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Big is beautiful


PROTRADER - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 05.02.2019

Filigrane High-Tech-Handys in den dreckverschmierten kräftigen Händen von Polieren, Handwerkern oder Maschinisten – das kommt zwar vor, geht aber oft nicht gut. Das hat Baumaschinen-Riese Caterpillar längst erkannt und baut für diese spezielle Klientel extra unempfindliche „Rugged Handys“. Damit sich Modelle wie das aktuelle S61 auf dem Bau dann auch wirklich nützlich machen, statteten die Amerikaner ihr Topmodell mit einigen ganz besonderen Fähigkeiten aus. Brauchbar oder einfach nur „nice to have“? Der ProTrader bittet zum Praxistest


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Bildquelle: PROTRADER, Ausgabe 2/2019

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... zwischen der Redaktion des ProTrader und der Marketingabteilung des Herstellers trafen bei uns – von der Post und nicht von einem Schwertransportunternehmen geliefert – die beiden mit Abstand kleinsten „Maschinen“ ein, die der weltweit größte Baumaschinenhersteller in seinem Portfolio führt. In einem CAT-typisch schwarz-gelben und nicht allzu großen Karton verpackt nahmen wir das im Sommer letzten Jahres vorgestellte CAT S61 in Empfang, um der mit viel Aufmerksamkeit bedachten Ausnahmeerscheinung auf dem Handy-Markt ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

Das es hier um eine solche geht, dürfte außer Zweifel stehen. Schon beim Auspacken gibt sich das S61 als Grenzgänger zu erkennen. Zwar führt auch manch anderer Hersteller Geräte im XXL-Format. Doch dieses Teil kommt in einem geradezu brachialen Alugehäuse daher, welches sich nicht die geringste Mühe gibt, unauffällig zu erscheinen. Ebenso gut kann man auch sagen: Das Teil ist ein echter Trümmer! Satte 14 Millimeter dick ist der Alu-Gummi-Verbundkorpus, der rund 255 Gramm auf die Waage bringt. Damit ist das S61 eine echte Ansage, die nur für kräftige Männerhände geschaffen scheint. Hier hat man zweifellos etwas von Bedeutung in der Hand. Mit einem 1,7-Tonnen-Bagger erstellt man eben auch keine 25 Meter tief reichende Schlitzwand. Insofern folgt das S61 durchaus der Logik: „Darf´s auch ein bisschen mehr sein?“

Typisch CAT gleich made bei CAT?

Doch kommen Planierraupen und Smartphones wirklich aus der gleichen Fabrik? Wohl kaum. Nicht, dass nicht auch in modernen Baumaschinen sensibelste Elektronik verbaut wäre. Doch die kommt in aller Regel ursprünglich nicht aus dem Hause des Herstellers selbst, sondern von hoch spezialisierten Fremdherstellern. Das ist auch bei den CAT-Phones nicht anders. Die Lizenz für die Produktion der CAT-typischen „Rugged Phones“ liegt bei der britischen Bullit Group, dem einzig verbliebenen Hersteller, der auf der Insel noch Handys produziert. Doch auch bei Bullit ist es so, kommuniziert das Unternehmen auf der eigenen Website, dass man „um Innovationen voranzutreiben und die Einhaltung höchster Standards zu gewährleisten, mit anderen Produktionspartnern zusammenarbeitet.“ Möglich also, dass Bullit bei der Produktion der CAT-Phones mit externen Zulieferern zusammenarbeitet. Die drei am unteren Bildschirmrand angeordneten „Zurück“-, „Home“- und „zuletzt verwendete App-Tasten“ zumindest erinnern doch irgendwie an den chinesischen Hersteller Huawei, dessen Smartphones sich mit eben dieser Dreier-Kombi schmücken.

Anfassqualitäten/Sturzsicherheit

Wichtigstes Kriterium bei einem Handy für die Baustelle indes dürfte ohne Frage seine Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischer Krafteinwirkung sein. Mit anderen Worten: Wie gut verkraftet es unsanfte Stürze aus gut und gerne bis zu einem Meter Höhe? Das umso mehr, als ein solcher Flug auf dem Bau ja durchaus auch auf einem Beton- oder Estrichboden oder gar einem Doppel-T-Träger enden kann. Und denen ist in der Regel nicht die geringste Nachgiebigkeit zu eigen. Entscheidender Faktor scheint in diesem Zusammenhang die Verwendung des besonders bruchfesten „Gorilla Glass 5“ zu sein. Dem attestiert Hersteller Corning immerhin, dass es 80 Prozent aller Stürze aus 1,6 Metern Höhe auf harte Oberfl ächen überstehen soll. Caterpillar setzt da noch eins drauf: Stürze aus einer Höhe von bis zu 1,80 Metern soll das S61 laut Werksangaben wegstecken.

Zweiter Risikofaktor für Handys auf Baustellen ist das Thema Feuchtigkeit. Auch in dieser Disziplin gibt sich das neue CAT-Handy unerschrocken. Wassertiefen von bis zu 3 Metern soll es bis zu 60 Minuten lang schadlos überstehen. Selbst Unterwasseraufnahmen will die Handy-eigene Kameraausrüstung ermöglichen. Das feuchte Element kann unterdessen nicht nur in Form von Pfützen oder gefl uteter Schächte zum Problem werden. Haben Sie einmal versucht, ein Smartphone bei Regen zu benutzen? Das wird auch ohne die Gefahr, dass Wasser den Innenraum des Gerätes fl utet, schnell zur Geduldsprobe. Denn bei nassem/feuchtem Display werden Bedienungsbefehle nicht mehr zuverlässig erkannt. Auch in dieser Disziplin zeigt sich das S61 sehr zuverlässig und lässt sich nicht in die Irre führen.

Generelle Eigenschaften

Was der attraktiven CAT-Maschine natürlich per se zu eigen ist, ist ihr beeindruckendes 5,2-Zoll-Display mit einer Aufl ösung von 1920 x 1080 Pixeln. Das ist kein Spitzenwert, reicht aber für die brauchbare Darstellung selbst von Karten oder Bauplänen allemal. Kontrast und Helligkeit lassen sich individuell einstellen. Ebenfalls die Selbstverortung des Geräts, entscheidend etwa für die Navigation oder die Lokalisierung von wichtigen Stellen einer Anlage oder eines Gebäudes, klappt vorzüglich. Auch die bordeigenen Kameras setzten sich mit einer Aufl ösung von 8 Megapixeln (Frontkamera) bzw. 16 Megapixeln (Hauptkamera) gut in Szene. Begeistern kann auch die Ausstattung mit unterschiedlichster Sensorik. So verfügt das S61 unter anderem über einen G-Sensor, Kompass, Gyrometer, Barometer sowie einen Feuchtigkeits- und einen Temperaturfühler. Wow! Das freilich betrifft „nur“ die Grundausstattung dieses Handys, mit der es sich auf dem Markt üblicher hochwertiger Smartphones gegenüber Mitbewerbern behaupten muss.

Besondere Fähigkeiten auf dem Bau

Macht das S61 hinsichtlich seiner robusten Erscheinung bislang also eine gute Figur, gilt es nun in einem zweiten Schritt herauszufi nden, was es mit all den zusätzlichen Gimmicks auf sich hat, die Caterpillar in das stämmige Smartphone mit Android-8.1-Betriebssystem gepackt hat bzw. packen ließ. Denn um auf der Baustelle nicht nur zu bestehen, sondern sich auch nützlich zu machen, muss das CAT schon etwas mehr bieten als ein robustes Gehäuse. Kein Problem! Hier stechen insbesondere drei vorinstallierte Apps hervor. Denn das S61 ist beispielsweise in der Lage, mit Hilfe seines Laser-Sensors Entfernungen von bis zu 10 Metern zu messen. Darüber hinaus verfügt es über eine Wärmebildkamera und es analysiert die Luftqualität, um etwa einem Handwerker frühzeitig einen Hinweis an die Hand zu geben, wann er bei der Durchführung von Schleifarbeiten aufgrund einer ungesunden Konzentration von Staubpartikeln das Weite suchen oder beispielsweise lüften sollte.

Das S61 in der Hand eines Praktikers

Um uns hier nicht in unnötige oder realitätsferne Fragen zu verstricken, haben wir uns mit jemandem verabredet, der für uns die zusätzlichen Funktionen des S61 einem Praxistest unterziehen soll – so, wie sie seinen Arbeitsalltag möglicherweise erleichtern könnten. Matthias Seiberlich, Architekt aus Hamburg, baut in Hamburg-Blankenese für die Baugenossenschaft dhu eine kombinierte Alten- und Reihenhauswohnanlage (der ProTrader berichtete in der Ausgabe 07/17). Wir treffen ihn bei der Kontrolle des Stands der kurz vor dem Abschluss stehenden Ausbauarbeiten in den Gebäuden des letzten Bauloses.

Erste Aufnahme der Gebäude mit Wärmebildkamera. So erhält man eine unmittelbare Auskunft über die Qualität der Dämmung


In der Raumecke scheint eine Wärmebrücke nach draußen zu bestehen. Am Ende entpuppt sich die Kältezone aber als Verdunstungsbereich einer frisch gespachtelten Fläche


Flir-Wärmebildkamera

Insbesondere die Wärmebildkamera, deren Icon sinnigerweise ebenso wie jene der anderen beiden Apps gleich auf dem Startbildschirm platziert ist, weckt sein Interesse. Aufgrund der hohen Kosten professioneller Systeme hatte er bislang noch nie die Gelegenheit, seine nach modernsten Standards gedämmten Bauten unter diesem Gesichtspunkt in Augenschein zu nehmen. Ist sein Zugang zu dem High-Tech-Handy zunächst eher von Neugier geprägt, kommt er mit der vom Weltmarktführer Flir stammenden Spezialausstattung recht schnell einer potentiellen Schwachstelle in der Dämmung auf die Spur. Im Treppenhaus trifft die Wand zum Nachbargebäude auf eine der Außenwände. Hier scheint just in der Ecke auf einer Länge von mehreren Metern ein tiefblau gefärbter Streifen den Kälteeintritt von außen und damit eine Wärmebrücke anzuzeigen. Auch wenn die Infrarot-Sensorik in dieser vergleichsweise einfachen Ausführung natürlich keine verifizierbaren Messergebnisse liefert, geben die farblich visualisierten Temperaturunterschiede die reale Situation wieder. Im vorliegenden Maße also ein Alarmsignal!

Um bei der Abstandsmessung die geforderte Parallelität von Gerät und Wand zu erreichen, muss die Displayseite auf die Wand gehalten werden. Wie managed man jetzt die Bedienung?


Tief beunruhigt drängt er darauf, den betreffenden Bereich von außen zu untersuchen. Hier müsste analog ein erhöhter Wärmeaustritt zu beobachten sein. Doch dort ist nichts dergleichen zu sehen. Vorsorglich werden mehrere Aufnahmen der fraglichen Stelle gemacht. Was dabei zu tun ist, erschließt sich am Ende von selbst, ohne Lektüre eines Handbuches. Danach geht es nochmals in den Innenraum. Was ist hier los? Als er die Stelle erneut aus Sicht der künftigen Bewohner begutachtet, findet er schnell die Erklärung des Phänomens: Hier ist, erkennbar an der Feuchtigkeit der Zone, der Wandübergang vor kurzem gespachtelt worden. Was die Wärmebildkamera des S61 auf den Monitor zauberte, war nichts anderes, als die resultierende Verdunstungskälte.

Als Architekt gewohnt, dass Maße eingehalten werden, misst Seiberlich nach: Der Messwert stimmt genau


Laser-Entfernungsmessung

Genau die Steilvorlage, auch die zweite App namens „Measure“ einmal auszuprobieren. Die zuvor notwendige Kalibrierung haben wir bereits in der Redaktion durchgeführt. Über das weitere Procedere gibt das Handbuch des Herstellers unmissverständlich Auskunft: Das Handy soll sich parallel zur zu messenden Oberfläche befinden. Da der Laser auf der Rückseite des Gehäuses austritt, bleibt ergo nichts anderes, als das S61 mit der Bildschirmseite an die Wand zu halten. Wie allerdings soll man dann erkennen, ob „die App (angezeigt durch ein grünes Rechteck) den Laserpunkt erkannt hat?“ Da, wie bei der Kamerafunktion, die Auslösung der Laser-Aufnahme alternativ auch durch Betätigung der „Lauter“-Taste möglich ist, kommt man natürlich auch so zum Ziel. Ein komfortables Handling sieht allerdings anders aus.

Der ermittelte Abstandswert unterdessen entspricht genau dem anschließend durch konventionelle Hilfsmittel verifizierten Maß. Andererseits ist das S61 durch Aktivierung dieses Mechanismus auch in der Lage, ganze Wandflächen zu ermitteln. Durchaus beeindruckend, doch bei freihändiger Haltung der nur per Bildschirm steuerbaren Funktion bleibt natürlich der Ärger über die wenig kommode Bedienbarkeit der App.

Es riecht nach Farbe. Wie ist die Luftqualität? Alles o.k!


Bestimmung der Luftqualität

Bleibt die letzte der drei ausschließlich auf dem S61 zu findenden Apps. Die „Air“-Funktion will dem Besitzer des Phones in erster Linie eine Aussage über die Luftqualität genau jenes Raumes an die Hand geben, in dem er sich gerade aufhält. Gut! Schon bei Betreten des vom Architekten inspizierten Hauses 4b lag ein intensiver Geruch unlängst aufgetragener Dispersionsfarbe in der Luft. Seiberlich zufolge kämen hier allerdings nur ausgesprochen gesundheitsverträgliche Farben zum Einsatz. Beste Gelegenheit also, gleich hier in dem Neubau eine Probe aufs Exempel zu machen. In der Tat! Die Air-Funktion des S61 trifft eine eindeutige Aussage: Die Luftqualität lässt keine Beanstandung zu.

Welche Faktoren indes das Smartphone bei dieser Klassifizierung berücksichtigt, bleibt im Dunklen. Immerhin, dass der Sensor Veränderungen erkennt, zeigt sich, als der Redakteur durchgefroren vom Außeneinsatz zwei Stunden später zu Hause mit Hilfe eines Glühweins versucht, die Kälte aus seinen Gliedmaßen zu vertreiben. Ungefragt meldet das S61 eine bedenklich ungesunde Luftqualität.