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Best of Karwendel


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Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 08.07.2022

Karwendel

Artikelbild für den Artikel "Best of Karwendel" aus der Ausgabe 8/2022 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Imposanter Anblick: die Soiernseen zu Füßen der markanten Soiernspitze

Von Norden kommend ist das Karwendel eine der ersten echten Gebirgsketten der Alpen. Dort stößt der Bergfreund nicht nur auf viel Kalk und viele Kare, sondern auch auf ein absolutes Luxusproblem: Es gibt mehr schöne Plätze, als sich zählen lassen; mehr Wanderungen, Hütten und Routen, als in ein ganzes Bergjahr passen. Dazu wirkt die Bergwelt – auch dank des Status‘ als Naturpark – trotz der Jahrhunderte langen Nutzung durch Menschen auf Almen und in Bergwerken irgendwie noch erstaunlich intakt. Höchste Zeit also, endlich einmal die schönsten Plätze zwischen Achensee und Mittenwald, zwischen Innsbruck und Isar vorzustellen – wobei einige Orte wie der längst von Instagrammern vereinnahmte Große Ahornboden oder die für viele Millionen renovierte Falkenhütte im Schatten der Laliderer Wände außer Konkurrenz laufen. Der Clou: Die ersten fünf Punkte lassen sich theoretisch zu einer viertägigen ...

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... Wanderung zusammenfassen. Viele der Ziele sind zudem gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen – etwa via Scharnitz, Zirl oder Innsbruck.

1/ Pleisenspitze

Exzellenter Aussichtsberg, der an exzellenter Kaiserschmarrn-Aufnah me-Station vorbeiführt

2569 Meter hoher Aussichtsberg par excellence. Lässt sich vom Talort Scharnitz trotz der insgesamt rund 1600 Höhenmeter relativ einfach besteigen; im Sommer auch als Bike&Hike-Tour, im Winter als Ski- oder Schneeschuhtour, wobei letztere bei geringer Schneelage wegen des dichten Latschenbewuchses sogar ein Vorteil sein können. Ist aber vor allem deshalb großartig, weil auf dem Weg dorthin mit der Pleisenhütte eine zur Karwendel-Institution gereifte Kaiserschmarrn-Aufnahme-Station zu finden ist, die zu Beginn der 1950er-Jahre vom Karwendel-Promi Anton Gaugg alias Pleisentoni nach seiner Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft aus reiner Freude an der Freiheit gebaut und längst an seinen noch nicht ganz so prominenten Sohn Sigi Gaugg übergeben wurde. Beherbergt außerdem ein paar Höhlen, in denen der Pleisentoni auf die Knochen eines fantastisch erhaltenen, wenn auch Jahrtausende alten Elchkalbs stieß, sowie einige sehr lebendige Gämsen – und eine Kapelle neben der Hütte, wo der 2007 verstorbene Pleisentoni begraben liegt.

Start/Ende: Scharnitz (Parkplatz Wiesenhof)

2/ Anton-Gaugg-Weg

Ambitionierte Tagestour durch viel Fels und Geröll

schwierig 5 ½ Std. 1310 Hm 1290 Hm (ohne Birkkarspitze) 12 km

Vom Pleisenhütten-Erbauer (→ Pleisenspitze) Anton Gaugg ausgekundschaftete hochalpine Unternehmung durch viel Fels und noch mehr Geröll. Führt von der Pleisenhütte über die Hinterautal-Vomperkette (auch: Karwendelhauptkette), vorbei an der Pleisen-Elchhöhle, über drahtseilversicherte Felsanstiege und die Breitgrieskarspitze (2590 Meter) zu einer Notbiwakschachtel in Form eines Rettungswagenaufsatzes, der sich zumindest bei der letzten Besichtigung kaum vom grauen Schottermeer drumherum abhob.

Schlängelt sich weiter durchs Marxenkar. Stellt den Wanderer am nächsten Felsriegel vor die Entscheidung, ob man den nicht ganz ungefährlichen Brendlsteig hinab zum Karwendelhaus nimmt oder tatsächlich noch über die drei ebenfalls nicht ganz ungefährlichen Ödkarspitzen (bis 2745 m) zur Biwakhütte (2635 m) an der Birkkarspitze aufsteigt.

Macht als Tagesunternehmung trainierte Beine wohltuend müde und wenig trainierte Beine völlig fertig.

Start: Pleisenhütte Ende: Karwendelhaus → Tourenkarte 1 in der Heftmitte

3/ Birkkarspitze

Überschreitung des höchsten Bergs im Karwendel

schwierig 15 ½ Std. 1950 Hm 40 km

Hat den genau genommen eher unansehnlichen, aber immerhin höchsten und damit panoramaträchtigsten Steinhaufen des gesamten Karwendel als Zwischenziel. Setzt sich aus dem Aufstieg zur Birkkarspitze (2749 m) über den ganz sicher nicht zufällig Schlauchkar genannten Schotterhang und einen ermüdenden 1500-Höhenmeter-Abstieg in Richtung Isarursprung zusammen. Führt allerdings auch zu der unter Karwendelkennern diskutierten Frage, ob die Isar wirklich dort entspringt, wo Schild und Karten dies signalisieren und wo heute jedes E-Bike hinkommt oder ob der bayerische Vorzeigefluss seine wahre Quelle nicht noch ein paar hundert Höhenmeter weiter oben bei der → Hallerangeralm hat. Macht als Tagesunternehmung trainierte Beine noch ein wenig müder (→ Anton-Gaugg-Weg) und wenig trainierte Beine lassen es besser bleiben.

Start/Ende: Scharnitz (Übernachtung/Einkehr auf dem Karwendelhaus möglich)

4/ Hallerangeralm

Äußerst fotogen gelegene Hütte mit vielen lohnenswerten Gipfelzielen

mittel 5 ½ Std. 850 Hm 19 km

Bietet holzverkleidete Almzimmer, eine unverschämt fotogen gelegene Kapelle, und im Frühsommer mit Blumen jeglicher Couleur getüpfelte Almwiesen. Bietet als Heimat einer Hüttenbetreiberdynastie außerdem einen Wirt namens Horst Schallhart, der nicht nur laut lachen kann, sondern auch ganz genau weiß, wo die Isar (→ Birkkarspitzen-Überschreitung) wirklich entspringt und diesbezüglich eher kein Verfechter des Meinungspluralismus ist. Bietet außerdem einen überragenden Blick auf den für ambitionierte Kletterer mit Magnetwirkung ausgestatteten Routenklassiker namens Lafatscherverschneidung, der als alpiner Sechser schon etwas mehr Fingerkraft verlangt als etwa der → Brudertunnel. Bietet außerdem Aufstiege auf die ohne Unterarmkrämpfe erreichbaren Sunntigerspitze, Gamskarspitze und Speckkarspitze. Bietet außerdem immer wieder ein Wildgericht, das jede Speck- und Gamskarspitze überragt.

Start: Scharnitz Ende: Hallerangeralm → Tourenkarte 2 in der Heftmitte (Sunntigerspitze)

5/ Issanger

Von der Weidefläche zum paradiesisch eingebetteten Biotop

mittel 5 Std. 910 Hm 13,5 km

Einst Weidefläche für Ochsen, die für den Salzbergwerksbetrieb im Halltal benötigt wurden; heute acht Hektar großes Biotop für Amphibien, Birkhühner und diverse Pflanzen wie den Pannonischen Enzian oder das Gefleckte Knabenkraut. Lockt daher vor allem im Frühjahr botanisch interessierte Wanderer, Naturfotografen und Mitarbeiter des Naturpark Karwendel, die man an solchen Orten ohnehin immer als wandelnde Ratgeber dabei haben sollte. Hat in der näheren Umgebung außerdem derartig viele fantastische Plätze zu bieten, dass man damit eine eigene Top Ten füllen könnte, darunter etwa die balkonartig am Großen Bettelwurf (2726 m) platzierte Bettelwurfhütte, das zur Jausenstation umfunktionierte ehemalige Mini-Kloster St.

Magdalena sowie dazwischen der wirklich gelungene Absamer Klettersteig (C) und ein plattiger Klettergarten für Anfänger (III+ bis V+), den gelegentlich auch ein paar Gämsen aus reiner Gaudi nutzen. Ist außerdem in eine dermaßen reichhaltige Kulturgeschichte eingebettet, dass man vielleicht doch nicht nur eine Top Ten, sondern gleich ein ganzes Buch damit füllt.

Start/Ende: Parkplatz Halltal-Eingang (über Issanger und St. Magdalena)

6/ Eppzirler Alm

Abgelegenes Kleinod mit Aussicht auf Berge und Gold

mittel 2 ½ Std. 450 Hm 6,2 km

Lockt zwar eher nicht mit den besten Knödeln des Karwendel, aber dafür mit einem absoluten Logenplatz (1459 m) inmitten eines theatronartigen Karwendel-Kessels. Hat im Frühling leider meist noch nicht als Stützpunkt für einige Hammer-Frühlingsskitouren wie jene auf die Eppzirler Scharte und ins Samstagkar geöffnet, ist dafür aber für selbige Firntouren gut mit Bahn und Bike über Gießenbach erreichbar. Kann vor allem sommers auch als Übergangsstopp zur Nördlinger Hütte oder zum ebenfalls außer Konkurrenz stehenden Solsteinhaus genutzt werden, wo es dann auch zur → Neuen Magdeburger Hütte nicht mehr weit ist. Wirkt anders als die Remmidemmi-Almen und -Hütten wie Falkenhütte, Karwendelhaus, Gernalm oder Alpengasthof Gramai auf den großen touristischen Einfallschneisen im Osten der Gebirgsgruppe fast ein wenig vergessen, was ein Mitgrund sein dürfte, warum die angeblich in der Nähe versteckten 30 Tonnen Reichsgold bis heute niemand gefunden hat.

Start: Bahnhof Gießenbach Ende: Eppzirler Alm

7/ Neue Magdeburger Hütte

Mit sämtlichen Alpenvereinsplaketten geschmückte Vorzeigeherberge

mittel 2 ¾ Std. 850 Hm 6,3 km

Perfekt mit dem Zug ab Bahnhof Hochzirl erreichbar, weshalb die Hütte in Zeiten des von Klimakrisen-Debatten induzierten, absolut berechtigten Bergsportler-Bashings unbedingt in diese Liste gehört. Steht leider ein wenig im Schatten des von der Familie Fankhauser wirklich vorbildlich betriebenen Solsteinhauses, obwohl die Neue Magdeburger Hütte (1633 m) sämtliche Alpenvereinsplaketten wie »Umweltgütesiegel«, »So schmecken die Berge« und »Mit Kindern auf Hütten« besitzt. Erste Auszeichnung ist alleine schon wegen oben genannter Anreise-Möglichkeiten verdient, die zweite, weil auf Vorbestellung auch Tiroler Spezialitäten wie Blattln mit Kraut, Lammbraten oder diverse Schweinsteile serviert werden und letztere, weil neben einem Kinderspielplatz auch allerlei Getier wie Hasen, Schafe, Lamas und Kaulquappen zu finden sind. Kann als Ausgangspunkt für den Kleinen und Großen Solstein oder auch einer unerwartet ausgesetzten Tour über den Rauschbrunnen bis in die Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck dienen.

Start: Hochzirl Ende: Magdeburger Hütte → Tourenkarte 3 in der Heftmitte (Großer und Kleiner Solstein)

8/ Wolfsklamm

Wasserumspülter Durchschlupf zu einem besonderen Wallfahrtsort

einfach 3 Std. 520 Hm 8,6 km

Genau genommen eine Weicheier-Tour, die selbst der fußlahme Opi nach dem Frühschoppen noch auf die Reihe kriegt – zumindest sofern er nicht nach der Klamm noch über Berge wie Ochsenkopf, Gamskarspitze und Rappenspitze bis zum Achensee läuft. Tut der Herrlichkeit aber keinen Abbruch. Präsentiert sich jedenfalls als wirklich klammwürdige Schlucht mit dem gurgelnden Stanser Bach als Jahrtausende alter Schleifmaschine in der Mitte. Endet nach mehr als 300 Stufen an einem Wehr, nach dem sich die Welt wieder öffnet und den Blick auf das mehr als tausendjährige Kloster Georgenberg freigibt. Ist damit quasi so etwas wie der felsige, wasserumspülte Durchschlupf zu einem Wallfahrtsort, der heute als Zeugnis dafür dienen kann, dass die Benediktiner schon immer am besten wussten, wo es am schönsten ist.

Start/Ende: Stans

9/ Brudertunnel

Bester Klettersteig des Karwendel an geradezu "dolomitesk" abfallender Felswand

mittel (C) 7 Std. 1250 Hm (davon 200 Hm Klettersteig) 12 km

Nach den Tiroler Unterlechner-Brüdern Toni und Franz-Karl benannter, heute mit Drahtseilen und Eisenklammern gesicherter Felsdurchschlupf an der geradezu dolomitesk abfallenden Felswand oberhalb der Lamsenhütte (1953). Führt von Nord nach Süd, weshalb man das Glück hat, häufig ins Sonnenlicht klettersteigen zu dürfen. Sollte trotz seiner guten Absicherung alleine schon wegen der leicht überhängenden Schlüsselstelle nicht unterschätzt werden. Bester Klettersteig des Karwendel, der inzwischen nur leider auch dermaßen weltbekannt ist, dass man womöglich selbst nachts an Regentagen noch auf Stirnlampenferratisten trifft. Wem‘s zu fad ist, der geht einige Steinwürfe weiter nordwestlich mit Seil, Expressen und Kletterschuhen über die leider ähnlich weltbekannte Nordostkante auf die Lamsenspitze, wobei zumindest die Krux am Einstieg (IV+) die leichtsinnigsten Turnschuhabenteurer abschrecken dürfte.

Start/Ende: Gramai Alm (Pertisau) → Tourenkarte 4 in der Heftmitte (Lamsenspitze Nordostkante)

10/ Soiernkessel

Lieblich, schroff und kitschig schön

mittel 4 Std. 900 Hm 9,3 km

So schön, dass selbst König Ludwig II., der ein ähnliches Gespür für die besten Orte wie die Benediktinermönche (→ Wolfsklamm) besaß, hier im Jahre 1866 den Bau der Soiernhäuser anordnete, wovon eines heute als Alpenvereinsunterkunft dient.

Enthält auf rund 1600 Metern Höhe zwei geradezu kitschig türkise Seen von je drei Hektar Größe, über die sich der Kitschkönig Ludwig Überlieferungen zufolge paddeln ließ – natürlich bei Vollmond. Hat als reiner Bajuware in diesem »Best of« trotz seiner Randlage im Karwendel ganz locker so großartige Aussichtsberge wie Sonn- und Gamsjoch und sogar die unvergleichliche Lalidererspitze ausgestochen. Wirkt lieblich und schroff zugleich, wird gerahmt von Schöttelkarspitze (2050 m), Feldernkopf (2071) und Soiernspitze (2257 m), die sich allesamt in einer wunderbaren, aber sehr trockenen Gipfelrunde erklimmen lassen. Ist erreichbar über den Lakaiensteig, der einmal mehr daran erinnert, dass wir alle doch nur Knechte der Berge sind.

Start: Krün Ende: Soiernhaus → Tourenkarte 5 in der Heftmitte (Soiernspitze)