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BEWEGUNGS MELDER


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evolve - epaper ⋅ Ausgabe 34/2022 vom 11.04.2022

DENK ANTOSS

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Margaret und Christine Wertheim und das Institute For Figuring, Baden-Baden, Satellite Reef (Detail), Museum Frieder Burda.

Wir erleben eine exponentielle Zunahme der Macht unserer Entscheidungen. Technologie können wir als einen Hebel für unsere Entscheidungen verstehen. Wir erhalten durch sie eine fast gottgleiche Macht. Um sie zu nutzen, braucht es daher von uns eine nahezu gottgleiche Liebe und Weisheit – sonst zerstören wir uns selbst. … Weisheit ist nicht algorithmisch, man kann sie aus keinem Algorithmus erschaffen. Es gibt keinen »Wenn-dann«-Algorithmus, der echter Weisheit entspricht.

Eigentlich betrifft der Paradigmenwechsel alles. Wir brauchen neue Regierungs-und Verwaltungsformen, die sich von allen bisherigen unterscheiden. Systeme, die uns erlauben, individuell und kollektiv zu verstehen, was eigentlich geschieht, zu sehen, was uns wichtig ist und wie diese Werte sich synergetisch verbinden, statt miteinander Kuhhandel zu betreiben. Wir brauchen völlig neue Wirtschaftsformen, völlig neue ...

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... Bildungssysteme, bis hinunter auf die individuelle Ebene, eine neue Basis für unsere Identität, unsere Werte, unser Verständnis der Welt.

Daniel Schmachtenberger

INITIATIVEN

Wachstum und Ganzheit

Das Gesundheitshaus in Ladenburg

Eine Wohngemeinschaft für unheilbar kranke junge Menschen und ein von einem Hebammenteam betriebenes Geburtshaus. Zwischen diesen Polen des menschlichen Lebensbogens ein breit gefächertes Angebot an Therapie, Beratung und Gruppenaktivitäten: ganzheitliche Medizin, Physiotherapie, Psychotherapie, Ergotherapie, Körpertherapien… Das Gesundheitshaus Ladenburg (Großraum Heidelberg/Mannheim) befindet sich derzeit in der Gründungsphase. Vieles ist noch möglich.

Diese Initiative ist Teil der »Planungsgemeinschaft Vielfalt Ladenburg«. Auf einem mehr als sechs Hektar großen Grundstück entsteht gerade ein gemeinschaftliches Mehrgenerationen-Wohnprojekt: Familien, Singles, Paare, Alleinerziehende in unterschiedlichen Lebens-und Altersphasen werden hier zusammenwohnen – in einem Projekt, das mit energiesparender und klimaneutraler Haustechnik plant, mit Häusern, die nicht nur Energie verbrauchen, sondern auch zurückzahlen. Die Gemeinschaft arbeitet und entscheidet nach soziokratischen Prinzipien, pflegt eine wertschätzende und aufrichtige Dialogkultur – ausgerichtet auf Wohnen in der Zukunft, ein lebendiges kleines »Dorf« in der Stadt, mit ca. 70 Wohneinheiten, Café, Werkstätten, Gemeinschaftsräumen, Co-Working-Space und dem Gesundheitshaus. Auch hier ist noch vieles möglich. (HN)

Online-Infotermine: 27. April, 19. Mai 2022, immer um 20 Uhr (Anmeldung: kontakt@gesundheitshaus-ladenburg.de) www.gesundheitshaus-ladenburg.de www.verein-lavie.de www.vielfalt-ladenburg.de

Der Geist der Lebendigkeit

Eine dritte Platonische Akademie

Der Philosoph Christoph Quarch ist zutiefst berührt von der Weisheit der griechischen Philosophie, wie sie in der Platonischen Akademie gelebt wurde. Hier kamen Denker und Künstler zusammen, um gemeinsam zu lernen und das menschliche Potenzial zu erforschen. Als Initiator der Akademie 3, der »Dritten Platonischen Akademie« will Quarch gemeinsam mit einem Team von Künstlerinnen, Philosophen und Unternehmerinnen diesen Geist in neuer Form beleben. »Mein innigster Wunsch ist es«, so Quarch, »einen Raum für den Geist der Lebendigkeit zu öffnen, der seit den Tagen der griechischen Antike Menschen dazu begeistert hat, Kulturen der Freiheit, Menschlichkeit und Schönheit zu erschaffen.

Die Akademie möchte diesen Impuls vor allem dorthin bringen, wo er laut Quarch besonders dringend gebraucht wird, in Unternehmen und Politik. Hier bietet sich das Projekt als ein Denkgarten an, in bewusster Abgrenzung zu den Think-Tanks. Statt dieser technischen Metapher zu folgen, geht es darum, Räume zu schaffen, in denen neue, kreative Ideen und Lösungsansätze für die drängenden Fragen der Gegenwart gefunden werden können. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bildungsarbeit mit jungen Menschen, um ihnen einen neuen Blick auf die Welt zu eröffnen und ihnen die Gelegenheit zu geben, ihr inneres Potenzial zu entfalten.

Erste Aktivitäten der Akademie umfassen Dialogformate online und vor Ort, Retreats und eine Ringvorlesung an der Hamburg School for Business Administration. Das Projekt lädt Interessierte ein, sich an der Pflege dieses Denkgartens zu beteiligen und sich vom Geist der Lebendigkeit inspirieren zu lassen.

www.akademie-3.org

Dialog ganz oben

Eine interreligiöse Begegnung

Das Anliegen, einen wertschätzenden Dialog zwischen den Religionen zu unterstützen, veranlasste die Unternehmer Michael Lucke und Stefan Topp dazu, im Allgäu einen Begegnungsraum verschiedener Traditionen zu schaffen. Obadoba, der Gipfeldialog der Religionen, fand zum ersten Mal 2019 auf der Bergstation des Fellhorns und in Oberstdorf statt. »Obadoba« heißt in der Allgäuer Mundart so viel wie »ganz oben.

In diesem Jahr kommt der Dialog vom 8. bis 10. Juli wiederum auf den Gipfel des Fellhorns, wo Vertreter verschiedener Religionen in den Dialog gehen, gefolgt von einer Zeremonie, bei der in der majestätischen Bergwelt zum Klang der Alphörner Gebete und Segenstexte gesprochen und gesungen werden.

Am Tag zuvor werden in Kempten Vorträge und Workshops die Grundgedanken verschiedener Religionen ins Gespräch bringen und in spirituelle Übungen wie die Meditation einführen. Das Motto könnte nicht zeitgemäßer sein: »Frieden & Zukunft – Bedeutung des interreligiösen Dialoges.

Imam Benjamin Idriz wird zum »Islam in Deutschland« und Bischof Dr. Bertram Meier zur »Katholischen Kirche und dem interreligiösen Weg« sprechen. Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beleuchtet die Rolle der »Kirche(n) im Spannungsfeld zwischen Orthodoxie und liberaler Öffnung« und der Religionswissenschaftler Michael von Brück erforscht die »Spiritualität der Zukunft«. Am Abend folgt ein gemeinsames Gebet in einer der Kirchen der Stadt.

www.gipfeldialog.de

Orientierung finden

Bachelor of Being Camps

Im vergangenen Herbst begann der erste Durchgang des Bachelor of Being, eines sechsmonatigen Bildungs-und Orientierungssemesters für junge Menschen. Dabei vertiefen die Teilnehmenden gemeinsam und mit Impulsgebern die großen Lebensfragen: »Wer bin ich? Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was ist ein gut gelebtes Leben? Was ist Liebe? Wie gelingen Beziehungen? Und was ist überhaupt der Sinn dieser Veranstaltung, die sich Leben nennt?« Ziel des Programms ist die integrale Persönlichkeitsbildung und berufliche Orientierung. Strukturiert ist das Semester in sieben Modulen: Ich mit mir selbst, Ich im Kontakt, Wir mit der Welt, Wir als Gestalter, Ich und mein Weg, Lebensfreude, Reflexion.

Im Sommer wird es nun eine Kurzversion dieses Bildungsangebots geben. Unterstützt durch eine Förderung der Bundesregierung und der Deutschen Kinder-und Jugendstiftung über das Programm »Aufleben! Zukunft ist jetzt!« wird es 14-tägige Camps geben für bis zu 40 Teilnehmende zwischen 17 und 25 Jahren. Veranstaltet werden die Camps an naturnahen Orten, die Raum geben für Stille, Innenschau, Sinnsuche, gemeinsame Übungen, Experimente und Abenteuer.

Die Teilnehmenden werden in diesen zwei Wochen zusammenleben, da die Gemeinschaft ein wichtiges Element des BoB-Programms ist. In der Tagesstruktur wechseln Inputs zu verschiedenen Themen mit Flow-Zeiten, in denen Impulse aus dem Kreis der Teilnehmenden erprobt werden können, ab.

www.bachelor-of-being.de/bob-camps

Trauma & Demokratie

Polarisierung in Krisen überwinden

Die vergangenen zwei Jahre der Corona-Pandemie haben im sozialen Gefüge zu starken Verwerfungen geführt, die bis in Freundschaften, Gemeinschaften und Familien hinein zu Rissen und Brüchen geführt haben. Die Kommunikation wurde zunehmend polarisierender, verschiedene Sichtweisen stehen sich häufig unversöhnlich gegenüber. Diese Tendenzen der Spaltung setzen auch unsere Demokratie unter Druck. Die heftigen Reaktionen deuten neben anderem auch auf die Reaktivierung traumatischer Erlebnisse im kollektiven Bewusstsein hin. Seit einigen Wochen kommt der Krieg in der Ukraine hinzu, der ebenfalls intergenerationale Traumata hervorbringt, die mit der deutschen Geschichte und unserem Verhältnis zu Russland und dem Krieg allgemein zu tun haben.

Der spirituelle Lehrer Thomas Hübl beschäftigt sich schon seit Langem mit der Wirkung solcher kollektiver Traumata in Einzelpersonen und Gruppen. Um diese Wirkung zu erforschen und zur Heilung beizutragen, hat er das Pocket Project gegründet und einen Trauma-Integrationsprozess konzipiert und erprobt. Gemeinsam mit dem Verein Mehr Demokratie, der sich für die Weiterentwicklung unserer Demokratie hin zu partizipativen Formen einsetzt, bietet das Pocket Project nun einen solchen integrativen Prozess zum Thema Polarisierung in Krisen an. Er wird vom 28. April bis 1. Mai online stattfinden und wissenschaftlich vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) und dem Institut für integrale Studien (IFIS) begleitet.

www.pocketproject.org collective-trauma-democracy

Zeitlose Weisheit des Zen

Internationale Zen-Konferenz 2022

Was ist Zen? Dieser Frage, die eigentlich ein Koan ist, geht eine internationale Konferenz im Lassalle-Haus nach. Pater Lassalle, der dieses Meditationshaus gründete, das heute Zentrum für Spiritualität, Dialog und Verantwortung ist, war einer der Pioniere des Zen im Westen.

In dieser Tradition erforschen Zen-Praktizierende und Zen-Meister bei der Internationalen Zen-Konferenz vom 8. bis 11. September die »Zeitlose Weisheit des Zen«. Zu den Beitragenden gehören Abt Muho Nölke Rōshi, Friederike Juen Boissevain, Vanja Palmers Rōshi, Paul Morgan-Somers und Doris Zölls Rōshi. Unter der Leitung von Dieter Wartenweiler und Kathrin Stotz geht es um die Kernthemen der Zen-Tradition und wie sie in der westlichen Kultur heilsam zum Ausdruck kommen kann. Denn mittlerweile hat Zen in vielen Bereichen neue Impulse gegeben, z. B. beim wachsenden Interesse an Achtsamkeit, in Unternehmen und einem neuen Verständnis von Führung, in der Sterbebegleitung, im Umgang mit unseren Mitgeschöpfen und der lebendigen Natur. All diese Aspekte werden bei dieser Konferenz anklingen.

Ein besonderes Anliegen der Veranstalter ist, dass die Zen-Übenden untereinander und mit den Referentinnen und Referenten, die die ganze Zeit über anwesend sein werden, in einen lebendigen Dialog kommen. Ergänzend wird Kathrin Stotz ein Kunst-Forum gestalten, in dem der Ausdruck des Zen in Malerei, Musik und Lyrik einen Raum bekommt. Der große Park des Lassalle-Hauses bietet Gelegenheit zur achtsamen Erfahrung der Natur.

https://t1p.de/409pi

IM WEB

Deep Transformation: Self-Society-Spirit

Deep Transformation ist ein neuer Podcast mit dem Psychologen und Religionswissenschaftler Roger Walsh und dem Experten für Integrale Lebenspraxis John Dupuy, beide Pioniere der integralen Bewegung. Der Podcast soll Raum geben für Dialoge mit führenden Denkern, Kontemplationslehrerinnen und Aktivisten über die notwendige Transformation in uns selbst, in der Gesellschaft und in unserer spirituellen Sicht unserer Welt. Zu den Gästen gehörten bisher die Zen-Lehrerin Diane Hamilton, der metamoderne Denker Jonathan Rowston, der Autor Dan Millman und der Psychologe Chris Bache, der intensiv mit psychedelischen Bewusstseinszuständen experimentierte. Zentrales Anliegen des Podcasts ist die Verbindung persönlicher Transformation mit einem neuen Handeln in der Welt und die Eröffnung eines kreativen Gesprächsforums, in dem sich neue Einsichten zeigen können.

www.deeptransformation.io

evolve Blog www.evolve-magazin.de/blog

Das Unsichtbare sichtbar machen Ein Interview mit dem Künstler Vitor Schietti www.evolve-magazin.de/blog/schietti

Wie können wir die Spaltung überwinden? Ein Interview mit Charles Eisenstein Geseko von Lüpke www.evolve-magazin.de/blog/eisenstein

FILME

This Rain will never Stop

Alina Horlowa

Dieser Film der ukrainischen Filmemacherin Alina Horlowa wurde 2020 in der Ostukraine im Donbass gedreht. Angesichts des Ukraine-Kriegs ist er schon jetzt ein historisches Dokument. Er zeigt die schwelenden Konflikte an der Grenze zwischen der Ukraine und den Separatistengebieten im Osten. Einerseits bezieht sich der Film auf die Geschichte eines Einzelnen, des 20-jährigen Kurden Andriy Suleyma, der 2012 mit seiner Familie aus Syrien vor dem dortigen Krieg in die Heimat seiner Mutter, die Ostukraine, geflohen ist und dort beim Roten Kreuz arbeitet. Kaum angekommen, brach auch in der Ostukraine Krieg aus, der heute das ganze Land erfasst hat. Andererseits stellt der Film die universellen Fragen nach den Folgen von Krieg und Vertreibung im Leben und im Herzen der Menschen.

Der mit eindrücklichen Bildern in Schwarz-Weiß gedrehte Film zeigt die Lage in der Ostukraine, z. B. einen Checkpoint an der Grenze oder die Aufmärsche der ukrainischen Armee. Andriy ist im Zwiespalt, ob er, wie es seine Familie wünscht, nach Deutschland gehen soll, um eine Ausbildung zu machen, oder in der Ostukraine bleibt, wo er das Gefühl hat, durch seine humanitäre Arbeit den Menschen helfen zu können. Noch heute ist er dort und auch in diesem Krieg beim Roten Kreuz tätig.

Lunana: Das Glück liegt im Himalaya

Pawo Choyning Dorji

Ugyen, ein junger Lehrer in Bhutan, der gerade die Ausbildung mit einem Praxissemester beendet hat und von seinem Job frustriert ist, will nach Australien gehen. Aus Unentschlossenheit und auf Drängen seiner Großmutter nimmt er jedoch eine auf den Sommer befristete Stelle als Lehrer in einem abgelegenen Bergdorf Bhutans an. Und taucht ein in eine ganz neue Welt. Zuerst hat er Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden in seiner primitiven Unterkunft und einer kleinen Schulhütte ohne Tafel oder Papier. Aber er lernt zu improvisieren und gewinnt die Herzen der Kinder und der Dorfbewohner, die ihm das Yak Norbu schenken, damit er in der Kälte mit dessen Dung ein Feuer entzünden kann. Damit Norbu einen geschützten Platz hat, nimmt es neben ihm und den Kindern am Unterricht teil. Nach dem anfänglichen Befremden spürt der Lehrer bald, wie viel Hoffnung die Aussicht auf Bildung in das Dorf bringt und wie neugierig und dankbar die Kinder seine Lektionen aufnehmen. Für sie ist der Lehrer »jemand, der die Zukunft berührt«. Ihre Zukunft.

Was tun

Michael Kranz

Der Filmstudent Michael Kranz sieht in einem Dokumentarfilm ein 15-jähriges Mädchen in Bangladesch, das zur Prostitution gezwungen wird. Sie fragt: »Gibt es keinen anderen Weg für uns Frauen als den des Leides?« Diese Worte treffen den Studenten ins Herz und er fragt sich, was er tun soll. Einfach wieder vergessen, wie schon so oft beim Betrachten des Leides? Oder doch einfach mal dem ersten Gefühl folgen?

Er reist nach Dhaka, um sich in der Hauptstadt Bangladeschs auf die Suche nach dem Mädchen zu machen. Dabei begegnet er weiteren Menschen, die sein Herz berühren: Jungen und Mädchen, die im grausamen Umfeld der Zwangsprostitution den Traum vom Glück nicht aufgegeben haben. Und einem Ehepaar, das sein Leben der Unterstützung und Wiedereingliederung von Zwangsprostituierten widmet, die sonst selbst nach ihrer Flucht oft von ihren Eltern als Aussätzige verstoßen werden. Durch Michaels Fragen, die von Herzen kommen, und seine unermüdliche Suche tun sich Lösungen auf. Für Nupur, das Mädchen aus dem Film, das er tatsächlich findet, und andere Kinder.

In dem 75-minütigen Dokumentarfilm zeigt Michael Kranz, der gleichzeitig Produzent und Hauptperson ist, was es bedeutet, sein Herz für eine einzelne Geschichte zu öffnen. Und welche Bewegung daraus entstehen kann. Während der Dreharbeiten postete er einen Spendenaufruf, der auf große Resonanz stieß. Von dem Geld konnten ein Kinderheim für die Kinder aus den Bordellen gegründet und Einzelhilfen für Frauen in Not organisiert werden. (jw)

BÜCHER

Endlichkeit und Versöhnung

Minima Spiritualia

Claus Eurich

In kurzen, essayartigen Texten umkreist der Kontemplationslehrer Claus Eurich in diesem Buch Grunderfahrungen einer zeitgemäßen Spiritualität, die sich verwurzelt weiß in einer langen mystischen Tradition, aber zugleich auf die Gegenwart antworten möchte. Die Betrachtungen begannen, so erklärt der Autor, oft mit einem Gedanken oder Bild, aus dem sich eine meditative Reflexion entspann. Mit Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit, Hingabe und Vertrauen, Trost und Ermunterung gibt Eurich mit diesem Buch Inspirationen an die Hand, um dem Geheimnis der eigenen Existenz auf den Grund zu gehen und daraus im Alltag zu leben. Die Texte widmen sich einer Neuinterpretation der großen Tugenden, vertiefen die Bedeutung von Sein, Zeit und Werden, öffnen sich der Transzendenz, sehen das Leben als einen heiligen Vollzug, beschwören die Schönheit, erkunden die Tiefenschichten des Seins und fächern die verschiedenen Formen des Erkennens auf.

Sinnerfüllt

Katharina Ceming

Was ist der Sinn unseres Lebens? An dieser Frage kommt wohl niemand von uns vorbei. Dabei ist die Frage hier gar nicht so hilfreich, vielleicht sollten wir eher fragen, wie wir sinnerfüllt leben können. Welche Lebenshaltungen lassen uns das Leben als sinnvoll erfahren? In ihrem Buch geht die Theologin und Philosophin Katharina Ceming philosophisch fundiert und gleichzeitig alltagsnah verschiedenen Dimensionen der Sinnhaftigkeit nach. Sie geht aus von der Sinnforschung, die Kohärenz, Bedeutung, Orientierung und Zugehörigkeit als Qualitäten eines sinnerfüllten Lebens beschreibt, umkreist Themen wie sinnvolles Engagement, die Bedeutung von Freundschaft und Gemeinschaft, die Suche nach Transzendenz. Sie erforscht innere Haltungen, die uns sinnerfüllt leben lassen, wie Selbsterkenntnis, Großzügigkeit und Dankbarkeit. Und sie fragt nach einer sinnerfüllten Beziehung zur Welt, mit der wir ihrer Ansicht nach Freundschaft schließen können.

Der Schatz unter den Ruinen

Meine Reisen mit Rumi zu den Quellen der Weisheit

Marian Brehmer

Marian Brehmer interessierte sich schon früh für die islamische Kultur, bereiste Afghanistan, Syrien, den Iran und die Türkei, wo er heute in Istanbul lebt. Es sind Orte, die wir vor allem mit negativen Nachrichten von Krieg und autokratischen Herrschern verbinden. Der Reichtum dieser Kulturen kommt selten zur Sprache. Einen Beitrag zu einem vollständigeren Bild des Islam möchte Marian Brehmer mit diesem Buch leisten. Auf seinen Reisen begegnete er der lebendigen Mystik des Islam, dem Sufismus. Er begab sich auf die Spuren des großen Sufi-Dichters Rumi, denen auch sein Buch folgt. Damit ist es eine Einführung in Rumis Leben und Mystik und hautnaher Reisebericht zugleich. Rumi ist heute im Westen sehr populär, aber für Brehmer wird dabei oft ein verzerrtes und oberflächliches Bild gezeichnet. Deshalb möchte dieses Buch auch zum Kern der Sufi-Spiritualität vordringen, wie sie Rumi vermittelt hat und wie sie heute noch in Sufi-Gemeinschaften gelebt wird.

Sinnliches Wissen

Eine schwarze feministische Perspektive für alle

Minna Salami

Als Tochter einer Finnin und eines Nigerianers lebte Minna Salami in Nigeria, Deutschland, Schweden und heute in London – zwischen den verschiedenen Kulturen und Welten. Heimat fand sie, so erklärt sie, in der Weltsicht und Gemeinschaft des schwarzen Feminismus, in dem sie auf viele ihrer Gedanken und Erfahrungen eine echte Resonanz fand. In diesem Buch hinterfragt sie ausgehend von dieser Denkweise die Formen euro-patriarchaler Unterdrückung, wie sich Frauen, schwarze Frauen, daraus befreien können und was wir alle aus dieser erweiterten Perspektive lernen können. Als eine Kerndynamik der Kolonialisierung macht sie ein eingeschränktes Verständnis von Wissen aus, das vor allem aus einem rationalen Erkennen schöpft. Sie möchte andere Formen des Wissens hinzustellen, die sie unter dem Begriff des sinnlichen Wissens fasst. Es ist ein Erkennen, das aus der Verbundenheit mit dem Lebendigen entsteht, das sich der Schönheit zuwendet, Verkörperung feiert und künstlerische, rituelle Prozesse als legitime Weisen des Wissens einbezieht. Der Einbezug solcher poetischen Formen des Wissens ist für Salami dringend notwendig, um auf die gegenwärtigen Herausforderungen angemessener und umfassender antworten zu können.

Helgoland

Wie die Quantentheorie unsere Welt verändert

Carlo Rovelli

Die Quantentheorie hat die Physik und ihr Verständnis der Wirklichkeit von Grund auf verändert. Bei ihrer Suche nach dem Grund der materiellen Realität entdeckte die Quantenphysik keine kleinsten Bestandteile, sondern vielmehr Beziehungsnetze, Informationsfelder. Wie sie beschaffen sind und wirken und was dieses neue Verständnis der Welt für unser Leben bedeuten könnte, ist seither Gegenstand vieler Untersuchungen. Der Physiker Carlo Rovelli bewegt in seinen Büchern diese wissenschaftlichen und philosophischen Fragen. In seinem neuen Buch Helgoland – auf der Nordseeinsel stellte Werner Heisenberg Überlegungen an, die grundlegend wurden für die Quantenphysik – widmet sich Rovelli einigen dieser Kernfragen in Bezug auf die Entdeckungen Heisenbergs. In verständlicher Sprache untersucht er die Grunderkenntnisse der Quantenphysik wie Wahrscheinlichkeit, Unschärfe und Verschränkung und beleuchtet ihre mögliche philosophische Relevanz. Dabei schlägt er auch Brücken zum buddhistischen Denken des Nagarjuna, der von der Leerheit aller Dinge sprach und damit meinte, dass nichts nur als es selbst existiert, sondern nur in Beziehung mit und Abhängigkeit von etwas anderem. Darin sieht Rovelli eine Resonanz mit den Erkenntnissen der Quantenphysik von der Verbundenheit der Dinge. Er erforscht diese Resonanzen, ohne vereinfachten Gleichsetzungen zwischen Physik und Spiritualität zu erliegen. Gleichzeitig macht er klar, dass die Revolution, die die Quantenphysik in unserer Weltsicht bewirken kann, noch in vollem Gange ist.