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Best Of Lua


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 07.07.2021

RÖHREN-CD-SPIELER

Der Appassionato erblickte als CD-Flaggschiff des Hauses Ende 2004 das Licht der Welt und wurde stetig weiterentwickelt. Getestet haben wir ihn 2005, 2008, 2011 und zuletzt 2017. Nun kommt der Mk III GS NOS mit nochmals optimiertem Röhrensatz als Mk IV Class A.

Der ebenso majestätisch wie clever auf vier runden Ecksäulen thronende CD-Spezialist wiegt netto rund 15 Kilogramm, als Laufwerk dient ein renommiertes, professionelles Philips Pro 1210 mit Schublade, was heute bereits Seltenheitswert hat. Für die Ausgangsstufe setzt Helmut Lua seit jeher auf eine in der Röhrenfraktion beliebte „Shunt regulated Push Pull“-Architektur, also eine Class A-Triodenschaltung, bei der die Röhren gegenphasig arbeiten. Insgesamt beinhaltet das Gerät sechs der wertvollen Glaskolben, vier 12AX7 und zwei Mullard CV4024. Ab Wandler, einem 24 Bit-Rechenknecht von Crystal, geht es inklusive Sampling-Filter ...

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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 8/2021

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... praktisch ausschließlich mit Röhrentechnik weiter. Und die macht ordentlich Dampf, am Cinch-Ausgang liegen satte 2,7 Volt an.

UPGRADES MADE BY LUA

Eine weitere Besonderheit zeichnet die Lua-Manufaktur am Bodensee aus, denn während man sich anderswo nach fünf Jahren kaum noch an ein Produkt erinnert oder gar Ersatzteile vorhält, kann dort praktisch jedes jemals verkaufte Lua-Gerät durch Upgrades auf den neuestmöglichen Stand gebracht werden, auch stufenweise. Selbstredend ist ein kompletter Neuaufbau mit den um 2008/2009 geänderten Platinen mit Gold-Silber-Technik oder auch der Umbau auf die neuesten Hashimoto-Trafos unmöglich. Auch der Versuch, durch ein vergleichsweise günstiges Upgrade Reparaturen von Totalschäden vorzunehmen, funktioniert nicht, aber das versteht sich ja eigentlich von selbst.

Ein intakter älterer Appassionato mit Upgrade 07 entspricht nach der „Kur“ in Frickingen jedoch recht genau dem Stand des hier getesteten Mk IV, wobei sogar das CD-Laufwerk gegen ein selektiertes, neues getauscht wird. So erfuhren in den letzten Jahren hunderte Lua-Geräte – Verstärker wie Player – eine Art Frischzellenkur und musizieren weiterhin für viele Jahre auf höchstem Niveau. Die Preise dafür sind erfreulich übersichtlich, da ja vieles erhalten bleibt und nur überprüft, statt ersetzt werden muss. Die Kosten sind vom jeweiligen Aufwand abhängig, aber überraschend moderat.

NOS-Röhren

Sieht man sich die von Lua favorisierten und zudem mühsam in großen Stückzahlen zusammengetragenen Röhren aus den Jahren ab 1952 (!) näher an, so fällt auf, dass hier etwa doppelt so viele und zudem komplexere Einzelteile verbaut sind als bei den moderneren, fertigungstechnisch simpleren Nachfolgern. So sind Anode und Kathode offenbar aufwendiger gefertigt, zudem wurde allein durch Anordnung und Stanzung von Blechen und Glimmer mit entsprechenden Berührungspunkten zum Glaskörper nur scheinbar beiläufig wesentlich stärker auf Mikrofoniedämpfung und zudem insgesamt bessere Wärmeableitung geachtet.

Einmal losgelassen, weiß Helmut Lua nicht nur zu berichten, wer wann in der Historie welche Röhrenchargen für wen gefer- tigt hat – mit einigen Überraschungen,n, die oftmals mit den Aufdrucken wenig zu tun haben – sondern auch, dass diese NOS-Qualitäten zu Bandbreiten, Linearitäten und vor allem Verzerrungsarmut führen, die ansons-nsten unmöglich zu erreichen wären.

Lua kann sich den Einsatz von NOS-Ingredienzien als eher kleine Manufaktur leisten, der Hersteller greift beispielsweise auf eingelagerte, professionelle Philips-CD-Laufwerke zu und setzt bei den Trafos wie auch den Ausgangsübertragern seiner Verstärker auf sehr kostspielige Hashimoto-Erzeugnisse, übrigens eine kleine, feine japanische Schmiede, die gemeinsame Wurzeln mit dem einstigen Verstärker- und Tuner-Spezialisten Sansui hat, für den mein Klassikerherz bekanntlich eine besondere Leidenschaft fühlt.

Großen Wert legt er darauf festzustellen, dass die Gerätedesigns von ihm sind, also auch das unverwechselbare Erscheinungsbild der verchromten Säulengehäuse in Kobaltblau. Selbstverständlich stammen die Geräte aus fernöstlicher Auftragsfertigung, aber die eigentliche Seele wird ihnen erst am Bodensee implantiert.

Die NOS-Röhren – gemäß Lua „die besten Röhren aus 60 Jahren HiFi-Geschichte“ – sind zweifellos eines der Geheimnisse dieses Players, der schon von der Basis absolut superb ist, aber mit dem „Altglas“ geradezu magische Klangeigenschaften entwickelt.

Der Begriff des „Heiligen Grals“ fällt im Gespräch nicht zufällig. Man darf nie vergessen, dass diese Röhren seit 50-60 Jahren nicht mehr hergestellt werden und doch hier ihren ersten Arbeitseinsatz erfahren!

HEAVY METAL

Die Fernbedienung ist ein Handschmeichler par excellence. Sie besteht ganz aus Metall, sogar die Knöpfe sind polierte Edelstahlkugeln – passen Sie auf Ihren Boden auf und halten Sie die gut fest ...

STICHWORT

NOS

„New Old Stock“ steht für brandneue Produkte aus altem Lagerbestand, was insbesondere bei legendären Röhrentypen für Sammler interessant ist. Denn es ist praktisch unbenutzte Neuware mit den ursprünglichen Kenndaten

DAMIT HABEN WIR GEHÖRT

Marillion: With Friends At St. David’s

Marillion mit Frontmann Steve Hogarth und dem Folly String Quartet haben hier Klassiker wie das überragende „Season’s End” völlig neu arrangiert.

Yello: Live in Berlin

Die perfektionistische Elektropop-Formation der Sonderklasse bietet hier Hits wie „Oh Yeah“ oder „The Race“ in neuen Versio- nen samt gehöriger Live-Atmosphäre. Neben CD auch als Blu-ray zu empfehlen.

Die sechs Röhren sind laut Helmut Lua nicht etwa „nur“ gematcht, wie das ja nahezu üblich ist. Das sei aus seiner Sicht lediglich für eine Vorselektion ausreichend. Diese Messungen werden in vielen Fällen auf alten Röhrenprüfgeräten gemacht, die ihrerseits seit Jahrzehnten nicht mehr kalibriert wurden. Als perfektionistischer Eigentümer eines Kalibrierlabors darf er das wohl sagen.

Und ihre wahren Qualitäten zeigten die Glaskolben ohnehin erst im dynamischen Betrieb – und dort müsse man sie dann auch messen und aufgrund dieses Verhaltens final „matchen“. Wer sich noch an die Diskussionen um TIM-Verzerrungen bei Verstärkern erinnert, könnte hier ein unerwartetes „Déjà-vu“ erleben.

Wie klingt’s?

Unglaublich. Den Appassionato kenne ich gut, schließlich lebe ich seit rund 16 Jahren mit ihm. Dabei hat er vor ein paar Jahren auch ein umfangreiches Upgrade (siehe Kasten) erfahren. Aber was mit der Entwicklungsstufe Mk IV samt bislang erlesenster Röhrenbestückung passiert – Lua taxiert den Wert allein dieser Bestückung nach aktuellen Marktpreisen auf 2000 Euro –, darauf war ich nur unzureichend vorbereitet. Wie gesagt, musiziert der Appassionato immer schon auf außergewöhnlichem Niveau, was ihm schon im ersten Test den Titel „Analog-Player“ einbrachte. Dieses Gerät ist schuld daran, dass ich weitaus mehr CDs besitze und höre als Schallplatten, was mich als mittlerweile eines der älteren Redaktionsmitglieder schon zum Exoten macht. Selbstredend drehen sich auch bei mir daheim nicht selten Plattenteller und Tonbandspulen, streame ich andererseits von Amazoyn bis Qobuz und Spotify, zudem Filme, aber es sind eben auch etliche tausend Silberscheiben mit Musik im Haus, nicht etwa eingelagert, sondern einigermaßen griffbereit.

Das Kunststück, extrem fein, aber zudem rhythmisch treibend, schmissig und vollmundig – schlicht analog – zu klingen, ist eher wenigen digitalen Komponenten gegeben. Das hat etwas Ganzheitliches, Organisch-Selbstverständliches, das äußerst angenehm berührt, ja emotional mitreißt. Wenn Sie das hören, wird es Ihnen ähnlich gehen. Der CD-Stapel neben dem Redakteur wächst.

Raumabbildung, Timing und Strahlkraft der Farben suchen ihresgleichen, von CD erst recht. Bei „Season’s End“ von Marillion von der mit einer Klassikformation unterstützten Live-CD „With Friends At St David’s“ hat man den Eindruck, man könne Steve Hogarth bequem umrunden. Auf der Manger-CD – eine DER Testscheiben überhaupt – beweist der Lua zu allem Überfluss, dass er „unten herum“ mehr „Bums“ liefert als jeder andere des halben Dutzend guter CD-Player im Hause Frantzen. Was Helmut Lua die „neue Klarheit“ nennt und auf die Überlegenheit der NOS-Bestückung zurückführt, ist tatsächlich unüberhörbar. Meinen Appassionato, praktisch dem Mk III GS NOS-Vorgänger entsprechend, lässt der jüngere Bruder zwar nicht schlecht aussehen, aber doch unbarmherzig stehen. Auch in Sachen Klangfarben, Temperament und Souveränität legt „der Neue“ noch eine Schippe nach. Die Schubkraft paart sich hier zudem mit einer Körperhaftigkeit und geradezu physischen Präsenz der wiedergegebenen Protagonisten, dass einem die Kinnlade herunterklappt. Warum steht da eigentlich nicht „3D“ drauf?

Majestätisch gleitet er mit einer solchen Geschmeidigkeit, Plastizität und Transparenz durch die Partituren, dass man sich tatsächlich fragt, ob man jemals so CD hören durfte. Immerhin stammt dieses Medium von 1980, der Kinderzeit der Digitaltechnik. Und ich habe sicherlich schon Playern gelauscht, die ein Mehrfaches kosten, diese Technologie aber nicht so ausreizen wie dieser reinrassige CD-Spezialist Lua. Überlegungen dieser Art verschwinden schnell in verblüffender Spielfreude, der Lua klingt einfach spannend, ja ungeachtet der Ruhe im Hintergrund geradezu aufregend.

Als ehemaliger Pressefotograf fällt mir dabei analog ein, was manches ältere Objektiv an digitalen SLR-Kameras gegenüber modernem Topglas noch an Bokeh und einzigartigem Farbrendering herausarbeitet. Charakter, Charme, Charisma? „Sie baden gerade Ihre Ohren drin!“

Solange ich eine CD abspielen will, möchte ich diesen Lua und seinen buchstäblichen „Röhrenzauber“ jedenfalls nie wieder missen. Er sampelt nicht hoch, er hat keine XLR-Aus-/Wandlereingänge, keine umschaltbaren Filter, aber er macht einfach Musik wie vom anderen Stern! Und Hand aufs Herz, ist es nicht genau das, was man – vielleicht als letzten CD-Player – haben will? Ich brauche sofort ein Lua-Upgrade! ■

Lua Appassionato Mk IV

Preis: um 5400 € (NOS-Röhrenbestückung)

Maße: 44 x12 x36 cm (BxHxT)

Garantie: 2 Jahre

Kontakt: LUA

Tel.: +49 7554 8840

www.lua.de

Luas Ausnahme-Player geht in vierter Generation mit NOS-Röhren an den Start und sorgt damit für eine klangliche Offenbarung. Ein geradezu dreidimensionaler, ganzheitlicher und sensationell spielfreudiger „Plattenspieler“ für CDs, der sogar Topreferenzen in Verlegenheit bringt.

Messergebnisse

Labor-Kommentar

Klirr- und Rauschwerte sind – nicht nur für ein Röhrengerät – ganz exzellent, ebenso der extrem geringe Jitter und 0,05 dB (!) Kanalgleichheit. Praxiswerte wie Abtastsicherheit, Ausgangswiderstand, die üppige Ausgangsspannung und Zugriffszeiten sind ebenfalls top.

Ausstattung

Metallfernbedienung, Schubladenlaufwerk, dynamisch gematchter NOS-Röhrensatz, zwei Cinch-Ausgänge, koaxialer Digitalausgang, Netzphasenanzeige

TEST-GERÄTE

CD-Spieler: Audiolab 8300 CDQ, Cyrus DAD 3/Q24, Lua Appassionato NOS, Marantz CD-17m

Vorverstärker: Audible Illusions Modulus 3A, Carver C4000t, Cyrus Pre VS2, GAS Thaedra

Endverstärker: Cyrus Smart Power, Sumo Andromeda, QSC USA 1310

Lautsprecher: DALI Epicon 6, Spendor S3/5, Visaton Vox 252

Kabel: Lua, Supra