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Blick über den Tellerrand: Stangenarbeit nach Westernart: Quarter-Quartett


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 7/2018 vom 20.06.2018

Zwei einfache Aufbauten sind die Grundlage für die Stangenarbeit, wie sie auf dem Westernhof Leckebusch praktiziert wird. Es lohnt sich, ein Auge darauf zu werfen, denn die Übungen sind eine perfekte Abwechslung für Dressur-, Spring- und Freizeitpferde. Gar nicht schwer, aber ziemlich effektiv.


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Bildquelle: Reiter Revue International, Ausgabe 7/2018

Auch Westernreiter bauen Stangen in ihr Training ein. Die Ideen lassen sich perfekt auf andere Disziplinen übertragen.


Wer denkt, beim Westernreiten geht es nur um Spins, Stops und Kuhtreiben, der irrt. Am Ende wollen alle Reiter ein durchlässiges, gut gymnastiziertes Pferd. Und für dieses Ziel liegen auf dem ...

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... Reitplatz am Stall Leckebusch bei Nümbrecht in Nordrhein-Westfalen regelmäßig Stangen. Die sehen etwas anders aus als bei Dressur- und Springreitern. Ihr Aufbau ist aber auf jedes Training übertragbar und der Effekt für jedes Pferd wertvoll – ganz gleich, welcher Reitweise sie zugehören.

Zwei Aufbauten sind besonders gängig im Hause Leckebusch, „weil sie eine super Übung für alle Leistungsklassen sind. So kann man gleichermaßen mit ungeübten und erfahrenen Reitern oder jungen und routinierteren Pferden arbeiten. Und ich kann diesen Aufbau in allen Gangarten überwinden, ohne etwas verändern zu müssen“, erklärt Linda Leckebusch-Stark. Die Ausbilderin baut die eine oder andere Übung fast täglich ein. Aber nicht nur die Stangen sind wichtig, auch Pylone erfüllen eine wertvolle Unterstützung: „Klare Linien zu reiten, ist unheimlich wichtig. Da helfen Pylone dem Reiter, sich zu orientieren und das hilft, das Pferd präzise zur Stange zu reiten. Über der Stange selbst soll das Pferd möglichst unabhängig vom Reiter arbeiten. Wenn ich da zu viel einwirke, kann sich das Pferd gar nicht auf die Stange konzentrieren“, mahnt Linda Leckebusch-Stark.

DIE REITERINNEN

Linda Leckebusch-tark
ist 33 Jahre alt, gelernte Pferdewirtin, Trainer A, Trägerin des Goldenen Reitabzeichens und befindet sich in der Ausbildung zur Pferdewirtschaftsmeisterin. Auf der Anlage ihrer Mutter betreibt sie einen Trainingsstall mit Beritt und Unterricht und gibt deutschlandweit Lehrgänge.

Caroline Leckebusch
ist 25 Jahre alt, ebenfalls gelernte Pferdewirtin, Trainer A und Trägerin des Goldenen Reitabzeichens. Auch sie hat Pferde in Beritt, erteilt Unterricht und gibt Lehrgänge

Mehr oder weniger Hilfe?

Ziel ist es, dass Linie, Anlehnung, Tempo und Durchlässigkeit zwischen den Stangen derart erarbeitet werden, dass das Pferd an der Stange allein gelassen werden kann. Für den Termin mit Reiter Revue International haben Linda Leckebusch-Stark und ihre Schwester Caroline Le-ckebusch ganz unterschiedliche Pferde gesattelt: Giovanni und Jaz. Während der Europameisterschaft-erprobte Fuchshengst Olena Joe Cody, genannt Giovanni, die Übungen kennt und über viel Versammlungsbereitschaft, Kraft und Balance verfügt, muss die vierjährige Palomino-Stute Jazalena Dun It, genannt Jaz, altersentsprechend noch in die Übung hineinwachsen.

Fuchshengst Giovanni ist ein erfahrenes Pferd, das sich über den Stangen perfekt alleine zurechtfindet. Seine Reiterin wirkt kurzzeitig nicht ein.


Die vierjährige Jaz braucht noch viel Unterstützung ihrer Reiterin, um passend über die Stangen zu kommen.


Caroline Leckebusch braucht Giovanni lediglich den Weg zeigen und kann darauf vertrauen, dass er sich ganz auf die Stange und ein geräuschloses Überwinden konzentriert. Linda Leckbusch-Stark muss bei Jaz nach dem Motto „nach der Stange ist vor der Stange“ Tempo und Linie immer wieder korrigieren und kommt an der einen oder anderen Stelle noch nicht so schnell durch, um die Einwirkung über der Stange zu reduzieren. Jaz ist mit ihrer Reiterin beschäftigt, die Vorbereitung auf die Stange ist teils noch nicht abgeschlossen und so kommt die Stute an die Stange: „Das ist überhaupt nicht schlimm, es ist ja wirklich nur eine Stange und kein Oxer. Wichtig ist dabei aber, dass ich als Reiter die Ruhe bewahre, die Übung nicht übers Knie breche, sondern immer wieder Volten einbaue, um Tempo und Nachgiebigkeit zu korrigieren“, ist die Reiterin geduldig. In den Übungen kommen nun Pylone ins Spiel, um die immer wieder Volten geritten werden.

Das Material:
Linda Leckebusch nutzt Pylone, um die Aufgaben zwischen den Stangen zu variieren und Orientierung zu geben.
Auf ihrem Reitplatz kommen keine gängigen runden Stangen zum Einsatz, sondern Kanthölzer: „Damit sie nicht wegrollen können“, erklärt sie. Wie dick die Kanthölzer sind, ist frei wählbar, zum Beispiel 15 mal 15 Zentimeter und 2,5 Meter lang. Außerdem wurden die Kanten durch einen Schreiner abgerundet, damit sich die Pferde nicht verletzen können, wenn sie anschlagen. Die Farbe Blau ist zufällig gewählt, hier kann jeder auf seine Lieblingsfarbe setzen.
Achtung: Für die Abmessungen im Aufbau „Quadrat“ müssten für Warmblüter eventuell entsprechend des größeren Galoppsprungs längere Stangen verwendet werden.

Kanthölzer haben den Vorteil, dass sie nicht nach vorne rollen können.


Fehlerfrei = Pause

Außerdem ist es den beiden Westernreiterinnen sehr wichtig, konsequent mit Lob umzugehen: Macht das Pferd eine Übung gut, wird diese sofort beendet oder sogar – als besonders großes Lob – durchpariert zum Schritt und Pause gemacht. Linda Leckebusch-Stark ist bei Jaz noch kompromissbereit: „Wenn es nicht so richtig klappen will, dann gibt es natürlich auch ein Lob für eine kleine Verbesserung. Sie lernt ja noch und ich will auf gar keinen Fall, dass sie sich in der Stangenarbeit stresst. Das wäre absolut kontraproduktiv.“

Grundsätzlich werden die Stangen im versammelten Tempo überritten: „Wir möchten, dass sich das Pferd über den Stangen eher zusammenzieht und nicht, dass es sich strecken muss“, erklärt Leckebusch-Stark. „Wir korrigieren die Pferde über den Stangen nicht aktiv, sondern über das Fortführen der Übung, also über die Arbeit.“ Berührt das Pferd die Stange, wird weitergeritten, berührt es sie nicht, wird durchpariert und der Zügel hingegeben. Ein einfaches System, das jeder Reiter einmal ausprobieren kann – ganz gleich, in welcher Disziplin.