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BEWEGUNGSZENTRUM BECKEN


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 90/2021 vom 06.08.2021

DAS BECKEN

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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 90/2021

Das Becken ist die Kontaktstelle zwischen Reiter und Pferd und überträgt alle Bewegungen von den Beinen bis zum Kopf und umgekehrt

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Wenn Pferd und Reiter aufeinandertreffen, begegnen sich zwei Lebewesen mit unter schiedlichen Bewegungsmustern, die sich sowohl aufeinander einstellen als auch aufeinander einlassen müssen, um dem Ziel des harmonischen Miteinanders und der feinen Hilfengebung Stück für Stück näherzukommen. Man spricht nicht umsonst von Bewegungslernen. Die motorische Entwicklung von Pferd und Reiter ist immer ein Prozess. Dabei ist es für den motorischen Lernprozess wichtig, dass die Bewegungskoordination des Reiters einen Bezug zum funktionellen Bewegungsablauf des Pferdes hat. Der obere Rumpf des Reiters sollte stabil, das Becken jedoch mobil sein. Wobei stabil nicht mit fest oder steif zu verwechseln ist. Das Becken überträgt alle Bewegungen von den Beinen bis zum Kopf und umgekehrt. ...

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Neue Bewegungsmuster lernen

Beim Gehen führt der Mensch eine rhythmische Rotation von Rumpf und Armen zum Becken aus. Das ist jedoch für die fein koordinierte Einheit mit dem Pferd kontraproduktiv. Wer neue Bewegungsmuster lernen möchte, sollte sich mit der Anatomie und Physiologie des Körpers auseinandersetzen. Generell entstehen komplexe Bewegungen aus dem Zusammenspiel von Muskelgruppen und -ketten sowie den jeweiligen Gegenspielern. Zum Beispiel ist eine Muskelgruppe für das Kippen des Beckens verantwortlich, während eine andere das Becken aufrichtet. Denken Sie an ein Tanzpaar: Einer führt, der andere folgt harmonisch. Unsere aufrechte Körperhaltung und eine Bewegung im Gleichgewicht wird erst möglich durch das muskuläre Zusammenspiel zwischen Spannung und Entspannung bis in die kleinsten Muskeln und die Zusammenarbeit der Muskelgruppen, auch Muskelkoordination genannt. Unsere Bewegungsmuster erfolgen überwiegend dreidimensional. Das muss auch beim Reiten Beachtung finden.

Drei- statt eindimensional

„Nimm dein Bein zurück“, „Sitz gerade“, Absatz tief “ – all diese Anweisungen führen schnell dazu, dass sich der Reiter die Bewegungen eindimensional vorstellt und sich eher verkrampft, anstatt zu lernen, den Bewegungen des Pferdes geschmeidig zu folgen und entsprechend fein sowie präzise einzuwirken. Wer beispielsweise seinen Absatz einfach nur herunterdrückt, wird früher oder später die Auswirkungen auf den gesamten Körper spüren. Es kommt zu einer erhöhten Spannung in der Beinmuskulatur und zu einem Blockieren des Beckens. Nun können auch die Bewegungen des Pferdes nicht mehr frei fließen. Möglicherweise treten Taktfehler auf, oder der Fleiß geht verloren.

ANATOMIE UND BIOMECHANIK DER HINTERHAND

Im Gegensatz zur Vorhand des Pferdes hat die Hinterhand eine Gelenkverbindung zum Rumpf über die Verbindung Becken und Kreuzbein.

• Das Becken des Pferdes besteht aus drei flachen Knochen: Dem Sitzbein-, Hüftbein- und Darmbeinknochen. Ihr Zusammentreffen bildet die Hüftgelenkspfanne.

• Am Ende der Lendenwirbelsäule befindet sich das Kreuzbein und bildet sozusagen die Verlängerung der Wirbelsäule. Es besteht aus fünf Wirbeln. Sie wachsen erst im Alter von etwa fünf Jahren richtig zusammen.

• Das Kreuzdarmbeingelenk ist die Verbindung zwischen Kreuzbein und Becken und bildet die knöcherne Verbindung der Hinterhand zum Rumpf.

• Sitzbein-, Hüftbein- und Darmbeinknochen werden erst fester und belastbarer, wenn das Pferd ausgewachsen ist. Auch das Kreuzbein wird erst spät stabil. Aus diesem Grund sollten Reiter bei jungen Pferden besonders vorsichtig mit zu hoher Belastung sein.

• Das Kreuzdarmbeingelenk ist das Zentrum für die Vorwärtsbewegung, wenn das Pferd Kraft in der Hinterhand entwickelt. Von dort geht die Schubkraft in Richtung Vorhand.

• Das Kreuzdarmbeingelenk ist anfällig für sekundäre Blockaden, das heißt, Ursachen an anderer Stelle können zu Problemen im Bereich des Kreuzdarmbeingelenks führen.

Eine eindimensionale Vorstellung der Hilfengebung schränkt den Reiter mental und somit auch in der Ausführung seiner Bewegungen ein. Daher ist es sinnvoll, mit zielgerichteten, ganzheitlichen Bewegungen zu arbeiten, die sich der Reiter im Einklang mit der Pferdebewegung vorstellen und erarbeiten kann. So schwingt der Pferderücken wechselseitig nach oben und unten: Wenn das Hinterbein zum Beispiel auf der rechten Seite nach vorne geführt wird, senkt sich der Rücken auf dieser Seite. Drückt sich das Pferd mit dem Hinterbein vom Boden ab, hebt sich der Rücken wiederum. Dabei muss das Becken des Reiters nicht nur einseitig Kippbewegungen nach vorne und hinten ausführen, sondern auch Bewegungen nach oben und unten.

DAS MENSCHLICHE BECKEN

• Das knöcherne Becken des Menschen besteht aus dem Kreuzbein und den beiden Hüftbeinen, die fest verbunden sind und zusammen den sogenannten Beckenring oder Beckengürtel bilden.

• Nach unten ist das Becken durch den Beckenboden, eine muskulös-bindegewebige Platte, abgeschlossen.

• Der Beckengürtel ist fest mit der Wirbelsäule verbunden. Ihm kommt eine besondere Funktion zu, denn er trägt die Hauptlast des Körpers: den Rumpf, den Kopf und die oberen Gliedmaßen.

• Das Becken stellt eine gelenkige Verbindung zwischen Wirbelsäule und den unteren Extremitäten her.

• Über die Hüftgelenke verteilt das Becken das von der Wirbelsäule getragene Körpergewicht gleichmäßig auf die beiden Oberschenkelknochen.

• Von besonderer Bedeutung für den Reiter und auch gut tastbar sind die Sitzbeine und die Hüftknochen.

• Über das Iliosakralgelenk ist das Becken mit dem Kreuzbein der Wirbelsäule verbunden. Dieses Gelenk ist kaum beweglich, sondern eine bandhafte feste Verbindung.

Daher kann das Becken nur aktiv über die Lendenwirbelsäule bewegt werden.

• Über verschiedene Muskeln findet die Bewegung von Lende und Becken statt: Kleine Muskeln im Rücken, direkt an den Gelenken der Lendenwirbelsäule, sorgen für die Streckung, tiefe Muskeln für die Beugung der Lendenwirbelsäule. Zudem sind auch die Bauchmuskeln an der Bewegung der Lendenwirbelsäule und dadurch an der Stellung des Beckens beteiligt.

• Entlang der gesamten Wirbelsäule erstreckt sich der lange Rückenmuskel, der ebenfalls Einfluss auf die Beckenstellung hat. Eine Anspannung dieses Muskels führt dazu, dass sich der Mensch sozusagen gerade und steif aufrichtet, wodurch die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule und damit auch des Beckens blockiert wird.

Daher ist es wichtig, den langen Rückenmuskel entsprechend zu entspannen, um das Becken und die Lendenwirbelsäule bewegen zu können.

Unterschiede in den Gangarten

Die Bewegungsanforderungen, die an das Becken des Reiters gestellt werden, variieren je nach Gangart des Pferdes. Die deutlichste Dreidimensionalität der Rückenbewegung des Pferdes und somit auch der Beckenbewegung des Reiters weist der Schritt auf. Es handelt sich um eine Bewegung im Viertakt bei der sich beim Vorfußen des jeweiligen Hinterbeins der Rücken einseitig senkt, bevor er sich beim Abfußen dieses Hinterbeins wieder hebt. Genau in diesem Viertakt wird das Becken des Reiters wechselseitig einseitig gesenkt und gleichzeitig auf der anderen Seite angehoben. Hinzu kommt die deutliche schlangenförmige Bewegung der Pferdewirbelsäule im Schritt. Dadurch muss das Becken zudem eine gute Rechtslinks-Beweglichkeit aufweisen. Bei der Gangart Trab handelt es sich um einen Zweitakt. Der Pferderücken hebt und senkt sich, bedingt durch die diagonale Fußfolge, links- und rechtsseitig im schnellen Wechsel. Dabei wird auch das Becken des Reiters wechselseitig links und rechts angehoben beziehungs weise abgesenkt. Im Dreitakt- Galopp wird das Reiterbecken immer auf der Körperseite vermehrt in die Bewegung mitgenommen, auf der sowohl das Vor- als auch das Hinterbein weiter vorschwingen.

BEWEGUNGEN DES BECKENS

Das Becken kann auf verschiedene Art und Weise gekippt und abgesenkt werden:

• Beim beidseitigen Nach-vorne-Kippen des Beckens wird der obere Beckenrand unter Anspannung der Muskulatur des unteren Rückens nach vorn gebracht, und die Sitzhöcker wandern nach hinten. Das maximale Nach-vorne-Kippen führt zu einem Hohlkreuz.

• Beim beidseitigen Nach-hinten-Kippen des oberen Beckenrandes schieben sich die Sitzbeinhöcker nach vorne in Richtung Reiterhand. Der untere Rückenbereich, also die Lendenwirbelsäule, wird gedehnt. Die Beckenkippung wird durch Kontraktion der Bauchmuskeln initiiert. Dabei hebt sich die physiologisch korrekte leichte Hohlbiegung der Lendenwirbelsäule, die sogenannte Lendenlordose, auf.

Das maximale Nach-hinten-Kippen zeigt sich in einem Rundrücken.

• Außerdem kann das Becken rechtsoder linksseitig nach vorne gekippt werden, wobei entsprechend entweder die linke oder die rechte Beckenhälfte automatisch nach hinten kippt.

• Umgekehrt hebt sich beim rechtsoder linksseitigen Nach-unten-

Absenken des Beckens entsprechend die linke beziehungsweise die rechte Beckenhälfte automatisch.

URSACHEN ERKENNEN

Ein festes Becken kann diverse Ursachen haben. Generell wirken sich Verspannungen im Körper meist negativ auf die gesamte Beweglichkeit aus. Diese Liste kann Ihnen helfen, mögliche Gründe ausfindig zu machen:

Im Sattel:

• Anspannung und Stress

• Angst oder mentale Blockaden

• Ein unpassender Sattel

• Unpassende Ausrüstung wie Stiefel oder Reithose

• Kleidung, die die Bewegung einschränkt

• Verkrampfter Sitz, angestrengtes Gerade-Sitzen

• Das Halten einer bestimmten Position unter Anspannung

• Klammern mit den Knien und Beinen

• Unbeweglicher Kopf, starres Nachvorne-Schauen

• Zu lange oder zu kurze Bügel

• Sitzen im Hohlkreuz

• Fehlende Balance

Im Alltag:

• Langes Sitzen, zum Beispiel am Computer

• Stress oder andere psychische Belastungen

• mangelnde oder zu einseitige Bewegung

• fehlende Grundkondition

• fehlende Muskulatur

• orthopädische oder andere gesundheitliche Besonderheiten

Effektiv und gefühlvoll treiben

Schenkelhilfen werden nicht selten regelrecht mechanisch eingesetzt. Wenn das Bein des Reiters gegen die Bewegung des Pferdes arbeitet, ist eine feine Kommunikation nicht mehr gegeben. Becken, Beine und Füße bilden eine wichtige Funktionseinheit. Ist der Reiter in der Lage, mit dem Becken den Pferdebewegungen entsprechend zu folgen, so setzt er bereits gefühlvolle vorwärtstreibende Impulse. Das natürliche Mitschwingen von Becken, Hüfte und Lendenwirbelsäule darf nicht mit einem Anspannen des Kreuzes verwechselt werden. Eine losgelassene Beckenbewegung führt außerdem dazu, dass das Reiterbein nach unten federn kann und sich die obere Wadenmuskulatur impulsartig anspannt. In leichtem Kontakt mit der seitlichen Rumpfbewegung des Pferdes entsteht so eine treibende Wirkung. Durch dieses gefühlvolle Treiben im Bewegungsrhythmus bleiben Reiter und Pferd in Balance. Was sich einfach anhört, sollte entsprechend langsam aufgebaut und geübt werden. Trainingseinheiten und Sitzübungen an der Longe können auch fortgeschrittenen Reitern helfen, die Einwirkung zu verbessern. Auch bei neu auftretenden Blockaden im Becken kann es sinnvoll sein, das Ganze bei einer Sitzschulung genauer zu analysieren, mögliche falsche Bewegungsmuster zu erkennen und durch neue zu ersetzen.

Motor und Dialog

Das Becken ist nicht nur das Bewegungszentrum, sondern wird auch als Motor des menschlichen Körpers gesehen, mit dem der Reiter einen Dialog mit dem Pferderücken führen kann. Ist das Becken nicht in der Lage, dreidimensionale Bewegungen auszuführen, entstehen beim Reiter schnell Rückenprobleme, und gleichzeitig wird das Pferd im Rücken gestört. Doch das Becken ist in gewisser Weise auch Hüter von Emotionen und wird im Alltag eher in der Bewegung eingeschränkt statt gefördert. Viele Menschen sitzen stundenlang im Büro, sind dauerhaft im Stress und bewegen sich zu wenig oder zu einseitig. Das Becken zu bewegen und den Bewegungsspielraum auszutesten ist nicht selten mit einem Gefühl von Scham besetzt. Das alles sind zwar Hindernisse, jedoch können sie mit der Zeit überwunden werden. Der erste Schritt ist, ein neues Bewusstsein zu entwickeln und das Ganze als Prozess zu sehen. Bewegung braucht Übung – das gilt sowohl für den Reiter als auch für das Pferd.

Übung 1: BODYSCAN

Im Alltag ist uns oft nicht bewusst, wie viel Spannung in bestimmten Bereichen des Körpers vorherrscht. Mit dieser Übung können Sie Spannung wahrnehmen, abbauen und Ihr Körper- beziehungsweise Bewegungsgefühl verbessern:

• Beginnen Sie mit der Übung in einem entspannten Umfeld ohne Ablenkung, zum Beispiel zu Hause.

• Stellen oder legen Sie sich zunächst hin und schließen Sie Ihre Augen.

• Nun spüren Sie in Ihren Körper hinein und scannen ihn sozusagen auf Spannungen ab.

• Beginnen Sie mit dem rechten Arm, dann den linken Arm, weiter über die Brust den Bauch hinunter über die Hüfte, und scannen Sie dann Bein für Bein ab. Anschließend spüren Sie in Ihr Gesäß, das Becken, die Lendenwirbelsäule den Rücken hinauf bis in den Hals und schließlich in den Kopf. Vergessen Sie dabei den Kiefer nicht! Hier sitzen oft Verspannungen, die sich auf den restlichen Körper auswirken können.

• Nehmen Sie einfach wahr: In welchen Bereichen Ihres Körpers fühlen Sie Spannungen?

• Mit etwas Übung können Sie Ihren Körper auch in anderen Situationen abscannen. Zum Beispiel auf der Arbeit, wenn Sie vor dem Computer sitzen.

• Wenn Sie sich sicher fühlen, üben Sie auch auf dem Pferd. Zunächst im Stand. Bitten Sie dazu eine andere Person, Ihr Pferd festzuhalten.

• Auch bei Sitzübungen an der Longe kann der Bodyscan eine sehr wertvolle Übung sein.

• Ebenso, wenn es im Laufe des Trainings zu Problemen kommt und beispielsweise bestimmte Lektionen nicht gelingen.

So kann es sein, dass ein Festhalten im Bereich des Beckens den Bewegungsfluss des Pferdes in den Seitengängen stört. Wer sich dessen bewusst ist, kann besser daran arbeiten.

Übung 2: DIE KRAFT DES ATMENS

Beim Training ist Konzentration angesagt. Da kann es schnell mal passieren, dass Atmen zur Nebensache wird.

Manche Reiter halten regelrecht die Luft an, was sich auch auf die Beweglichkeit des Beckens auswirkt. Die Bauchatmung kann helfen und sogar Stress abbauen:

Bauchatmung im Liegen:

• Legen Sie sich bequem auf eine Decke auf den Boden oder auf eine andere flache Unterlage.

• Lockern Sie Ihren Körper, zum Beispiel durch Schütteln der Arme und Beine, und schließen Sie Ihre Augen.

• Lassen Sie sich Zeit, und versuchen Sie, sich, so gut es geht, zu entspannen.

• Dann lenken Sie Ihre Konzentration auf Ihren Atem. Dabei folgen Sie ihm gedanklich für ein paar Züge, ohne ihn zu beeinflussen.

• Jetzt legen Sie Ihre Hände flach und sanft auf den Bauch zwischen Nabel und Brustbein. Lenken Sie Ihre Konzentration in Richtung Nabelhöhe.

• Atmen Sie bewusst in Ihre Hände, die sich beim Einatmen heben und beim Ausatmen senken.

• Finden Sie Ihren eigenen Rhythmus, spüren Sie die Weite der Atmung und beenden Sie die Übung mit einem gelösten und entspannten Gefühl.

Bauchatmung im Sitzen:

• Üben Sie zunächst in einer geraden Sitzhaltung auf dem Boden oder auf einem Stuhl.

• Die Wirbelsäule ist gerade, das Kinn parallel zum Boden, aber ohne zu verkrampfen.

• Dann führen Sie die Übung wie oben beschrieben durch.

• Als nächstes können Sie die Bauchatmung auch auf dem Pferd üben.

Wie beim Bodyscan zunächst im Stand, dann in der Bewegung.

Übung 3: FITNESSSTUDIO FÜR DAS BECKEN

Damit der Reiter im Becken mit dem Pferd mitschwingen kann, müssen bestimmte Muskeln des Körpers gestärkt und andere Bereiche gedehnt werden. Die folgenden Übungen können dabei helfen:

1. Hüftbeuger dehnen:

Die vorderen Hüftbeuger sind bei vielen Menschen verkürzt. Sie müssen gedehnt werden, damit das Becken nicht nach vorne kippt. Eine der klassischsten Dehnübungen ist der Ausfallschritt:

Das vordere Bein ist angewinkelt, wobei der Winkel zwischen Wade und Oberschenkel ungefähr 90 Grad betragen sollte. Das hintere Knie und die Wade befinden sich am Boden, und der Fußrücken liegt auf dem Boden auf. Der Oberkörper ist aufgerichtet, der Rücken gerade. Atmen Sie nun tief ein und aus, und lassen Sie sich, wenn möglich, bei jedem Ausatmen etwas mehr in die Dehnung sinken.

2. Bauchmuskeln stärken:

Die tiefen, geraden Bauchmuskeln müssen stark genug sein, um das Becken aufzurichten.

Daher ist die Kräftigung der Bauchmuskeln wichtig: Sie befinden sich in Rückenlage, wobei Knie- und Hüftgelenke rechtwinklig gebeugt sind. Die Arme werden vor dem Oberkörper gekreuzt. Nun richten Sie den Oberkörper langsam auf. Der Kopf bleibt in Verlängerung des Oberkörpers, und das Kinn wird nicht in Richtung Brust gedrückt.

Als Variation können Sie die Arme nach vorne strecken.

3. Beweglichkeit verbessern:

Viele Menschen halten sich regelrecht im Bereich des Beckens fest. Mit gezielten Übungen kann der Bewegungsspielraum vergrößert und die Beweglichkeit verbessert werden:

Stellen Sie sich gerade hin und lockern Sie kurz Ihre Schultern. Die Beine sind leicht geöffnet und die Knie leicht angewinkelt. Legen Sie Ihre Hände an Ihr Becken und beginnen Sie mit kreisenden Bewegungen. Dabei atmen Sie beim Nach-vorne-Kreisen ein und beim Nachhinten-Kreisen aus. Anschließend kippen Sie Ihr Becken abwechselnd nach vorne und nach hinten. Wenn Sie entspannt sind, bewegen Sie Ihr Becken eine Weile locker, wie Sie wollen, und testen Sie den Bewegungsspielraum immer weiter aus. Diese Übungen können Sie auch vor dem Reiten zum Lockern durchführen.