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Blackrock: Fels in der Brandung oder Bedrohung?


Made in Germany - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 31.05.2019

Für ihre Kunden ist die führende US-Investmentgesellschaft Blackrock der Finanzpartner ihres Vertrauens, ihre Kritiker jedoch sehen sie als „heimliche Weltmacht“ oder „Schattenbank“, der die Regulierer auf die Finger klopfen sollten. Wer steckt hinter dem als Imperium geltenden Unternehmen, wie agiert es, und wo strebt es hin?

Artikelbild für den Artikel "Blackrock: Fels in der Brandung oder Bedrohung?" aus der Ausgabe 2/2019 von Made in Germany. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago images / Pacific Press Agency


So wuchtig wie das Wort „Rock“ (Fels) im Firmennamen nahelegt, ist Blackrock tatsächlich: eine US-amerikanische Investmentgesellschaft, die es zu weltumspannender Macht gebracht hat. Der Unternehmer Larry Fink gründete sie im Jahr 1988 in ...

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... New York, heute ist er in Personalunion Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender. Ende 2017 verwaltet der „Schwarze Fels“ ein Vermögen von 6,29 Billionen Dollar. Nur einige Notenbanken haben mehr Geld unter ihren Fittichen als Finks Gesellschaft. Stellt man das Vermögen, über das dieses Unternehmen weltweit treuhänderisch für Anleger wacht, dem globalen Geld- und Immobilienvermögen gegenüber, das die Credit Suisse in ihrem Global Wealth Report 2017 mit 280.000 Milliarden Dollar beziffert, befinden sich unter dem Blackrock-Dach 2,1 Prozent davon.

Der Forbes-Global-2000-Liste mit den weltweit größten börsennotierten Unternehmen zufolge rangiert dieses New Yorker Investmenthaus an 185. Stelle (Geschäftsjahr 2017). Mitte 2018 belief sich der Börsenwert des Unternehmens auf ca. 87 Milliarden Dollar. Zweifellos sind dies eindrucksvolle Zahlen, aber angesichts der Dynamik von Blackrock stellt sich rasch die Frage, ob dies noch eine gesunde Größe für ein Unternehmen ist oder ob dieser Status die globale Finanzstabilität gefährdet.

Expansion von Beginn an
Zunächst unter dem Dach der im Bereich Private Equity und Hedgefonds aktiven Blackstone Group gegründet, wurde Blackrock 1994 eigenständig. Von Beginn an leiteten Larry Fink und Robert S. Kapito den „Schwarzen Fels“. Im Jahr 1995 schloss sich die Investmentgesellschaft mit der PNC Financial Services zusammen, wobei Finks Firma die offenen Investmentfonds übernahm.

An die Börse schaffte es Blackrock 1999, seither listet die New York Stock Exchange die Investmentgesellschaft unter dem Kürzel BLK. Mit dem Willen zur Expansion ging es weiter, sodass das Finanzhaus 2006 mit der Tochtergesellschaft der Bank of America Corporation Merrill Lynch & Co., Inc. fusionieren konnte – ein Schritt, mit dem es der „Schwarze Fels“ zur Verwaltung eines Vermögens von 1,1 Billionen Dollar brachte. Damals stand das Unternehmen bereits mit an der Weltspitze der Vermögensverwalter. Auch die Übernahme des Dachfondsgeschäfts von Quellos Capital Management 2007 war ein Meilenstein dieser Expansionsgeschichte. Im Jahr 2009 „vereinnahmte“ Finks Unternehmen die Vermögensverwaltung Barclays Global Investors (BGI) inklusive der Sparte iShares für 13,5 Milliarden Dollar, womit sich das Unternehmen auf den Platz des weltweit größten Vermögensverwalters hievte.

Anteilseigner, Kunden, Beteiligungen
Als institutionelle Anteilseigner von Blackrock fungieren PNC Financial Services (rund 25 Prozent) an erster Stelle, gefolgt von der Vanguard Group (6,23 Prozent), danach kommt BlackRock Inc. selbst (5,27 Prozent) vor Capital World Investors (5,16 Prozent) (Stand März 2018). Die Macht des riesigen „Kraken“ der Vermögensverwaltung spiegelt sich weltweit wider, denn er sitzt in 30 Ländern mit 70 Außenstellen. Der Löwenanteil seiner Klientel, die in 100 Länder verstreut ist, befindet sich in Europa – darunter klingende Namen wie UBS, die Europäische Zentralbank und das britische Finanzministerium.

Darüber hinaus ist die Investmentgesellschaft an Unternehmen auf der ganzen Welt beteiligt, an US-Großbanken ebenso wie an Rüstungs- und Ölkonzernen, Apple, McDonalds, Nestlé sowie am Agrargiganten Monsanto.

Machtsäule von Blackrock: ETFs

In Europa hält iShares aus dem Hause Blackrock laut WirtschaftsWoche einen Marktanteil von 44 Prozent und mit 299 Milliarden Euro betreutem Geld einen Großteil der europäischen ETFs (ETF: Ex- change-Traded Fund, börsengehandelter Fonds). Da konnten die Wettbewerber zumindest mit Stand von Ende 2017 bei Weitem nicht Schritt halten: Die DWS-Marke Xtrackers rangierte zu diesem Zeitpunkt auf Platz zwei mit 71 Milliarden, die Société Générale-Tochter Lyxor folgte mit 64 Milliarden Euro.

ETFs lassen Kapital in Unternehmen eines ausgewählten Index fließen, einem Wertpapiergebilde aus Aktien oder Anleihen. Da sie hier keinen Fondsmanager benötigen, können Kleinanleger sich via ETFs ohne enormen Kostenaufwand an vielen Unternehmen beteiligen. An der Wall Street genießen diese Fonds den Ruf, eines der wenigen florierenden Geschäfte zu sein: Innerhalb von knapp zehn Jahren (bis 2014) hatten 2,7 Billionen Dollar diese Fonds „gefüttert“, eine Billion davon entfielen auf Blackrocks ETF-Segment.


weltweit größte Schattenbank


Mächtig umstritten
Nicht von ungefähr kommt es also, dass Blackrock ein Global Player ist, an dem sich die Geister scheiden: Zum einen sind Pensionskassen, Lebensversicherer, Versorger sowie Privatleute seine treuen Kunden und lassen ihn über mehr als 6.000 Milliarden Dollar herrschen. Für sie ist das Unternehmen ein vertrauenswürdiger Geldmanager, der ihnen oftmals günstigere Investmentprodukte als andere Anbieter beschert.

Doch zum anderen gilt das Unternehmen nicht nur Wikipedia zufolge als „heimliche Weltmacht“ und „weltweit größte Schattenbank“, die nach Meinung ihrer Kritiker wirtschaftlich und politisch bei Weitem zu viele Strippen zieht. Laut Financial Stability Board (FSB), einem Vebund der 20 größten Wirtschaftsnationen, stehen Schattenbanken für eine „Kreditvermittlung, die außerhalb des regulären Bankensystems“ abläuft. Diese Organisationen müssen sich nicht nach den üblichen Regeln für Banken richten. Jene Geldinstitute haben Zugang zur Zentralbank, und es ist ihnen erlaubt, Spareinlagen anzunehmen, für die eine staatliche Einlagensicherung bürgt; diese Banken der „normalen Art“ stehen jedoch auch unter rigiden Vorschriften.

Interessenkonflikte vorprogrammiert
Bei Blackrock und seinem Business sind Interessenkonflikte vorprogrammiert, meinen kritische Stimmen: Ob in Deutschland Autos vom Band laufen oder in Afrika nach Gold gegraben wird oder in den USA Medikamente produziert werden – all dies begünstigt auch die Fonds dieses Giganten und seiner Kunden. Heike Buchter, Autorin eines Buchs über das Unternehmen mit dem Titel BlackRock: Eine heimliche Weltmacht greift nach unserem Geld, äußert, noch nie habe ein Imperium der Finanzwelt wie dieses existiert, und niemand wisse genau, wann und wo es sich problematisch auswirke. Stets drohe irgendwo ein Interessenkonflikt, weil Finks Gesellschaft an enorm vielen Stellen ihre Finger im Spiel habe.

Im Jahr 2014 schrieb die Zeit, dass weder Regierungen noch Behörden eine so tiefschürfende Sicht auf und in die globale Lage der Finanzwelt und der Unternehmen wie Blackrock haben. Diese „Power“ bezeichnete der US-amerikanische Milliardär, Großinvestor und Kritiker des „Schwarzen Fels“ Carl Icahn als „sehr gefährlich“. Da ein solches Imperium immer auf der Gewinnerseite bleiben wolle, auch beim Abstoßen verlustreicher Aktien, könne dies im ungünstigsten Fall eine Verkaufswelle (Fire Sale) auslösen, die letztendlich die Wertpapierpreise zum Einsacken brächte. Auch ein Vermögensverwalter in Bedrängnis könnte einen solche Welle lostreten, da er Aktien und andere Kapitalanlagen rasch loswerden müsse, wenn Investoren um ihr Geld bangten. Eine Sturzwelle von Verkäufen könne die Folge sein, insbesondere wenn ein Big

Player wie Finks Investmentgesellschaft mitmische.

Eine Investmentgesellschaft, die der Regulierung bedarf?
Vergleichbar stehe es mit der „Gefahr des Herdentriebs“, die das Office of Financial Research in Washington feststellte. Dabei würden „alle in die gleiche Richtung rennen“ und auf die gleichen Anlagen stürmen, was die Preise nach oben schießen und „Spekulationsblasen“ aufblähen könnte. Doch der „Schwarze Fels“ äußerte gegenüber der Zeit, sich anhäufende Verluste und Marktschwankungen „könnten nicht automatisch zu einem Massenrückzug von Anlegern und einem Fire Sale führen“.

In den USA überlegten Regulierer bereits im Jahr 2014, Investmentgiganten wie Blackrock als „relevant für das Finanzsystem“ zu markieren. Somit stünden diese Unternehmen dann unter besonderer Aufsicht. Allerdings handelte Finks Gesellschaft hier rasch und aktivierte ihre Lobbyisten, sodass diese Idee im Sande verlief. Gegenüber der Zeit äußerte Blackrock, „um eine Systemkrise zu verhindern, sei ein Regulierungsansatz, der sich auf einzelne Anlageprodukte beziehe, besser geeignet als die Regulierung einzelner Unternehmen“.

Persönlichkeit der Finanzwelt
Wer ist nun dieser Larry Fink? Nichts weniger als den „Mann, der den Dax beherrscht“ sah die Wirtschaftswoche in ihm. Auch der Focus nannte ihn den „mächtigsten Mann der Wall Street“. Fakt ist, dass enorm viele Privatleute, Firmen und staat-liche Organisationen diesem Manager ihr Kapital anvertrauen. Was er entscheidet, bestimmt u. a. die Entwicklung der Rentenansparungen von Millionen Arbeitern in den USA, da Blackrock 93 Prozent dieser Rücklagen verwaltet.


Der Mann, der den Dax beherrscht.


Laurence „Larry“ Douglas Fink kam am 2. November 1952 in Los Angeles als Sohn einer Englisch-Professorin und eines Schuhgeschäftinhabers zur Welt. Er studierte Politikwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre an der University of California in Los Angeles (UCLA). Nach Ende seines Studiums war er als Trader bei der Invest mentbank First Boston tätig, wo er sich keine Lorbeeren holte, denn aufgrund falscher Zinsprognosen kam es zu einem Verlust von 100 Millionen Dollar, der in seiner Verantwortung lag. Sein Ruf als Trader stürzte ab.

In den Achtzigern war Fink unter den Köpfen, die jene Hypothekenpapiere entwickelten, deren gebündelte Implosion sich 2008 zur gewaltigen Finanzkrise auswuchs. Aufgrund ihres Wissens und ihrer Erfahrung avancierten Fink und seine Mitarbeiter zu gefragten Experten für Investoren und Banker. Von einer kleinen Beraterfirma wurde der „Schwarze Fels“ zum Branchenprimus.

In ihrem Buch schreibt Buchter über Fink: „Der einflussreichste Mann der modernen Finanzwelt sieht auf den ersten Blick aus wie sein eigener Buchhalter.“ Ihrer Ansicht nach hat der Finanzmanager erreicht, was sonst niemand in einem solchen Zeitraum hinbekommen hat: „Er hat sich sein eigenes Wall Street-Imperium gezimmert. Innerhalb von nicht mal drei Jahrzehnten.“

Mittlerweile ist Fink, übrigens Träger des renommierten Woodrow Wilson Awards (Verleihung 2010), auch Milliardär. Er gehört seit April 2018 zu diesem illustren „Club“, an dessen Spitze sich Jeff Bezos, seines Zeichens Amazon-Chef, mit 120 Milliarden US-Dollar behauptet. „Fink ist nun dort oben zusammen mit Namen wie Jamie Dimon und Warren Buffett“, kommentierte Kyle Sanders, Analyst bei Edwards Jones, dem Nachrichtenhaus Bloomberg zufolge.

Jüngere Entwicklung in Zahlen
Wie steht es in jüngerer Zeit um Blackrock? Mitte Oktober 2018 verkündete das Unternehmen eine Gewinnsteigerung, doch sein Aktienkurs purzelte. Im dritten Quartal 2018 übertraf der Gigant der Vermögensverwaltung mit einem Ertrag von 1,4 Milliarden Dollar die Prognosen: Analysten hatten 6,84 Dollar pro Aktie erwartet, doch es waren 7,52 Dollar. Dennoch sank der Kurs des Investmenthauses an der Wall Street um mehr als 5 Prozent.

Alles in allem steckten die Investoren netto zwar knapp 11 Milliarden Dollar an neuem Kapital in Blackrock-Produkte, aber die institutionellen Großinvestoren entnahmen netto knapp 25 Milliarden Dollar. Fink war laut Handelsblatt „nicht besonders glücklich“ mit dieser Entwicklung. „Die Anleger gehen aus dem Risiko, weil die Geldpolitik (in den USA und Europa) auseinanderläuft und sie geopolitische Unsicherheiten erkennen“, kommentierte er. Hingegen ermöglichten börsengehandelte Indexfonds neue Investments – ein wachsender Bereich, in dem Blackrock mit iShares an der Spitze steht; fast 34 Milliarden Dollar strömten hier im dritten Quartal 2018 vonseiten der Anleger hinzu.


@@Wohin steuert Blackrock?


Laut Handelsblatt h at F inks G esellschaft d amit begonnen, sich für die Zukunft neu zu positionieren. Das zeige „die Zusammensetzung der Einnahmen“. So stamme der Löwenanteil der rund 3,6 Milliarden Dollar im dritten Quartal aus fixen Gebühren. Die Erfolgsboni, die Fondsmanager bei Topleistungen beziehen, seien hingegen merklich gefallen.

Künftig baue Fink insbesondere auf Einnahmen aus der Technologieplattform Aladdin, auf der auch andere Verwalter Portfolios innehaben und Risiken überwachen können. Aladdin trug im Oktober 2018 etwas mehr als 5 Prozent zu den Einnahmen von Blackrock bei. Fink zufolge sollen es in vier Jahren 30 Prozent sein. Der weltgrößte Investmentmanager hat zwar mit vergleichbaren Anforderungen wie seine Branchengenossen umzugehen, profitiert aber aufgrund seiner technologischen Ausrichtung von einem Wettbewerbsvorteil.

Das Handelsblatt resümierte Mitte Oktober 2018, dass der Aktienkurs des Giganten viele Jahre eine positive Entwicklung aufgezeigt habe, seit Januar 2018 sei er jedoch um beinahe ein Drittel gefallen. Doch ist das mittel- bis langfristig tatsächlich ein Dämpfer für den „Schwarzen Fels“?

Blackrock in Deutschland Deutschland

Auch hierzulande mischt der Big Player der Vermögensverwaltung an dominanter Stelle mit. Er hat sich zum Teil stattliche Beteiligungen an allen 30 DAX-Firmen einverleibt, etwa bei Bayer, Daimler und Deutsche Post, und steht so als der größte Einzel aktionär an der Deutschen Börse da. Auch z. B. beim Modehaus Boss und bei der Deutschen Annington, einer Wohnungsbaugesellschaft, hält das New Yorker Investmenthaus wichtige Finanzfäden in der Hand. Daher darf Finks Großfirma bei der ein oder anderen Entscheidung in verschiedener dieser Organisationen ihr Veto einlegen. An sich seien solche Beteiligungen nicht besonders bedenklich, so Buchter, aber natürlich stecke da schon einiges hinter: „In der heutigen Zeit, wenn man vier, fünf oder sechs Prozent Aktien an einem Unternehmen hält, dann ist man schon eine mächtige Nummer. Da kannst du anrufen und der Chef ist dran. Und das kannst du auch erwarten.“

Seit März 2016 agiert der deutsche Rechtsanwalt und Lobbyist Friedrich Merz, ehemals bekannt als CDU-Spitzenpolitiker, als Aufsichtsratsvorsitzender und Berater der BlackRock Asset Management Deutschland AG. Die deutschen Niederlassungen des „Schwarzen Fels“ sind in Frankfurt am Main und München angesiedelt.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im September 2018 äußerte sich Fink auch zu deutschen Unternehmen: „Es ist in Deutschland so wie in anderen Ländern. Viele Unternehmen sind sehr gut geführt, während es bei anderen Unternehmen notwendig ist, klarer auf eine langfristige Strategie hinzuwirken. Das ist auch eine Aufgabe von Aufsichtsräten und ihren Vorsitzenden.“ Auch erläuterte er, dass sein Unternehmen „deutscher“ werden wolle – womit er meine, dass seine Firma global sei, aber der „Zugang zu den einzelnen Märkten muss ein lokaler sein“, damit Blackrock seine Klientel noch besser betreuen könne.

Foto: levradin/Shutterstock.com

Fotos (v.l.n.r.): KatherineWelles/Shutterstock.com, Antonios/Fotolia.com