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Bin ich SCHÖN?


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familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 04.11.2021

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Bildquelle: familie & co, Ausgabe 11/2021

Lisa findet ihre Lippen zu wulstig.

„Schau doch mal“, sagt die Zehnjährige, „das sind Wurstlippen. Wie hässlich.“ Dass ihr Mund ihr nicht gefällt, weiß Lisa aber erst seit ein paar Wochen.

Vorher hat sie sich nie darüber Gedanken gemacht.

Ungewöhnlich ist das nicht. „Sich selbst und sein Aussehen in Frage zu stellen, gehört zum Großwerden dazu“, sagt der Diplom-Psychologe Michael Thiel.

Veränderungen akzeptieren

Für kleinere Kinder ist das Aussehen ihres Körpers in der Regel überhaupt kein Thema: Ob sie groß oder klein sind, rund, schlank, hübsch oder weniger – all das sind Dinge von höchst nebensächlicher Bedeutung. Es sind unschuldige Jahre, in denen Kinder eins mit sich selbst sind. Doch dann beginnt sich der Körper zu entwickeln – und das ändert alles.

„Es ist gar nicht leicht, so schön zu sein, wie man aussieht“

SHARON STONE, US-AMERIKANISCHE SCHAUSPIELERIN

„Die Pubertät beginnt heute viel früher“, ...

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... erklärt der familie&co-Experte. „Schon mit acht oder neun Jahren setzen die ersten körperlichen Veränderungen ein.

Kein Wunder, dass das viele Kinder zunächst aus dem Gleichgewicht bringt.“

Diese Veränderung beendet jäh das unreflektierte Zufriedensein mit sich selbst. Plötzlich rück en Körper und Aussehen in den Mittelpunkt des Interesses. So wie bei Lisa.

Sie verbringt Stunden damit, im Badezimmer immer wieder neue Frisuren auszuprobieren. Vielleicht könnte man die Haare so ins Gesicht fallen lassen, dass sie von ihrem Mund ablenken, oder doch lieber hochstecken …?

Das kennen die meisten Eltern, und viele deuten endloses Vor-dem-Spiegel-Stehen als Eitelkeit. Aber das ist es nicht. Es ist ein Ausprobieren. Frisuren testen, Posen üben, mit der Mimik spielen – all das ist wichtig.

Schließlich müssen sich die Kinder wiederfinden in ihrem veränderten Körper.

Sie müssen neu lernen, sich zu akzeptieren, sie müssen sehen, was zu ihrem neuen Ich passt und müssen erfahren, dass die Merkmale ihres Geschlechts sie nun maßgeblich prägen werden.

Den Körper kennenlernen

Kinder beginnen in der Vorpubertät buchstäblich, aus ihrem alten Ich herauszuwachsen. Sie stehen vor dem Spiegel und fragen sich: „Soll das etwa ich sein? Mit dieser Nase und solchen Oberschenkeln, und was ist eigentlich mit meinen Augenbrauen passiert?“

Fasziniert, erschrocken oder stolz beobachten Kinder, wie sich die Umrisse ihres Körpers und die Züge ihres Gesichtes verändern. Wer nun sagt, er könne nicht nachvollziehen, dass das ein unangenehmes Gefühl sein kann, der muss sich nur Folgendes vergegenwärtigen: Auch im Erwachsenenalter geschehen Dinge mit unserem Körper, die uns beunruhigen. Das können die ersten Falten im Dekolleté sein, das erste graue Haar oder kleine Hüftröllchen, die vorher nicht da waren. All das kann uns belasten.

Und genauso geht es den Kindern, sie können die einschneidenden körperlichen Veränderungen nicht einfach so hinnehmen. Sie sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wie das Ergebnis aussehen wird und wohin die Reise sie führt. Plötzlich sieht man auf den ersten Blick, ob sie Mädchen oder Junge sind – das müssen Kinder erst mal verarbeiten.

„Die Verunsicherung, das Gefühl, unrettbar hässlich zu sein und die Sehnsucht nach einem anderen Erscheinungsbild, das sind ganz normale Entwicklungsschritte“, sagt Michael Thiel. „Es ist eine Phase, die zur Identitätsfindung dazugehört. Eltern können jetzt Folgendes tun: Dramatisieren Sie das Thema nicht – aber nehmen Sie die Sorgen und Bedenken Ihres Kindes ernst. Mit einem ,Das wird schon‘ oder ,Das stimmt doch gar nicht‘ ist niemandem geholfen. Viel wichtiger ist es, Kindern zu signalisieren, dass sie genauso geliebt werden wie sie sind, dass sie für die Familie hunderprozentig in Ordnung sind und dass kein Mensch auf der Welt es schaffen könnte, sie von dieser Meinung abzubringen.“

„Jeder Mensch trägt einen Zauber im Gesicht – irgendeinem gefällt er“

FRIEDRICH HEBBEL(1813–1863), DEUTSCHER DRAMATIKER

„Die Jugend probiert viele Gesichter aus, bis sie das eigene findet“

HALLDOR LAXNESS (1902–1998), ISLÄNDISCHER AUTOR

Unerreichbare Vorbilder

Das Akzeptieren des eigenen Körpers ist ein wesentlicher Schritt beim Erwachsenwerden. Lisa zum Beispiel ist mittlerweile davon überzeugt, dass ausgeprägte Lippen kein Schönheitsmakel sind, im Gegenteil. „Ich habe ein Poster von Scarlett Johanssen aufgehängt. Die sieht nämlich super aus“, strahlt die Zehnjährige.

Denn natürlich messen sich Kinder dabei an anderen – leider viel zu selten an Vorbildern aus dem Klassenzimmer, sondern an unerreichbaren Idolen von Plakatwänden, Model-Castings oder Social Media. Und da kann schließlich überhaupt niemand mithalten. Es ist nun mal so: Äußerlichkeiten spielen in unserer Gesellschaft eine große Rolle. Wir müssen unseren Kindern aber mit auf den Weg geben, dass Schönheit mit Mögen und Gemochtwerden rein gar nichts zu tun hat. Allein damit ist schon viel erreicht. Auch der Psychologe Michael Thiel sagt: „Wer mit genügend Selbstwertgefühl heranwächst, der kann Makel viel leichter kompensieren.

Selbstbewusste Kinder, die sich geliebt fühlen, gewinnen ihre Anerkennung aus wichtigeren Dingen und nicht aus ihrem Äußeren.“

Aber was ist bei einem „echten“ Problem wie Übergewicht? „Eine Diät bei Kindern ist tabu“, betont Thiel.

„Sie können jedoch mit der ganzen Familie anfangen, gesünder zu essen und mehr Sport zu treiben. Aber strapazieren Sie das Thema Gewicht keinesfalls über.“

Zweifeln ist normal

Das Problem, sich selbst nicht schön zu finden, betrifft aber nicht nur Mädchen; auch Jungen können Ängste entwickeln, nicht gut, stark oder schön genug zu sein.

Darüber werden sie ungern mit Eltern sprechen und genauso wenig mit ihren Freunden, vor denen sie keine Blöße zugeben möchten. Jetzt sind insbesondere die Väter gefragt, vielleicht ergibt sich bei einer Unternehmung unter Männern ein hilfreiches Gespräch.

Denn das Gefühl, zumindest zu Hause so akzeptiert zu werden, wie man ist, tut gut, selbst wenn das Kind ungern darüber redet. Es hilft auch, wenn Sie die starken Seiten Ihres Kindes betonen und versichern, dass alle Kinder dieselben Gedanken haben – selbst die ganz Starken oder besonders Schönen. Jeder zweifelt, das ist ganz normal, und Minderwertigkeitsgefühle sind kein Grund, sich zu schämen – das sind die Dinge, die Kinder lernen sollten. Es fällt ihnen leichter, sich akzeptiert zu fühlen, wenn sie tief im Inneren wissen: Ich bin es wert, geliebt zu werden!

„Charme ist der unsichtbare Teil der Schönheit, ohne den niemand wirklich schön sein kann“

SOPHIA LOREN, ITALIENISCHE SCHAUSPIELERIN