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BIS AN DIE GRENZE


Bike Bild - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 17.04.2019

SAHRA WAGENKNECHT IST FRAKTIONSVOR SITZENDE DER PARTEI DIE LINKE. ABSCHALTEN KANN SIE AM BESTEN BEIM RADFAHREN IM HEIMATLICHEN SAARLAND. WIR HABEN SIE DORT AUF EINER IHRER LIEBLINGSRUNDEN BEGLEITET


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Eine ihrer Lieblingsrunden führt Sahra Wagenknecht entlang des kleinen Flusses Nied. In unmittelbarer Nähe verläuft die deutsch-fran -zö sische Grenze


Idyllisches Saarland: Wir radeln an Kuhweiden, den für die Gegend typischen Streuobstwiesen und, natürlich, Marienbildstöcken vorbei – die Mehrheit der Saarländer ist katholisch


FOTOS: B. HANSELMANN (4), PICTURE ALLIANCE/DPA

ZUR PERSON: Sahra Wagenknecht ...

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Geboren wurde Sahra Wagenknecht 1969 in Jena. Sie wuchs in Berlin auf, studierte Philosophie, Literatur und Volkswirtschaftslehre. Sie promovierte im Jahr 2012. Seit 2009 sitzt Wagenknecht für die Partei Die Linke im Bundestag, ist seit 2015 eine der beiden Fraktionsvorsitzenden. Wagenknecht gilt als eine der bekanntesten, aber auch umstrittensten Politikerinnen Deutschlands. Sie ist mit Oskar Lafontaine verheiratet und lebt seit gut sieben Jahren im Saarland, die Sitzungswochen verbringt sie in Berlin.

Wer mit Sahra Wagenknecht Rad fährt, merkt schnell: Sie macht keine halben Sachen. Ähnliches lässt sich über sie wohl auch in Bezug auf ihre politische Tätigkeit sagen, aber dazu später mehr. Wir treffen die Politikerin in Silwingen, einem Teilort des 30 000-Einwohner-Städtchens Merzig im Saarland, seit gut sieben Jahren ist das ihre Heimat. Dorthin zog es die gebürtige Jenaerin der Liebe wegen. Oskar Lafontaine – früherer Ministerpräsident des Saarlands, SPD-Kanzlerkandidat 1990, Bundesfinanzminister 1998 und später Mitbegründer der Partei Die Linke – und Wagenknecht sind seit Ende 2011 ein Paar.

Als Tour wählt Sahra Wagenknecht eine Schleife nach Süden bis direkt an die deutsch-französische Grenze. Gemeinsam mit ihrem Ehemann fährt sie diese Runde regelmäßig. „Die Tour ist schön, abwechslungsreich, anspruchsvoll und hügelig“, sagt sie. Wir fahren los, und die Sache mit den Hügeln lässt nicht lange auf sich warten.

Sobald es in die Steigung geht, beugt sich Wagenknecht entschlossen über den Lenker und tritt kräftiger in die Pedale, als ob sie dem Berg signalisieren will, dass sie ihn definitiv bezwingen wird. Beim Radfahren bekomme sie den Kopf frei. Es sei für sie ein hervorragender Ausgleich zum Politikeralltag. Ein Allheilmittel ist es indes leider nicht, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat.

Als Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke wird Wagenknecht im Herbst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stehen. Bis dahin muss sie weiter dem stressigen Politikerleben standhalten. Sie pendelt zwischen Berlin und dem Saarland hin und her, und gerade in WahlkampfSaarland Wahlkampfzeiten geht es sehr hektisch zu. Die Tatsache, dass sie eine der bekanntesten Politikerinnen Deutschlands ist, die mit ihren Aussagen oft polarisiert, macht ihren Alltag nicht gerade einfacher. Aber, und hier kommen wir zur Parallele des Radfahrens, halbe Sachen macht sie nicht – sie verfolgt ihre Ziele beharrlich und scheut keine Konfrontation. Ihre Anhänger bezeichnen sie daher als geradlinig und konsequent, Kritiker hingegen würden sie wohl eher dickköpfig nennen. Nur folgerichtig aber auch, dass sie nach längerer Erschöpfung nun konsequent beruflich deutlich kürzertreten wird.

Keine halben Sachen

Sie selbst sagt, dass sie in die Politik gegangen sei, „um etwas zu verändern“. Seit 2009 hat Wagenknecht ein Bundestagsmandat, seit 2015 führt sie gemeinsam mit Dietmar Bartsch die Fraktion der Linken. Mit der Mitgründung der Sammlungsbewegung „aufstehen“ im September 2018 zog sie innerparteilichen Unmut auf sich. Den Vorwurf, damit die Linke zu spalten, weist Wagenknecht zurück. „Nach dem ernüchternden Ergebnis der Bundestagswahl 2018 und dem Weiter-So der Großen Koalition konnte es so einfach nicht weitergehen.“ Mit der Bewegung wollte sie auch Menschen erreichen, die sich von den klassischen Parteien abgewendet haben, und eine gesellschaftliche Mehrheit für linke Politik begeistern. Auch von diesem Engagement hat sie sich jedoch aus gesundheitlichen Gründen mittlerweile distanziert.

Rad fahren, auch im Urlaub

Schon seit ihrer Kindheit begleitet sie dieser Ehrgeiz, selbst gesteckte Ziele zu erreichen, auch das Radfahren gehört dazu. Beigebracht hat es ihr der Opa. „Ich hatte ein simples schwarzes Kinderfahrrad, ohne Gänge, auf dem ich mich auf Anhieb wohlgefühlt habe“, erinnert sie sich. Als sie dann in Berlin eingeschult wurde, war es mit dem Radfahren vorbei – zu gefährlich, denn Radwege gab es kaum. Und auch heute sagt sie, dass es ihr in Berlin nicht wirklich gefalle zu radeln – zu viel Verkehr, zu viele Baustellen und zu viele Abgase.

Für sich wiederentdeckt hat Sahra Wagenknecht das Radfahren erst im Saarland. Über 700 Kilometer umfasst das Radwegenetz im kleinsten Flächen-Bundesland der Bundesrepublik – wir befinden uns gerade auf dem Weg nach Fürweiler und steuern den nächsten Hügel an. Sahra Wagenknecht nimmt wieder ihre Bergauffahrposition ein und beschreibt, wie sie nach ihrem Umzug hierher Oskar Lafontaine überzeugte, mit dem Radfahren zu beginnen.

„An unserem Haus führen drei Radwege vorbei, ich habe vorgeschlagen, dass wir uns Räder kaufen und einfach loslegen – Oskar nahm zunächst ein EBike und ich ein normales Rad.“ Mittlerweile sind beide auf herkömmlichen Trekkingrädern unterwegs und fahren gerne Touren von 100 Kilometern oder mehr.

Auch in den Urlaub nehmen sie die Räder mit, im Frühjahr geht es in die Provence, im Sommer in die Bretagne. Dort fahren sie lange Touren, sogar den legendären Mont Ventoux hat Wagenknecht einmal bezwungen, wie sie nicht ohne Stolz erzählt. Gut 3000 Kilometer sammelt sie so in der Saison von März bis Oktober – im Winter hält sie sich gemeinsam mit Oskar Lafontaine auf dem Heimtrainer fit. „Wenn man dabei Filme schaut, ist das gar nicht so langweilig“, sagt sie. Auch in ihrer Wohnung in Berlin hat sie einen Heimtrainer stehen, „damit ich während der Sitzungswochen wenigstens ein bisschen Bewegung bekomme“.

Der Traktor hat Vorfahrt, die Pferde sind neugierig – die ländlich geprägte Gegend ist für Sahra Wagenknecht ein schöner Ausgleich zum hektischen Berlin


FOTOS: B. HANSELMANN (2)

Hometrainer in den Sitzungswochen

Auf unserer gemeinsamen Tour haben wir mittlerweile Hemmersdorf erreicht und machen am Biergarten Wackenmühle Pause. Sahra Wagenknecht bestellt ein Wasser und schlägt nachdenkliche Töne an. Auf die Frage, was in ihren Augen einen erfolgreichen Politiker ausmache, sagt sie: „Dass man etwas gestaltet und konkret sagen kann, dass man in einem bestimmten Punkt das Land zum Besseren verändert hat.“ Um wieder mehr Wähler für ihre Partei zu begeistern, müsse man „die Sprache der Menschen sprechen, ihre Sorgen und Probleme ernst nehmen und sie nicht von oben herab belehren“, so Wagenknecht.

Sie blickt nach vorn: Im Herbst stehen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen Landtagswahlen an – dort ist die Linke traditionell stark, stellt in Thüringen den Ministerpräsidenten. Aktuelle Umfragen deuten allerdings an, dass es in allen drei Bundesländern schwierig wird, sich zu behaupten.

Wir setzen unsere Runde an der französischen Grenze fort und radeln entlang der Nied über Hemmersdorf und Fürweiler zurück nach Silwingen. Hier kommt Sahra Wagenknecht noch einmal auf das Thema „Politik gestalten“ zurück.

„Das Gestalten fehlt mir in meiner Politikerkarriere ja noch in dem Sinne, dass ich gerne direkt konkrete Verbesserungen für die Menschen in diesem Land umsetzen würde. Wenn ich das aber nicht erreiche und ich das Gefühl habe, als Abgeordnete nichts mehr bewegen zu können, würde ich mir überlegen, ob sich das Weitermachen lohnt“, sagt die 49-Jährige. Dann habe sie auch endlich wieder mehr Zeit zum Lesen, Bücherschreiben und natürlich zum Radfahren.

Vielleicht ist diese Zeit ja für sie schon greifbar nah. Geplant ist dann auf jeden Fall eine Fahrradtour, die sie schon lange machen will: „Einmal quer durch Frankreich, vom Saarland bis an die Atlantikküste.“

SAHRA WAGENKNECHTS STRECKE

Die Hausrunde von Sahra Wagenknecht (rund 43 Kilometer, knapp 700 Höhenmeter) führt von Merzig-Silwingen in Richtung Süden. Über Biringen geht es an einer Reitanlage vorbei nach Fürweiler und Hemmersdorf, von dort immer entlang des Flüsschens Nied an der Wackenmühle vorbei nach Niedaltdorf. Dort folgt man der Nied-Schleife und gelangt an der Rue de Grafenthal direkt an die deutschfranzösische Grenze. Zurück führt der Weg vorbei am Heimatmuseum Hemmersdorf und der Kirche St. Nikolaus wieder über Fürweiler und Biringen nach Silwingen.


FOTO: B. HANSELMANN