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BESSER FOTOGRAFIEREN – TEIL 3: KREATIVITÄT SCHLÄGT AUTOMATIK


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

Wer beim Fotografieren einen Schritt weiter gehen und nichts dem Zufall überlassen will, schaltet die Programmautomatiken aus.Florian Läufer zeigt Ihnen, mit welchen Einstellungen das perfekte Angelfoto gelingt.


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Bildquelle: Blinker, Ausgabe 80/2018

1 FOTO NACH REZEPT – FLIESSENDES WASSER SEIDIG VERWISCHT DARSTELLEN

Eine tolle Möglichkeit, Wasser verwischt aufzunehmen, ist das Fotografieren mit längeren Verschlusszeiten. Wir können dabei die Kamera kaum noch verwacklungsfrei halten. Unsere erste Handlung ist es also, die Kamera aufs Stativ zu stellen und den Bildausschnitt festzulegen. Jetzt das Einstellrad auf TV stellen und mindestens ...

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... 1/10 Sekunde (oder länger) bei ISO 100 einstellen. Fokussiert wird auf den markantesten Punkt im Bild. Nun mal ganz ehrlich: Ein Hexenwerk ist das nicht, oder?

Der Automatik-Modus der Spiegelreflex macht das Leben des Hobbyfotografen einfach. Er gerät jedoch schnell an seine Grenzen, vor allem bei schlechtem Licht.


Fotografieren ist aus technischer Sicht ganz einfach. Eigentlich. Schließlich sind es grob gesagt nur vier Parameter, mit denen wir unser Foto belichten und kreativ gestalten. Diese sind: Blende, Verschlusszeit, Brennweite und die Lichtempfindlichkeit (ISO). Mit diesen vier Einstellungenungen stehen uns alle kreativen Bildgestaltungsmöglichkeiten der Welt zur Verfügung. Doch dadurch, dass sich alle vier gegenseitig beeinflussen, wird es kompliziert. Der Reihe nach: Wer nicht nur knipsen, sondern bewusst fotografieren und gestalten will, muss zunächst die voreingestellten Programme verlassen. Dafür stehen die kleinen Symbole am Einstellrad der Kamera. Kennen wir alle: die Blume für Nahaufnahmen, das rennende Männchen für Sport-, und das Bergsymbol für Landschaftsfotos. Ich sage: Braucht kein Mensch! Hier haben lediglich die Konstrukteure der Kamera-Einstellungen an unseren vier Parametern so eingerichtet, dass sie für die entsprechenden Situationen passen könnten – aber nicht müssen. Wollen wir allen Ernstes einem Programmierer in Fernost überlassen, wie wir unsere Kamera am Vereinsweiher einstellen?

Gehen wir also ans Eingemachte und schauen uns an, wie ein Foto belichtet wird: Dafür muss eine bestimmte Menge Licht auf unseren Sensor fallen, der in einer dunklen Ecke unserer Kamera sitzt und nur für die kurze Zeit der Belichtung freigelegt wird. Dies wird gesteuert durch die Dauer des Lichteinfalls, der Verschlusszeit, und die Größe der Öffnung am Objektiv, die Blende. Aha! Diese beiden Parameter sind immer paarweise anzusehen und ihr Zusammenspiel wird glücklicherweise von der Kamera berechnet. Praktisch betrachtet: Wenn ich die Öffnung der Blende unverändert lasse, dafür aber die Verschlusszeit verlängere, erhalte ich ein überbelichtetes Foto! Warum? Weil durch die längere Dauer zu viel Licht auf den Sensor gefallen ist. Und auch andersherum wird unsere Aufnahme schnell schlecht: Lassen wir die Verschlusszeit unverändert, schließen oder öffnen aber die Blende, dürfen wir uns über Unter- und Überbelichtungen nicht wundern. Zwischenfrage: Habe ich zu viel versprochen, als ich oben schrieb, es könnte kompliziert werden?

Eine niedrige Blendenzahl öffnet die „Pupille“ im Objektiv.


Bei einer hohen Blendenzahl fällt wenig Licht auf den Sensor.


Weiter geht’s! Und hier dürfen wir den Konstrukteuren von Canon, Nikon, Sony & Co. sehr dankbar sein: Sie haben uns zwei Einstellmöglichkeiten an die Hand gegeben, die für eine ausgewogene Belichtung sorgen. Dies sind die Blendenautomatik (je nach Hersteller am Einstellrad mit T oder TV gekennzeichnet) und die Zeitautomatik (A oder AV). Und ich verrate Ihnen ein kleines Geheimnis: Mit diesen beiden Einstellungen entstehen rund 95 Prozent meiner Fotos! Vor allem, wenn es mal schnell gehen soll, sind diese beiden Halbautomatiken sehr sinnvoll. Bei der Blendenautomatik geben wir als Fotograf die Verschlusszeit vor und die Kamera errechnet automatisch das Pendant der Blende für eine korrekt belichtete Aufnahme. Bei der Zeitautomatik hingegen ist es andersherum: Die Blende wird vorgegeben und die Kamera errechnet die entsprechende Verschlusszeit.

WIE BEEINFLUSSEN DIE PARAMETER MEIN FOTO?

Die Blende, die Belichtungszeit und der ISO-Wert sind essentiell für die Gestaltung unseres Fotos. Alle drei arbeiten miteinander und beeinflussen sich gegenseitig. Ein hoher Blendenwert bringt alle Elemente des Bildes auf eine Schärfeebene, ein niedriger Wert lässt nur den fokussierten Teil des Bildes scharf wirken. Die Verschlusszeit kann Bewegungen „einfrieren“ oder auch verwischt darstellen. Der ISO-Wert regelt die Lichtempfindlichkeit des Sensors – aber Vorsicht, eine zu hohe ISO-Zahl sorgt für Bildrauschen.

GESTALTUNGSWERKZEUG VERSCHLUSSZEIT

An dieser Stelle kommen unsere wichtigen kreativen Gestaltungsmöglichkeiten ins Spiel. Beginnen wir mit der Verschlusszeit. Über sie können wir steuern, wie Bewegungen auf dem Foto dargestellt werden. Sehr kurze Verschlusszeiten „frieren“ Bewegungen ein, während bei längeren Verschlusszeiten Bewegungen verwischt dargestellt werden. Aber Achtung, bei Verschlusszeiten, die länger als 1/50 Sekunde sind (und die brauchen wir für Verwischungen), drohen Verwackelungen schon durch minimales Händezittern. Um dem entgegenzuwirken, muss die Kamera aufs Stativ!

+ Die Verschlusszeit bestimmt die Dauer, während der das Licht auf den Sensor fällt.
+ Sie kann verändert werden und bestimmt damit auch die einfallende Lichtmenge.
+ Kurze Verschlusszeiten „frieren“ Bewegungen ein, lange Zeiten stellen sie verwischt dar. Die Verschlusszeit ist dadurch ein gestalterisches Mittel. Action-Fotos erfordern eine Verschlusszeit von etwa 1/800 Sekunde, Langzeitbelichtungen brauchen zwischen 1/10 und 20 Sekunden.
+ Um ohne Stativ verwacklungsfreie Fotos zu erhalten, muss die Verschlusszeit möglichst kurz gehalten werden (1/100 Sekunde oder noch kürzer).

2 FOTO NACH REZEPT – SPRINGENDER FISCH

Unser Fotomotiv ist ein springender Fisch, den wir in bestmöglicher Schärfe abbilden wollen. Weil die Bewegungen schnell sind, benötigen wir eine kurze Verschlusszeit. Diese Einstellungen müssen wir vornehmen: Einstellrad auf TV stellen, mindestens 1/2000 Sekunde Verschlusszeit einstellen. An trüben Tagen die ISO-Einstellung auf 400 festlegen, bei Sonnenschein auf 100. Nun noch alle Fokusfelder aktivieren, fertig sind die Kameraeinstellungen für den springenden Fisch. Allerdings gehört ein wenig Glück, bei schnellen Bewegungen den richtigen Moment zu erwischen, natürlich dazu.

Am Beispiel erklärt: Für dieses Foto wurde eine kurze Verschlusszeit gewählt. Alle Bewegungen sind scharf.


Wählt man für dasselbe Motiv eine lange Verschlusszeit, verwischen die Wurfbewegung und das Wasser.


Dieses Foto wurde mit einem Blendenwert von 1,4 aufgenommen und fängt das Umgebungslicht der Beleuchtung ein. Ebenfalls auffällig ist die sehr geringe Schärfeebene.


Der zweite Dorsch wurde mit Blende 8 fotografiert. Das Umgebungslicht kann durch die geschlossene Blende nicht ausreichend einwirken. Die Schärfeebene ist sehr hoch.


DIE BLENDE – UNSER KREATIVSTES INSTRUMENT

Mit der Blende ist das so eine Sache. Mit ihr wird die Öffnung im Objektiv bezeichnet, die sich über Lamellen öffnen und schließen lässt und damit maßgeblichen Einfluss auf die einfallende Lichtmenge hat. Aus technischen Gründen werden die einzelnen Schritte bei ihrer Öffnung in ziemlich krummen Zahlen angegeben. Die Krux an der Sache: Je weiter die Blende geschlossen wird, desto größer ist ihre Zahl – wirklich irreführend! So hat eine nahezu geschlossene Blende einen Wert von 22, während die geöffnete Blende bei 2,8 oder einer noch niedrigeren Zahl liegt. Das kann in der Kommunikation schon mal zu Irrtümern führen, wenn von einer großen (also geöffneten) Blende gesprochen, gleichzeitig aber eben eine niedrige Zahl von 2,8 genannt wird.

Die Blende hat größte Auswirkungen auf die Schärfeebene und damit auf das Aussehen unseres Bildes. Je weiter wir die Blende öffnen, desto ausgeprägter ist der Verlauf der Unschärfe. Dieser Effekt lässt sich ganz hervorragend nutzen, um wichtige Bildbestandteile durch ihre Schärfe hervorzuheben und unwichtigen Bestandteilen in Vorder- und Hintergrund durch die dargestellte Unschärfe weniger Aufmerksamkeit zu schenken.

+ Die Blende ist die Objektivöffnung, durch die das Licht auf den Sensor fällt.
+ Die Größe der Blendenöffnung kann verändert werden und bestimmt damit die einfallende Lichtmenge. Je kleiner die Blendenöffnung, desto länger die Verschlusszeit.
+ Je weiter die Blende geöffnet ist, desto geringer fällt die Schärfeebene aus. Die Unschärfe im Hinter- und Vordergrund ist unser wichtigstes gestalterisches Mittel.
+ Je größer wir die Blendenzahl wählen, desto kleiner wird die Öffnung, also die „Pupille“, im Objektiv.

3 FOTO NACH REZEPT – HINTERGRUND IN UNSCHÄRFE VERSINKEN LASSEN

Nehmen wir uns ein Fischportrait als Zielfoto vor. Wichtigster und damit schärfster Punkt im Bild soll das Auge des Fisches sein, der störende Hintergrund soll unscharf abgebildet werden. So stellen wir die Kamera ein: Einstellrad auf AV und die Blende durch die Auswahl der kleinstmöglichen Blendenzahl (z.B. 3,5 oder kleiner) weit öffnen. Den ISO-Wert auf 100 oder 200 stellen und den Zoom des Objektivs möglichst weit ausfahren – also eine lange Brennweite wählen. Den Fokus manuell auf das Auge vom Fisch legen, Auslöser drücken, fertig!

4 FOTO NACH REZEPT – LANDSCHAFTSAUFNAHME MIT VIEL SCHÄRFENTIEFE

Bei Landschaftsaufnahmen benötigen wir im Normalfall ein von vorne bis hinten scharfes Foto, um dem Betrachter alle Details näherzubringen. Wir brauchen also nichts weiter tun, als die Blende weit zu schließen. So wird die Kamera eingestellt: Einstellrad auf AV stellen, Blende 16 bei ISO 100 oder 200 auswählen, Fokus auf den wichtigsten Punkt im Bild legen – fertig. Zusatztipp: Bei wenig Licht (Dämmerung) kann die weit geschlossene Blende dazu führen, dass das Pendant, die Verschlusszeit, so lang wird, dass eine verwacklungsfreie Aufnahme aus der Hand praktisch unmöglich wird. Die Lösung heißt auch hier wieder: Stativ verwenden!

KAUFBERATUNG: LICHTSTÄRKE UM JEDEN PREIS?

Um die Blende möglichst weit öffnen zu können, brauchen wir lichtstarke Objektive. Dies sind meist die hochpreisigen Linsen, die auch von Profifotografen eingesetzt werden. In den Köpfen vieler Fotobegeisterter setzt sich also fest: Lichtstark ist teuer, also muss lichtstark auch gut sein! Gar nicht mal so unrichtig. Aber benötigen wir diese Lichtstärke bei Angelfotos wirklich so sehr? Die Antwort ist eindeutig: Es kommt darauf an!
Nochmal von vorne: Eine weit geöffnete Blende (also eine kleine Blendenzahl) wirkt sich in zweierlei Weise auf das Foto aus. Mit dem Öffnen der Blende wird erstens die Verschlusszeit verkürzt, und zweitens verringert sich die Schärfeebene. Bis hierher alles reine Wiederholung.
Richten wir unseren Blick auf die Praxis. Dass geringe Schärfentiefe ein tolles gestalterisches Element ist, bleibt unbestritten. Denn es sieht klasse aus, wenn Vorder- und Hintergrund in Unschärfe versinken. In vielen typischen fotografischen Situationen beim Angeln wollen wir aber das Gegenteil, eine möglichst hohe Schärfentiefe erreichen! Beispiel: Wenn der Angler voller Stolz seinen Fang der Kamera präsentiert, soll sein Gesicht noch so viel Schärfe aufweisen, dass es erkennbar ist. Es soll eben nicht in Unschärfe hinter dem knackscharfen Fisch versinken. Dafür schließen wir die Blende. Und auch bei der Landschaftsaufnahme wird regelmäßig mit Blendenwerten zwischen 8 und 16 gearbeitet. Schließlich sollen auch hier Vorder- und Hintergrund erkennbar sein. Was nützt uns die Aufnahme vom See vor einem herrlichen Alpenpanorama, wenn die Berge aufgrund ausgeprägter Unschärfe nicht erkennbar sind? Und es geht weiter: Einen springenden Hecht knackscharf abzulichten ist schwer genug. Mit einer weit geöffneten Blende und der damit verbundenen geringen Schärfeebene wird’s doppelt schwer.

DIE LICHTEMPFINDLICHKEIT (ISO)

An dieser Stelle wird es nochmal heikel. Lassen Sie uns über die Lichtempfindlichkeit sprechen, die wir über die ISO-Einstellung unserer Kamera beeinflussen können. Wichtigster Merksatz: je niedriger die ISO-Zahl, desto besser die Bildqualität. Wenn es nach mir ginge, könnten wir also alle Fotos mit ISO 100 oder 200 entstehen lassen. Denn: Proportional nimmt mit dem Hochsetzen der ISO-Zahl auch das gefürchtete Bildrauschen zu. Sie kennen das von Handyfotos, die bei wenig Licht gemacht werden – alles grieselig und matschig.

Man kann es so sagen: Je teurer die Kamera, desto besser das Rauschverhalten. Bei einigen Modellen setzt dies bereits bei ISO 400 ein, Profimodelle lassen durchaus Werte von ISO 1600 oder höher zu. Wie so oft bei Technikfragen: Das Budget bestimmt die Qualität. Bei Sonnenschein und besten Lichtbedingungen müssen wir uns darum allerdings nicht sorgen. Aber: Angeln findet nun mal nicht ausschließlich bei Sonnenschein statt und die Fänge richten sich im Regelfall nicht nach unseren Wünschen. Wenn der Zander unseren Gummifisch in der Dämmerung schnappt, müssen wir das Fangfoto eben bei ungünstigen Lichtbedingungen machen.

Die Kamera setzt uns nun schon mal ihre Grenzen auf. Ich setze Fangfotos am liebsten mit Blende 8 um, damit Fisch und Fänger gleichermaßen scharf abgebildet werden, der Hintergrund aber trotzdem leicht verschwimmt. Bei Sonnenschein ist alles easy. Die eingestellte Zeitautomatik (AV) sucht sich automatisch ihren zweiten Wert, die Verschlusszeit. Weil wir wissen, dass diese bei viel Umgebungslicht (Sonnenschein) kürzer gewählt wird als bei wenig Umgebungslicht (Dämmerung), bekommen wir bald ein Problem: Das wenige zur Verfügung stehende Licht muss so lange zur korrekten Belichtung auf den Sensor wirken, dass die Verschlusszeit irgendwann so lang wird, dass eine verwacklungsfreie Aufnahme bald nicht mehr möglich ist. Die theoretische Lösung kennen wir: Kamera aufs Stativ. In diesem Fall ist aber durch die Bewegungen des Fängers oder Fisches eine zusätzliche Schikane eingebaut: Denn auch der darf sich bei längeren Belichtungszeiten von 1/40 Sek oder länger nicht mehr bewegen. Nicht mal atmen! Also muss eine praktische Lösung her. Und die heißt: Lichtempfindlichkeit erhöhen! Es gilt: Mit der Verdoppelung der ISO-Zahl halbiert sich die Verschlusszeit. Ein Beispiel: Bei ISO 100 erreichen wir eine Verschlusszeit von 1/30 Sekunde, was für eine verwacklungsfreie Belichtung aus der Hand zu lang ist. Durch eine Verdoppelung der ISO auf 200 erhalten wir schon 1/60 Sekunde, bei einer weiteren Verdoppelung auf ISO 400 schon 1/120 Sekunde. Ganz schön clever!

+ Die ISO-Zahl bestimmt die Lichtempfindlichkeit des Sensors.
+ Je höher die ISO-Zahl, desto mehr Bildrauschen erhalten wir.
+ Eine Verdopplung der ISO-Zahl bedeutet eine Halbierung der Verschlusszeit oder der Blendenöffnung.

Hier wurde der ISO-Wert zu hoch gewählt, ein klares Bildrauschen ist zu erkennen. Eine längere Belichtungszeit wirkt dem entgegen.


DAS LETZTE QUÄNTCHEN: DIE BRENNWEITE

Die Brennweite des Objektivs bestimmt den Bildwinkel ihres Fotos. Einfach ausgedrückt: Mit der Brennweite lässt sich festlegen, wie groß der Bildausschnitt ist. Kleinere Brennweiten von 15 bis 35 Millimeter werden als Weitwinkel bezeichnet und finden in der Landschaftsfotografie Verwendung, während lange Brennweiten ab 140 Millimeter als Teleobjektiv bezeichnet werden. Damit lassen sich weit entfernte Dinge heranzoomen.

Welchen Brennweitenbereich wir als Angler benötigen, hängt davon ab, was wir überwiegend fotografieren möchten. Das klassische Fangfoto (Fänger mit Fisch) wird üblicherweise mit Brennweiten zwischen 20 und 35 Millimetern aufgenommen. Wer bei der Fischgröße ein bisschen schummeln möchte, nutzt die Verzerrungen noch kleinerer Brennweiten. Diese führen dazu, dass Elemente im Vordergrund größer wirken, als sie tatsächlich sind. Aber unter uns: Wer sich auskennt, bemerkt den optischen Schwindel schon auf den ersten Blick.

Der gleiche Brennweitenbereich wird üblicherweise bei der Landschaftsfotografie eingesetzt, wo wir möglichst viel von unserer Umgebung ablichten und zeigen wollen. Auch auf engem Raum (Bootsangeln) sind Brennweiten von 20 bis 35 Millimetern bestens geeignet. Jetzt kommt aber noch ein gestalterischer Effekt ins Spiel: Der schon mehrfach angesprochene Unschärfe-Effekt lässt sich steigern, indem wir eher lange Brennweiten über 50 oder gar 100 Millimetern einsetzen. Wollen wir also unseren Angelpartner mit seinem Fang so ablichten, dass der Hintergrund in möglichst ausgeprägter Unschärfe versinkt, verwenden wir lange Brennweiten. Das hat allerdings seinen Preis, denn hier wirkt sich der gegenteilige Effekt der eben angesprochenen Verzerrungen aus: Je länger die Brennweite, desto kleiner wirkt der Fisch! Fänge, die mit 100 Millimeter Brennweite und mehr aufgenommen werden, scheinen auf dem Foto deutlich kleiner, als sie tatsächlich sind.

+ Die Brennweite bestimmt den Bildwinkel des Fotos – also den Umfang des wiedergegebenen Bildausschnitts.
+ Einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf den Bildwinkel hat die Größe des Kamerasensors. Die klassischen Brennweiten orientieren sich an der Größe eines Vollformatsensors mit 24 × 36 Millimetern Größe. Bei kleineren Sensoren wird bei gleicher Brennweite ein kleinerer Bildwinkel wiedergegeben. Das nennt sich Crop-Faktor und der ist von Kamera zu Kamera unterschiedlich.
+ Crop-Kameras von Canon haben in der Regel einen Crop-Faktor von 1,6. Das wiederum bedeutet: Ein Objektiv mit 100 Millimetern Brennweite gibt an dieser Crop-Kamera das gleiche wieder, wie ein 160-Millimeter-Objektiv an einer Vollformatkamera.
+ Kurze Brennweiten lassen den Vordergrund größer, große Brennweiten lassen ihn kleiner erscheinen.

5 FOTO NACH REZEPT – REALISTISCHES FANGFOTO

Getreu dem Motto: „Ein bisschen schummeln ist erlaubt, übertreiben sollten wir es aber nicht!“: Der Fang darf dabei gerne bullig und groß, dabei aber nicht unnatürlich wirken. Dies sind die Kameraeinstellungen: Wählen Sie beim Einstellrad die Zeitautomatik AV und stellen Sie Blende 8 bei möglichst geringer ISO 100 oder 200 ein. Die Brennweite sollte zwischen 20 und 28 Millimetern liegen, der Fokus wird auf den Fisch, nicht den Fänger gelegt. Wichtig: Gehen Sie so dicht an den Fänger heran, dass er mit seinem Fisch formatfüllend im Sucher zu sehen ist. Bingo!

KAUFBERATUNG: DER SENSOR – AUF DIE GRÖSSE KOMMT ES AN!

Was früher der eingelegte Film war, ist heute unser Sensor, der das Foto aufzeichnet. So weit, so einfach. Kommen wir zur Größe und beginnen wieder mit der Vergangenheit. Damals betrug die Größe eines Bildformats des eingelegten Films rund 24 x 36 Millimeter. Und heute? Eine Kamera, die über einen Sensor in gleicher Größe verfügt, wird als Vollformatkamera bezeichnet. Sie hat also das volle Format eines damaligen Kleinbildfilms. Die Sache hat nur einen Haken: Heutige Vollformatkameras sind teuer und richten sich eher an ambitionierte Hobby- und Profifotgrafen.
Sensoren erschwinglicher Fotoapparate sind deutlich kleiner und das bleibt nicht ohne Folgen: Die Möglichkeit, den Schärfe-Unschärfe-Effekt zur kreativen Bildgestaltung zu nutzen, verringert sich mit der Sensorgröße. Wir kennen das von Handyfotos, auf denen meistens Hintergrund und Vordergrund die gleiche Schärfe aufweisen. Der wichtige Look der verschwimmenden Unschärfe steht damit also nicht zur Verfügung. Und selbst Spiegelreflexkameras im unteren und mittleren Preissegment verfügen über einen um das ca. 1,5-fach kleineren Sensor. (Dieser Grad der Verkleinerung wird auch als Crop-Faktor bezeichnet.) Und jetzt wird es noch komplizierter: Weil das Aufzeichnungsmedium, der Sensor, hier kleiner ist als beim Vollformatsensor, „passt“ auch weniger auf das fertige Bild und es wirkt, als hätte der Fotograf herangezoomt, also mit einer längeren Brennweite fotografiert.
Pressen wir das eben Gesagte in eine Formel: Je kleiner der Sensor, desto weniger wirkt sich der Unschärfeeffekt aus, desto länger wirkt die Brennweite.


FOTOS: F. LÄUFER

FOTOS: F. LÄUFER

FOTOS: F. LÄUFER

FOTOS: F. LÄUFER