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BLACK ADAM


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Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 07.10.2022

Thema

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Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 5/2022

Pass auf!! Ein Blitz in der Bat-Höhle geht ja wohl gar nicht! – ermahnt Bruce Wayne alias Batman seinen jungen Gast, der ihn in Alex Ross’ und Jim Kruegers Kultcomic „Justice“ besucht und seine effektreiche Verwandlung vorführt. Doch nicht nur der Waisenjunge Billy Batson verfügt über die magische Fähigkeit, sich in einen fast allmächtigen Superhelden zu verwandeln. Der Zauberer Shazam hat im Laufe der Jahrtausende schon lange vor Batson „Champions“ ausgewählt und musste dies auch mindestens einmal bereuen. Im antiken Ägypten beispielsweise beeindruckte ihn ein Pharaonen-Sohn mit seiner Weltsicht und dem Drang, die Geschehnisse zum Besseren zu wenden. Daraufhin schenkte er Teth-Adam die Macht ägyptischer Götter, damit er ebendiesen selbstlosen Wunsch in die Tat umsetzen kann. Von hier an gibt es in den Comics verschiedene Handlungsversionen, die sich aber im Ergebnis gleichen: Aus dem ...

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... strahlenden „Mighty Adam“ wird durch intrigante Einflüsterungen, eigene Machtgier oder Rachegelüste (nach dem Mord an seiner Familie) nach hunderten Jahren „Black Adam“, der je nach Version den amtierenden Pharao stürzt oder die Mörder in seinem Land Kahndaq brutal erledigt. In einer neueren Version ist der Auserwählte sogar ein Sklavenjunge namens Amon, der seine neu gewonnenen Kräfte für seinen Onkel Adam opfert, um dessen mortale Verletzungen zu heilen. Statt nur einen Teil nimmt sich Adam die ganze Macht und übt blutige Rache für sein Volk. In jedem Fall kann dies der Magier Shazam nicht mit ansehen, weshalb er ihn je nach Version entweder tötet, indem er ihn seiner Kräfte beraubt und diese in ein Artefakt sperrt, oder indem er ihn gänzlich für tausende Jahre wegsperrt. Die interessanteste Comic-Verbindung zum Superhelden Captain Marvel/Shazam liest sich wie folgt: Das Artefakt wird in der Gegenwart von Archäologen geborgen – und zwar von Billy Batsons Eltern sowie von einem Forscher namens Theo Adam. Besessen vom Fund tötet letzterer seine Begleiter und macht Billy damit zu einem Waisen, während er die mächtigen Superkräfte des Artefakts erntet. Hierfür muss er nur das Zauberwort sagen und PENG! geht Black Adam wieder seinen imperialistischen Plänen nach.

Comics vs. Kino

Der neue DC-Helden-Film orientiert sich grob an diesen Handlungssträngen und wandelt sie ein wenig ab. So wird hier im antiken Ägypten Teth-Adams Tragödie um seinen Sohn Hurut und dessen Sinn für Gerechtigkeit in etwas anderser Weise erzählt, um klarzumachen, wie Adam so tickt: Weniger als Held für Einzelschicksale und mehr als potenzieller, zukünftiger Regent eines Landes, der das Ganze im Blick behalten muss. Als versklavter Gladiator unterliegt Teth-Adam seinem Joch, doch opfert sich sein Sohn den Göttern für das aus seiner Sicht größere Wohl. Adam wird eine unglaubliche Macht zuteil, bis er eingesperrt und erst 5 000 Jahre später von einer Expedition aus seinem Verlies geborgen wird.

DIE JUSTICE SOCIETY OF AMERICA

Diese Superheldengruppierung ist die offiziell erste des DC-Multiversums, ja sogar der Comic-Geschichte. Sie entstand 1940, also noch während des Zweiten Weltkriegs, und feierte in der dritten Ausgabe des Magazins „Allstar Comics“ ihr Debüt. Die Mitglieder waren im Prinzip die gleichen wie später bei der Justice League (ab 1960), welche mehr im zivilen Bereich unterwegs war als im militärischen. Da das Konzept der Superhelden-Gruppierung aber hauptsächlich absatztechnische Gründe für den DC-Verlag hatte – hier konnten immer wieder neue Helden eingeführt und getestet werden – überließen Superman, Wonder Woman, Batman, Green Lantern und Co. die Bühne häufig den unbekannteren Heroen. In „Black Adam“ versammelt sich daher mit Hawkman, Doctor Fate und den beiden Neulingen Cyclone und Atom Smasher also die B-Riege der DC-Helden, ganz nach Vorbild der früheren Comics. Man muss ihnen nur eine Chance geben und eventuell erhalten sie ihre eigene Serie.

BLACK ADAMS KRÄFTE

Der Finsterling besitzt die gleichen Kräfte wie sein Widersacher Shazam alias Captain Marvel. Anfangs hieß es noch, er habe die Macht von sechs griechischen Göttern – inzwischen wurden daraus einfach ägyptische Götter gemacht, die ganz ähnliche Eigenschaften haben:

Solomons Weisheit (alt.: Shu – Leben bzw. Unsterblichkeit/Unverwundbarkeit)

Herkules’ Stärke (alt.: Horus – Geschwindigkeit)

Atlas’ Ausdauer (alt.: Amun – Stärke)

Zeus’ magische Kraft (alt.: Zehuti – Weisheit)

Achilles’ Mut (alt.: Aton – magische Kraft)

Merkurs Geschwindigkeit (alt.: Mehen – Mut)

Im Kahndag der Gegenwart belehrt die Archäologin Adrianna Thomaz (Sarah Shahi), die ein göttliches Geheimnis hegt, ihren Teenager-Sohn Amon (wo haben wir diesen Namen schon mal gehört?) auf recht ähnliche Weise, dass die Behebung einer einzelnen ungerechten Situation nicht zwingend zur allgemeinen Verbesserung des Lebens der Menschen führen muss. Thomaz’ Kampf gilt der Untergrundorganisation „Intergang“, die mit ihrer Militärmacht das ganze Land unterdrückt und der die Archäologin ein mächtiges Artefakt entwendet. Das „Intergang“-Syndikat wird angeführt von Sabbac (Marwan Kenzari), der in dämonischer Gestalt zum Hauptgegner in diesem Film werden wird.

Doctor Fate vs. Schicksal

Zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort vereitelt der ägyptische, dauer-reinkarnierende Superheld Hawkman alias Carter Hall (im Film gespielt von Aldis Hodge) den Diebstahl eines blitzartigen Objektes namens „The Champion“ auf einer Mineralien-Ausstellung, wobei er den Dieb versehentlich tötet. Dieser sucht ihn später als Geist heim und beschert ihm qualvolle Visionen, bevor er verbannt werden kann. In Folge dieses schockierenden Ereignisses bemüht sich Hawkman um eine Erneuerung der Heldengruppe „Justice Society“ (JSA), indem er junge Rekruten wie etwa Cyclone (Quintessa Swindell) und Atom Smasher (Noah Centineo) anwirbt. Dass er in seinen Visionen nun ausgerechnet Doctor Fate (die DC-Version von Marvels Dr. Strange) gesehen hat, kann nur bedeuten, dass der Arzt Dr. Kent Nelson (Pierce Brosnan) in diesem Szenario ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Oder ist es eine andere Inkarnation des Doctor Fate, dessen Macht sich aus seinen Artefakten, dem Helm von Nabu sowie dem Amulett des Anubis, speist? Der Comic-Prolog des Films wirft jedenfalls viele Fragen auf, was natürlich sein Job ist, soll er doch Lust auf mehr machen.

Kent Nelsons mystische Kräfte lassen ihn in die Zukunft blicken und die Varianten des (DC-) Multiversums erkennen. In einer davon sieht er den wieder auferstandenen Black Adam (Dwayne Johnson), der entweder zum Zerstörer oder zum Retter der Welt werden könnte. Als Gründungsmitglied der Justice Society liegt ihm viel daran, Adam lieber vom zweiten zu überzeugen und auf seine Seite zu ziehen. Ob sich dieser allerdings zu einem Superhelden machen lassen will, ist fraglich.

The Rock vs. Image

Dwayne Johnsons aktuelles Rollen-Image ist das eines superstarken, charmanten, naturliebenden Sunnyboy-Kumpeltypen, der jeder Katastrophe gewachsen ist, sei sie auch noch so groß, Gegner kräftig auf die Gusche gibt und dennoch das Herz eines Kuschelbärs besitzt. Wie passt da wohl der Finsterling Black Adam in dieses doch sehr eng gefasste, wenn auch sympathische „Repertoire“? Schaut man auf die schauspielerischen Anfänge des kalifornischen Wrestling-Stars, so wurde „The Rock“ erst mit seiner kleinen Nebenrolle als Bösewicht in „Die Mumie kehrt zurück“ (2000) einem größeren Kinopublikum vorgestellt. Zwei Jahre später bekam er mit „The Scorpion King“ sogar sein eigenes Spin-off und tat es Arnold Schwarzenegger Image-mäßig gleich, indem er aus seinem Bösewicht einen Helden machte. Sein Charakter Mathayus ist eigentlich nur so mies drauf, weil dessen Land von einer Armee aus Invasoren überrannt und unterjocht wurde.

Folglich stellt er sich gegen den machthungrigen König Memnon und dessen Zauberin Cassandra, die ihm nicht ganz so feindlich gesinnt scheint, und versucht, vom armen Kämpfer zum wahren König und Verteidiger seines Landes aufzusteigen. Das kann er nur erreichen, wenn er den aktuellen König im Zweikampf schlägt. Cassandra sieht zwar in einer Vision Mathayus’ Tod voraus, dieser ist aber überzeugt davon, sein eigenes Schicksal bestimmen zu können. Dass er dann später seine Armee verwendet, um die Welt zu erobern, bei diesem Kampf seine gesamte Bagage verliert und dank eines magischen Paktes mit Anubis doch noch seine Rache erhält, ähnelt ebenfalls sehr stark Johnsons neuester Black-Adam-Rolle. Auch der Scorpion King erwacht im 20. Jahrhundert zu neuem Leben, um die dortigen Archäologen und Abenteurer zu terrorisieren. Dass Johnson also 20 Jahre später erneut einen solch zwiespältigen und imperialistischen Antihelden spielt, fühlt sich nur natürlich an. Und eigentlich muss er dafür ja nur wieder den Baddy mimen und ihm einen weichen Kern verleihen, also das, was er eigentlich immer macht: Seine gut verborgene „Zahnfee auf Bewährung“ gelegentlich unter den „Pain & Gain“-Muckies hervorholen.

Marvel vs. DC

„Black Adam“ wird also keine düstere „300“-Nummer mit einem Typen, der Rache übt, denn auch der Anti-„Shazam“ besitzt einen gewissen Humor, der sich häufig im Kontrast zwischen dem bitterbösen Rachegott und den harmlos-drolligen Menschen der Gegenwart widerspiegelt. Ursprünglich sollte der Film auch beide Shazam-Helden aufeinander treffen lassen, doch man entschied sich für getrennte Filme, weshalb sich nun die Justice Society umso intensiver um den ägyptischen Bad-Ass kümmern muss. Vielleicht trifft es auch die Bezeichnung „Anti-Bösewicht“ besser, denn durch seinen moralischen Kodex distanziert sich Adam von stereotypen Fieslingen. Derweil erlebt sein optimistischer Teenager-Kollege in „Shazam! Fury Of The Gods“ im nächsten Jahr mit seiner ganzen Familie die erste Fortsetzung des Comedy-Erfolgs von 2019.

Für Regisseur Jaume Collet-Serra ist es nach „Jungle Cruise“, der letztes Jahr aus Pandemie-Gründen verspätet ins Kino kam, bereits die zweite Zusammenarbeit mit Dwayne „The Rock“ Johnson, der hiermit seinen Einstand in der Welt des Superheldenkinos gibt. An diesen beiden Produktionen lässt sich erkennen, dass Johnson, der hier auch als ausführender Produzent beteiligt ist, sowohl mit Warner (DC) als auch mit Disney (Marvel) ganz gut auskommt. Vielleicht schafft er es ja, mit seinem Charme beide Welten zu vereinen und, wie in der Comic-Welt der 90er Jahre bereits geschehen, ein filmisches „DC vs. Marvel“-Kino-Event auf die Beine zu stellen. Mit seiner Statur erscheint es nur natürlich, dass „The Rock“ einen der mächtigsten DC-Antihelden ausfüllt, der möglicherweise sogar mehr Power als Superman besitzt. Obwohl er seinen Körper monatelang im voraus mit einem heftigen Spezialtraining stählte, soll sein Heldenkostüm angeblich trotzdem noch ausgepolstert gewesen sein. Darüber braucht er aber nicht traurig zu sein. Seinen ebenfalls gepolsterten „Shazam“-Kollegen, den „American Underdog“ Zachary Levi, sticht er doch locker aus, oder? Ab dem 20. Oktober lässt sich Johnsons Trainings-Erfolg auch trotz Kostüm auf der großen Kino-Leinwand begutachten.

FALKO THEUNER