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Berühmte arabische Seefahrer Die Vorgänger der europäischen Entdecker


DiscoverME - epaper ⋅ Ausgabe 78/2019 vom 11.12.2019
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Bildquelle: DiscoverME, Ausgabe 78/2019

Durch die geografischen Gegebenheiten auf der kargen Arabischen Halbinsel waren deren Bewohner schon immer abhängig von ausländischen Lieferungen für die Notwendigkeiten des Lebens. Daher mussten sie Reisen in ferne Länder wie Ägypten, Abessinien, Syrien, Persien und den Irak unternehmen. Darüber hinaus lagen die fruchtbaren Gebiete Arabiens, einschließlich dem Jemen, Oman und Bahrain, jeweils an den Küsten und die Araber nahmen Seewege, um diese Orte zu erreichen und ihren kommerziellen Interessen nachzugehen.

Die ältesten Schiffe

Aus Hierakonpolis im heutigen Oberägypten stammen die ältesten bisher ...

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... bekannten Schiffsdarstellungen, die bis etwa 5000 v. Chr. zurück reichen: Sie zeigen ein Papyrusschiff mit hochgezogenem Heck, einem Steuerruder und einigen hüttenartigen Aufbauten. Vornehmlich für die Fahrt auf dem Nil, aber auch für Fahrten über das Mittelmeer und das Rote Meer wurden Schiffe mit einem Mast und einem großen Segel eingesetzt. Das Segel war bereits drehbar gelagert, so dass die Schiffe auch bei seitlichem Wind segeln konnten. Ca. 3000 v. Chr. ersetzten die alten Ägypter bei größeren Schiffen die Paddel erstmals durch kräftesparendere Riemen (Ruder), was als erste große bekannte Revolution im Schiffsantrieb galt.

Beeindruckende Kenntnis der

Meere

Arabische Seefahrer und Entdecker hatten ein sehr breites Wissen über die Meere und Ozeane. Die größte Entdeckung der Araber war, dass die Ozeane miteinander verbunden sind und eine kompakte ozeanische Welt formen. Die ersten umfassenden Seewege, die von Arabern im ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhundert beschrieben wurden, begannen im Indischen Ozean: Einer führte durch den Pazifik, das Beringmeer, den Arktischen Ozean und den Atlantik und trat durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer ein. Der andere Weg war leichter. Beginnend im Indischen Ozean führte er durch die Abessinische See, die Straße von Mosambik, umkreisend das Kap der Guten Hoffnung und trat in den Atlantischen Ozean ein. Er lief weiter durch die Straße von Gibraltar und führte dann ins Mittelmeer. Das war die Route, die in umgekehrter Richtung von VASCO DA GAMA im Jahre 1498 n. Chr. genommen wurde. Damit wird deutlich, dass auch die Araber schon früh in die Seefahrt involviert waren und Karten von Meeren und Ozeanen besaßen, die sie auf ihren Entdeckungsund Handelsreisen verwendeten.

Der in Tunesien geborene Historiker IBN KHALDUN (1332 – 1406) hat die Länge des Roten Meeres mit 1.400 Meilen angegeben. Nach heutigen Karten misst es exakt 1.310 Meilen: Die Berechnungen der arabischen Geografen lagen also bereits im Mittelalter sehr nahe an der modernen Forschung.

Auch die Beringstraße und das Beringmeer waren den Arabern bekannt. Der von SULAIMAN AL MAHRI beschriebene Seeweg führt vom Pazifischen bis in den Atlantischen Ozean, wobei er die Beringstraße durchquert. Der berühmte Entdecker AL MAS‘UDI erwähnte die Beringsee ebenfalls in seinen Werken unter dem Namen „Warang Meer“. Laut der Enzyklopädie von Amerika waren die Geografie des äquatorialen Afrikas sowie der Ursprung des Flusses Nil den Arabern für eine lange Zeit bekannt.

Auch die „Piratenküste“ entlang der Arabischen Halbinsel trug nicht von ungefähr ihren Namen und Arabische Schiffstypen – Dhows, Bagallas, Nuhris, etc. – segelten bereits im Mittelalter über den Indischen Ozean. Eine arabische Seemanstradition gibt es dort bis heute. Die Dhow als traditionelles Fahrzeug wurde und wird heute noch auf der arabischen Halbinsel gebaut: Dazu werden Planken aus teurem Teakholz verwendet und diese nach traditioneller Art mit Kokosfasern „vernäht“.

Europäische Entdecker mit arabischen Vorgängern

Der italienische Seefahrer CHRISTOPH KOLUMBUS entdeckte 1492 Amerika: Mit dieser Gewissheit sind in Europa ganze Generationen aufgewachsen. Mittlerweile bestehen jedoch unter zahlreichen Historikern Zweifel an Kolumbus‘ Rolle als Pionier. Auf einer jahrhundertealten Karte aus Kamelhaut ist die Ostküste Südamerikas erstaunlich präzise dargestellt. Diese Karte des osmanischen Generals PIRI RE’IS gilt als Beleg dafür, dass Seefahrer aus der Mittelmeerregion schon vor Kolumbus das amerikanische Festland erreichten. Astronomie, Geografie, Kartografie, Nautik – all das erforschten wissbegierige Araber mit enormem Eifer, angespornt von ihren weltoffenen Herrschern. Schon im 7. Jahrhundert seien die Araber so nicht nur mit der Vorstellung einer kugelförmigen Erde in Kontakt gekommen, sondern hätten diese bereits als Tatsache akzeptiert, argumentieren diverse Orientalisten und Historiker. Zudem entwickelten die Araber viele astronomische und nautische Instrumente weiter. Vor allem eine ihrer Leistungen sticht dabei hervor: Die Araber seien schon Jahrhunderte vor den Europäern in der Lage gewesen, Längengrade und damit geografische Daten exakt zu messen. Nur mit dieser Fähigkeit lassen sich überhaupt brauchbare, weil genaue Karten erstellen – eine Kunst, in der die Araber über die Jahrhunderte große Fähigkeiten entwickelten. Europas wagemutige Entdecker konnten ihre Expeditionen nur dank der nautischen, technischen, astronomischen, geografischen und kartografischen Kenntnisse, die Europa in Jahrhunderten von den Arabern übernommen hatte, verwirklichen.

Fiktive und historische Persönlichkeiten

Bereits vor dem Auftauchen der Portugiesen in der Region bestand eine rege Schifffahrt zwischen der Arabischen Halbinsel, Persien, Indien und Ostafrika, wobei hier Händler zumindest teilweise durchaus mit Seefahrern gleichzusetzen sind. Viele andere Möglichkeiten, Handel zu treiben, gab es nicht und die wesentlichen Handelsstädte lagen alle an der Küste oder den wenigen größeren Flüssen. Der Binnenhandel war zu dieser Zeit wohl weniger ausgeprägt – Seehandel hingegen reichte von den arabischen Ländern bis nach Indien, Südostasien und Ostafrika (insbesondere Sansibar). Auch im Roten Meer wurde seit jeher Seefahrt betrieben. Diese Doppelrolle Kaufmann/Kapitän wird beispielsweise durch die fiktive Figur des Sindbad verkörpert.

Sindbad der Seefahrer

Die berühmten Geschichten von Tausendundeiner Nacht, darunter die von Sindbad dem Seefahrer, geben einen Einblick in die Abenteuer der furchtlosen Araber. Es bietet sich eine farbenfrohes Bild großer Reisen von arabischen Seeleuten, die schon im ersten Jahrhundert nach der Hijrah, unerschrocken vor den unterwegs lauernden Gefahren, die stürmische See durchstreiften und solch ferne Länder wie Ceylon, Sansibar, die Malediven, Malaysia, Java und Sumatra bereisten. Die Erzählungen rund um die Figur des Sindbad und seine sieben Reisen haben ihre Wurzeln vermutlich in indischen, persischen sowie arabischen Volksmärchen und dem üblichen „Seemannsgarn“, wie er in den unterschiedlichsten Epochen in den Häfen verschiedenster Länder verbreitet wurde. Im Namen der Märchenfigur ist die Bezeichung für den Indus (Sindh) enthalten, von dem aus seit Langem Seeverbindungen in die islamischen Länder bestanden.

Abul Hassan Ali Ibn Al Hussain Al Mas’udi

ABUL HASSAN ALI IBN AL HUSSAIN AL MAS’UDI (um 895 – 957 n. Chr.) gilt als eine der vielseitigsten Persönlichkeiten der islamischen Welt, berühmter Autor und Entdecker des Ostens. Er war noch sehr jung, als er durch Persien reiste und sich für ein Jahr in Istakhar aufhielt. Von Bagdad aus ging er nach Indien, kehrte zurück nach Persien, bereiste dann Kerman im heutigen Iran und fuhr anschließend wieder nach Indien.

Während er durch Cambay, Dekkan und Ceylon reiste, segelte er zusammen mit einigen Händlern bis nach Indo-China und China. Auf seiner Rückfahrt besuchte er Madagaskar, Sansibar, den Oman und erreichte schließlich Basra, wo er sich später niederließ und sein großes Werk „Die Goldwiesen und Edelsteinminen“ (Muruj-al-Dhahab wa Ma-âsdin al-Jawhar) schrieb, in dem er zur Freude des Lesers seine reichen Erfahrungen auf unterhaltsame Art teilt. Al Mas‘udi besuchte auch das südliche Ufer des kaspischen Meeres und reiste durch Zentralasien und die Region Turkestan. Im Ruhestand in Fustat, dem alten Stadtteil der ägyptische Hauptstadt Kairo, schrieb er seine umfangreiche Arbeit „Spiegel der Zeit“ (Mir-ât-uz-Zamân), welche 30 Bände umfasst. Er beschreibt hier ausführlich die Geografie, Geschichte und das Leben der Menschen in den Ländern, die er besucht hat.

Ibn Battuta

ABU ABDULLAH MUHAMMAD (1304 – 1378 n. Chr.), besser bekannt als IBN BATTUTA, ist der wohl am besten Bekannte unter den muslimischen Reisenden. Geboren im marokkanischen Tanger, begann er seine Reisen im Alter von 20 und kehrte erst mit über 50 Jahren nach Hause zurück. Während dieser drei Jahrzehnte legte er rund 120.000 km zurück, was in etwa drei Reisen um den gesamten Globus entspricht. Kein Entdecker oder Reisender während des Mittelalters ist in seiner Lebenszeit so viel herumgekommen. Von Tanger aus reiste er nach Ägypten, Abessinien (das heutige Äthiopien), Nord-und Ostafrika bis nach Mombasa. Er durchquerte die große Sahara und erreichte Timbuktu. Er beschreibt eine Oase in der Sahara, wo Menschen Häuser aus Steinsalz mit Kamelhautüberdachungen bauten. In Europa besuchte er Spanien, das oströmische Reich und Südrussland. Er segelte im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. In Asien gab es kaum ein muslimisches Land, das Ibn Batuta nicht gesehen hatte. Er machte viele Touren in den arabischen Ländern und führte vier Mal die Hadsch – die heilige Pilgerfahrt nach Mekka – durch. Außerdem bereiste er Persien, Turkestan, Afghanistan, Indien, die Malediven, Ceylon, Ostindien, Indo-China und China. Nach seiner Überlieferung war die jemenitische Hafenstadt Aden in diesen Tagen ein großes wirtschaftliches Zentrum und besaß ein effizientes System für die Wasserversorgung. Er reiste in nördliche Richtung bis ins sibirische Bolghar (54 Grad Nord), um die Kürze der Sommernächte zu sehen und hatte anscheinend Pläne, weiter in das „Land der Finsternis“, den hohen Norden von Russland, zu reisen – eine Expedition, die er jedoch nicht mehr verwirklichen konnte.

Shababuddin Ibn Majid

SHAHABUDDIN AHMAD IBN MAJID (ca. 1430 – 1500) wurde auf der Arabischen Halbinsel in eine Familie mit langer Seefahrertradition geboren und konnte Überlieferungen zufolge bereits im Alter von 17 Jahren ein Schiff navigieren. Als einer der berühmtesten arabischen Seeleute überhaupt erreichte er seinen Ruhm im Westen als der Mann, der Vasco da Gama von der Ostküste Afrikas über das Kap der Guten Hoffnung nach Indien führte. Sein umfassendes Wissen über die Weltmeere beeindruckte die Portugiesen jener Zeit, die ihn in ihren Schriften den „Meister der astrologischen Navigation“ nannten.

Ibn Majid wird als einer der vier „Seelöwen“ seiner Zeit bezeichnet: Der pakistanische Historiker und Islamwissenschaftler SAYYED SULAIMAN NADVI zählt in seinem Werk mit dem Titel „Die Navigation der Araber“ 15 Bücher auf, die von Ibn Majid über marine Navigation geschrieben wurden. Laut einer westlichen Überlieferung ist Ibn Majid einer der frühesten Autoren von nautischen Führern und seine ausführlichen geografischen Erkenntnisse über das Rote Meer konnten bis heute nicht übertroffen werden.

Sulaiman Al Mahri

Desweiteren besetzte SULAIMAN AL MAHRI (ca. 1480 – 1550) unter den großen Seefahrern des Mittelalters eine herausragende Position. Als einer der Schüler von Ibn Majid durchstreifte er nicht nur den Indischen, Pazifischen und Atlantischen Ozean, sondern bewegten sich auch rund um den afrikanischen Kontinent und berührten wahrscheinlich sogar die Küsten der „Neuen Welt“. Al Mahri reiste bis zur Beringstraße und schrieb seine wertvollen Erfahrungen in einer Reihe von Büchern nieder, darunter eines über die Inselstaaten Südostasiens und ein weiteres zur Geografie des Indischen Ozeans. Darüber hinaus erlangte er Bekanntheit dafür, die von seinem Lehrer Ibn Majid erstellte Liste von Sternen zur maritimen Navigation von ursprünglich 70 auf die 15 bedeutendsten eingegrenzt zu haben. Eine Kombination dieser beiden Listen wurde von arabischen Seefahrern bis ins 16. Jahrhundert zur Navigation auf den Weltmeeren genutzt.


Fotos: Shutterstock, haroldmeltzer.com, sanjaygarg.wikidot4/al-masudi, prabook.com, Wikipedia, islamstory.com