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Betrogenes Öko-Gewissen: Grüne Geldanlagen


ÖKO-TEST Ratgeber Sonderheft Rente, Geld, Versicherungen - epaper ⋅ Ausgabe 7/2008 vom 11.03.2008

Die Debatte um den Klimawandel heizt auch das Geschäft mit umweltfreundlichen Geldanlagen an. Doch oft ist nur das Etikett und nicht das Investment grün


Artikelbild für den Artikel "Betrogenes Öko-Gewissen: Grüne Geldanlagen" aus der Ausgabe 7/2008 von ÖKO-TEST Ratgeber Sonderheft Rente, Geld, Versicherungen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

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Anlagen zur Bekämpfung des Klimawandels sind der neue Megatrend am Kapitalmarkt. Kein Wunder daher, dass der lukrative Markt für Klimaschutzanlagen – von Kennern allein in Deutschland auf jährlich 60 bis 80 Milliarden Euro geschätzt – sowohl etablierte Banken als auch Finanzdienstleister jeder Couleur nicht länger ruhen lässt. Tag für Tag verschicken die Anlagetöchter deutscher, Schweizer und österreichischer Großbanken neue ...

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Anlagen zur Bekämpfung des Klimawandels sind der neue Megatrend am Kapitalmarkt. Kein Wunder daher, dass der lukrative Markt für Klimaschutzanlagen – von Kennern allein in Deutschland auf jährlich 60 bis 80 Milliarden Euro geschätzt – sowohl etablierte Banken als auch Finanzdienstleister jeder Couleur nicht länger ruhen lässt. Tag für Tag verschicken die Anlagetöchter deutscher, Schweizer und österreichischer Großbanken neue Hochglanzbroschüren mit immer neuen Investmentangeboten – fast wie zu Zeiten des New-Economy-Booms. Im Visier haben die Finanzdienstleister keinesfalls Öko-Freaks mit schmalem Geldbeutel, die nach dem Jute sack, der Bio-Kost und der Greenpeace-Mitgliedschaft nun Klimawandelanlagen entdecken. Zielgruppe sind vielmehr betuchte An-leger aus allen Bevölkerungsschichten sowie institutionelle Investoren.

Denn das Öko-Logo zieht. Nach Zahlen der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel haben sich die in nachhaltige Investmentfonds investierten Gel der zwischen 2004 und 2007 bereits von vier auf 27 Milliarden Euro fast versiebenfacht. Weitere 20 Milliarden Euro, so schätzt das auf Umweltprojekte spezialisierte Imug-Institut aus Hannover, haben institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen nachhaltig investiert.

Wer sein Geld in grüne Produkte steckt, will aber nicht nur gute Renditen erzielen. Er erwartet auch, dass mit seinem Geld der Umweltschutz angetrieben und der Klimawandel eingedämmt wird. Kurz: Gut für das Gewissen und gut für den Geldbeutel soll die Anlage sein. Doch genau in diesem Punkt werden Anleger oft übel getäuscht. Nicht nur die Frage, ob mit Klimaschutzinvestments wirklich ein aktiver Betrag zum Umweltschutz geleistet wird oder ob solche Anlagen nur das Gewissen beruhigen, ist unter Experten heftig umstritten.

Vielmehr ist längst nicht alles, was in Fonds, Aktien und Zertifikaten mit dem Etikett „Klimawandel“ steckt, wirklich umweltfreundlich. Ein allgemeingültiges Güte-und Qualitätssiegel für ökologische Investments gibt es jedenfalls nicht. „Die Welt des ökologischen Investierens ist voller Halbwahrheiten, Scheinargumenten und Missverständnissen“, warnt Carl-Johann Francke, leitender Analyst beim Züricher Asset Manager SAM, der sich auf Nachhaltigkeitsinvestments spezialisiert hat.

Etikettenschwindel

Der französische Areva-Kon zern präsentiert sich gern als „führender Anbieter emissionsfreier Energie“. „Arevas Mission sind die CO 2 -freie Stromerzeugung und der saubere, sichere und wirtschaftliche Stromtransport“, preist sich das Unternehmen in einer Presseerklärung. Eine vorbildliche Klimaschutzaktie also? Mitnichten. Areva ist mit seinen zahlreichen Töchtern der weltweit führende Atomtechnikkonzern. Dem Unternehmen Areva/Cogema beispielsweise gehört unter anderem die Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague.

Das Problem: Atomenergie setzt im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen zwar direkt kein Kohlendioxid frei und gilt deshalb in den Augen mancher Analysten nicht als klimaschädlich. Gut für die Umwelt ist Kernenergie trotzdem nicht. Umweltschützer warnen, weil die Risiken der Müllbeseitigung längst nicht geklärt sind. Solche Risiken werden von den Franzosen aber offenbar konsequent ignoriert. Mehr noch: Die Umweltorganisation Greenpeace wirft dem Konzern vor, im westafrikanischen Niger unter skandalösen Bedingungen Uran abzubauen, die Gesundheit der Minenarbeiter zu gefährden und obendrein die Umwelt zu verstrahlen.

Öko-Kampagnen zur Schönfärberei

Auch andere Unternehmen, die vorgeben klimaschonend zu wirtschaften, tun das nicht wirklich. Sie geben aber Millionen für teuere Öko-Kampagnen aus, um mit Schönfärberei und Desinformation auf Grün zu machen. Das Schlimme daran: Selbst Öko-Rating-Agenturen fallen bisweilen darauf rein. Der US-Megakonzern General Electric wurde zum Beispiel im Januar von der auf Nachhaltigkeitsanalysen spezialisierten Innovest und dem kanadischen Fachmagazin für Nachhaltigkeit, Corporate Knights Magazin, zu den 100 nachhaltigsten Unternehmen der Welt gekürt.

In der Tat: Das US-Unternehmen Generel Electric investiert einerseits massiv in erneuerbare Energien. Beim Tochterunternehmen GE Energy Financial Services macht Windenergie sogar schon rund zwei Drittel aller Unternehmensinvesti tionen aus. Andererseits rüs tet der US-Konzern aber auch Atomkraftwerke aus und ist zudem rund um die Kohleförderung aktiv. Dank einer Reihe inovativer Technologien soll der Kohlebergbau weniger schmutzig und gefährlich sein, versucht sich General Electric in einem Werbeclip seiner Ecomagination-Kampag ne ein umweltfreundliches Image zu geben.

Mogelpackung

Ein effektiver Klimaschutz kann aber nur durch den Verzicht auf Kohlekraftwerke funktionieren. „Alles andere ist Greenwashing“, kritisiert der gemeinnützige Verein LobbyControl. Die Liste kritisierter Unternehmen ist lang. Neben Energieunternehmen, wie EnBW, Vattenfall und Eon, finden sich darauf auch Ölkonzerne wie British Petroleum und Exxon Mobil.

Dagegen gibt es an der Aktie des indonesischen Unternehmens PT Astra Agro Lestari auf den ersten Blick nichts zu mäkeln. Das Unternehmen produziert nachwachsende Rohstoffe – und zwar mit Erfolg. Sein Gewinnwachstum konnte das Unternehmen 2007 um fast 118 Prozent steigern. Analysten empfehlen Aktien von Lesari immer wieder als langfristiges Investment mit hervorragenden Gewinnchancen.

Umweltbewusste Anleger sollten trotzdem die Finger von der heißen Aktie lassen. Denn das Unternehmen ist der größte Palmöl-Plantagenbetreiber Indonesiens – und demnächst vielleicht sogar im gesamten südasiatischen Raum. Palmöl gilt zwar als nachwachsende Energiequelle und wird zunehmend für die Produktion von Bio-Treibstoffeingesetzt. Das Problem: Der grüne Kraftstoffist längst nicht so klimafreundlich wie bislang angenommen. Im Gegenteil: Aktuelle Stu dien aus den USA belegen, dass der Anbau von Mais, Raps oder Palmöl als Basis für Bio-Kraftstoffe den Klimawandel anheizt, statt ihn zu stoppen. Wird für die Pro duktion von Bio-Sprit Tro penwald gerodet – wie bei PT Astra Agro Lestari –, setzt das 400-mal so viel CO2 frei, wie mithilfe von Palmöl auf derselben Fläche pro Jahr eingespart werden kann, rech net Joe Fargione von der Umweltorganisation The Natur Conservancy vor.

Mit Bio-Diesel aus Raps und Mais sieht es nicht besser aus. Der zum Anbau benötigte Pflanzendünger setzt nach Angaben von Nobelpreisträger Paul J. Crutzen vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz drei-bis fünfmal mehr Lachgas frei, als der Weltklimarat IPCC bislang angenommen hat. Stickstoffhaltiges Lachgas wärmt die Atmosphäre jedoch 300-mal so stark auf wie CO2. Folge: Bio-Diesel aus Raps muss allein aus diesem Grund als einbis 1,7-mal klimaschädlicher gelten als normaler Treibstoff, Bio-Ethanol aus Mais bis zu 1,5-mal. Hinzu kommt, dass die Herstellung von Bio-Sprit vermehrt mit der Lebensmittelproduktion konkurriert – vor allem in Ent wicklungsländern.

Doch nicht nur umweltbewusste Aktionäre, die auf Bio-Sprit-Aktien wie Archer Daniels Midland oder die Südzucker-Tochter Crop Energies setzen, müssen sich beim Blick ins Depot immer häufiger fragen, ob sie den Treibhauseffekt mit ihren Investments nicht unwissentlich anheizen, statt ihn zu bekämpfen. Auch bei von Experten zusammengestellten Anlagen, wie Fonds oder Zertifikaten, werden ihnen häufig nur Mogelpackungen serviert. Das Problem: Fast jedes größere börsennotierte Unternehmen mit breiter Angebotspalette ist zumindest in Teilbereichen im Umweltschutzbereich aktiv. Doch reicht das für ein umweltbewusstes Investment aus? Hilfe bei der Orientierung im Dschungel vermeintlicher Klimaschutzanlagen versprechen neuerdings Bör senindizes zum Klimawandel, die zugleich Benchmark für das Wachstum dieser Titel sein wollen.

Der weltweit erste Index dieser Art wurde im Juli 2005 vom nachhaltigen US-Analysehaus KLD aufgelegt. Im KLD Global Climate 100 Index sind branchenübergreifend 100 Titel enthalten, darunter sowohl kleine Unternehmen aus Nischenmärkten, die mit Innovationen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, als auch Weltkonzerne, die sich mit großen Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen hervortun.

„Die von uns ausgewählten Unternehmen können den Klimawandel zwar nicht stoppen. Aber unser Index verweist Investoren darauf, wo an Lösungen gearbeitet wird, und erleichtert ihnen, solche Aktienwerte zu finden“, verspricht Peter D. Kinder, Gründer und Präsident von KLD Research & Analytics Inc. Allerdings befinden sich bei näherem Hinsehen auch Werte im Index, die im Bereich Kernenergie, Bio-Ethanol oder anderen umweltschädlichen Bereichen tätig sind.

Noch laxer geht die briti sche Großbank HSBC die Ti telauswahl an. Der „HSBC Climate Chance Index“ soll insgesamt 300 Titel enthalten, die „für die Herausforderungen des bevorstehenden Klimawandels hervorragend positioniert sind“. Ein Blick auf die Branchen, in die der HSBC Index investiert, verrät, dass längst nicht alle Indextitel aus ökologischer Sicht koscher sind. So ma chen die Investition in Unternehmen aus dem Sektor Kernenergie einen hohen Anteil aller Index anlagen aus. Und zu den „energie effizien ten Transportmitteln“ rechnet HSBC – höchst umstritten – auch spritsparende Autos.

Unsaubere Gewinne

Bei Zertifikaten mit dem Label Klimaschutz, die seit 2007 schwer in Mode gekommen sind, ist dagegen oft nur die Fassade grün. Weil für die Produkte bislang geeignete Benchmarks fehlen, werden die Aktienkörbe von den Mar ketingstrategien der Banken meist nach eigenem Gusto zusammengestellt. Wie die Aktienkörbe zustande kommen, erklärt Florian Schoel ler, Geschäftsführer der Ratingagentur Scope: „Ein zusammengewürfelter Basket wird mit einem angesagten Trend gelabelt und mit der Schleife gekommen sind, ist dagegen oft nur die Fassade grün. Weil für die Produkte bislang geeignete Benchmarks fehlen, werden die Aktienkörbe von den Mar ketingstrategien der Banken meist nach eigenem Gusto zusammengestellt. Wie die Aktienkörbe zustande kommen, erklärt Florian Schoel ler, Geschäftsführer der Ratingagentur Scope: „Ein zusammengewürfelter Basket wird mit einem angesagten Trend gelabelt und mit der Schleife

Falsche Öko-Label: Längst nicht alle Unternehmen in den Indizes schützen vor den Folgen des Klimawandels.


Foto: linder6580/sxc.hu

Wem das zu viel Mühe ist, der kann die Auswahl geeigneter Klimaschutzaktien natürlich auch Profis wie den Managern von Investmentfonds überlassen. Doch auch hier gilt: Auf wohlklingende Namen und bunte Hochglanzwerbeflyer ist kein Verlass. Wo Klimaschutz draufsteht, müssen passende Titel nicht unbedingt drin sein. Darüber hinaus ist das Angebot verwirrend groß. 175 verschiedene Öko-und Nachhaltigkeitsfonds sind inzwischen in Deutschland zugelassen – und alle legen nach unterschiedlichen Kriterien an.

Für den Klimawandel wurden Anlegern bislang meist typische Branchenfonds angeboten, die auf Umwelttechnik, neue Energien oder Wasserversorgung und -aufbereitung spezialisiert sind. Solche Themenfonds sind aber mit höheren Risiken verbunden. Denn eine einzelne Branche kann auf den Aktienmärkten leicht abstürzen. Seit rund einem Jahr werden deshalb vermehrt spezielle Klimaschutzfonds aufgelegt, die auf einen Bran chenmix setzen, um das Risiko breiter zu streuen.

Auch die Fondsmanager stehen jedoch vor einem Problem: Lupenreine Klimainvestments finden sich nur in wenigen Umwelttechnikbranchen. Darüber hinaus handelt es sich meist um Aktien kleiner oder mittlerer Unternehmen. Haben sich die Fonds zur Risikostreuung breiter aufgestellt, landen dagegen nicht selten auch Aktien im Depot, denen das Öko-Etikett nicht so deutlich anhaftet.

Alles schon mal da gewesen

Im Wettrennen um Anleger und Publizität hecheln die neuen Klimawandel-Fonds zudem Anbietern von älteren Öko-Fonds hinterher, die wie Vontobel, KBC, SAM, Sarasin oder Dexia schon vor vielen Jahren neue Energien und emissionsarme Materialien als zukunftsweisend erkannt haben.

Aktionärsschützer Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezweifelt sogar, ob Anleger die neuen Klimawandelfonds wirklich brauchen. „Eine ganze Reihe altgedienter Öko-Anlagen mit dem Etikett Nachhaltigkeit ist schon länger erfolgreich am Markt. Viele dieser Öko-Fonds haben ihren Anlageschwerpunkt ebenfalls im Umweltschutzbereich, sind aber breiter aufgestellt. Das macht sie nicht so anfällig für Kurseinbrüche“, so Kurz.

Klimaschutzprojekte werden aber auch gern in geschlossene Fonds verpackt. Beim Sonnenschiff-Fonds aus Freiburg können sich Anleger zum Beispiel einen Anteil an einem umweltfreundlichen Geschäftshaus kaufen. Das Konzept: „Durch Wärmedämmung und moderne Lüftungen wird Energie gespart, durch Solaranlagen auf dem Dach Öko-Strom produziert. Die Siedlung haushaltet damit nicht nur energieneutral, sie erwirtschaftet sogar einen Überschuss an Öko-Strom. Anlegern will der Fonds damit eine Rendite von sechs Prozent bei einer Laufzeit von 20 Jahren bringen, wie Boris Kauth von der Solarsiedlung GmbH erklärt. Risiken wie sinkende Mietpreise seien in den Prognosen bereits einkalkuliert.

Dubiose Offerten

Also eine rundum umweltfreundliche und sichere Anlage? „Nicht immer unbedingt“, sagt Verbraucherschützer Thomas Bieler. „Bei solchen geschlossenen Fonds muss der Verbraucher darauf vertrauen, dass die Prognosen stimmen – doch wer kann das schon auf so lange Sicht garantieren?“ So mancher Solar-oder Windparkfonds hat mit seinen Renditeprognosen in der Vergangenheit schon schwer daneben gelegen. Wie unsicher die Kalkulationen sind, merken Anleger spätestens, wenn sie aus ihren 20-bis 30-jährigen unternehmerischen Beteiligungen vorzeitig wieder aussteigen wollen. Am sogenannten Zweitmarkt für geschlossene Fonds wird dann bestenfalls 40 bis 60 Prozent des Nominalwertes dafür gezahlt.

Weiteres Problem: Geschlossene Fonds unterliegen keiner staatlichen Aufsicht und sind nicht selten unseriös. Klimaschutzanlagen machen da keine Ausnahme. Die EECH Energy Consult Holding AG in Hamburg beispielsweise lockte Tausende Anleger mit hohen Renditeversprechen von über acht Prozent im Jahr in Inhaberschuldverschreibungen. Dabei gab die Firmenleitung vor, das Geld in Solar-und Windkraftanlagen zu investieren.

Im Oktober 2007 durchsuchte erstmals die Staatsanwaltschaft die Büroräume nach Beweismaterial. Die Beamten hatten den dringenden Verdacht, dass die Anlegergelder nicht wie prospektiert in neue Energien angelegt wurden. Und sie wurden nur kurze Zeit später bestätigt. Im Mai 2008 musste die EECH Energy Consult Konkurs anmelden, nachdem Anlegergelder nicht mehr ausbezahlt werden konnten. Hintergrund: Hunderte Anleger der EECH AG hatten ihre Schuldverschreibungen bereits vor der Insolvenzeröffnung gekündigt, da sich die Anzeichen mehrten, dass die EECH AG nicht etwa in regenerative Energien investiert, sondern stattdessen am Kunstmarkt spekuliert hatte. Betrogen fühlen sich inzwischen rund 7.000 Anleger. „Sie werden nur einen geringen Teil ihrer Einlagen zurückbekommen“, macht ihnen Insolvenzverwalter Burckhardt Reimer wenig Hoffnung. Denn von den einstmals eingezahlten 67 Millionen Euro waren im Herbst 2008 gerade mal noch 19 Millionen Euro vorhanden.