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Bevor es zu spät ist ...


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 52/2021 vom 30.12.2021

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Zwei trinkfeste Achtzylinder treffen auf einen britischen Kraftzwerg und einen rasanten Diesel

KURZ VOR JAHRESENDE haben die Chefs die Vernunftszügel nicht mehr ganz so fest angezogen. Und wir Gebrauchtwagen-Tester nutzen die Gunst der Stunde und zischen ab zum Autohus nach Bockel bei Bremen, ohne dass uns jemand noch einen konkreten Auftrag hinterherrufen kann. Das ganze Jahr über arbeiten wir uns an überwiegend allgemein verträglicher Kost aus zweiter Hand ab, recherchieren zu Schwachstellen von günstigen Kleinwagen, sparsamen Kombis oder massenpopulären SUV. Vernunft war die Triebfeder der meisten Aufträge – und dabei haben sich bei uns allerlei unerfüllte Wünsche aufgestaut. Knapp 4000 Autos haben sie beim Autohus auf den Höfen stehen, bei der überwiegenden Mehrzahl handelt es sich um eher brave, aber sehr gescheite Gebrauchte. Doch wer ein bisschen sucht, der findet dort auch so außergewöhnliche Angebote wie diese vier.

Was sehen wir hier also? Vor allem besonders potente ...

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... Gebrauchtwagen mit aufregenden Verbrennungsmaschinen. Für die Aufregung sorgen dabei aber nicht nur Leistungsdaten oder die Anzahl der Zylinder. Nein, bei Laufleistungen von teilweise über 200 000 Kilometern steigt der Puls garantiert auch beim nächsten Werkstattbesuch. Keine Frage, diese Typen können das Gesparte in Windeseile aufzehren. Andererseits steckt hinter der irrwitzigen Auswahl doch eine handfeste Überlegung. Denn diese vier Hochleistungsexemplare sind eine Empfehlung, die sich an all jene richtet, die in gerade sein lassen können und sich im kommenden Jahr ein besonders charakterstarkes Auto in die Garage stellen wollen.

Ein kleiner Vorgeschmack: Der 2,5 Tonnen schwere Mercedes GL 500 protzt mit Luxus wie beheizten und belüfteten Ledersitzen, zwei Schiebedächern, Rearseat-Entertainment und insgesamt sieben Sitzen. Sein höhenverstellbares Luftfahrwerk und der Allradantrieb inklusive Mittendifferenzialsperre sind für kleine Abenteuer abseits befestigter Straßen gut. Und mit dem 5,5 Liter großen V8 steckt ein Hubraumriese unter der Haube, der getrost auf Aufladung verzichten kann und mit einem heute selten anzutreffenden Ansprechverhalten begeistert.

Etwas weniger Luxus, aber dafür noch mehr Speed hat das Alpina D4 Coupé zu bieten. Der feine Vierer aus Buchloe ist mit 278 km/h eingetragen – ein Diesel wohlgemerkt, dessen Reihensechszylinder schon bei 1500 Touren 700 Newtonmeter wuchtet und trotzdem bis zu 5400-mal in der Minute kurbelt. Ein Genuss!

Richtig staatsmännisch wird es im Audi A8. Mit der zweiten Generation der Ingolstädter Luxuslimo ließ sich unter anderem Ex-Kanzlerin Merkel zu Beginn ihrer Amtszeit chauffieren. Wir begnügen uns in aller Bescheidenheit mit dem 4.2 FSI mit V8, während Angie im langen W12 unterwegs war.

Wer sich schließlich an der Leibesfülle des aktuellen Mini stört, der wird vom raren und zweisitzigen Mini Coupé hellauf begeistert sein. Wir haben uns mit dem 211 PS starken John Cooper Works die Ober-Spaßkanone geschnappt, bevor es zu spät ist ...

!Die vier faszinieren mit Leistung und ganz eigenem Charakter

Mercedes GL 500: Der Luxus-Frachter

Amerikanische Sternenküche

Luxus und unendlicher Raum können nicht davon ablenken, dass der in den USA gebaute GL im Detail weniger wertig als eine E- oder S-Klasse wirkt

ZWÖLF JAHRE nach seinem Stapellauf ist der gigantische Mercedes GL 500 für Normalos zumindest in der Anschaffung erschwinglich. Das 5,08 Meter lange und beladen bis zu 3,25 Tonnen schwere Geländeschiff kostete 2010 inklusive Extras stolze 114 521 Euro! Es glänzt mit Platz für bis zu sieben Personen, Luxus von Leder bis Fondsitz-Monitoren und hat einen mächtigen V8-Motor mit 388 PS unter der Haube.

Optisch sieht unser GL trotz leicht ergrauter Kunststoffe und eines hängenden Innenhimmels immer noch eher nach 50 000 als nach 20 790 Euro aus. Das Fahrgefühl des luftgefederten Riesen vermittelt Opulenz, Langstrecken sind purer Genuss. 3,5 Tonnen Anhängelast machen Boots- und Pferdebesitzer glücklich – Verbräuche jenseits der 15 Liter nur Tankwarte. Unbefestigtes Terrain ist dank Allrad und Sperren kein Problem, gravierender Rost die Ausnahme. Um permanent als Zugmaschine und Offroader genutzte Exemplare sollte man einen Bogen machen: Reparaturen am komplexen Antrieb sind wie der Unterhalt extrem teuer.

★★★★★ = sehr gut, ★★★★ = gut, ★★★ = befriedigend, ★★ = ausreichend, ★ = mangelhaft

Mini Coupé: Die britische Pistensau

Ist es Liebe?

Unser Testwagen (15 480 Euro) wurde detailverliebt ausgestattet. Problembehaftet: der N14-Motor. Schöner Anblick: die roten Bremssättel.

WAS FÜR EIN BIZARRES Kerlchen! Die eigenwillige Karosseriegestaltung des Mini Coupé wurde inspiriert durch ein umgedreht aufgesetztes Baseball-Cap, so schwafelten sie einst in der Pressemitteilung. Egal, denn wir wissen:

Was komisch aussieht, muss sich noch lange nicht komisch fahren. Und ganz speziell der JCW begeistert mit geringem Gewicht, hoher Leistung und genialer Straßenanbindung. Nach ein paar Landstraßenkurven ist der Kopf hellwach, denn das Dopamin schießt dem Fahrer so stürmisch in die Birne, wie der Mini auf 100 Sachen geht.

Besonders aufregend ist das Ganze, weil Fahrer und Beifahrer (es gibt nur zwei Sitze) knapp über der Teermatte kauern und das Blech um die beiden herum aufs Wesentliche reduziert wurde. Daraus resultieren nur 1,2 Tonnen Leergewicht – und Tränen der Fahrfreude.

Traurig kann es schnell werden, wenn die Steuerkette des N14- Motors getauscht werden muss. Besser zum N18-Motor greifen (ab 2013). Der hat im Coupé übrigens ebenfalls 211 und nicht wie sonst 218 PS.

Audi A8: Der Kanzler-Wagen

Gutes Interieur

Von der feinen Materialqualität im Innenraum profitieren Interessenten. Leder und Kunststoffe sind hochwertig, teils spinnt das MMI-Infotainment

INSIGNIEN DER MACHT waren Allrad, Aluminium und ab 2005 ein riesiger Auto-Union-Grill. Audis Top-Limousine A8 wurde ab Werk piekfein designt und ebenso verarbeitet. Selbstverständlich parkte der Chef-Audi auch im Fuhrpark des Bundeskanzleramts. Mitte 2008 kostete die Cheflimousine laut Liste 93 700 Euro. 212 875 Kilometer später werden nur noch 10 990 Euro aufgerufen.

Trotz 5,06 Meter Länge gibt es verblüffend viel Fahrdynamik: 1875 Kilogramm Leergewicht sind top. Der vor der Vorderachse verbaute V8-Direkteinspritzer hängt an einem Sechsstufenautomaten von ZF. Wenn Ausdrehen erlaubt ist, gibt’s sportwagenähnliche Fahrleistungen. Nicht ganz so geschmeidig wie bei der Stuttgarter Konkurrenz agiert das Luftfahrwerk.

Ab rund 150 000 Kilometern sind oft Achslager am Ende ihrer Lebensdauer, und es drohen Ölundichtigkeiten. Die Abgasanlage erweist sich als sehr haltbar, wenn nicht modifiziert. Alukorrosion ist hässlich, aber eher kosmetischer Natur. Teuer ist fast alles am A8 4.2 FSI, besonders komplex sind Unfallreparaturen.

URTEIL ★★★☆☆

Alpina D4: Gigant der Autobahn

Sehr individuell

Unser D4 (neu etwa 90 000 Euro) ist sehr edel eingerichtet, besitzt Individual-Leder, sogar das Armaturenbrett ist mit Nappa bezogen. Beeindruckende Skalen bei den Sportanzeigen: 257 kW und 700 Nm sind tatsächlich möglich – fett!

FAST 30 000 EURO für einen fünf Jahre alten Mittelklasse-Diesel? Geht’s noch? Und ob! Denn beim Alpina D4 handelt sich nicht um einen Passat-Spezi, sondern um ein Sportcoupé für die große Reise. Quasi ein GT, dessen famoser Reihensechser viel Laufkultur und noch mehr Dampf bietet.

Der Vorbesitzer bewegte sich gern im Bereich der Höchstgeschwindigkeit (278 km/h!), die gestrahlte Frontschürze verrät es. Beeindruckend, wie bärig der 700 Nm starke Selbstzünder anschiebt – auf nasser Fahrbahn sind die Hinterreifen bei Kickdown auch jenseits von 130 km/h überfordert.

Doch der D4 ist alles andere als ein Krawallbruder, verwöhnt den Fahrer mit angenehmer Dämpferabstimmung, vortrefflich schaltender Achtstufenautomatik und zurückhaltendem Verbrauch.

Unser Testwagen benötigt eine umfangreiche Aufbereitung. Und die lohnt sich, denn bei Alpina ist die Preisentwicklung stets eine interessante Perspektive, der Zustand wichtiger als die Laufleistung. Wer lange Strecken mit Tempo genießen will, greift zum D4.

FAZIT

LARS JAKUMEIT, STEFAN NOVITSKI

Gebraucht sind automobile Träume bezahlbar. Dies gilt zumindest für die Anschaffung. Im Unterhalt schlägt unser Quartett ins Kontor. Besonders GL und A8 sind riskant. Mini und Alpina dürften als Liebhaberfahrzeuge ihre Werte besser halten.