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BLAUFLOSSENTHUNE: DÄNEMARK: DIE RÜCKKEHR DER THUNE


Kutter & Küste - epaper ⋅ Ausgabe 79/2019 vom 06.12.2019

Die Blauflossent hune sind zur ück in Dänemark. Dr. Sven Hille und Jü rgen Oeder über Ursachen, ak tuelle Erkenntnisse und Perspektiven.


Artikelbild für den Artikel "BLAUFLOSSENTHUNE: DÄNEMARK: DIE RÜCKKEHR DER THUNE" aus der Ausgabe 79/2019 von Kutter & Küste. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kutter & Küste, Ausgabe 79/2019

Über 70 Boote aus Dänemark, Schweden und Deutschland nahmen an der Thun-Markierungsaktion 2019 teil – Starthafen war das dänische Skagen an der Nordsee.


Der Däne Jan Svenstrup und seine Crew auf der MY DREAM gehörten beim 2019er Projekt zu den erfolgreichsten Booten.


Big Game vor der Haustüre, mal eben so 200 bis 300 Kilo schwere Blauflossenthune fangen? Der extrem wanderfreudige Blauflossenthun gehört weltweit zu den begehrtesten Fischen. Wohl kaum ein Angler in unseren ...

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... Breiten weiß, dass diese majestätischen Fische auf ihren Fresswanderungen einst Jahr für Jahr bis in den Öresund zogen, auf der Jagd nach Makrelen, Heringen und Hornhechten. Das Vorkommen der Fische war so beständig, dass sich dort nach dem zweiten Weltkrieg auch eine hervorragende Thunfischangelei entwickelte und sogar internationale Angelwettbewerbe mit über 100 Booten ausgetragen wurden. Doch Mitte der 1960er Jahre brachen die Bestände wegen der einsetzenden industriellen Überfischung zusammen und so blieben die Thune plötzlich aus. Niemand rechnete wohl ernsthaft damit, dass die Fische wieder in nennenswerten Mengen dorthin zurückkommen.

Die Wende und ihre Ursachen
Doch das Unerwartete passierte: Ab 2015 häuften sich sowohl Sichtungen als auch Beifänge vom Skagerrak und Kattegat bis in den Öresund. Zu verdanken haben wir diese Entwicklung der Griechin Maria Damanaki in ihrer damaligen Funktion als EU-Fischereikommissarin. Sie sorgte dafür, dass ab 2007 umfassende Änderungen im Fischereimanagement durchgesetzt wurden. Diese beinhalteten neben einer drastischen Senkung der Fangquote ein Heraufsetzen der Mindestanlandegröße, die Ausweitung der Schonzeiten sowie strengere Auflagen zur Dokumentation der Fänge. Mit Erfolg: Die Zahl der Fische nahm wieder zu. Die Thune entdeckten alte Wanderrouten neu und zogen nach dem Laichen von den Balearen im Mittelmeer in den Atlantik und über die Biscaya, Südengland und Irland wieder vor die skandinavischen Küsten. Glücklicherweise sind im Nordostatlantik nach sehr schlechten Zeiten die Bestände von Makrelen und Heringen aktuell wieder in einem sehr guten Zustand, weshalb die immer hungrigen Wanderfische hier wieder einen reich gedeckten Tisch vorfinden.

René Kempf an Bord der TRIPLE HOOK mit einem kampfstarken Blauflossenthun im Drill.


Über 90 Thune wurden bisher vor Skagen mit PSAT- Ta gs ma r - kiert. Die aufgezeichneten Daten erlauben detaillierte Rückschlüsse auf das Wanderverhalten der Fische.


Kräftige Circlehooks ab Größe 10/0 sind P flicht, wenn auf Fische der 300-Kilo -Klasse geangelt wird.


Die Erforschung der Rückkehrer
Die Rückkehr der Fische weckte sofort Begehrlichkeiten sowohl der Fischerei, aber auch das Interesse der Wissenschaft. Seit 2017 erforscht Professor Brian MacKenzie von der Dänischen Technischen Universität mit seinem Team in Zusammenarbeit mit der ICCAT (International Commission for the Conservation of Atlantic Tuna) und durch finanzielle Zuwendungen von Firmen, Stiftungen und Institutionen die Rückkehrer. Im Rahmen intensiver Markierungskampagnen in den Gewässern vor dem norddänischen Skagen wurden 2017, 2018 und 2019 mehr als 160 Blauflossenthune gefangen, vermessen und markiert. Dies war nur möglich durch den freiwilligen Einsatz von hunderten engagierten Anglern aus Dänemark, Schweden und Deutschland, die mit ihren Booten jeweils für ein bis zwei Wochen am „Scandinavian Bluefin Marathon“ genannten Tagging-Projekt teilnahmen (Tagging = Markieren). Die Forscher wollen mit ihren Studien unter anderem herausfinden, woher die Tiere stammen, wie viele unter die Küsten kommen und wie groß und wie alt sie sind. Die Antworten auf diese Fragen können dann später auch als Basis für Entscheidungen dienen, ob eine nachhaltige Befischung der Bestände möglich ist. Aufgrund der Besonderheiten im Lebenszyklus der Blauflossenthune ist eine genaue Kenntnis der Aufenthaltsorte und das Verhalten der Fische die Basis für ein nachhaltiges Bestandsmanagement. Aktuelle Forschungsergebnisse norwegischer Wissenschaftler zeigen, dass 13 Prozent der vor ihrer Küste beprobten Thune nicht im Mittelmeer laichen, sondern aus einer Population im Golf von Mexiko stammen!

Markierungen liefern wertvolle Daten
Für die Markierung kamen dabei unterschiedliche Tags zum Einsatz: T-Tags, Acoustic-Tags und PSAT-Tags. Während erstere eine individuelle Nummer enthalten, über die ein Fisch beim späteren Wiederfangen identifizierbar ist und somit Zuwachsraten und grobe Rückschlüsse auf das Wanderverhalten möglich sind, senden Acoustic-Tags Signale aus, die von „Abhörstationen“ empfangen werden können. Diese Tags sind dauerhaft am Fisch befestigt und dadurch kann über einen langen Zeitraum das Bewegungsverhalten der Fische verfolgt werden. Die meisten Daten liefern die sogenannten Pop-Up Satellite Archival Tags (PSAT). Diese zeichnen kontinuierlich Informationen zur Tauchtiefe, Temperatur, Lichtintensität und den Salzgehalt auf und speichern die Werte.

Der Bornholmer Jan Rasmussen fischte 201 8 den Sender eines 2017 markierten Thuns an fast derselben Position wieder aus dem Wasser.


Wie die ersten Forschungsergebnisse zeigen, ziehen die Thunfische nach dem Verlassen der sommerlichen Jagdgründe im Norden wieder zurück in Richtung Süden.


Diese Messergebnisse zeigen, dass Thunfische wahrscheinlich auf der Jagd bis in Tiefen von über 200 Meter abtauchen!


Rekonstruktion der Wanderwege
Aus diesen Parametern können Ozeanographen später die Wanderwege der Fische rekonstruieren. Diese Tags werden so programmiert, dass sie sich nach 3 bis 12 Monaten vom Fisch lösen. Danach treiben sie an der Meeresoberfläche und übermitteln neben der Position auch einen Großteil der gespeicherten Daten. Die ersten überraschenden Ergebnisse lagen bereits wenige Wochen nach Abschluss des ersten Taggingprojekts 2017 auf dem Tisch. Die ersten „aufgepoppten“ PSAT-Tags von zwei Fischen zeigten, dass diese vom Skagerrak direkt Kurs in Richtung Biscaya nahmen, offensichtlich auf dem Weg zu ihren Winterfressplätzen.

Den Nachweis, dass dieselben Fische Jahr für Jahr an denselben Futterplätzen auftauchen, lieferte der PSAT-Tagg eines 2017 markierten Thuns, der beim Folgeprojekt 2018 vom Bornholmer Jan Rasmussen aus dem Wasser gefischt wurde. Aktuell arbeiten die Wissenschaftler weiter intensiv an der Auswertung der von den Tags gespeicherten Daten. Auf die Ergebnisse dürfen wir alle gespannt sein. Und wir dürfen hoffen, dass diese Informationen einen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung der Bestände ermöglichen und die beeindruckenden Blauflossenthune noch lange Bestandteil der heimischen Tierwelt bleiben. Die Chancen dafür würden deutlich besser stehen, wenn Damanakis Nachfolger im Amt des EU-Fischereikommissars, der einstige maltesische Industrieminister Kamenu Vella, den Schutzplan der mutigen Griechin nicht wieder gekippt hätte.

MEHR…

QR-Code scannen und Film über das Markierungsprojekt anschauen oder folgenden Link bei YouTube eingeben: https://youtu.be/qYYjdo2qTCg


FOTOS: DR. SVEN HILLE/HENRIK BAKTOFT/WWW.SVENSTRUPSPORTFISHING.DK