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BEST OF BOTH WORLDS


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Chrom & Flammen - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 27.08.2022
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Bildquelle: Chrom & Flammen, Ausgabe 9/2022

Michael fing 1971 an, sich für Autos zu begeistern, als er gerade mal vier Jahre alt war. Er hat noch lebhaft im Gedächtnis, wie sein Vater sich nach einem neue Familienauto umsah. Den alten 1964er Newport, den sein Dad neu gekauft hatte, sollte Michaels Mutter übernehmen, die gerade ihren Führerschein machte. “Ich erinnere mich an einen großen blauen Chrysler, der im Ausstellungsraum stand, mit weißem Vinyldach und schickem Interieur, schönen Rädern und versteckten Scheinwerfern”, sagt Michael. “Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich mir sicher, dass es ein 300er war, und ich sagte meinem Vater immer wieder, dass wir DEN kaufen sollten. Da mein Vater eher praktisch veranlagt war, bestand er auf einer anderen, sparsameren Limousine. Der Verkäufer nahm uns mit auf den Parkplatz und zeigte uns einen Newport in brüniertem Rotmetallic. Ich mochte ihn nicht und sagte Dad, lass uns den Blauen holen. ...

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... Natürlich kamen wir mit dem Roten nach Hause.”

Michael imteressierte sich daher zunehmend für den1964er Newport und fragte eines Tages: “Hey Dad, wenn wir dieses Auto noch haben, wenn ich alt genug bin, um zu fahren, kann ich es dann haben?” Daraufhin antwortete sein Vater lachend: “Klar, warum nicht.” “Er ahnte nicht, auf welchen Weg er mich gebracht hatte”, meint Michael mehr als vier Jahrzehnte später. Denn angesichts von Projekten wie einem 1964er Chrysler 300K Cabriolet, 1969er Charger 500, 1970er Charger RT/SE, 1970er Road Runner mit Gen-III-Hemi oder einem 1971er Newport, welche er im Laufe der Jahre in Angriff nahm, ist Michael alles andere als ein unbeschriebenes Blatt in Sachen US-Oldtimer.

Zu dem 1964er Chrysler, um den es hier geht, erzählt Michael: “Auf den seinerzeit unrestaurierten 300K stieß ich, als der Chrysler bei der Tauschbörse des Spring Fling in Van Nuys auf einem Anhänger stand. Für ein Luxusauto war der Wagen mager ausgestattet, nicht einmal ein Radio und Seitenspiegel waren vorhanden. Beim Kauf waren nur sehr wenige Optionen angekreuzt worden, lediglich eine Lederausstattung, ein Sure-Grip-Differenzial und das 300K-Spezialpaket, das den Dual-Four-Barrel-Cross-Ram-Motor enthielt. Die Unterlagen zu dem Auto bezogen sich auf fast 25 Jahre, darunter Quittungen für Arbeiten beim Händler, Autowäschen und sogar eine individuelle Abstimmung bei der berühmten Company Granatelli Automotive. Ich kaufte den Chrysler und machte ab, dass der Verkäufer ihn zu mir nach Phoenix bringt.”

Neben dem Erledigen aller notwendigen Restaurationsarbeiten legte Michael viel Wert auf technische Verbesserungen, die den Komfort und den Fahrspaß steigern. So wurde aus Gründen der besseren Fahrbarkeit eine EFI-Einspritzung verbaut. Michael war sich auch sicher, dass es Sinn machte, ein manuelles Getriebe mit Overdrive einzubauen, um den Nachteil der “kurzen” Achse auszugleichen, die nötig ist, um das “schwere Biest” in Schwung zu bringen.

Die Montage einer hydraulischen Rollennocke diente der Maximierung der Leistung und macht den regelmäßigen Ausbau der Ansaugstutzen zum Einstellen der Ventile überflüssig. Der Boden, das Dach sowie Spritzwand und Türen sind mit meterweise Dynamat ausgekleidet worden, damit Michaels Kinder auf langen Fahrten ein Nickerchen im Fond machen können.

Die ursprüngliche Lackierung in KK1-Silbertürkis wurde ebenso beibehalten wie die schwarze Lederausstattung. “Ich musste die Räder aufrüsten, da 14-Zoll-Reifen bei all dem Gewicht und der Leistung, die hier im Spiel sind, keine Chance hatten, die Haftung auf der Straße sicherzustellen. Ich entschied mich für 18-Zoll-Centerline-‘Boulevard‘-Räder, die auf Bestellung mit partiell unpolierten Flächen angefertigt wurden und an die Felgen im ‘Kidney-Bean-Style‘ der 1950er und ‘60er Jahre erinnern. Insgesamt habe ich mit dem Auto den gewünschten Look erreicht.”

Michael erklärt, dass die ursprüngliche Chrysler-300-Letter-Car-Serie dazu beitrug, das PS-Wettrüsten in der Autoindustrie der '50er und ‘60er Jahre ins Leben zu rufen. Denn obwohl sie nicht als Muscle Cars – definiert als Mittelklasseoder Kompaktwagen mit großem Motor – eingestuft werden, sind die bulligen Chrysler doch sehr muskulöse Autos.

“Viele der Wagen werden auf den Originalzustand hin restauriert, da die Besitzer der Meinung sind, dass dies nicht allein das automobile Erbe bewahrt, sondern auch den Wert erhält”, erläutert Michael und ergänzt: “Meiner ist geschmackvoll modifiziert, mit subtilen Verbesserungen, die Puristen nicht zu sehr aufregen, aber den Fahrspaß um einiges erhöhen.” Eine dieser Modifikationen, das versteckte Infotainmentsystem, das sich hinter einer beweglichen Platte des Armaturenbretts verbirgt, ist fast so umfassend wie das Uconnect-Paket, das man in einem modernen Chrysler 300 findet.

Die Cross-Ram-Kraftstoffeinspritzanlage ist ein Einzelstück von Imagine Injection in Phoenix, Arizona. “Diese ungewöhnliche EFI-Anlage fiel mir vor vielen Jahren auf, als wir von Phoenix nach Las Vegas zu 'Mopars at the Strip' fuhren”, erinnert sich Michael. “Als ich bei einem Tankstopp in Wickenburg, Arizona, ein älteres Fahrzeug mit offener Motorhaube sah, fiel mir auf, dass die erwarteten Vergaser fehlten und durch eine hochmoderne Einspritzanlage ersetzt worden waren.”

Im Laufe der Jahre hat sich Michael verschiedenen Mopar-Clubs angeschlossen, darunter dem Chrysler 300 Club International, dem Chrysler 300 Club Inc., dem AZLX Modern Mopar Muscle sowie dem 602 Mopars Club. Zudem hat der Chrysler-Fan an der Silver State Classic Challenge und der Nevada Open Road Challenge teilgenommen. Michael berichtet, dass er den 300K nicht so oft fährt, wie er eigentlich möchte: “Ich bewege meine Projekte ein wenig, bevor ich mich dem nächsten Vorhaben widme. Eine Sache, die ich sehr schätze, ist, dass meine Familie aktiv in das Hobby involviert ist. Ich hoffe, dass meine drei Töchter das Autofieber packt, wenn sie in ein paar Jahren alt genug werden, um selbst zu fahren.”

Abschließend merkt Michael an, dass der 1964er Newport seines Vaters, mit dem für ihn alles begann, immer noch in der Familie ist. Dieser Wagen sowie die Autos, die er seither gebaut hat, bleiben in seiner Obhut. Im Gegensatz zu vielen von uns hat er den Platz und war nie gezwungen, etwas aus seiner Mopar-Sammlung zu verkaufen.

Text: Richard Truesdell/Michael Stein

1964er Chrysler 300K Hardtop

Motor: OHV-V8, 440 ci, 7.210 ccm, 396 PS bei 5.200 U/min, 658 Nm bei 3.600 U/min (Werksangaben), Bohrung × Hub in mm: 118 × 105; Verdichtung: 10,4:1; Long-Ram-Ansaugstutzen, Edelbrock-Zylinderköpfe, hydraulischen Rollennocke, EFI-Einspritzung von Imagine Injection

Auspuff: Factory-Cast-Iron-Krümmer mit 2,5"-Rohren und Impco-Imperial-Style-Schalldämpfern

Kraftübertragung: 5-Gang-Tremec-TKO600-Getriebe, Hinterradantrieb, 8-3/4”-Sure-Grip-Differenzial; Achsübersetzung 4,10 : 1

Vorderachse: Einzelradaufhängung, Querlenker, Drehstabfedern, Teleskopstoßdämpfer, Querstabilisator

Hinterachse: Starrachse an Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer

Bremsen: AAJ-Scheibenbremsen-Umbau mit GM-Bremszangen vorne/“Doctor Diff”-Scheibenbremsen-Umbau mit Mustang-Cobra-Bremssätteln hinten

Räder: Centerline-“Boulevard”-Leichtmetallräder in 8 × 18"

Reifen: Michelin “MXV4”, vorne 235-50/18, hinten 255-55/18

Sonstiges: OEM-Ledersitze von Legendary Auto Interiors, OEM-Instrumente und Autometer-Drehzahlmesser, versteckte Navigations-Radio-Einheit