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betonBAUKULTUR: HIMMELBETONTGRÜN


Baukultur - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 03.01.2020

Pavillon in Heilbronn


Artikelbild für den Artikel "betonBAUKULTUR: HIMMELBETONTGRÜN" aus der Ausgabe 1/2020 von Baukultur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Baukultur, Ausgabe 1/2020

Auf 40 ha innenstadtnaher Fläche und am Neckar präsentierte die BUGA Heilbronn 2019 eine Garten- und Stadtausstellung, die zum ersten Mal auch die nachhaltige Nutzung urbaner Räume berücksichtigte. Vor dem Hintergrund der wachsenden Flächenknappheit entstanden so Bauwerke, die auf effiziente Weise möglichst viel Grünflächen schaffen. Bestes Beispiel ist der Seminarpavillon des Stuttgarter Architekturbüros Joos Keller.

Urbaner Garten

Basierend auf den Ausschreibungsvorgaben des Bauherrn verfügt das Gebäude über einen Seminarraum für 60 Personen, eine Pergola und eine ...

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... Dachterrasse, die über eine einläufige Treppe erschlossen werden kann. Hier entstand in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Heilbronn überdies ein urbaner Garten, der als Anbauort für gesunde Lebensmittel und Ort der Begegnung fungiert. Prof. Dr. Katja Lotz, Projektleiterin und Studiengangsleiterin im Studiengang BWL-Food Management, erklärt die Idee dahinter: „Unser Garten „Himmelbetontgrün“ ist ein Mini-Modell für die Städte der Zukunft, in denen Nahrungsmittelanbau und Stadtleben aus ökonomischen und ökologischen Gründen wieder stärker miteinander verwoben werden.“

Seminarpavillon to go

Auch bei der Materialwahl des Bauwerks sollte nichts dem Zufall überlassen werden. Umweltschonend, platzsparend und mobil – das waren die anspruchsvollen Vorgaben. Entsprechend schnell fiel die Entscheidung der Verantwortlichen zugunsten einer Konstruktion aus Betonfertigteilen. Architekt Kyrill Keller erinnert sich an die Entwurfsphase: „Wir entwickelten ein System, das mit möglichst vielen gleichen Teilen eine hohe Effizienz in der Produktion und auf der Baustelle aufweist.“ Das Besondere: Der ganze Bau besteht aus modularen Betonplatten, die nach Ende der Bundesgartenschau vollständig abgebaut und an anderer Stelle wieder neu zusammengesteckt werden können. „Das wiederverwendbare Betongebäude ist in dieser Form einzigartig“, so Architektin Monika Joos. „Verankert sind die Betonteile über so genannte Köcherfundamente, die es ermöglichen, sie sicher zu fixieren.“ Ausgesteift wird das Bauwerk wiederum über Deckenplatten, die mittels Schraubverbindungen zu einer statisch wirksamen Scheibe verbunden sind. Umso größer die Sorgfalt, die man bei der Fertigung der auf Wiederverwendbarkeit ausgelegten Fügungen walten lassen musste, wie Architekt Keller erklärt. „Die Arbeit mit Sichtbetonfertigteilen ist in der Tat sehr komplex. In die Schalung müssen bereits sämtliche Elemente der Elektroinstallation, aber auch Befestigungselemente für Schraubverbindungen exakt eingelegt werden.“ Unnötig zu sagen, dass auch bei der Montage der zum Teil mehr als 8 t schweren Einzelteile Vorsicht geboten war – schließlich lassen sich Beschädigungen in der Sichtbetonoptik nachträglich nur schwer kaschieren.

links
Der Seminarpavillon ist als ruhiger und kraftvoller Baukörper konzipiert, der mit seinen großen Durchgängen zum Erkunden und Verweilen einlädt (Alle Fotos: © BetonBild/Artismedia)

rechts
Die Terrasse bildet als urbaner Garten einen Ort der Begegnung

rechts
Das gesamte Gebäude besteht aus modularen Betonplatten, die vollständig abgebaut und an anderer Stelle wieder neu zusammengesteckt werden können

Mobil und nachhaltig

Beton ist der ideale Baustoff für nachhaltige Gebäude. Für die Projektverantwortlichen der BUGA Heilbronn 2019 lagen die Gründe auf der Hand. Entsprechend war von Anfang an klar, dass der klassische Garten in Hinblick auf die urbane Nachverdichtung kurzerhand in die Höhe wachsen müsste. Dabei stellt die Nutzung von Dachgärten sicherlich kein Novum dar – dass der Pavillon selbst als Temporärbau konzipiert wurde, war indes eine kleine Sensation. So zeigt uns der Entwurf von Joos Keller, dass der sich wiederholende Lebenszyklus – vom Anbauen über die Kultivierung bis zur Ernte – sowohl in Hinblick auf den urbanen Garten als auch auf die mobile Nutzungsweise des Pavillons schier endlos weitergedacht werden kann.

Holger Kotzan