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Besser reiten mit NEURO-ATHLETHIK


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 40/2022 vom 11.03.2022

THEMA DES MONATS-NEUE WEGE GEHEN

Artikelbild für den Artikel "Besser reiten mit NEURO-ATHLETHIK" aus der Ausgabe 40/2022 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 40/2022

Ein gezieltes Neuro-Rider-Trainingsprogramm kann helfen, Beweglichkeit und Körperhaltung zu verbessern und sogar Muskelprobleme lösen. Dadurch verbessert sich auch die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd

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Um das Neuro-Rider-Trainingsprogramm zu verstehen, ist es hilfreich zu wissen, dass unser Gehirn im Prinzip immer drei Dinge macht. Auch wenn diese Darstellung etwas vereinfacht ist, ist sie nützlich, um die Übungen richtig einzusetzen.

1. Input über den Körper und die Umgebung empfangen

Unser Gehirn ist sozusagen die Schaltzentrale unseres Körpers. Es steht sowohl mit der Außenwelt, als auch mit dem Inneren des Körpers in Verbindung. Input kommt von Rezeptoren, die als eine Art Messfühler zu verstehen sind. Rezeptoren befinden sich nicht nur in der Haut, sondern auch in Muskeln, Bändern, Sehnen und sogar in Knochen. So erhält unser Gehirn Informationen über die Bewegung der Gliedmaßen und ihre Lage zueinander. Photorezeptoren auf der ...

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... Netzhaut der Augen sind lichtsensibel und geben Input für das visuelle System. Fühler für Schallwellen und Sensoren für Schwerkraft und Beschleunigung sind im Innenohr zu finden. Zudem verfügen wir über Rezeptoren für Temperatur-und chemische Veränderungen im Körper. So ändert sich der ph-Wert unseres Blutes durch unsere Atmung. Diese Veränderungen steuern wiederum das Atemsystem.

2. Input verarbeiten und entscheiden

Unser Gehirn ist der Boss der Firma Körper. Ständig muss er Berichte aus den verschiedenen Abteilungen und Standorten des Unternehmens prüfen. Sind sie vollständig? Anschließend werden sie ausgewertet. Anhand der Datenlage und der Datenverarbeitung trifft das Gehirn sozusagen Entscheidungen, was als nächstes getan wird. Diese Vorgänge nehmen wir nicht bewusst wahr.

3. Output produzieren

e absichtliche oder unabsichtliche Bewegung in einer bestimmten Qualität, ein wackelnder Kopf beim Reiten oder eine hängende Schulter, ein emotionaler Ausbruch, kraftvolle, gehemmte oder eben verkrampfte Bewegungen – ein Output kann vielfältig aussehen. Auch Schmerzen sind ein Output unseres Gehirns. Ebenso die Ausschüttung von (Glücks-)Hormonen oder sogar die Funktion des Immunsystems.

Unser Gehirn ist ein hochleistungsfähiges informationsverarbeitendes System, und kein Computer der Welt könnte es ersetzen. Es ist ein Organ des Körpers und daher mit ihm eng und vielfältig vernetzt. Tagtäglich prasseln unzählige Einflüsse und Reize auf uns ein. Was in unserem Körper zusätzlich alles so vor sich geht, sind sich die meisten Menschen gar nicht bewusst. Schon auf der Ebene der einzelnen Zellen finden beispielsweise komplexe Verarbeitungsprozesse statt. Unser Gehirn ist immer aktiv und kommt dennoch mit einer Leistung von etwa 20 Watt aus. Im Vergleich dazu braucht einer der derzeit schnellsten Supercomputer ungefähr 18 Millionen Watt. Die Schaltzentrale unseres Organismus empfängt, verarbeitet und interpretiert ständig Input. Zudem wird Output produziert. Wie wir reiten ist also der Output unseres Gehirns.

Kreislauf aus In-und Outputs

„Neue Bewegungen erzeugen neue Inputs, die wiederum empfangen und interpretiert werden, darauf basierend entscheidet das Gehirn wieder, was zu tun ist und produziert einen neuen Output. Dieser erzeugt neue Inputs und so weiter“, schreibt Marc Nölke in seinem Buch „Neuroathletik für Reiter“. Es gibt immer wieder Bewegungen, die wir beim Reiten verbessern möchten. Meist üben wir diese mit bewusster Anstrengung und Kontrolle. In Bezug auf das Gehirn gesagt, versuchen wir also, den Output zu trainieren, indem wir diesen verbessern. Das kann manchmal sinnvoll sein, jedoch nicht, wenn sich keine nachhaltigen Verbesserungen erzielen lassen. Dann sollten wir die Strategie ändern und uns fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, die Inputs zu verändern. Ob wir eine Piaffe reiten oder nicht, ist unserem Gehirn im Prinzip egal, es ist nicht systemrelevant. Viel wichtiger ist der Schaltzentrale ihr Job, das Überleben zu sichern. Dazu haben wir zahlreiche Reflexe. „Unser Gehirn lässt uns nur dann alle Bewegungen ohne Probleme und mit voller Kraft ausführen, wenn es der Meinung ist, dass Bewegung tatsächlich sicher ist“, sagt unser Experte und fügt hinzu: „Ob diese Tätigkeit sicher ist, hängt für unser Gehirn von der Qualität und der Interpretation des Inputs ab.“ Ebenso von der Vorhersage, die es daraus trifft, denn unser Gehirn macht permanent Vorhersagen über die unmittelbare Zukunft. Vor allem eben, um Sicherheit und Überleben zu gewährleisten.

Security-Chef Gehirn

Unser Wächter im Kopf ist also ständig im Sicherheitsdienst. Dennoch ist das Gehirn auch in der Lage, Neues zu lernen und alte Gewohnheiten loszulassen. So können wir zum Beispiel falsche Bewegungsmuster durch die richtigen ersetzen und so unser Reiten verbessern. Das braucht zum einen Übung, aber auch eine klare Zielsetzung. Durch letztere geben wir unserem Gehirn die Richtung vor und können uns fokussieren. Dazu hilft es, sich vor der Trainingseinheit Fragen zu stellen wie: Was will ich konkret verbessern? Oder: Bis wann will ich das schaffen? Ziele sollten realistisch messbar, aber auch wichtig und attraktiv für einen selbst sein. Schreiben Sie sich Ihre Ziele auf, um diese besser visualisieren und kontrollieren zu können.

So wie unser Gehirn ständig Security spielt, reagiert auch unser Nervensystem permanent auf alles, was um uns herum passiert. Wenn zum Beispiel etwas im Gebüsch raschelt, während wir auf dem Platz reiten oder plötzlich eine Katze auf die Bande springt, erschrecken wir uns kurz. Dieses schnelle Reagieren unseres Nervensystems können wir jedoch auch nutzen, um herauszufinden, auf welche Trainingsreize unser Gehirn positiv reagiert und welche es eher als bedrohlich einordnet. Ein Reiz, den unser Nervensystem als positiv einordnet, sorgt bei uns zum Beispiel für mehr Beweglichkeit, Balance oder ermöglicht eine verbesserte Konzentration. Werden diese Faktoren nach einer Übung jedoch schlechter, dann hat unser Gehirn den Reiz als potentiell bedrohlich eingeordnet. Im Folgenden stellen wir Ihnen das Konzept des Neuro-Athletik-Trainings vor, das dieses Prinzip verfolgt und so individuell passende Übungen für jeden Reiter empfiehlt.

Das Herzstück

Beim Neuro-Athletik-Training testen Sie zuerst mit bestimmten Übungen Faktoren wie Beweglichkeit, Balance oder Koordination und führen anschließend spezielle Bewegungsübungen, sogenannte „Drills“ aus. Der anschließende „Re-Test“ dient zur Überprüfung. Wir stellen Ihnen kleine Auswahl an Tests und Drills vor. Eine ausführlichere Darstellung finden Sie im Buch „Neuro-Athletik für Reiter“.

1. Der Test: Er dient zur Überprüfung des Leistungsvermögens. Dabei werden Tests genutzt, die einfach zu erlernen und durchzuführen, aber aussagekräftig sind. Nachdem Sie durch einige Tests den Funktionsstatus Ihres Körpers festgestellt haben, absolvieren Sie einen Drill.

2. Der Drill: Ob Bewegungsübung für ein Gelenk, das Gleichgewichtssystem, die Augen, das Atmungssystem oder eine einfache Stimulation von Rezeptoren und freien Nervenenden – ein Drill kann ganz unterschiedlich aussehen. Im Anschluss wiederholen Sie den zuvor durchgeführten Test noch einmal.

3. Re-Test: So wird die Wiederholung eines Tests nach einem Drill verstanden. Mit dem Re-Test wird die Leistungsfähigkeit überprüft. Ist sie besser oder schlechter geworden oder einfach gleich geblieben? Durch dieses Verfahren können Sie herausfinden, welche Drills für Sie die Richtigen und Wichtigen sind.

Testen Sie sich

Lesen Sie sich die Beschreibung der Tests mehrmals durch, um mit ihnen vertraut zu sein und sie präzise durchführen zu können. Lassen Sie sich dabei Zeit. Es kann sein, dass Sie Seitenunterschiede feststellen. Am besten notieren Sie sich alles. Tests und Re-Tests sollten stets unter den gleichen Bedingungen durchgeführt. Also mit gleichem Fußstand und identischer Körperposition. Veränderungen können das Testergebnis verfälschen.

TEST 1 Die Vorbeuge – Hüftflexion

Fokuspunkte: Wie weit können Sie sich entspannt beugen, und wie fühlen sich Ihre Muskeln dabei an? Wie groß ist der Abstand zwischen dem Boden und Ihren Fingerspitzen? Wie weit können Sie vielleicht sogar Ihre Hände auflegen?

So geht’s:

• Stehen Sie gerade, mit langer, gestreckter Wirbelsäule. Die Füße stehen schulterbreit und beide Fußspitzen zeigen nach vorne.

• Nun beugen Sie den Oberkörper nach vorne, wobei die Arme herunterhängen und die Finger Richtung Zehenspitzen zeigen.

• Lassen Sie sich locker hängen und beobachten Sie, wie groß der Abstand zwischen Fingerspitzen und Boden ist. Merken Sie sich diesen Abstand und auch, wie leicht oder schwer Sie diese Position einnehmen können.

• Zwängen Sie sich nicht in eine tiefere Position, sondern nehmen Sie einfach wahr, welche Muskeln und Sehnen angespannt sind.

• Wiederholen Sie die Übung zu Beginn mehrmals hintereinander, um aufgewärmt zu sein, sonst würde ein völlig anderes Re-Test-Ergebnis ja nicht verwundern.

TEST 2 Schulterflexion

Fokuspunkte: Absolvieren Sie den Test mit beiden Schultern und vergleichen Sie die Seiten. Stellen Sie sich die Fragen: Wie weit können Sie den gestreckten Arm sauber anheben? Geht das leicht oder schwer, und gibt es eine schwächere Seite? Was fühlen Sie in Ihrer Schulter?

So geht’s:

• Stehen Sie gerade, mit langer, gestreckter Wirbelsäule. Die Füße stehen schulterbreit und beide Fußspitzen zeigen nach vorne.

• Richten Sie Ihren Blick geradeaus und fixieren Sie einen Punkt oder Gegenstand.

• Nun heben Sie den im Ellbogengelenk komplett gestreckten Arm nach vorne an und bewegen ihn so hoch wie möglich nach oben. Dabei bleibt der Ellbogen gestreckt.

• Passiert Ihr Oberarm am Ende der Bewegung Ihr Ohr? Das wäre perfekt.

• Merken Sie sich Ihre maximale Bewegungsweite und nehmen Sie wahr, wie leicht oder schwer Ihnen die Bewegung fällt.

• Dabei testen Sie beide Seiten, um eventuelle Unterschiede wahrzunehmen.

• Gibt es eine schwächere Seite? Dann Re-Testen Sie diese.

• Haben Sie Schmerzen in der Schulter? Dann ist Ihr Ergebnis der Punkt, bis zu dem Sie sich schmerzfrei bewegen können.

TEST 3 Zombie-Stand

Wichtig: Üben Sie in einer sicheren Umgebung, in der keine spitzen oder gefährlichen Gegenstände beziehungsweise Stolperfallen um Sie herumstehen. Wer Gleichgewichtsprobleme hat, kann sich für diesen Test in eine Ecke des Raumes stellen, sodass die Wände rechts und links eine gewisse Sicherheit bieten.

So geht’s:

• Sie stehen aufrecht mit langer, gestreckter Wirbelsäule, Ihre Füße eng aneinander, also Knöchel an Knöchel.

• Strecken Sie die Arme waagerecht nach vorne aus. Dabei sind Ellbogen und Finger gestreckt.

• Spüren Sie, ob Ihr Körper vor oder zurück beziehungsweise nach rechts oder links schwankt.

• Schließen Sie jetzt die Augen und spüren Sie noch einmal hin. Gibt es eine bevorzugte Richtung, in die Ihr Körper schwankt?

• Sobald Sie eine starke, eindeutige Korrekturbewegung mit den Armen oder dem Oberkörper machen müssen, ist der Test beendet. Merken Sie sich, wie lange Sie bis zum Abbruch stehen konnten.

• Stehen Sie beim Re-Test sicherer oder schwanken weniger beziehungsweise gar nicht mehr zu einer Seite, dann ist das ein positives Zeichen.

• Sollten Sie keine Schwankungen spüren, dann ist dieser Test zu leicht für Sie, und Sie können die verschärfte Variante nutzen.

Verschärfter Zombie-Stand

So geht’s:

• Ihre Füße stehen jetzt nicht nebeneinander, sondern hintereinander, so dass die Fußspitze des rechten Fußes die Ferse des linken berührt.

• Verteilen Sie Ihr Körpergewicht gleichmäßig auf beide Füße.

• Testen Sie diese Position auch mit dem rechten Fuß vor dem linken.

• Ist Ihnen das Ganze zu wackelig, dann probieren Sie die Füße etwas seitlich versetzt zu stellen.

• Ist die Übung zu einfach, dann testen Sie den einbeinigen Zombie-Stand.

• Wichtig ist, dass Sie sich eine Standposition aussuchen, die sicher ist, aber andererseits auch herausfordernd. So können Sie Verbesserungen leichter überprüfen.

WAS DIE AUGEN VERRATEN

Haben Sie mit offenen Augen mehr Probleme, die Balance zu halten, als mit geschlossenen? Dann ist das ein Hinweis darauf, dass Ihr Gehirn scheinbar große Mühe hat, visuelle Informationen sinnvoll zu verarbeiten. Wahrscheinlich profitieren Sie in diesem Fall von visuellen Drills.

DAS BEWIRKT

Neuro-Rider-Training Sie können mit dieser Art des Trainings gezielt an bestimmten Themen arbeiten oder die Leistungsbereitschaft im Allgemeinen verbessern, beziehungsweise im Speziellen:

die Koordination und die Feinabstimmung der Hilfengebung

die Körpersymmetrie

die Kopf-und Handhaltung

Fokus und Konzentration

Rhythmusschwierigkeiten

Hüftschiefstand oder Schulterschiefe

den Umgang mit unpassender/nicht hilfreicher Emotionalität

den Umgang mit unangemessenen emotionalen Reaktionen

den Umgang mit Angst in bestimmten Situationen

KONTRAINDIKATOREN

für Neuro-Rider-Training Bei diesen Problemen sollten Sie zur Sicherheit zunächst Rücksprache mit Ihrem Arzt halten

Entzündungen der Gelenke mit Hitze, Röte und/oder Schwellung

Knochenbrüche (Frakturen)

Gelenkerguss, typischerweise durch Trauma oder Krankheit

Gelenkhypermobilität, zum Beispiel nach einem Bänderriss

Krankheiten, die die Knochen schwächen, da es zu Brüchen oder Verletzungen führen kann

Tumore, denn viele Formen bösartiger Tumore können die Knochengesundheit und – stärke beeinflussen

Totaler Gelenkersatz, dabei sollten alle Bewegungen mit dem Arzt abgeklärt werden

Nach Operationen, denn Gelenkmobilisierungen während der frühen Genesungsphase können unangemessen sein

UNSER EXPERTE

MARC NÖLKE ist Neuro-Athletik-Trainer, Coach und Entwickler des Neuro-Athletik-Trainingsprogrammes. Er arbeitet mit Spitzensportlern verschiedener Disziplinen zusammen und hat in seinem Buch ein spezielles Programm für Reiter zusammengestellt.

BUCHTIPP:

„Neuro-Athletik“: Die Methode von Marc Nölke trainiert gezielt jene Gehirnareale des Reiters, die für Stabilität, Rhythmusgefühl, Bewegungspräzision und die Sehzentrale zuständig sind.

Kosmos; 330 Seiten; 28 Euro; EAN: 9783440172254

Die Drills

Lassen Sie sich auch hier Zeit, Sie müssen nicht alle Drills an einem Tag hintereinander testen. Setzten Sie lieber auf Ruhe und Qualität. Beginnen Sie die Ausführungen im neutralen Stand, den wir Ihnen als erstes vorstellen. Er dient als Ausgangsposition und als neue Grundhaltung. Wenn Sie lernen, Ihren Kopf in der Schwerpunktachse zu halten, reduzieren Sie überflüssige Muskelanspannung und verbessern Ihre muskuläre Balance.

DRILL 1 -KÖRPERGEFÜHL Der neutrale Stand

Fokuspunkt: Versuchen Sie, möglichst viel Abstand zwischen Beckenboden und dem hinteren Zacken einer imaginären Krone auf Ihrem Kopf zu bringen.

So geht’s:

• Test durchführen.

• Stehen Sie mit den Füßen schulterbreit auseinander.

• Beugen Sie die Kniegelenke ein wenig und halten Sie eine leicht angewinkelte Position.

• Nun richten Sie Ihr Becken auf. Dabei können Sie sich einen Hund vorstellen, der den Schwanz einzieht. Führen Sie eine ähnliche Bewegung aus.

• Jetzt bringen Sie Ihre Wirbelsäule in die senkrechte Position: von der Lendenwirbel-bis zur Halswirbelsäule.

• Als nächstes nehmen Sie Ihr Kinn leicht abwärts und nach hinten. Sie sollten spüren, dass Ihre Halswirbelsäule im Nacken leicht gebeugt ist.

• Nun strecken Sie langsam die Kniegelenke durch. Ihre Beine schieben den Körper wie eine Hebebühne nach oben. Das Becken bleibt aufgerichtet.

• Stellen Sie sich vor, Sie tragen eine Krone auf dem Kopf, mit deren hinterer Zacke Sie ein Loch durch die Decke bohren möchten.

• In dieser aktiven aber dennoch bewegungslosen Position bleiben Sie für etwa 20 bis 40 Sekunden.

• Atmen Sie ruhig und entspannt durch die Nase ein und aus.

• Führen Sie den Re-Test durch und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Test vor der Übung.

DRILL 2 -KÖRPERGEFÜHL

Becken aufrichten und kippen

Fokuspunkt: Spüren Sie, wie Sie Ihr Becken vorwärts kippen und aufrichten beziehungsweise wie die Beckenkämme nach hinten kippen?

So geht’s:

• Test durchführen.

• Ihre Füßen stehen schulterbreit auseinander, die Knie sind etwas gebeugt.

• Legen Sie Ihre Finger links und rechts an die Beckenkämme.

• Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Dinosaurier mit einem Schwanz. Diesen wollen Sie nun kräftig in den Boden drücken. Dabei richtet sich Ihr Becken auf.

• Stellen Sie sich vor, sie würden den Schwanz vom Boden abheben. Dabei kippt ihr Becken nach vorne.

• Üben Sie diesen Wechsel ruhig und bewusst eine Minute lang und achten Sie dabei darauf, dass sich Ihre Lendenwirbelsäulenmuskulatur so wenig wie möglich anspannt. Auch die Bauchmuskeln sollten locker bleiben.

• Führen Sie den Re-Test durch und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Test vor der Übung.

DRILL 3 – VISUELLES SYSTEM

Blicksprünge

Fokuspunkt: Blicksprünge sind schnelle Augenbewegungen von einem Fokuspunkt zum anderen. So können Sie im Alltag ein visuelles Ziel finden und es scharf stellen, um schnell zu sehen, was es ist. Ihr Kopf bewegt sich nicht, sondern die Augen. Sehen Sie Ihr Ziel scharf?

So geht’s:

• Test durchführen.

• Beginnen Sie im neutralen Stand.

• Halten Sie zwei Stifte als visuelle Fokuspunkte auf Augenhöhe in etwa einem halben Meter Abstand vor sich.

• Nun lassen Sie, ohne den Kopf zu bewegen, die Augen von einem Ziel zum anderen hin-und herspringen.

• Lassen Sie den Blick so lange auf einem Ziel, bis Sie es scharf sehen und identifizieren können.

• Die Blicksprünge absolvieren Sie zunächst etwa 30 bis 60 Sekunden.

• Führen Sie den Re-Test durch und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem Test vor der Übung.

DRILL 4 – BALANCE UND GLEICHGEWICHT

Kopfbewegungen mit Blickstabilisierung

Fokuspunkt: Sie führen bei dieser Übung Ja-und Nein-Kopfbewegungen beim Vorwärts-und Rückwärtsgehen im Wechsel aus.

So geht’s:

• Test durchführen.

• Halten Sie einen Stift oder ein anderes visuelles Ziel auf Augen höhe vor sich und fixieren Sie es.

• Nun beginnen Sie zu gehen und bewegen Ihren Kopf im Rhythmus wie bei einem übertriebenen Nein-Sagen von rechts nach links, entsprechend der gesamten horizontalen Linie.

• Gehen Sie zehn Meter vorwärts und dann sofort wieder zehn Meter zurück.

• Üben Sie eine halbe Minute lang.

• Führen Sie den Re-Test durch.

• Jetzt wiederholen Sie die Übung mit Ja-Kopfbewegungen und führen erneut einen Re-Test durch.