele, punktet das Osloer Quartett mit coolem Band-Namen, programmatisch abgehangenen Riff-Schwarten und heiserer Röhrenkehle genau an jener Kreuzung, an der Robert Johnson auf Black Sabbath und Danzig warten würde. Guter Einstand! Wäh rend sich an der Bändchenausgabe Schlangen bilden, geben innenMondo Generator Gas: Die Band um Nick Oliveri machte sich live zuletzt rar, und auf ein Album wartet man seit Jahren. Umso energetischer rockt das Trio (nach Gitarrenproblemen) die Hauptbühne. Oliveris Schreie sitzen so treffsicher wie die groovenden Riffs, die teils thrashend hart wachrütteln. Das Kyuss-Cover ‘Green Machine’ zaubert gar einen Moshpit aufs Parkett – eine echte Rarität!
Als erster Act auf der Hoppetosse gibt KollegeWino ein Akustik-Set zum Besten: Trotz Kälte, Gegenwind und für die intimen Spelunken-Songs zu viel Tageslicht behauptet sich der 58-Jährige in luftiger Lederweste als taffer Troubadour und erhält gen Ende für ein lässiges Lemmy-Gedenk-Cover (‘Iron Horse/Born To Lose’) akustische Unterstützung vom zuvor mit Mondo Generator bratenden Nick Oliveri. In der Folge ladenMonkey3 zwischen ihren zwei mondhellen SPH ERESymbolen zum kaleidoskopisch animierten Instrumental-Trip. Die Schweizer knien sich körperlich rein und kreieren ein intensives Erlebnis fernab bekannter Sphären zwischen Gipfelstürmen und wogender See. Dann steigen Dampf und Jubel empor, und der Keyboardgesäumte Riff-Rausch nimmt den Hörer gefangen, bis eine Spieluhr zur Räson ruft – betörend! Wie bestellt brechen draußen die Wolken auf und setzen24/7 Diva Heaven in Szene: Das Damentrio lockt und rockt mit seiner Mixtur aus Indie und Grunge, die zahlreiche Headbanger beim Abendsonnenbier goutieren – ein weiblicher Fan wirft gar inmitten der Band den Haarrotor an und stiehlt ihr fast die Show. Sauberer Start für die Berlinerinnen, deren Debüt-EP noch kein Jahr alt ist!
MitEarthless folgt eine weitere Instrumentalgruppe, die ebenfalls überzeugt. Im Vergleich zu den Affen kommen die „Cosmic Jams from San Diego“ weniger verkünstelt daher – die drei US-Amis schrubben wie beseelte Arbeiter ihre doomigen bis kraftvollen Rock’n’Roll-Riffs in die Menge. Auf Animationen verzichten die Kraut-inspirierten Blueser bewusst – stattdessen erklingt am Ende der intensiven Darbietung Gesang zur Auflockerung. Für manch Glücklichen ist der ersehnteWitch -Auftritt dann doch nicht so rar wie gedacht – ließen sich die selten aufspielenden Doom-Stoner um Dinosaur Jr.-Chef J Mascis doch bereits beim Warm-up am Vorabend blicken! Mit großem Sabbath-Schlag geben sie sich als Riff-Reiter mit gnadenloser Gerte und setzen den Fokus stets auf Groove, niemals fälschlich auf Härte. Gemessen an dem, was Mascis sonst an spitzem Feedback und Gitarrengrollwänden vom Stapel lässt, ist das Spiel des hier als Drummer agierenden 53-Jährigen subtil bis minimalistisch. Dagegen liest sich die Wahl der Folgetruppe auf dem Papier wie ein schallend-schelmischer Kifferwitz:All Them Witches aus Nashville ziehen mit ihrer charakteristischen Mischung aus Floyd-verspieltem Blues, Appalachen-Folk und -Ambient sowie dröhnenden Stonertum in den Bann und erweitern das ohnehin stilistisch breiter definierte Desertfest gewinnbringend um ein paar ur-amerikanische Klangfarben mehr. Der drückendeinlullende Melodieteppich vonColour Haze knipst da nach das Licht aus: Die Münchener feiern 25-jähriges Bestehen und versetzen mit ihrem Bühnenbild in Parallel welten – baumartige Gebilde, verschwimmende Mandalas und atmosphärisches Wasserrauschen legen die perfekte Basis für die folgenden 90 Minuten. Zu verträumten Klängen (etwa ‘Lavatera’) fällt das Wachbleiben schwer – doch es lohnt sich und erlaubt ein Nachhauseschweben am Rande der Realität.

Samstag, 4. Mai

Ein fast akzentfreies „Guten Morgen“ vonMirror Queen -Fronter Kenny Kreisor läutet den Samstag ein. Mit ihrem psychedelischen Hard Rock sind die New Yorker eine gute Wahl, um den müden Geist aus seinem Schlummertraum zu erwecken. Dass der erste Song mehr oder weniger als Soundcheck dient, tut der Sache keinen Abbruch – kurz nachjustiert, schon sitzen alle Töne, wie sie sollen. Mit viel Laufbereitschaft sucht Bassist James Corallo Kontakt zu seinen Kollegen und verleiht dem statischen Auftritt eine angenehme Dynamik. Ähnlich agil flitzen danach die Füße in Richtung Hoppetosse:R.I.P. sind laut eigener Aussage extra aus Oregon, USA, angereist, um unsere Gräber zu schaufeln! Mit sensenartigem Mikroständer zieht der Vierer die Todesthematik rigoros durch und setzt bis zum finalen ‘Smoke And Lightning’ mit großen Gesten und lässigen Ansagen auf Show-Charakter – unterhaltsames Paket! Ein ebensolches sindLucidvox : Die Moskauerinnen verzieren ihre Instrumente mit pinkem Tüll, die Outfits glitzern, und bereits vor Show-Beginn vernimmt das Ohr nervöses Kichern. Frau darf auch mal Mädchen sein – doch auch musikalisch überzeugt das Quartett bei seiner Deutschland-Premiere auf ganzer Linie! Die Musikerinnen um Sängerin Alina, die mit ihrer Vielseitigkeit beeindruckt, kombinieren Rock mit Folk-wie Punk-Einflüssen und russischen Texten – diese vielversprechende Combo hätte gerne länger spielen dürfen!
Während es vom Schiff mit dem kalifornischen TrioZig Zags unterhaltsame Punk Rock-, aber auch Stoner-und Doom-Riffs hagelt, evozieren die SchwedenHällas vom „Schloss in den Bergen“-Backdrop bis hin zu stilsicheren Samtumhängen ein märchenhaftes Ambiente. Musikalisch gelingt ihnen das mit coolen Keyboards, Twin-Gitarren und einem zwischen Prog-Frickeligkeit, Folk und hymnischem Hard Rock changierenden Rush-Sound für Zauberlehrlinge. Allein der (ohnehin gewöhnungsbedürftige) Gesang kämpft heute um Durchsetzungskraft – ihre bis dato größte Hymne ‘Star Rider’, eine Hommage an das Sci-Fi-Anime-Kinderfernsehprogramm der frühen Achtziger, schmälert dies indes nicht. Komplettes Kontrastprogramm liefernThe Shrine : Seitdem die einstige Nashville Pussy-Bassistin Corey Parks das Trio aus Venice Beach verstärkt, konnte dieses um ein paar Energie-Level zulegen. Stooges, Iggy, Dolls, Cooper, Thin Lizzy und Motörhead sausen einem als Stichworte zu diesem atemraubenden Amphetamin-Auftritt durch den Kopf und lassen sich eher auf dem seligen Speed-denn dem Desertfest wähnen. Solierendes Stagediving von Sänger/Gitarrist wie Lynott-Lookalike Josh Landau zum Finale sowie rotierende Circle Pits sind die letzten Auswüchse dieses genialen Ausnahme-Sets. Nach so viel Aufputschmusik lebt das wüste Motto wieder auf:Naxatras leiten die Rückkehr psychedelischer Klänge nebst passend bespielter Videoleinwand ein; ihre Instrumental-Eskapaden atmen in den besten Momenten authentischen Seventies-und
Greenleaf setzen auf schwelgende wie nach vorne gehende Rock-Nummern: ‘Howl’ steigert sich vom psychedelischen Groover zum reinrassigen Headbanger; ‘With Eyes Wide Open’ profitiert nicht zuletzt im Mitsingfinale vom guten Sound. Zwischen emporgerissenen Gitarren und knödelndem Danzig-Gedenkgesang hat das Festival spätestens jetzt seinen Tonfall gefunden. Derweil greiftNick Oliveri auf der Hoppetosse erneut zum Mikro: Im Rahmen seiner „Death Acoustic“-Tour gibt der ehemalige Kyuss-und Queens Of The Stone Age-Glatzkopf Songs seiner gesamten Karriere und weitere Cover zum Besten – nur mit Akustikgitarre und Gesang. Nach Sonnenuntergang erzeugen Mediaspree und Fernsehturm am Horizont faszinierende Lichtspiele, während an Deck ergebene Fans begeistert jauchzen und heulen – so amüsant und intensiv hat man ‘Endless Vacation’ der Ramones und ‘Six Shooter’ (QOTSA) selten gehört! Anders schräg kommt das kunterbunte SextettKikagaku Moyo daher: Von psychedelischen Animationen und einer Sitar untermalt, schwillt ihr faszinierendes Wirken binnen Minuten zur pompösen Klangwand an.Im Verlauf geben sich die in ihrer eigenen Aura schwebenden Japaner stimmungsvollen Klangkulissen hin, brechen aber und einer Sitar untermalt, schwillt ihr faszinierendes Wirken binnen Minuten zur pompösen Klangwand an. Im auch mit Galopp-Riffs aus den explorativen Passagen aus – die Meute dankt’s mit Jubel, was die „Feeling good“-Truppe zu Lobreden auf das Event animiert. Nach der ermüdenden Umbaupause gelingtFu Manchu mit ihrem energetischen Stoner Rock der nötige Weckruf: Die Kalifornier mobilisieren noch mal alle Kräfte und absolvieren vor ihrem Biker-Banner einen schwungvollen Auftritt, der dank eindringlicher Songs wie ‘Pigeon Toe’, ‘Boogie Van’ oder ‘King Of The Road’ einschlägt und bald nicht nur viele Hände, sondern auch Crowdsurfer in die Höhe wuchtet. Streifenträger Scott Hill bedankt sich ein ums andere Mal und jagt mit ‘Saturn III’ einen echten Leckerbissen als Belohnung in die Arena – absolut Headliner-würdig!

The Shrine


Greenleaf


… und Worshipper


Witch


Nick Oliveri


Nick Oliverid


Stonefi eld


Wovenhand


The Skull


Earthless


Kikagaku Moyo


Mondo Generator


Sonntag, 5. Mai

Ein vom gestrigen Abriss merklich dezimiertes Publikum lässt es sich nicht nehmen, zum sonntäglichen Auftakt dem bunten Spektralfarbenspiel und Heavy Psychedelic Rock mit gelegentlichen Queens Of The Stone Age-/ Alter native-Anwandlungen vonSwedish Death Candy zu lauschen. Die Band zeigt sich vom Zuspruch positiv überrascht und gibt sich alle Mühe, einen guten Einstieg in den letzten Wüstentag zu gewährleisten. Zähneputzen ist hiernach aber Pflicht! Allein schon, wenn man der Schwesternband(e)Stonefield ein blitzendes Lächeln schenken will. Deren schwere Sabbath-Schlepper werden von schwelender Orgel und der glockenreinen Stimme Amy Findlays, Sängerin und Schlagzeugerin in Personal union, spannend kontrastiert. Doch auch Synthie-Kaskaden und memorable Keyboard-Motive sind Teil der Ausdruckspalette der Down Under-Girls, genau wie Folk-Versatzstücke und Space-Rockiges zum Finale zu einem tribalhaft flehentlichen, dann eruptiven Epos kulminieren – toll! Rasante Riff-Abfolgen und ein doch doomiger Charakter durchziehen auf dem Boot die Stücke vonWorshipper . Der frischen Temperatur wirken die vier mit heißem Gitarrenspiel und hämmernden Rhythmen entgegen – besonders Dave Jarvis prügelt mit maximaler Hingabe auf sein Schlagzeug ein. Der Sound des Trupps groovt und rockt, egal ob an Deck oder mit festem Boden unter den Füßen.
Doch bald ist die Ausklangstimmung kaum mehr zu verleugnen: ZuBlack Tusk will sich die Halle nicht recht füllen, da viele Rocker draußen Kraft und letzte Sonne tanken. Dennoch bemühen sich Savannahs Südstaaten-Sumpfmetaller redlich, den Saal mit aggressiven Sludge-Salven wachzuprügeln. Sänger/Gitarrist Andrew Fidler reißt provokant seine Flying-V in die Höhe, und die Headbanger demonstrieren zu ‘Enemy Of Reason’ ihr Wohlgefallen. Obwohl sich die Meute gen Ende weiter zerstreut, fordert Bassist Corey Barhorst seine Kollegen auf, nachzulegen – dem Pit gefällt’s! Zurück in der Wüste begeisternElectric Citizen mit Sabbath-Einschlag und charismatischer Frontfrau: Laura Dolan im eng sitzenden Lackleibchen kann es gesanglich und in Sachen Bühnenpräsenz locker mit Genre-Größen wie Elin Larsson (Blues Pills) aufnehmen. Der beschwingte Seventies-Sound des US-Quartetts fesselt – hiervon hört man hoffentlich bald mehr! Verwirrung hingegen an der Hoppetosse: Kurzfristig musste das Pro gramm vorverlegt werden, sodass viele Fans die Portland-SludgerBlackwater Holylight verpassen und die IsraelisThe Great Machine zwei Stunden früher als geplant an Deck gehen. Ihr Publikum finden sie trotzdem und gefallen mit Schnoddrigkeit in Ansagen („The next one is a very good song“) wie Musik – mangelnde Virtuosität macht das Trio mit Einsatz und „Fuck the police“-Ansagen wett. Schade, dass die Verschiebung nur via Facebook (statt auf den mit Batikwabern bespielten Wänden der Vorhalle) kommuniziert wird.
Für einen Hauch „Keep It True“-Stimmung im Doom-Rahmen des Desertfests sorgen optisch wie musikalischThe Skull . Mit dem ehemaligen Trouble-Sänger Eric Wagner und -Bassisten Ron Holzner in den kampferprobten Reihen den Veteranenfaktor mehr als erfüllend, zeigt sich die Combo als mit allen Wassern gewaschene, immens agile Old School-Instanz: Wagner ist stimmlich in bester Verfassung und bleibt vielen Genre-Kollegen haushoch überlegen. So steht das Bild der Saiteninstrumentalisten, am Ende Schulter an Schulter lehnend, für einen familiären Hauch genialer alter Doom Metal-Schule. Kontraste liefernLong Distance Calling , die sich nach ihrer „Seats & Sounds“-Tournee wieder vor Festival-Stehpublikum wagen. Im Gegensatz zu einigen Instrumentalkollegen konzentrieren sich die Münsteraner auf ihren Kern und entschweben gesanglichen Bürden – bis auf ein dezentes Flüstern – mit gewohnter Leichtigkeit. Abermals gelingt es dem Quartett mit schwärmerischem bis aufbegehrendem Prog Metal, bleibenden Eindruck zu hinterlassen – der Vielfalt des Jubiläumswerks AVOID THE LIGHT (‘Sundown Highway’) bis zu ‘Out There’ sei Dank! Mit viertelstündiger Verspätung lassenWovenhand staubigen Wind aus depressivem US-amerikanischem Dust Bowl-Defätismus, schamanistischem Roots Rock und grollendem Gospel auf die Meute einprasseln. Wie aus einem frequenzverschobenen Klapperradio kämpfen sich David Eugene Edwards’ Evangelien durch ein Bollwerk von scheppernder Sound-Wand und muss man an The Cult, Nick Cave, Tom Waits und The Gun Club zugleich denken, wenn man nicht wie zum Schluss im rhythmisch wie hymnisch Bewusstseinsebenen verschiebenden Trance-Tanz-Ritual versinkend verharrt. Zurück bleibt immense Neugier auf das Folgende: Von allen Seiten wurdenOm vorab in höchsten Tönen gelobt, ein Live-Auftritt der Truppe um Sleep-Bassist und Sänger Al Cisneros gilt als Seltenheit. Die Männer auf den letzten Festivalslot zu packen? Vielleicht nicht die beste Idee! Es scheint, als hätten viele Besucher bereits die Heimreise angetreten oder vor dem anstehenden Arbeitstag kapituliert. Die Verbleibenden genießen jedoch die hypnotisierendmantrahaften Klänge, die das Trio mit langsamen, wabernden Instrumental-Passagen kreiert. Auch wenn der Sound teils befremdlich scheppert (ob Absicht oder nicht): Was Om kredenzen, kommt an – sei es stehend, sitzend oder gar im Halbschlaf. Entsprechend gespannt darf man sein, welche Wüstenschätze die Desertfest-Macher 2020 ausgraben werden – Team METAL HAMMER freut sich schon jetzt auf das ans Herz gewachsene Heimspiel!


Fotos: L. Gratzke, K. Riedl