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BESSER FÜR DIE UMWELT?


Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 28.01.2019

Plastiktüten und Einwegbecher sind Symbole der umweltfeindlichen Wegwerfgesellschaft. Doch manche Produkte sind besser als ihr Ruf


Es scheint so einfach zu sein: Natürlich können Plastiktüten und Pappbecher, Einwegwindeln und Obst vom anderen Ende der Welt nicht gut für die Umwelt sein. Selbstverständlich sind in der Natur gewachsene Dinge besser als in der Fabrik gefertigte Elektronik. Die Beispiele auf diesen Seiten zeigen: So einfach ist es nicht.

Die Intuition ist ein schlechter Ratgeber bei der Erstellung von Umweltbilanzen, noch weniger besagt der Augenschein. Nachvollziehen kann das jeder bei der ...

Artikelbild für den Artikel "BESSER FÜR DIE UMWELT?" aus der Ausgabe 2/2019 von Reader´s Digest Deutschland. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reader´s Digest Deutschland, Ausgabe 2/2019

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... hölzernen Salatschale, die irgendwie öko aussieht, aber schlimme Auswirkungen hat, wenn sie aus Tropenholz gefertigt wurde. Schon weniger bekannt ist, dass die Baumwolle für Einkaufsbeutel meist unter Einsatz von viel Wasser und Insektiziden hergestellt wird.

GRÜNER SCHÄDLING

Da hat man sich nun schweren Herzens entschlossen, auf Hähnchenkeulen zu verzichten, um aus Gründen der Ethik und auch der Ökologie fortan vegetarisch oder gar vegan zu leben. Auf der Suche nach schmackhaftem Ersatz landen dann viele bei der Avocado. Sie dient als Butter- und Ei-Ersatz, ist vielfältig kombinierbar, gesund dank ungesättigter Fettsäuren und vieler Vitamine.

Wen wundert es, dass die Einfuhr der etwa 400 Gramm schweren Beere boomt: Im vergangenen Jahr wurden knapp 70000 Tonnen Avocados nach Deutschland eingeführt, 2013 waren es weniger als die Hälfte. Eine gute Nachricht für die Umwelt ist das nicht. Die Ökobilanz der Avocado ist nämlich verheerend. Am schlimmsten ist der Wasserverbrauch, mindestens 1000 Liter Wasser benötigt die Produktion eines einzigen Kilogramm Avocados; eine Studie der Universität Twente kam gar auf 2000 Liter. Das ist eine große Belastung für die oft trockenen Herkunftsländer wie Chile oder Mexiko, wo ganze Flüsse versiegt sind wegen des Wasserbedarfs der Großplantagen.

Hinzu kommt der Energiebedarf für Transport, Kühlkette und spezielle Reifekammern. Rein ökologisch gesehen ist das nicht viel besser als beim Industrie-Hähnchen. Hier benötigt die Produktion von einem Kilogramm Fleisch laut einer Unesco-Studie knapp 3000 Liter Wasser, es hat aber selten den Atlantik überquert.
CWB

HEUSCHRECKEN SIND ÖKO

Die Entscheidung, ob das Kind beim Plüschtier bleiben oder ein echtes BioTier bekommen soll, steht in vielen Familien irgendwann an. Sie hat schwierige emotionale und pädagogische Dimensionen. Unter Umweltgesichtspunkten fällt sie leicht: Bleiben Sie beim Plüsch.

Der Energieaufwand für Herstellung und Transport eines Teddybärs hält sich in Grenzen, wie spanische Forscher im FachmagazinJournal of Life Cycle Assessment nach der Analyse des Produkts „Winnie the Pooh Stories and Songs“ berichten, dabei reicht seine Lebenserwartung häufig bis in das Erwachsenenalter des Besitzers. Wenn man ihm die Batterien wegnimmt, reduziert sich seine kumulierte Umweltbelastung um weitere 50 Prozent.

Hunden und Katzen darf man ihr Futter nicht wegnehmen. So kommt es, dass nach einer aktuellen Studie im MagazinPlos One die 163 Millionen in den USA lebenden Hunde und Katzen rund 20 Prozent der Kalorienmenge vertilgen, die Menschen aufnehmen. Die Fäkalienmasse der Tiere beträgt rund 30 Prozent der human produzierten Menge. Die Vierbeiner verantworten 25 bis 30 Prozent der Umweltbelastungen, die durch Tierhaltung entstehen. Ihr Konsum führt zum Ausstoß diverser Treibhausgase, die der Menge von 64 Millionen Tonnen CO2 entsprechen. Sie wollen trotzdem was Lebendiges als Gefährten? Wie wäre es mit Stabheuschrecken? Die haben Super-Emissionswerte.
CWB

AUS:SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (8./9. SEPTEMBER 2018); © SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

STINKEN ZUM HIMMEL

Unter den vielen bedenklichen Fortbewegungsmitteln zählt das Kreuzfahrtschiff zu den bedenklicheren. Schiffe sind nicht nur ein Treiber des Massentourismus, sie verursachen auch einen großen Teil der weltweiten Schwefelund Stickoxidausstöße. Dass einige demnächst mit flüssigem Erdgas betankt werden sollen, dürfte die Bilanz nur bedingt aufbessern.

Trotzdem: So ein Kreuzfahrtschiff kann auch besser sein als sein Ruf. Eine Studie im Auftrag des Schweizer WWF hat ermittelt, dass 34 Kilogramm Treibstoff gebraucht werden, um einen Passagier einen Tag lang übers Meer zu schippern. Der Stromund Wärmeverbrauch für Swimmingpools und Restaurants ist da schon miteingerechnet. Verglichen mit dem Flugzeug ist das keine schlechte Bilanz. Um einen Urlauber von München nach Mallorca zu fliegen, braucht es mehr Treibstoff.
GSCH

BITTE NICHT SPÜLEN!

7,6 Millionen Einwegbecher für Heißgetränke landen nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe in Deutschland jeden Tag im Müll (oder im Gebüsch). Bei ihrer Herstellung würden jährlich 83000 Tonnen CO2 ausgestoßen und 43000 Bäume gefällt.

Doch Keramikund Mehrwegbecher kosten sehr viel mehr Energie bei Herstellung und Transport (auch noch beim täglichen Gebrauch) – und sie müssen mit heißem Wasser und Spülmittel unter dem Hahn oder in der Maschine gesäubert werden. Mehrwegbecher sind dann umweltfreundlicher, wenn man sie mehrere Jahre benutzt und möglichst selten spült.
CWB

KLIMA UND KÄSE

Pizza ist nicht gleich Pizza. Nur macht es aus Klimaschützersicht keinen Unterschied, ob jemand den Hefeteig selber knetet oder einfach eine Tiefkühlpizza aus dem Supermarkt in den Backofen schiebt. Beide Varianten verursachen ziemlich genau die gleichen Treibhausemissionen. Als grobe Faustregel gilt: 100 Gramm Pizza sind für einen Preis von 600 Gramm CO2 zu haben. Warum schneidet die mit viel Aufwand gefrostete Pizza nicht deutlich schlechter ab?

Ganz einfach, weil Transport und Lagerung für die Umweltbilanz nicht so stark ins Gewicht fallen. Es stimmt, das Frosten verbraucht mehr Energie. Umgekehrt schützt es den Inhalt der Tiefkühlkost aber besser und spart dadurch Verpackungsmaterial. Entscheidend ist, mit welchen Rohwaren man sie bestückt. Das Freiburger Ökoinstitut hat errechnet, dass der Belag für die Hälfte der CO2 -Emissionen verantwortlich ist. Das Gros entfällt dabei auf den Käse. Aber auch die Zutat Salami ist nicht viel besser. Eine zusätz liche Scheibe reicht, um die ganze Klimabilanz zu ruinieren.
GSCH

KAUFEN STATT WASCHEN

Mehr ist nicht automatisch schlechter. Im Fall eines Baumwollshirts kann es sogar deutlich besser sein als der unüberlegte Verzicht. Das Gros der CO2 - Emissionen entsteht nicht – wie man annehmen könnte – bei der Herstellung eines solchen Textilprodukts, sondern in der sogenannten Gebrauchsphase, also durch das tagtägliche Tragen.

Die Ökoberatung Systain hat das vor Jahren ausgerechnet. Untersucht wurde der durchschnittliche Lebensweg eines T-Shirts: vom Baumwollpflücken auf amerikanischen Feldern, zum Webstuhl in Bangladesch, zum Konsumenten in Deutschland und nach 55 Waschgängen in den Abfall.

Gut, die modernen Waschmaschinen sind vielleicht effizienter, nicht jeder Trockner ist eine solche Klimadreckschleuder, wie er das vor Jahren noch war.

Aber an der Grundaussage hat sich nichts geändert. Sie lautet: Wer sein T-Shirt dauernd bei 60 Grad wäscht, es dann in den Trockner wirft und anschließend bügelt, der ruiniert damit die Ökobilanz des Baumwollfabrikats. Das ist dann schädlicher, als zwei T-Shirts zu kaufen, sie schonend zu waschen und zu trocknen.
GSCH

ELEKTRO-RÜCKENWIND

Umweltbewusste Menschen nutzen den öffentlichen Personennahverkehr: Linienbusse etwa stoßen laut Umweltbundesamt Treibhausgase aus, die äquivalent zu rund 76 Gramm CO2 pro beförderter Person und Kilometer sind, Tram, S- und U-Bahn kommen auf 71 Gramm – immerhin halb so viel Emissionen wie beim Pkw mit seinen 142 Gramm.

Noch viel mehr wäre aber gewonnen, wenn mehr Menschen auf E-Räder umsteigen würden. Dabei sind die rein elektrisch betriebenen E-Bikes von den sogenannten Pedelecs zu unterscheiden, die mit Muskelkraft angetrieben werden, aber von einem Motor mit maximal 250 Watt Leistung unterstützt werden. Solches Radeln mit elektrischem Rückenwind produziert etwa sechs Gramm CO2 pro Personenkilometer. Anders als bei den Elektroautos versaut der üblicherweise bei Pedelecs eingebaute Lithium-Ionen-Akku nicht die Umweltbilanz: Bei Herstellung und Entsorgung entsteht nicht mehr CO2 als ein durchschnittlicher Pkw auf 100 Kilometern Strecke ausstößt.
CWB

NICHT IN DIE TÜTE

Rein optisch sehen sie schon sehr ökologisch aus, diese dicken, braunen Papiertüten, die man mittlerweile in manchen Supermarktketten erwerben muss, weil diese die früher üblichen Plastiktüten abgeschafft haben.

Unter dem Strich hat die Papiertüte jedoch eine ziemlich schlechte Ökobilanz, selbst nach Ansicht der Umweltverbände. Sie braucht sehr viel mehr Wasser und Energie für die Herstellung; sie verschlingt pro Tonne ähnlich viel Strom wie die Produktion von Stahl. Zudem werden problematische Chemikalien benötigt, die sorgfältig entsorgt werden müssen. Und spätestens wenn sie feucht werden, verlieren die Papiertüten ihre Reißfestigkeit und können nicht wiederverwendet werden. Fazit: Eindeutig besser ist eine ordentlich verarbeitete Einkaufstasche, die dauerhaft verwendet werden kann.
CWB

AUF DEM HOLZWEG

Ein toter Baum ist nur in den seltensten Fällen ein guter Baum. Der Schaden lässt sich aber begrenzen, wenn man ihn zum Häuserbauen verwendet. Der im Holz gespeicherte Kohlenstoff landet dann nicht sofort wieder in der Atmosphäre. Sind Holzhäuser deswegen die besseren Häuser? Leider nein. Verglichen mit ihren Konkurrenten haben sie zwar einen Startvorteil, langfristig fällt im Holz gebundener Kohlenstoff aber kaum ins Gewicht.

Auf die Nutzungsphase kommt es an. Und da liegen die Gebäude aus Ziegel, Kalksandstein, Poren- oder Leichtbeton vorn: Sie können Wärme besser speichern, Temperaturschwankungen fallen geringer aus. Folglich muss weniger geheizt werden.

Das Beratungsinstitut LCEE hat den CO2 -Verbrauch für die gängigen Häusertypen im vergangenen Jahr durchgerechnet. Mit einem überraschenden Ergebnis: Demnach verbraucht ein Mehrfamilienhaus aus Mauerwerk in fünf Jahrzehnten 16 Tonnen CO2 weniger als die Variante aus Holz.

Der Unterschied wird noch größer, je weiter man in die Zukunft blickt. Bedenkt man außerdem, dass kein Haus für die Ewigkeit gebaut ist, dann ist der Startbonus sowieso wieder dahin. Ein Holzhaus abreißen kann mitunter bedeuten, dass zusätzlicher Kohlenstoff freigesetzt wird. Kohlenstoff, den Bäume theoretisch immer noch speichern könnten. Wenn man sie nie abgeholzt hätte.
GSCH

ÖKOS AUS NEUSEELAND

Dass es Äpfel von heimischen Feldern im Frühsommer zu kaufen gibt, liegt an einem ausgeklügelten Lagerungsverfahren. Sie werden erst im Spätherbst mit der letzten Ernte gepflückt, dann auf wenige Grad Celsius heruntergekühlt und in einer kontrollierten Umgebung aufbewahrt – bei wenig Sauerstoff und viel CO2 . Verständlich, dass so ein Prozess aus Klimasicht verheerend sein kann. Er führt zu dem absurden Umstand, dass ein frischer Apfel aus dem fast 20000 Kilometer entfernten Neuseeland mit geringerem Energieverbrauch produziert werden kann als Äpfel aus Deutschland.
GSCH

WEG VON DER FLASCHE

Bizarr: Da geht die Mehrheit der Deutschen in den Supermarkt, kauft Mineralwasser und schleppt die Kästen nach Hause, ein paar Tage später wieder zurück. Dabei gäbe es hervorragendes Trinkwasser – nahezu kostenlos, gesundheitlich bestens kontrolliert – aus der heimischen Leitung, lediglich die Bläschen fehlen. Auch die Ökobilanz von Leitungswasser stimmt. Das Schweizer Forschungsinstitut ESU-Services bewertete mit sogenannten Erdöl-Äquivalenten den Energieverbrauch von Mineralwasser. Die Werte lagen zwischen 100 Punkten (PET-Mehrwegflaschen, kurze Transportwege) und 300 Punkten (Glas-Mehrwegflaschen, lange Transportwege). Leitungswasser lag bei 0,4 Punkten.
CWB

GRÜNE SEITEN

Das Buch mag ein Kulturgut sein, ökologisch unbedenklich ist es nicht. Nach Berechnungen des britischen Wissenschaftlers David Reay werden durch die Herstellung eines einzigen Buchs drei Kilogramm CO2 freigesetzt. Die Anschaffung eines elektronischen Lesegeräts kann sich bereits vom zehnten Buch an lohnen. In Sachen CO2 -Bilanz herrscht dann Gleichstand. Außer Acht gelassen werden in dieser Rechnung aber die Mineralien, ohne die es kein Kindle gibt. Deren Produktion verschlingt enorme Mengen Energie. Experten schätzen, dass sich der Kauf eines E-Readers frühestens vom 30. Buch an lohnt.
GSCH


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