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Bilanz 2017: Mittlere Schäden


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 01.09.2018

Anlässlich der Mitgliedervertreter-Versammlung der Gartenbau-Versicherung VVaG (GV) am 3. Juli 2018 in Wiesbaden berich - tete der Vorstand der GV über den Verlauf des 171. Geschäftsjahres 2017. Die Beitragseinnahmen stiegen gegenüber dem Vorjahr leicht an, die Schadenquote lag im mittleren Bereich. Im Europageschäft sind weitere Zuwächse zu verzeichnen.


Von den zahlreichen Unwettern im vergangenen Jahr, die oft regionalen Charakter hatten, blieben Gartenbaugebiete meist verschont. Anders verhielt es sich bei dem in der Landwirtschaft tätigen AgroRisk-Partner, der Vereinigten Hagelversicherung (VH). Hier ...

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Bildquelle: GB Gärtnerbörse, Ausgabe 9/2018

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... lag das Schadenaufkommen über den Beitragseinnahmen. Die hohe Schadenquote der VH wirkte sich in begrenztem Umfang über das in Rückdeckung übernommene Geschäft auf die Gartenbau-Versicherung aus.

VERÄNDERUNGEN UND HERAUSFORDERUNGEN

Zur Rolle des Aufsichtsrates der Gartenbau-Versicherung nahm Frank Werner Stellung. Der Unternehmer ist seit einem Jahr Vorsitzender dieses Gremiums. Die Arbeit umfasse viele Themenfelder, sie sei „spannend und fordernd“. Durch veränderte behördliche Vorgaben sei eine Neuorganisation der Arbeit erforderlich geworden, der Aufsichtsrat sei jetzt stärker in die Abläufe eingebunden. So wurden drei Ausschüsse gebildet. Zugenommen habe die Anzahl der Berichte des Vorstandes und anderer Organe, mit denen sich der Aufsichtsrat befassen müsse. Positiv sei die vertrauensvolle Unternehmenskultur der Gartenbau-Versicherung, sagte Werner.
Aufsichtsratsmitglied Klaus Umbach ergänzte, dass neben der „Aufseher“-Funktion des Gremiums die Rolle als „Ratgeber“ (für den Vorstand) an Bedeutung gewonnen habe. Das Arbeitspensum im Aufsichtsrat sei umfangreicher geworden. Nach seiner Beobachtung sei bei der Gartenbau-Versicherung eine Aufbruchstimmung zu spüren. „Das Haus ist sehr gut bestellt und ordentlich geführt“, erklärte Umbach.
Michael J. Baumeister, Hanspeter Meyer und Klaus Umbach wurden bei der Mitgliedervertreter-Versammlung der Gartenbau-Versicherung am 3. Juli 2018 für weitere drei Jahre in den Aufsichtsrat gewählt. Neu im Kreis der Mitgliedervertreter (MVV) sind Christiane Bielefeld-Remde (Weimar), Kurt Dominik (Hörstel) und Steffi Rogge (Westoverledingen), sie wurden jeweils zu MVV-Stellvertretern gewählt.
Zu der strategischen Ausrichtung der Gartenbau-Ver - sicherung gab Vorstandsmitglied Christian Senft Erklärungen ab. Die Frage sei, wie das Unternehmen seine Ziele für die Mitglieder am besten erreichen könne. Senft zog eigene Erfahrungen aus einer Besteigung des Kilimandscharo heran. Einheimische Bergführer hätten empfohlen, zunächst einen Plan zu schmieden und dann sein eigenes Tempo zu gehen. Langsam und beharrlich solle man das Ziel ansteuern – und sich nach dessen Erreichen neue Ziele setzen. Als Herausforderungen für die Zukunft nannte Senft mehrere Punkte:

• Generationswechsel auf allen Ebenen
• Entwicklung passender Versicherungslösungen
• kontrolliertes Wachstum (vor allem im Ausland), auch zur Sicherung der rund 90 Arbeitsplätze im Unternehmen
• Intensivierung von Kooperationen
• Wahrung von Flexibilität und Anpassungsfähigkeit
• Ständige Überprüfung früherer Ziele
• Kostenstabilität trotz behördlicher Zusatzanforderungen

Auch 2017 ließ sich die Gartenbau-Versicherung durch die Assekurata Rating-Agentur beurteilen. Beim 17. Rating in Folge gab es nach drei mit „sehr gut“ (A+) bewerteten Jahren wieder die Bestnote A++ („Exzellent“). So wurden die Teilkriterien „Sicherheit“ von „sehr gut“ auf „exzellent“ und „Erfolg“ von „gut“ auf „sehr gut“ angehoben.

Einen Ausblick auf 2018 gab Vorstandsmitglied Christian Senft. Demnach könnten die Gesamteinnahmen auf 84,0 Millionen Euro steigen (davon Direktgeschäft 62,6 und übernommenes Geschäft 21,4), die Einnahmen in Deutschland auf 37,4 Millionen Euro. Durch Neukunden im Ausland könnte der Anstieg bei den Einnahmen noch höher ausfallen. Die Zuwächse zeigen laut Senft, dass der Gartenbau „lebt und sich entwickelt“ – die Investitionen ziehen spürbar an. Das deutliche Plus im übernommenen Geschäft beruhe vor allem auf Abschlüssen im Weinbau und im Obstbau in Italien mit dem Risiko angemessenen Prämien.

Moderate Schadenquote

Bei einer Brutto-Schadenquote (vor Rückversicherung) im Gesamt - geschäft von 57 Prozent zählt 2017 zu den Jahren mittleren Schadenausmaßes. Mit sehr günstigen 39,3 Prozent ist dabei das Direktgeschäft der Gartenbau-Versicherung hervorzuheben, so Klunke. Insbesondere in Deutschland fiel die Brutto-Schadenquote mit 31,0 Prozent sehr niedrig aus, im Auslandsgeschäft wurden moderate 52,2 Prozent erreicht.

Dass die Schadenquote im Gesamt - geschäft einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Direktgeschäft erfahren hat, lag an den enormen Schäden in der deutschen und italienischen Landwirtschaft, die über den Agro-Risk-Partner, die Vereinigte Hagelversicherung (VH) in Gießen, versichert sind. Hier ist die Gartenbau-Versicherung durch gegenseitige Quotenrückversicherung in den Sparten Obstbau, Freiland-Gemüsebau und Weinbau als Risikoträger mitbeteiligt.

Im September 2017 durchlief ein Tornado ein niederländisches Gartenbaugebiet


Der absolute Schadenaufwand im Direktgeschäft der GV betrug brutto 23,6 Millionen Euro (Vorjahr 58,9 Millionen Euro). Nach Rückversicherung lag die Schadenquote netto bei 45 Prozent.

Klunke stellte ergänzend die regionale Verteilung der versicherten Betriebe dar. Schwerpunkte in Deutschland sind der Niederrhein, das Emsland, das Rhein-Main-Gebiet sowie Nürnberg und Stuttgart. In den Nieder - landen liegen die Betriebe vor allem im Westland und im Raum Venlo, in Frankreich verteilen sich die versicherten Gärtnereien über das ganze Land. In Italien gibt es Schwerpunkte im Norden, an der Küste und in Sizilien. Das Europageschäft trage durch die weiträumige Verteilung der Betriebe zum Risikoausgleich insbesondere im Bereich der Naturgefahren bei, sagte Klunke.

Bilanzsumme gestiegen

Für 2017 verzeichnete die GV einen Jahresüberschuss von 2,5 Millionen Euro. Das ausgewiesene Eigenkapital erhöhte sich um 2,5 Millionen Euro auf 30,1 Millionen Euro (plus 8,9 Prozent). Es ist Bestandteil der Sicherheitsmittel, die sich von 75,8 auf 86,4 Millionen Euro (plus 13,9 Prozent) erhöht haben. Die Bilanzsumme ist auf 109,6 Millionen Euro gegenüber 94,9 Millionen Euro im Vorjahr gestiegen, sie lag damit zum ersten Mal im dreistelligen Millionenbereich. 2017 konnte die GV eine verzinste Steuerrückzahlung aus dem Jahr 2009 verbuchen, die auf einem gewonnenen Prozess beruhte.

Verschiedene Zweige

Die GV bietet ihren Mitgliedern Ver - sicherungsschutz in den Zweigen Hagel, Sturm, Feuer, Technische Versicherungen, Glasbruch, Einbruchdiebstahl und Leitungswasser.

Hagelversicherung

Im selbst abgeschlossenen Geschäft des Zweiges Hagel stiegen die Beiträge um 6,0 Prozent auf 22,7 Millionen Euro. Dies lag hauptsächlich an einer Korrektur der Beitragsverteilung im Niederlande-Geschäft, mit dem Effekt der teilweisen Umschichtung der dortigen Prämien vom Zweig Technik in den Zweig Hagel. Die Schadenleistungen beliefen sich brutto auf 7,4 Millionen Euro, was einer Schadenquote von 33,1 Prozent entspricht. Netto (nach Rückversicherung) ergaben sich 38,2 Prozent.

Das vergleichsweise niedrige Schadenvolumen im Zweig Hagel ging gut zur Hälfte auf Deutschland und zu knapp 30 Prozent auf Italien zurück. In Deutschland schlugen vor allem der 22. Juni mit Sturmtief „Paul“ und Schäden am 15. August im Raum Stuttgart zu Buche. Für Italien sind insbesondere der 25. Juni mit Hagel in den nördlichen Landesteilen sowie ein großer Einzelschaden am 11. September in Kampanien zu erwähnen.

Sturmversicherung

Die Beiträge in der Sturmversicherung stiegen im Berichtsjahr leicht um 0,7 Prozent auf 19,4 Millionen Euro. Die Schadenleistungen beliefen sich auf 9,4 Millionen Euro. Damit erreichte die Schadenquote zufriedenstellende 48,3 Prozent (2016: 33,7 Prozent), nach Rückversicherung stieg diese netto auf 55,1 Prozent an.

Die Schäden im Zweig Sturm ereig - neten sich mit jeweils rund 30 Prozent vor allem in Deutschland und Italien. In beiden Ländern handelte es sich überwiegend um kleinere bis mittlere Schäden. Zwar gab es in Deutschland im Jahr 2017 gleich mehrere Sturmtiefs stärkerer Größenordnung, der Gartenbau blieb hiervon jedoch weitgehend verschont. Im Ausland ist vor allem ein Tornado am 14. September in den Niederlanden zu erwähnen. Dieser durchlief ein großes, zusammenhängendes Gartenbaugebiet und führte zu einem versicherten Gesamtschaden von rund 1,5 Millionen Euro. In Italien verursachte Sturm mit mehreren Windhosen am 10. und 11. November 2017 auf Sizilien versicherte Schäden von gut 700.000 Euro.

Feuerversicherung

Nach Jahren des Wachstums sind die Beitragseinnahmen in diesem Zweig seit 2015 weitgehend stabil geblieben. Im Geschäftsjahr wurden knapp 8,0 Millionen Euro erzielt (plus 0,2 Prozent zu 2016). Die Schadenquote belief sich auf zufriedenstellende 38,3 Prozent und lag damit unter dem Vor - jahresniveau (56,6 Prozent). Netto (nach Rückversicherung) erreichte die Schadenquote 43,2 Prozent.

Im Geschäftsjahr gingen mit 1,8 Millionen Euro knapp 60 Prozent der Schäden im Zweig Feuer auf Deutschland zurück. Dabei schlugen im Wesentlichen drei Schäden von jeweils rund 400.000 Euro zu Buche. Der Schwankungsrückstellung wurden 853.000 Euro zugeführt. Es verbleibt ein Gewinn für eigene Rechnung von 0,7 Millionen Euro.

Technische Versicherungen

Die „Technischen Versicherungen“ bestehen im Wesentlichen aus der Maschinen- und Elektronikversicherung sowie der technischen Verderbschaden-Versicherung der Kulturen. Die Beiträge sanken 2017 um 8,6 Prozent auf 8,8 Millionen Euro. Dies war vornehmlich der im Zweig Hagel erwähnten Neuverteilung der Prämien in den Niederlanden geschuldet. Mit einer Schadenquote von 35,8 Prozent zeigte das Geschäftsjahr einen sehr zufriedenstellenden Schadenverlauf.

Der Aufsichtsrat der GV hat in diesem Zweig für 2018 eine Beitragsrückerstattung von fünf Prozent der Beiträge, rund 500.000 Euro, beschlossen.

Glasversicherung

In der Schaufenster-Glasbruchver - sicherung für Blumengeschäfte und gärtnerische Endverkaufseinrichtungen betrugen die Beitragseinnahmen 350.000 Euro gegenüber 355.000 Euro im Vorjahr. Entsprechend dem langjährigen Schadenverlauf fiel die Schadenquote im Geschäftsjahr mit 18,3 Prozent erneut sehr günstig aus.

Erfolge im Europageschäft

Im Europageschäft stieg das Beitragsvolumen 2017 um 1,8 Prozent auf insgesamt 23,3 Millionen Euro. Das Bestandswachstum ging im Wesent - lichen auf Italien (plus 5,1 Prozent) und Frankreich (plus 10,5 Prozent) zurück, während die Einnahmen im Vereinigten Königreich bei niedrigen absoluten Werten um 25,8 Prozent zurückgingen.

Klunke begründete letzteres mit der Abwertung des Britischen Pfundes und einem preisaggressiven Markt. Diese Faktoren und die Unsicherheit durch den bevorstehenden Brexit hätten zu dem Entschluss geführt, sich aus diesem Markt wieder zurückzuziehen. Dafür gebe es erste Kunden in Griechenland mit modernsten Produktionsanlagen. Auf Anfrage eines Mitgliedervertreters erklärte Klunke, dass ein Markteintritt in Belgien wegen des dort sehr niedrigen Prämienniveaus nicht gewollt sei.

Der Anteil des Europageschäfts an den Beitragseinnahmen im Direktgeschäft der Gesellschaft belief sich auf 38,9 Prozent (Vorjahr: 38,6 Prozent). Die Schadenquote über das gesamte Europageschäft (ohne Deutschland) betrug 52,2 Prozent. Klunke erwähnte, dass das deutsche System der Schadenschätzer aus dem Gartenbau bei den ausländischen Kunden ein hohes Ansehen genieße. Dies sei zum Beispiel in Frankreich ein wichtiger Vorteil. Für 2018 seien weitere Zuwächse bei den Auslandseinnahmen zu erwarten, prozentual gesehen vor allem in Frankreich und Italien.
GV/dre

EINSCHÄTZUNGEN ZUM STRUKTURWANDEL

Der Strukturwandel im Gartenbau setzte sich auch 2017 ungebremst fort, heißt es im Geschäftsbericht 2017 der Gartenbau-Versicherung (GV). So nahm die Anzahl der Betriebe nahezu in allen Sparten ab, während sich die verbliebenen Betriebe insgesamt vergrößerten – spartenabhängig jedoch sehr unterschiedlich. Das stärkste Minus verzeichnete der Bereich Baumschulen, in dem seit 2012 fast ein Viertel der Betriebe aufgegeben hat. Flächenausdehnungen bei den verbleibenden Betrieben konnten dies bei weitem nicht ausgleichen.
Auch im Zierpflanzenbau und ebenso im Unterglas-Gemüsebau sei eine beträchtliche Anzahl an Betriebsaufgaben zu verzeichnen. Verglichen mit dem Jahr 2012 belief sich das Minus auf 18 beziehungsweise 17 Prozent. In beiden Sparten wurde dies durch größere Betriebsstrukturen in den vergangenen Jahren nahezu ausgeglichen. Hervorzuheben ist laut GV die enorme Ausdehnung der Erdbeerproduktion in Folien- und Gewächshäusern. Dies betrifft sowohl die Anzahl der Betriebe als auch noch mehr die Ausdehnung der Flächen. Die GV reagierte auf diese Entwicklung mit der Schaffung eines gesonderten Versicherungsschutzes für Wetterschutzanlagen und einfache Folientunnel.
In den Niederlanden wird seit 2016 wieder verstärkt investiert. Gleichzeitig sei aber auch hier der Strukturwandel noch nicht abgeschlossen, berichtet die GV. An Neubauvorhaben im benachbarten Deutschland zeigen niederländische Unternehmer gesteigertes Interesse. Voraussetzung seien große Flächen, nahegelegene günstige Energiequellen (zum Beispiel Biogasanlagen) und ein gesicherter Absatz.
GV/dre


Abbildungen: Gartenbau-Versicherung

Foto: Gartenbau-Versicherung