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BILD der FRAU EXKLUSIV: DER VERTUSCHTE SKANDAL Duogynon-Opfer klagen an: Unser Leid verjährt nicht!


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 29/2018 vom 13.07.2018

Vor 68 Jahren wurde in Deutschland ein Schwangerschaftstest zugelassen, nach dessen Gebrauch Hunderte Frauen missgebildete Kinder bekamen.Die Mütter leiden bis heute, die Opfer kämpfen vergeblich um Entschädigung


Als die Regel nicht kommt, geht Gertrud Kanzler aus Wendelstein zum Frauenarzt. Vier Jahre ist sie da verheiratet, wünscht sich ein Kind. „Der Arzt gab mir zwei Tabletten. Ich war 21, hab ihm vertraut.“ Ihre Regel bleibt weiter aus – Gertrud ist schwanger!

Am 4. April 1973 wird Tochter Michaela mit schweren Behinderungen geboren: „Ihre Finger und Zehen waren verkürzt, zusammengewachsen oder ...

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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 29/2018

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... verdreht, sie hatte einen Klumpfuß.“ Eine Laune der Natur, sagen die Ärzte, damit müsse man sich abfinden.

Birgit Rothländer (52), Speditionskauffrau aus Schwebheim:
Ich habe nur eine Niere
»»Ich kam mit verformten Genitalien, nur einer Niere, ohne Schließmuskel und mit verkümmerter Harnröhre zur Welt. Heute habe ich einen künstlichen Darmausgang. 30-mal wurde ich operiert, konnte keine Kinder bekommen, habe ständig entzündete Schleimhäute. Ich nehme fünf Medikamente, leide unter Bluthochdruck, einer Antibiotikaresistenz, mein Gedächtnis wird schlechter.
Ich kriege seit vier Jahren nur 400 Euro Rente, brauche Opium gegen die Schmerzen. Ich bin so wütend.“

Wolf-Dietrich Molzow (61), Ingenieur aus Berlin:
Ich bin nur 1,20 Meter und habe keine Knie
»»Als ich zur Welt kam, wurde ich schnell in ein Laken gewickelt: Ich hatte keine Knie, nur vier Zehen, eine verkümmerte Hüfte, verkürzte Arme. Der rechte ließ sich nur bis 90 Grad strecken. Zwölf Jahre trug ich Beinverlängerungen, konnte nie rennen, Rad fahren, Mädchen kennenlernen. Um auf Stühle zu kommen, musste ich mich mit dem linken Arm draufschwingen. Davon ging mein Schultergelenk kaputt.
Ich nehme Opiate gegen die Schmerzen, die mich müde und schwindelig machen. Im Alter werden ich hohe Pflegekosten haben.“

Angelika Müller (47), Erwerbsminderungsrentnerin aus Bad Nauheim:
Ich habe ein kaputtes Herz
»»Im Juli 1971 kam ich mit einem Loch im Herzen und einer defekten Herzklappe zur Welt. Auf dem linken Auge habe ich nur zehn Prozent Sehkraft, auf dem linken Ohr höre ich schlecht. Die Wirbelsäule ist verkrümmt, als Kind war ich wochenlang im Krankenhaus. Seit meiner frühesten Jugend habe ich Depressionen und leide wegen meines Herzens an Panik-Attacken.
Oft wünschte ich mir, ich wäre nie geboren worden.“

Miriam (41), Radiologin aus Lausanne:
Ich kam mit einem Klumpfuß zur Welt
»»1976 wurde ich mit Klumpfuß und einer Unterschenkel-Fehlstellung geboren. Nach mehreren Operationen blieb das Bein kürzer. Ich brauche spezielle Schuhkorrekturen, die bis zu 400 Euro kosten, und habe das Risiko, früh an Arthrose zu erkranken. Erst seit Mitte 20 traue ich mich, kurze Hosen zu tragen.
Als mein Sohn geboren wurde, habe ich sofort nachgesehen, ob seine Füße und Hände in Ordnung sind – die Angst sitzt halt tief.“

Hubert Hartmann (52), Industriekaufmann aus Weingarten:
Ich habe verbogene Arme
»» Meine oberen Extremitäten sind so verbogen, dass ich die Hände nicht benutzen kann. Mit sechs kam ich auf eine Schule für Körperbehinderte, war die ganze Woche von meinen Eltern getrennt. Ich musste lernen, alles mit den Füßen zu machen.Davon sind meine Beingelenke jetzt so überlastet, dass ich oft Schmerzen habe.“

„Es ist eine Schande, wie wir im Stich gelassen werden“

Im Zuge der Recherchen meldeten sich immer mehr Betroffene bei BILD der FRAU:

■ „Ich kann meine verkürzten Arme nur bis auf Brusthöhe heben. Als Kind machten Ärzte Fotos von mir wegen des Verdachtes auf Duogynon. Als mein Vater sie später haben wollte, wurde behauptet, es gäbe keine.“
Silke Ehrenberg (42), Erzieherin aus Bremen

■ „Unsere Tochter wurde Weihnachten 1964 mit offenem Rücken geboren. Zwei Mal verhinderte eine OP die Querschnittslähmung, sie kann nur auf Krücken gehen.“
Gerd Gerdes (84), Vater, Heidelberg

■ „Als ich 1967 geboren wurde, hatte ich keine Vagina, keine Harnleiter, keine Harnröhre, meine Blase lag offen auf dem Bauch. Ich trug bis zum 5. Lebensjahr Windeln, dann einen Dauerkatheter. Meine Nieren haben nur noch 40 Prozent Leistung.“Bea Ziegler (51), Schwerbehinderte aus Ludwigshafen

Was ist Duogynon?

Das Medikament diente zur Regulierung von Menstruationsstörungen – und als Schwangerschaftstest. Bekam eine Frau nach zwei Tabletten oder einer Spritze keine Regel, galt sie als schwanger. Der heute bekannte Urin-Stäbchentest wurde erst 1980 erfunden. Duogynon ist später zu Cumorit umbenannt worden, in England vertrieb man es als Primodus. Kontakt für Betroffene: Netzwerk Duogynon e. V.; www.duogynonopfer.de


Fotos: Frank Boxler (2), Andreas Friese, Bernd Hanselmann, ddp images, privat