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Blick in die Zukunft


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St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 50/2022 vom 14.04.2022

BUNDESBERUFSREITERTAG 2022

Ein Wochenende unter Corona-Auflagen in Ankum war angesetzt für den Bundesberufsreitertag 2022, das Thema: „Dem Pferde verpflichtet – dem Sport verbunden. Heute und in der Zukunft. Heute Entscheidungen treffen für morgen“.

Neben der Delegierten-und der Mitgliederversammlung sowie der Stensbeck-Feier und einem emotionalem Abschied (s. Kasten rechts) gab es spannende Vorträge und Praxisdemonstrationen. Ein letztes Mal eröffnete BBR-Präsident Burkhard Jung die Tagung, passend zum Thema mit einem Zitat von Albert Einstein: „Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst etwas dafür zu tun, ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten.“

Mit einer „Herzensangelegenheit“ war Referent Thomas Casper vom Gestüt Birkhof aus Baden-Württemberg angereist. Er sprach über den Reitsport in der Gesellschaft und wie groß die Notwendigkeit sei, die Gesellschaft im Allgemeinen und Kinder ...

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Junge Springpferde ausbilden ? das war ein Thema beim Bundesberufsreitertag 2022.
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... im Besonderen in unseren Sport zu integrieren. „Es bewegt sich insgesamt zu wenig“, betonte Casper. Pferde verschwinden mehr und mehr aus dem Blickpunkt, sie seien immer weniger präsent in den Medien – außer es gehe um einen Skandal, selbsternannte Tierschützer seien auf dem Vormarsch. „Wir (!) sind die Tierschützer“, so Casper. „Jeder von uns muss für das Pferd einstehen, für das Pferd kämpfen. Wir warten bis ein Skandal kommt und reagieren dann, aber wir müssen agieren. Wir müssen die Gesellschaft mitnehmen, ansonsten reiten wir irgendwann nicht mehr!“ Einer der wichtigsten Punkte ist für Thomas Casper der Nachwuchs.

Für den müsse es unbedingt mehr Reitschulen in Deutschland geben. Kinder aufs Pferd sei die Devise. „Unser Ziel muss sein, dass jedes Kind mindestens einmal im Leben die Faszination Pferd erleben konnte. Das ist unsere Zukunft!“ Beispielhaft fragt er, was VW und BMW wohl machen würden, wenn es zu wenig Fahrschulen gäbe. Sie würden alles dafür tun, dass mehr eröffnen. Denn das sind zukünftige Autofahrer. Dasselbe lässt sich für den Reitsport zeichnen. „Da ist dann die FN gefragt.“ Casper zeigte Möglichkeiten auf, die Gesellschaft mit einzubeziehen: Kindergärten besuchen, einen Tag der offenen Tür veranstalten, ein Volleyballturnier mit der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Ort am Turnierabend ausrichten, Ponyreiten anbieten, Kindergärten auf das Turnier einladen und mit den Kindern den Parcours abgehen oder eine Sieger- ehrung zu Fuß, bei der die Reiterinnen und Reiter ein Kind an die Hand nehmen wie beim Fußball.

Das ganze Jahr Turnier

Über das „System Peelbergen“ referierte Ken Ruysen, Direktor des Turnier-und Reitsportzentrums im niederländischen Peelbergen. Er erläuterte, wie das Zentrum aufgebaut ist und wie die zahlreichen Events umgesetzt werden. Um z. B. die Zusammenarbeit mit der niederländischen FN zu vereinfachen, gibt es eine gesonderte Kategorie, in der Prüfungen stattfinden können, ohne dass der Verband zwischengeschaltet ist. Der Fokus dieser Prüfungen liegt mehr auf dem Training, sie fließen nicht in offizielle Wertungen mit ein. Die Resultate sind aber alle digital abrufbar. Peelbergen wurde innerhalb von drei Jahren aufgebaut für 12 Millionen Euro mithilfe von 45 Gründern, Eröffnung war 2015. Das Zentrum, das eine Stunde von Aachen entfernt liegt, ist sieben Tage die Woche geöffnet für den Basissport genauso wie für Amateure und Spitzensportler sowie für Zuchtveranstaltungen. Es gibt vier Reithallen, fünf Außenplätze und Platz für 600 Pferde.

200 Events pro Jahr kann man in Peelbergen besuchen, insgesamt 50.000 Pferde werden jährlich gezählt. In den Amateurprüfungen kommen 44 Prozent der Starterinnen und Starter aus Deutschland. Einen Tag vor der Prüfung ist Nennungsschluss, die Nenngelder belaufen sich auf 7,50 Euro bis hin zu 40 Euro für die höheren Klassen.

„Heute Entscheidungen treffen für morgen“ – darüber sprachen die Referenten Thomas Casper (Schwerpunkt: Kinder + Gesellschaft), Ken Ruysen (Turniere planen) und Michel Vaas (Lebensplanung).

Zum Thema „Die Welt verändert sich dramatisch – erfahren Sie, wie Sie damit umgehen können“ erläuterte Strategieberater Michael Vaas nützliche Strategien, um den Anforderungen im Beruf und Alltag begegnen zu können. Dabei ging es um vier Punkte: 1. Raus aus dem Hamsterrad (Wo stehst du? Wohin willst du?), 2. So kann ich mich aufstellen 3. So kann ich meine Mitarbeiter mit auf die Reise nehmen und ins Unternehmen integrieren, 4. So kann ich Veränderungen annehmen und mich Entwicklungen anpassen.

Vaas sagt, in den letzten zwei Jahren hätten wir uns vielen Veränderungen stellen müssen, und angesichts der Vermutung, dass noch weitere „drastische Veränderungen“ bevorstehen, betonte er: „Wir müssen uns bei allem fragen: Was sagt unser Herz, mein Bauch? Wo will ich hin? Seien Sie mutig, Dinge anzupacken, Dinge zu verändern. Wir sollten nicht in die Vergangenheit schauen. Jeder von uns hat 24 Stunden an 365 Tagen – entscheidend ist, was wir draus machen. Probleme sind oft Blickwinkel. Erstellen Sie sich einen Masterplan für ein, zwei, fünf Jahre. Es kommt darauf an, sich Ziele zu setzen und sich auf das Positive zu konzentrieren. Ein Ziel ist ein Traum versehen mit einem Datum. Nehmen Sie wahr, was für einen Schatz Sie haben mit den Pferden und der Natur.“

Praxis-Tag

Am Sonntag ging es dann in die Reithalle. Den Auftakt machte Cord Wassmann, 17 Jahre lang Vorsitzender der Hannoveraner Körkommission. Er sprach über „Die historische Entwicklung der Pferdezucht – Selektion früher und heute“ und erläuterte, warum Züchten heißt, in Generationen zu denken. Es ging unter anderem um die Hintergründe der funktionalen Anatomie, die es in allen Tiergattungen gibt und von den Holländern für das Pferd entwickelt wurde. „Dressurhengst Jazz ist das am meisten vermessene Pferd der Hollän- der“, so Cord Wassmann. Bei allen anatomischen Merkmalen, dürfen aber das Interieur nicht vergessen werden. „Was bringt mir der genialste Körper, wenn der Geist nicht mitmacht?“ Er kam auf den Bewegungsablauf zu sprechen und dass Bewegungspotenzial und -qualität nur mit dem geeigneten Exterieur möglich seien, aber dass man auch immer den Faktor Mensch und dessen eigenes Empfinden bei der Betrachtung berücksichtigen müsse. Zu den Diagonalen im starken Trab, die von vielen bejubelt werden, sagte er: „Vorne wird getrommelt, aber kommen hinten auch Soldaten? Ein ,zu viel‘ von etwas ist nie gut. Das Wort ,zu‘ ist nur gut bei ,zu Tisch‘ und ,zu Bett‘.“

Dann kam er noch auf die lineare Beschreibung zu sprechen, die Fohlen bis zu deren Eintragung begleitet, eine vergleichende Benotung ermöglicht, eine durchlaufende Selektion darstellt und somit den Züchtern Sicherheit gibt. Cord Wassmann stellte aber auch klar: „Egal, wie gut wir züchten, wir werden immer Pferde mit körperlichen Schwächen haben – aber mit Training, Ruhe und Zeit kann man vieles ausgleichen.“ Schließlich demonstrierte er im Anschluss an seinen Vortrag eine Exterieurbeurteilung am Beispiel einer sechsjährigen Stute.

Springausbilder Florian Meyer zu Hartum aus dem Stall Paul Schockemöhle hatte drei Pferde unterschiedlichen Alters mitgebracht. Er veranschaulichte die Stufen der Springausbildung und erläuterte, worauf er besonders viel Wert legt. „Man braucht gute Leute für die jungen Pferde“, betonte Florian Meyer zu Hartum und erklärte: „Wir reiten die jungen Pferde erst einmal und schauen, ob sie den Eindruck vom Freispringen bestätigen.“ Im jungen Alter müsse man Vertrauen schaffen. Beurteilt werde dann unter anderem, ob sie sich durch den Körper bewegen, kraftvoll abfußen und einen starken Rücken haben. Der Trab werde zwar nicht als so wichtig für ein Springpferd angesehen, an ihm könne man aber Elastizität und Hebelwirkung erkennen. Ein großer Galopp sei wünschenswert, denn einen großen Galopp klein zu bekommen, sei gut machbar. Dagegen einen kleinen Galopp groß zu bekommen, gestalte sich schon schwieriger. „Ein junges Pferd soll sich in erster Linie wohlfühlen unter dem Sattel, man muss es sich finden lassen und darf es nicht in ein Schema pressen. Rhythmus und Balance sind wichtig.“

„Man darf ein junges Pferd nicht in ein Schema pressen.“

Florian Meyer zu Hartum

Am Beispiel eines zehnjährigen Chacco-Blue-Sohnes zeigte Florian Meyer zu Hartum das Training eines erfahrenen Springpferdes. „Mit einem Pferd mit einer flachen Galoppade reiten wir im Training immer einen Galoppsprung mehr, damit es einmal durchatmet und ich mehr Ruhe am Sprung bekomme.“ Gleichzeitig müssten die Pferde lernen, rationell zu springen, weil die Zeit in einer Prüfung immer wichtiger werde und so ein echtes Kriterium ist für ein Springpferd.

Den Dressurteil übernahm Reitmeister Hubertus Schmidt, der an drei verschiedenen Pferden das Training vom Youngster bis Klasse S demonstrierte. Er erläuterte das Erarbeiten von Stellung und Biegung bei einer sechsjährigen Stute, dass er auf die Längsbiegung von Anfang an Wert legt sowie viele gebogene Linien, Übergänge und vorwärts-abwärts reitet. Schließlich erarbeitet er sich Schritt für Schritt die Versammlung, wobei weniger immer mehr sei, „lieber weniger Aufwand, dafür mit Gleichmaß“ und er betonte: „Die Traversale ist für mich die beste Lektion, um die Grundqualität zu verbessern.“ Mit einem Siebenjährigen auf Kandare ging es dann um das Training von Pirouetten. „Bei der Stellung muss die Trense vorherrschen, die Kandare hält außen die Anlehnung und das Genick oben.“ Auch für die Pirouette gilt, vom Leichten zum Schweren und in einer Arbeitspirouette mit kleinen Sprüngen auf großer Linie hat man am besten die Möglichkeit, etwas zu korrigieren.

Schmidts Bereiter Anush Agarwalla, der innerhalb von vier Jahren vom Reitanfänger bis auf Grand Prix-Niveau gekommen ist, demonstrierte mit dem Hengst Sir Caramello das spielerische Training von Piaffen und Passagen, Traversalen und Pirouetten.

Laura Becker

Die Inhalte der Mitgliederversammlung in Kürze

Die BBR hat 2021 62 Mitglieder dazugewonnen und hat nun 4495 Mitglieder.

Ab August gibt es für Auszubildende aller Fachrichtungen einmal im Monat einen Online-Vortrag mit Themen aus allen relevanten Prüfungsbereichen.

Zusätzlich zum BBR-Stipendium gibt es das „Meister-Stipendium“, mit dem angehende Pferdewirtschaftsmeisterinnen und -meister Klassische Reitausbildung bei ihrem Jahresprojekt in Teil 1 unterstützt werden sollen. Nach Einreichung eines Konzepts werden die Kosten für den Unterricht und Unterbringung der Pferde bei einer Mentorin/einem Mentor übernommen.

Wahlen: Hannes Müller ist nun Erster Vorsitzender, Ulrike Lautemann Zweite Vorsitzende; Markus Scharmann wurde als Vorstandsmitglied wiedergewählt, Ulrich Ruopp wurde erneut zum Kassenprüfer gewählt. Arndt Wiebus scheidet aus dem Ehrenrat aus, neuer Vorsitzender ist Henning Müller, dem Reitmeister Karl-Heinz Streng (neu im Ehrenrat) und Manfred Grohs zur Seite stehen. Bei der Kassenprüfung wurde der Vorstand entlastet.

Die Gehaltsempfehlungen wurden aktualisiert. Für Pferdewirte wird nun ein Gehalt ab (!) 2141 Euro empfohlen, langjährige Pferdewirte sollten ab 2283 Euro, Pferdewirtschaftsmeister ab 3745 Euro erhalten.

Die 2021 verstorbene Dagmar Krech hat der BBR ihr Erbe hinterlassen. Das Geld soll für eine „Lehrgangsserie in memoriam Dagmar Krech“ verwendet werden.

Auszubildende können ab dem 1. Januar 2023 beitragsfrei bis zur Abschlussprüfung Mitglied der BBR werden (bisher werden Auszubildende bis zum Jahr der Zwischenprüfung beitragsfrei geführt).

Der Modus der Berufsreiterchampionate wurde geändert: Es sollen im Finale nur noch die beiden Fremdpferde geritten werden, nicht auch das eigene Pferd.

Das Hofgut Liederbach wurde zum Ausbildungsbetrieb des Jahres 2022 gekürt, Gut Staffelde und Gut Backhausenhof waren ebenfalls platziert. Ab sofort wird aus dem Ausbildungsbetrieb des Jahres eine regelmäßige St.GEORG-Rubrik „Ausbildungsbetriebe stellen sich vor“.

Für die Flutopfer in NRW wurden 2021 Spenden gesammelt. Auch für die Opfer des Kriegs in der Ukraine gab es eine Spendenaktion (s. S. 70).

Langjährige Mitglieder wurden geehrt, u.a. Siegfried Dehning, der seit 65 Jahren zur BBR gehört. Alle Geehrten sind aufgeführt auf www.berufsreiter.com

Der Bundesberufsreitertag 2023 wird am 18. und 19. März im Haupt-und Landgestüt Neustadt/Dosse stattfinden. 2024 ist das Haupt-und Landgestüt Marbach Tagungsort.