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BESTE AUSSICHTEN FÜR PILOTENNACHWUCHS


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 17.05.2018

LUFTHANSA AVIATION TRAINING Der Lufthansa-Konzern braucht dringend neue Piloten. Seine Trainingsorganisation LAT stellt sich deshalb neu auf und macht ihr Angebot Interessierten so schmackhaft wie möglich


Artikelbild für den Artikel "BESTE AUSSICHTEN FÜR PILOTENNACHWUCHS" aus der Ausgabe 60/2018 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 60/2018

In Goodyear im US-Bundesstaat Arizona lernen Anfänger nun auf modernen Einmots vom Typ Cirrus SR20 fliegen


Drei nagelneue Kolbenmotor-Twins, stimmungsvoll von Scheinwerfern beleuchtet, ein großes Büffet, und und vor dem Rednerpult ein rotes Band, das gleich feierlich durchschnitten werden soll: Lufthansa Aviation Training (LAT) hat seinen Hangar am Flughafen Rostock stimmungsvoll geschmückt, vom ...

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... frischgebackenen Flugschüler bis zum LAT-Geschäftsführer Ola Hansson sind an diesem Tag Mitte April alle gekommen – für die Einflottung von fünf Schulflugzeugen.

Die Bedingungen für Pilotenanwärter im Konzern der deutschen Traditionsairline haben sich über die Jahre stetig verändert. Zeitweise finanzierte die Fluggesellschaft die Ausbildung vor, mal mussten die Bewerber die Kosten selbst tragen – und zuletzt bildete die Lufthansa geraume Zeit überhaupt nicht für das eigene Unternehmen aus.

Nun hat sich die Situation gedreht – zugunsten der Piloten: „Die Perspektiven sind so gut wie schon lange nicht mehr“, sagt LAT-Geschäftsführer Ola Hansson. Über 10 000 Piloten arbeiten im Lufthansa-Konzern, rund 300 Nachwuchspiloten jährlich benötigt das Unternehmen allein, um die aus Altersgründen ausscheidenden Kollegen ersetzen zu können – Flottenwachstum ist da noch nicht mal berücksichtigt.

Von den jährlich rund 1000 Bewerbern bestehen rund 90 bis 130 alle Auswahlverfahren. Der erhöhte Bedarf werde an den strengen Kriterien nichts ändern, betont Hansson. Die hätten sich bewährt und sicherten letztlich die Qualität der Pilotenausbildung.

KEIN FINANZIELLES RISIKO

Wer derzeit bei Lufthansa Aviation Training ausgebildet wird, kann sicher sein, am Ende im Konzern auch eine Anstellung zu bekommen. Nach vielen Jahren, in denen das anders war, tragen die Nachwuchspiloten der LAT im Moment auch kein finanzielles Risiko. Rund 60 000 bis 80 000 Euro kostet der Kurs zum Verkehrsflugzeugführer; die Kosten werden dem Teilnehmer aber vorgestreckt – und später in Raten vom Gehalt zurückbezahlt. Momentan bekommen die Aspiranten sogar einen Sign-On-Bonus in Höhe von 20 000 Euro ausbezahlt, um sich beispielsweise die Lebenshaltung während der Ausbildung zu finanzieren.

Die Zweimots vom Typ Diamond DA42 sind mit Glascockpit und Einziehfahrwerk ausgestattet. Sie werden von Dieselmotoren angetrieben


Und wenn es danach doch nicht klappt mit einer Anstellung im Konzern? „Selbst dann fordern wir die Kursgebühr nicht zurück. Ist ja schließlich nicht die Schuld des Bewerbers“, verspricht Hansson, um aber gleich darauf hinzuzufügen: „Aber es sieht zur Zeit wirklich nicht danach aus, dass wir einen fertig ausgebildeten Piloten nicht einstellen würden.“

Geändert hat sich deshalb auch die Ausrichtung der Schule: Während in der Vergangenheit auch für den freien Markt ausgebildet wurde, setzt LAT die Kapazitäten künftig überwiegend für den Eigenbedarf der konzerneigenen Airlines ein.

Das ist auch der Anlass, die Trainingseinrichtungen an den zwölf Standorten weltweit für den bevorstehenden Bedarf vorzubereiten und zu modernisieren. In Rostock erweitern nun fünf zweimotorige Propellerflugzeuge vom Typ DA42 des österreichischen Herstellers Diamond die Schulflotte für das Instrumentenflugtraining und erstetzen schrittweise die Piper PA-44 Seminole, die in Rostock seit rund zehn Jahren im Einsatz sind. Die Diamond-Twins sind mit ihren 168-PS-Dieseltriebwerken rund 40 Prozent sparsamer. Entscheidend für die Wahl dieses Musters war aber die für Flüge in bekannten Vereisungsbedingungen zugelassene TKS-Flüssigkeitsenteisungsanlage und das Wetterradar, mit denen die DA42 ausgerüstet sind. Die Schulflotte kann damit auch an Tagen mit schlechtem Wetter betrieben werden, an denen sie bisher gegroundet war. Rund 1000 Stunden soll jedes der Flugzeuge jährlich unterwegs sein.

NEUE FLOTTE FÜR ARIZONA

Im US-amerikanischen Goodyear nahe Phoenix, Arizona, wurde die Flottenumstellung bereits Ende 2017 begonnen. Dort ersetzen 25 Cirrus SR20 die in die Jahre gekommene Beechcraft Bonanza. Im April waren die letzten Maschinen ausgeliefert. Sie sind mit einem Gesamtrettungssystem ausgerüstet und haben – im Gegensatz zu den bisherigen Flugzeugen – ein Glascockpit, das die Fluginstrumente ähnlich darstellt wie später am Arbeitsplatz im Airliner.

Nach der theoretischen Ausbildung in Bremen absolvieren die Flugschüler in Arizona die erste praktische Phase ihres Trainings und lernen rund sieben Monate lang die Grundlagen des Fliegens. In Rostock-Laage wird dann anschließend vor allem das Fliegen nach Instrumenten trainiert.

Wirbt für die Ausbildung im Lufthansa-Konzern: LAT-Chef Ola Hansson


FOTOS: LUFTHANSA AVIATION TRAINING, CHRISTOF BRENNER (2),

Ausgehallt: Für die Feier zur Einführung der neuen Diamond DA42 wurde die LAT-Trainingsflotte auf dem Vorfeld in Rostock-Laage geparkt. Die neuen Maschinen ersetzen die beiden Piper PA-44 Seminole (hinten). Vorne sind einmotorige Diamond DA40 abgestellt


In Essen hat die Flugschule TFC Käufer eine Halle errichtet, wo sie künftig zwei Airbus-Simulatoren für Lufthansa Aviation Training betreibt


Das Training im Mehrpersonencockpit eines Airliners und die Musterberechtigung für den Flugzeugtyp, auf dem die Piloten schließlich eingesetzt werden, absolvieren die Flugschüler in vollbeweglichen Simulatoren, die so realistisch sind, dass die „Flug“-Zeit darin der im echten Flugzeug gleichgesetzt ist. In Essen wurde jetzt sogar eine Halle für neues Trainingsgerät errichtet. Die Flugschule TFC Käufer ist Kooperationspartner von Lufthansa Aviation Training. Ein fabrikneuer Simulator für Airbus A320 wurde dort ebenso aufgestellt wie ein A330-Sim, der vom LAT-Standort in Berlin nach Essen umgezogen ist.

Um den Bedarf an Piloten befriedigen zu können, muss die LAT auch personell aufstocken: Allein für den Standort Rostock werden zehn Fluglehrer zusätzlich benötigt.

„Der massive Bedarf an Piloten und das Wachstum in den kommenden Jahren stellt an uns besondere Anforderungen“, sagt Ola Hansson. Für das laufende Jahr sucht der Lufthansa-Konzern rund 500 Pilotenschüler. „Soviel haben wir noch nie ausgebildet.“

Theorieunterricht: Bevor es ans Fliegen geht, steht dem Pilotennachwuchs zunächst ein Jahr im Klassenzimmer bevor. Knapp zwei Jahre dauert die gesamte Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer


MARKENVIELFAT

Unter neuen Namen bildet der Lufthansa-Konzern jetzt Piloten aus. Schon bisher war es nicht leicht, in der Markenvielfalt der Lufthansa-Ausbildungsbetriebe die Übersicht zu behalten – auch künftig sind mehrere Unternehmen im Spiel.

Lufthansa Aviation Training
Die LAT entstand 2017 aus dem Zusammenschluss von Lufthansa Flight Training und Swiss Aviation Training. Sie ist 100-prozentige Tochterfirma der Deutschen Lufthansa. Unter ihrem Dach vereinen sich verschiedene Tochterunternehmen weltweit. Die LAT ist nicht nur für die Grundausbildung von Piloten zuständig, sondern auch für deren regelmäßige Fortbildung, für Umschulungen auf neue Muster und die Ausbildung von Flugbegleitern.

European Flight Academy
Die European Flight Academy ist kein eigenständiges Unternehmen, sondern eine Marke der LAT. Unter dieser Bezeichnung werden alle Trainingsaktivitäten des Lufthansa-Konzerns weltweit zusammengefasst – auch die, die nicht in Europa stattfinden.

LAT Verkehrsfliegerschule Bremen
Der traditionsreiche Name der Bremer Schule bleibt weiterhin erhalten. Hier findet vor allem die Theorieausbildung angehender Piloten statt, ebenso gegen Ende der Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer das erste Training auf Flugzeugen mit Düsenantrieb. Dabei wird die Cessna Citation CJ1+ von Textron Aviation eingesetzt.

Unter der Marke European Flight Academy werden alle Trainingsaktivitäten zusammengefasst


FOTOS: CHRISTOF BRENNER (2), KAI SCHMITZ, LUFTHANSA AVIATION TRAINING