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Besuch im »HARTSTEINLAND«


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 100/2021 vom 03.09.2021

HARTSTEINSEEN SACHSEN

Artikelbild für den Artikel "Besuch im »HARTSTEINLAND«" aus der Ausgabe 100/2021 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 100/2021

Etwa 20 Kilometer östlich von Leipzig liegt der »Westbruch«, der eigentlich Steinbruch Waldsteinberg heißt. Mit 20 Metern maximaler Tauchtiefe (je nach Wasserstand) und steil aufragenden Felswänden über Wasser liegt er wie ein Oase mitten im Wald.

Fels-Seen im »Quarzporphyr«

1. Westbruch Waldsteinberg

Tief unter uns liegt der Westbruch. Dieser Steinbruchsee ist ein rotbrauner Felskessel, fast wie die Caldera eines erloschenen Vulkans. Über die Höhen können wir weit bis ins Porphyrland, zum Kirchbruch und manchmal bis Leipzig sehen. Unter uns glitzern die blaugrünen Wellen des Westbruchs in der Sonne. Nur an einer einzigen Stelle ist dieser mystische Steinbruchsee zum Tauchen zugänglich. In der Nähe stehen die lichten Säulenhallen zweier Gesteinsbrecher als Ruinen im Wald. Gespannt tauchen wir ab und folgen alten Steinbruchanlagen in die Tiefe. Dieser Bruch hatte einst eine Zufahrtsstraße und einen Schrägaufzug. Die Areale sind heute Flachwasser-Tauchgebiete in fünf bis acht Metern Tiefe. Seerosen-Bulte streben vor Felswänden dem Licht entgegen. Zwischen den Stängeln kreuzen Plötzen, Kois, Spiegelkarpfen, Barsche und ...

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... Sonnenbarsche. In der Tiefe wartet gewachsenes Gehölz, das mit Tausendblatt, Laichkräutern und diversen Armleuchteralgen-Arten verfilzt erscheint.

Am Hang hinab in die Tiefe erwarten uns Relikte der Geschichte. Die Zelle mit dem explosionsgeschützten Fernsprecher stammt wohl aus den letzten modernen Steinbruchtagen, bevor der ehemals »Wolfgang Preißer’sche Hausbruch« im Jahr 1965 stillgelegt wurde. Exemplare von eichenbeplankten Plattenhunten und rostigen Kipploren zeigen, wie die Vorfahren das gebrochene Gestein transportierten. Ein kleines gelbes U-Boot erinnert an den 50. Geburtstag des Tauchbasis-Chefs Uwe Seidel, der diesen See seit Kindertagen kennt und gepachtet hat. In mittleren Tiefen und unter überhängenden Steinen fühlen sich Hecht, Wels und Stör wohl.

Doch was ist das? Vor uns bäumt sich ein lebensgroßes rotes Pferd auf ! Seit kurzem schmückt die Unterwasserwelt im Porphyr ein ähnlich wie der Goldene Reiter zu Dresden posierendes Pferd. Die Figur verlockt dazu, aufzusitzen. Doch Vorsicht: Bildhauer Permoser, der den Goldenen Reiter für König August den Starken von Sachsen schuf, spottete vor Freunden: »Wie schade, dass auf dem Gaul nur ein Zwerg zu sitzen kommt.«

Der Westbruch bietet viele unerwartete Naturbeobachtungen. An einer Felskante zum Tiefenwasser liegt so etwas wie das »Beiboot der Black Pearl« mit einer gespenstischen Figur. Wer mag, kann in einer dramatischen Felslandschaft, die ab zehn Metern immer kahler wird, bis in eisige 27 Meter Tiefe abtauchen. Wirklich unglaublich, was aus dem einstigen Steinbruch zweier Generationen Preißer zu Kleinsteinberg geworden ist!

2. Kirchbruch Beucha

Wenige Kilometer weiter erwartet uns in Beucha eine einzigartige Szenerie: Der ehemalige Steinbruch und heutige See wurde in Hufeisenform abgebaut. Auf dem Felssporn »mitten im Hufeisen« erhebt sich eine uralte Wehrkirche, umgeben von einem sehr geschichtsträchtigen Friedhof. Als ob das alles noch nicht bedeutend genug wäre, steht landseitig vor der Kirche auch noch ein besonderer Tor-Turm, der zugleich als Wasserturm fungiert. Unten am See wurden die Fundamentsäulen des alten Gesteinsaufzugs mit Arbeitsproben der meisten in Ostdeutschland geförderten Hart- stein-Arten verkleidet. Der Kirchbruch lieferte gemeinsam mit anderen Beuchaer Brüchen das Gestein zum Bau des Leipziger Völkerschlachtdenkmals.

Gerade gegenüber der Kirche an der Außenrundung des gebogenen Sees können wir ins Nass einsteigen. In diesem See schwebt man vor dramatischen Steilwänden. In der Tiefe gibt es ein paar Reste der einstigen Steinarbeiterbuden sowie gemauerte Fundamente von Seilbahnpfeilern. Ein pyramidenförmiger, stehengelassener Pfeiler, der sogenannte Affenfelsen, ragt mitten im See bis in hüfttiefes Wasser auf. Die Sicht im Kirchbruch ist relativ instabil, und oft ist es am schönsten, dicht an den flachliegenden Pflanzenfeldern auf der Ostseite des Gewässers Kröten, Karpfen, Barsche, Hechte und Plötze zu beobachten.

3. Wildschütz Mockrehna

Der Wildschütz zieht mit seinen 74 Metern Tiefe vor allem Tech-Taucher an. Seine tiefen Sehenswürdigkeiten wie Unteres Pumpenhaus (74 Meter), Fahrstuhlreste (58 bis 33 Meter), Oberes Pumpenhaus (50 Meter) Kiosk (45 Meter) und Sprenghaus mit Felsstollen (25 Meter) sind legendär. Dem Sporttaucher sei gesagt, dass es rechts der Einstiege vor der deutlich sichtbaren Schilfzone auch wundervolle Flachwasser- Tauchgebiete gibt. In diesem Gebiet wachsen auf sanften Hügeln Tausendblattwiesen. Barsche, Plötzen und Karpfen kreuzen, und in kleinen versunkenen Gehölzen stehen Hechte. Der Seeboden ist von Amerikanischen Flusskrebsen bevölkert. Aufmerksame Langstreckenschwimmer finden Welse gegenüber der Basis. Der senkrechte Abbruch in »unendliche Tiefen« ist neben einigen Bergbau-Arbeitsbühnen in maximal zehn Metern Tiefe gut wahrzunehmen.

4. Taucherkessel Haasensbruch Röcknitz

Dieser langgestreckte, ovale See brilliert mit einer Bergbau-Loren-Ausstellung im Einstiegsbereich, einer Höhle in etwa 14 Metern Tiefe sowie mit Barschen, Hechten, Zandern, Karpfen und vor allem zahlreichen zutraulichen Stören in versunkenen Gehölzen. Der See liegt im tiefen Wald zwischen Kleinzschepa und Röcknitz. Aktuell bewirtschaftet der ehemalige Betreiber der Löbejüner Taucherkessel Klaus Diersch dieses Gewässer.

5. Haselberg Ammelshain

Dieser Fels-See im Quarzporphyr mag eines der bekanntesten Gewässer rund um Leipzig sein, weil es sich um den Haussee und die Tauchbasis des Landestauchsportverbands handelt. Taucher können im Haselberg sowohl über Tausendblattwiesen voller Fische dahinschweben als auch in mittleren Tiefen Muscheln an Steilwänden bewundern und Bootswrack, Schienen, Loren und allerhand Eisenzeug aus Bergbautagen betrachten. Die Tiefenzone wird in knapp 30 Meter Tiefe erreicht, wo die Pumpleitung der einstigen Wasserhaltung des Steinbruchs endet. Dort unten liegen auch zwei Wartburg-Wracks.

Fels-See im »Roten Granit«

6. Riesenstein Meißen

Tauchbasis-Chef Karsten Wiche setzt in diesem kleinen See auf Ökotechnologie. Hier wird das Tiefenwasser belüftet und außerdem nährstoffreicher Schlamm ebenso wie schwimmende Blütenpollen abgesaugt. Der See präsentiert malerische Tauchblatt-Pflanzenwiesen, schwimmende Pflanzeninseln und oft klares Wasser, in dem Hecht, Barsch, Zander, Wels, Stör, Kois und zahlreiche Karpfen besucht werden können. Mehr zum See gibt es auf unserem TAUCHEN-Youtube-Kanal.

Fels-See in der »Grauwacke«

7. Teufelsberg Biehla

Der langgestreckte See in Rotbrauner Grauwacke ist ein Paradies zum Schnorcheln und Flachwassertauchen. Als besondere Attraktion befindet sich am Grund eine Grubenbahnanlage, und in deren Nähe leben Massen von amerikanischen Zwergwelsen. Sehenswert sind auch ein Loren- Friedhof und der Pumpensumpf schräg gegenüber des Haupteinstiegs.

Fels-Seen im »Lausitzer Granodiorit«

8. Sparmann Kamenz

Der alte Granitbruch Sparmann im Stadtgebiet von Kamenz ist mit 66 Metern Tiefe der Rekordhalter in der Lausitz. Am See hat Basisbetreiber Jost Krause die alten Gebäude zu einer »Daniel-Boone-mäßigen« modernen Ansiedlung, einem regelrechten Taucherhof entwickelt. Im See wird vorwiegend an Steilwänden getaucht, in mystisch dämmriger Tiefe lassen sich alte Leitungen, ein Bunker, Auto-, Segelboot- und Kahnwracks sowie ein Stück Flugzeug entdecken. Der Sparmann ist außerdem berühmt für seine Störe, Hechte in versunkenen Wäldern und flirrende Fischschwärme. Gast- Tauchlehrer können ihre Schüler hier an einer großen Plattform ausbilden.

9. Haustein in Obersteina

Auf den flachen Felsterrassen dieses Sees wachsen Seerosen, Seekanne, Tausendblätter und Wasserpest. Ringsum lassen sich Barsche und Plötzen beobachten. Besonders bekannt sind die asiatischen Karpfen im Freiwasser und die standorttreuen »Steen’schen Karpfen« im Fischkindergarten. Das tiefe Wasser bietet magische Steil- wände, einen Canyon und die zwölf Meter lange, alte Elbfähre Mühlberg als anspruchsvolle Tauchziele.

10. Prelle im Haselbachtal

Dieser See ist in der Mitte 46 Meter tief und oft Schauplatz von Techtauchausbildung. Steilwandtauchen dominiert bis hinunter zu einem 30 Meter tief liegenden Bootswrack und dem Ayers Rock aus Lau- sitzer Granit. Allein an den beiden Schmalseiten wachsen in der Prelle malerische Röhrichte und Tausendblattwiesen. Und in Schnorcheltiefen sind dort die Sommerszenen eines Süßwassersees mit Weißfischen, Babyhechten und Schleien zu beobachten.

11. Tauchersee Horka bei Crostwitz

Dieser See im Granit hat eine besonders ausgeprägte Felskesselform mit Felstürmchen und drei kleinen Buchten. Das Wasser ist meist von blaugrüner Klarheit. Die Tiefenzonen werden von Steinbruchterrassen und Bergbauschrott geprägt. Ein gut erhaltenes Pumpenhaus gibt es auch. Die Betreiber von Horka haben besondere Mühen aufgewendet, die flachen Gesteinsstufen ihres Sees mit Tausendblättern, Seerosen, Wasserhahnenfuß und anderen Pflanzenarten zu besiedeln. Ein ästhetischer Genuss! Und so lassen sich hier in geringen Tiefen besonders schöne unterseeische Gärten in Verbindung mit Stillleben aus Fels und Althölzern bewundern.

Fels-See im »Granulit«

12. Ratssteinbruch Hartmannsdorf

Der Ratssteinbruch im Limburger Land in Sachsen gehörte einst der Stadtverwaltung von Chemnitz. Das heutige Gewässer ist für Steinbruch-Verhältnisse ein Riesensee von etwa zwei bis drei Hektar Wasserfläche und etwa 50 Meter Tiefe. Der See ist beinahe ringsum steilwandig. In 32 Meter Tiefe kann man ein Werkstattgebäude, in 18 Meter Tiefe eine Doppelgarage, in 14 Meter Tiefe ein großes Motorbootwrack und im flachen Wasser diverse natursteingemauerte Gebäude erkunden. Weit vom Einstieg entfernt liegt ein Transporter-Wrack. Der See bietet zudem versunkene Wälder und Geröllhalden voller Edelkrebse. Barsch, Hecht, Döbel und Karpfen kreuzen immer wieder den Weg. Sofern man den flachen Einstiegsbereich verlässt, ist das Gewässer etwas für Langstreckenschwimmer. 

LITERATUR

Taucherwelt Mitteldeutschland von Falk Wieland, Felicitas Hübner, Verlag Apensen

Beucha das Dorf der Steine von Lothar Eißmann und Co-Autoren, Sax Verlag, Beucha-Markkleeberg

Tauchreiseführer Deutschland mit Berlin, Hessen, Sachsen etc. von Falk Wieland, Delius Klasing Verlag, Bielefeld