Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

Betriebsvergleich 2016/17: Gute Ergebnisse im Zierpflanzenbau


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 20.04.2019

Ende 2018 ist die 61. Auflage des Heftes „Kennzahlen für den Betriebsvergleich im Gartenbau“ des Zentrums für Betriebswirtschaft im Gartenbau e. V. (ZBG, Hannover) erschienen. Dieses Kennzahlenheft stellt deutschlandweite betriebs -wirtschaftliche Ergebnisse von Gartenbaubetrieben aus dem Kalenderjahr 2016 beziehungsweise aus dem Wirtschaftsjahr 2016/2017 und den zwei vorangegangenen Jahren dar.


Artikelbild für den Artikel "Betriebsvergleich 2016/17: Gute Ergebnisse im Zierpflanzenbau" aus der Ausgabe 5/2019 von GB Gärtnerbörse. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Beet- und Balkonpflanzenbetriebe haben relativ hohe Aufwendungen für den Kauf von Saat- und Pflanzgut, darunter Jungpflanzen


Foto: Heinrich Dreßler

2016/17 haben 326 Zierpflanzenbau -betriebe am Vergleich ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 13,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von GB Gärtnerbörse. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Mehrweg und Bio. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mehrweg und Bio
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Kooperation für bessere Qualität. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kooperation für bessere Qualität
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Drei Goldmedaillen vergeben. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Drei Goldmedaillen vergeben
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Blumige Trends. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Blumige Trends
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Kötterheinrich: Hortensien als spannende Langzeitkultur. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kötterheinrich: Hortensien als spannende Langzeitkultur
Titelbild der Ausgabe 5/2019 von Topfpflanzen-Königin aus Celle. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Topfpflanzen-Königin aus Celle
Vorheriger Artikel
Topfpflanzen-Königin aus Celle
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Den Ausstieg vorbereiten
aus dieser Ausgabe

... teilgenommen. Damit bilden sie die größte Gruppe im Kennzahlenheft. In diesem Beitrag wird über die ökonomische Entwicklung der so genannten identischen Betriebe berichtet, die über drei Jahre in Folge am Betriebsvergleich teilgenommen haben. Diese Betriebe vermarkten ihre Produkte überwiegend indirekt über den Großhandel, Versteigerungen oder andere indirekte Absatzwege. Etwas weniger als die Hälfte dieser Betriebe schließt das Wirtschaftsjahr zum 31. Dezember ab, etwas mehr als die Hälfte zum 30. Juni des nächsten Jahres. Daher beziehen sich die Ergebnisse auf die wirt-schaftliche Entwicklung im Jahr 2016 und in der ersten Jahreshälfte 2017.

Die indirekt absetzenden Zierpflanzenbaubetriebe werden nach den überwiegend produzierten Kulturen in Topfpflanzen- und Schnittblumenbetriebe eingeteilt. Eine Untergruppe der Topfpflanzenbetriebe sind die Betriebe, die überwiegend Beet- und Balkonpflanzen produzieren.

Topfpflanzenbetriebe

2016/17 haben insgesamt 189 Betriebe am Betriebsvergleich teilgenommen, die überwiegend Topfpflanzen kultivieren. 173 davon waren identische Betriebe, sie bewirtschafteten im Durchschnitt eine Betriebsfläche von 5,7 ha. Mit 10,8 Vollarbeitskräften (Voll-AK), darunter 1,6 Familienarbeitskräften, produzierten sie auf einer Glasfläche von 1,4 ha und einer Freilandfläche von 3,5 ha überwiegend Topfpflanzen. Im Vergleich zur Vorperiode erhöhten sich sowohl die Anbaufläche als auch die Zahl der beschäftigten Voll-AK leicht. Der größte Teil der entlohnten Arbeitskräfte (6,5 Voll-AK) wurde ständig beschäftigt, rund ein Viertel der Beschäftigten waren Saisonkräfte (2,8 Voll-AK).

Die Saison 2016/17 beziehungsweise das Wirtschaftsjahr 2016 verliefen für die Topfpflanzenbetriebe recht erfolgreich. Der Betriebsertrag erhöhte sich im Vergleich zur Vorperiode um 65.000 Euro (plus fünf Prozent) auf durchschnittlich 1,36 Millionen Euro, während die Aufwendungen weniger stark (plus 4,5 Prozent) auf durchschnittlich 1,14 Millionen Euro stiegen. Zu mehr als 90 Prozent stammte der Betriebsertrag aus der Eigenproduktion. Der prozentuale Anteil des Aufwandes für die Eigenproduktion gemessen am Betriebsertrag lag bei knapp 42 Prozent, für Löhne mussten die Betrieb im Durchschnitt 19 Prozent und für den allgemeinen Betriebsaufwand rund 23 Prozent des Betriebsertrages aufwenden (siehe Abbildung 1).

Die Topfpflanzenbetriebe konnten im Zeitraum 2016/17 sowohl ihre Arbeitsals auch die Flächenproduktivität steigern. Während sich der Betriebsertrag pro AK um 3,6 Prozent auf knapp über 125.000 Euro erhöhte, stieg der Reinertrag (erwirtschaftetes Entgelt für das eingesetzte Kapital) pro Einheitsquadratmeter (EQM) um zehn Prozent auf 0,33 Euro je EQM. Der Gewinn pro Familien-AK erhöhte sich ebenfalls um fast zehn Prozent auf 128.800 Euro.

Wie auch in den Vorjahren waren die Topfpflanzenbetriebe im Durchschnitt wirtschaftlich erfolgreich, der Wertschöpfungskoeffizient erhöhte sich von 1,14 in der Vorperiode auf 1,16. Er wird berechnet, indem das im Betrieb erwirtschaftete Einkommen in Rela -tion zu den Entlohnungsansprüchen der im Betrieb eingesetzten Arbeitskräfte und des Gesamtkapitals gesetzt wird. Ist er kleiner als 1, zeigt das an, dass das erzielte Einkommen nicht zur Abdeckung sämtlicher Aufwendungen und der kalkulatorischen Aufwandspositionen ausreicht, während bei einem Faktor größer als 1 die gesamten Aufwendungen einschließlich der kalkulatorischen Größen abgedeckt sind und noch ein Betrag für die Entlohnung des unternehmerischen Risikos verbleibt (= Unternehmer -gewinn).

Die Einteilung der Topfpflanzenbetriebe in Erfolgsdrittel zeigt deren unterschiedliche Leistungsfähigkeit. So erzielte das erste Erfolgsdrittel der Betriebe im Zeitraum 2016/17 einen Betriebsertrag von 1,32 Millionen Euro und einen Gewinn pro Familienarbeitskraft von knapp unter 216.000 Euro, während die Betriebe des dritten Erfolgsdrittels bei einem Ertrag von 1,01 Millionen Euro nur einen Gewinn von knapp über 92.000 Euro erzielten. Die Betriebe des ersten Drittels erreichten einen Wertschöpfungskoeffizienten über 1,5, die des dritten Drittels einen knapp unter 0,9.

Beet- und Balkonpflanzenbetriebe

Von den 86 Beet- und Balkonpflanzenbetrieben, die 2016/17 am Betriebsvergleich teilgenommen haben, waren 79 identische Betriebe. Ein durchschnittlicher Betrieb dieser Gruppe bewirtschaftete 2016/17 eine Betriebsfläche von 4,1 ha, davon 1,8 ha im Freiland und 1,6 ha unter Glas. Der durchschnittliche Betrieb di Untergruppe ist damit kleiner als der durchschnittliche Topflanzenbetrieb und setzt mit 10,2 Voll-AK weniger Arbeitskräfte ein, er bewirtschaftet aber eine größere Glasfläche (siehe Tabelle 1). Die Flächenausstattung hat sich im Vergleich zur Vorperiode leicht verringert.

Abbildungen: ZBG

Die Beet- und Balkonpflanzenbetriebe erzielten mit 1,38 Millionen Euro einen um 67.100 Euro oder 5,1 Prozent höheren Betriebsertrag gegenüber der Vorperiode. Die Aufwendungen erhöhten sich im gleichen Zeitraum um 3,9 Prozent auf 1,17 Millionen Euro. Prozentual gesehen liegen die Aufwendungen für die Eigenproduktion bei den Beet- und Balkonpflanzen -betrieben mit fast 47 Prozent deutlich höher als in der Gesamtgruppe der Topfpflanzenbetriebe. Ursache sind höhere Aufwendungen für den Bezug von Saat- und Pflanzgut (Einkauf von Jungpflanzen), die allein fast 25 Prozent, gemessen am Betriebsertrag, ausmachen. Der Anteil des Lohnaufwands ist mit 17,5 Prozent etwas niedriger als in der Hauptgruppe. Im Durchschnitt wendeten die Beet- und Balkonpflanzenbetriebe 28.085 Euro je angestellter Arbeitskraft auf, fast fünf Prozent mehr als in der Vorperiode.

Sowohl die Arbeits-als auch die Flächenproduktivität konnten die Betriebe im Zeitraum 2016/17 steigern. Während sich der Betriebsertrag pro AK um 4,7 Prozent auf 135.000 Euro erhöhte, stieg der Reinertrag je EQM um neun Prozent auf 0,36 Euro pro EQM. Der Gewinn pro Familien-AK erhöhte sich deutlich um 15,4 Prozent auf knapp 119.500 Euro.

Die wirtschaftliche Situation der Beet- und Balkonpflanzenbetriebe hat sich im Vergleich zur Vorperiode verbessert. Alle kalkulatorischen Aufwandspositionen wurden abgedeckt und die Betriebe erzielten einen Betrag für die unternehmerische Tätigkeit, was der Wertschöpfungskoeffizient von 1,14 zeigt.

Auch bei den Beet- und Balkonpflanzenbetrieben gibt es erhebliche Unterschiede in der Leistungsfähigkeit. So erzielten die Betriebe des ersten Erfolgsdrittels im Zeitraum 2016/17 einen Betriebsertrag von 1,47 Millionen Euro und einen Gewinn pro Familienarbeitskraft von knapp 176.000 Euro, während die Betriebe des dritten Drittels bei einem Ertrag von 1,02 Millionen Euro nur einen Gewinn von 44.500 Euro erzielten. Der Wertschöpfungskoeffizient lag bei den Betrieben des ersten Drittels im Durchschnitt bei 1,54, bei den Betrieben des dritten Drittels nur bei 0,85.

Schnittblumenbetriebe

2016/17 haben insgesamt 32 Betriebe mit dem Anbauschwerpunkt Schnittblumen mit überwiegend indirekter Vermarktung am ZBG-Vergleich teilgenommen, darunter 31 identische Betriebe. Diese Betriebe bewirtschafteten 2016/17 im Durchschnitt eine Fläche von 5,2 ha, davon knapp 9500 Quadratmeter Glasfläche und 4,3 ha Freilandfläche. Beide Flächen wurden im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt leicht ausgeweitet.

An Arbeitskräften beschäftigten sie durchschnittlich 7,9 Voll-AK, wovon 1,9 Voll-AK aus der Unternehmerfamilie stammten. Von den angestellten Arbeitskräften waren 3,5 Voll-AK ständige Angestellte und 2,5 Voll-AK Saisonkräfte oder Aushilfskräfte. Im Vergleich zum Vorjahr wurde der Arbeitskräfteeinsatz leicht ausgeweitet.

Die Schnittblumenbetriebe erwirtschafteten 2016/17 einen durchschnittlichen Betriebsertrag von rund 655.000 Euro, der zu 95 Prozent aus der Eigenproduktion stammte. Im Vergleich zur Vorperiode konnten die Betriebe ihren Ertrag deutlich steigern (plus 15,6 Prozent). Ursache war ein höheres Preisniveau für Schnittblumen, was der deutlich gestiegene Erzeugerpreisindex 2017 des Statistischen Bundesamtes für diese Produktgruppe zeigt. 2016/17 traf eine gute Nachfrage auf ein weltweit geringeres Angebot.

Dem höheren Betriebsertrag stand ein weniger stark gestiegener Betriebsaufwand gegenüber. Der Aufwand erhöhte sich durchschnittlich um 6,2 Prozent auf 508.500 Euro. Der größte Einzelposten war der Lohn -aufwand, auf den durchschnittlich 22,1 Prozent des Betriebsertrages entfielen (Abbildung 2).

Ein weiterer großer Aufwandposten war der für Heizmaterial. 2016/17 mussten die Betriebe hierfür im Durchschnitt rund 7,2 Prozent ihres Betriebsertrages aufwenden. Das war zwar weniger als in der Vorperiode, der Aufwand lag aber deutlich höher als bei den Topfpflanzenbetrieben (5,11 Euro zu 3,31 Euro pro Quadratmeter Glasfläche). Ein Grund dafür könnte der Anbau von wärmeliebenden Kulturen wie Rosen oder Lilien sein, die ganzjährig in Gewächshäusern produziert werden können.

Im Vergleich zur Vorperiode hat sich die wirtschaftliche Lage der Schnitt blumenbetriebe, die am ZBG-Vergleich teilnehmen, deutlich verbessert. Alle Kennzahlen stiegen deutlich, sowohl für Arbeitsproduktivität als auch für Flächenproduktivität. Pro Arbeitskraft erhöhte sich der Betriebsertrag um fast 13 Prozent auf knapp unter 83.000 Euro, das Betriebseinkommen (Betriebsertrag abzüglich Aufwendungen außer denen für den Faktor Arbeit) erhöhte sich um 33 Prozent auf knapp unter 37.000 Euro.

Die Flächenproduktivität erhöhte sich deutlich. Pro EQM stieg der Rein-ertrag von 0,02 auf 0,22 Euro je EQM. Der betriebswirtschaftliche Gewinn pro Familien-AK stieg um fast 70 Prozent auf knapp unter 74.500 Euro.

Der Wertschöpfungskoeffizient lag im Durchschnitt bei 1,08. Somit konnten der Entlohnungsanspruch der Familienarbeitskräfte und der Verzinsungsanspruch für das eingesetzte Kapital vollständig erwirtschaftet werden.

Aber nicht alle Betriebe waren so erfolgreich, was die Einteilung in Erfolgsdrittel zeigt. Die Zahlen der Betriebe des dritten Erfolgsdrittels zeigen deren wirtschaftliche Probleme. So lag der durchschnittliche Gewinn pro Familienarbeitskraft in dieser Gruppe 2016/17 nur bei knapp 23.200 Euro, der Lohnaufwand für die angestellten Arbeitskräfte überstieg das Betriebseinkommen pro Arbeitskraft. Der Wertschöpfungskoeffizient von 0,61 zeigt, dass das Betriebseinkommen nur zur Deckung von 61 Prozent aller Aufwendungen inklusive der kalkulatorischen Größen ausreichte.

Dagegen verbesserten die Betriebe des ersten Drittels ihre Ergebnisse deutlich, was der Wertschöpfungs -koeffizient von 1,36 und ein betriebswirtschaftlicher Gewinn von über 112.00 Euro je Arbeitskraft zeigen.

Fazit

2016/17 war für die deutschen Zierpflanzenbaubetriebe, die am ZBG-Betriebsvergleich teilgenommen haben, ein recht erfolgreiches Jahr. Erfreulich ist, dass insbesondere die Schnittblumenbetriebe auch aufgrund höherer Erzeugerpreise ihre Betriebsergebnisse verbessern konnten.

Sabine Hübner, Zentrum für Betriebswirtschaft im Gartenbau e. V. (ZBG), Hannover