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BLITZEN: Ihr Einstieg in die Blitzfotografie


CHIP Foto-Video - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 02.01.2020

Blitzen ist das Angstthema vieler Einsteiger, aber auch von Fortgeschrittenen. Zu teuer das Equipment und zu umständlich die Technik und deren schwierige Handhabung, lauten die Vorbehalte. Alles halb so wild: Wir zeigen Ihnen, wie einfach Blitzen im Grunde ist.


Gerne blicke ich auf drei Jahrzehnte analoge und digitale Blitzfotografie sowie unzählige Workshops zum Thema Blitzen zurück. Innerhalb dieses Zeitraums hat sich die Blitztechnik in sehr großen Schritten weiterentwickelt und ermöglicht uns heute, was die Lichtgestaltung angeht, eine fast grenzenlose Kreativität.

Auf den folgenden Seiten blicken wir ...

Artikelbild für den Artikel "BLITZEN: Ihr Einstieg in die Blitzfotografie" aus der Ausgabe 2/2020 von CHIP Foto-Video. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

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... als erstes auf die grundlegenden Einstellungen Ihrer Kamera und widmen uns im Hauptteil ganz der entfesselten TTL-Blitzfotografie.

Dabei befasse ich mich ganz bewusst mit Alltagsmotiven, die nur darauf warten, entdeckt und vor allem geblitzt zu werden. Bereits nach den ersten Versuchen werden Sie feststellen, dass es sehr einfach ist, den Blitz gezielt einzusetzen. Ihre Aufnahmen werden so einen besonderen Lichtakzent bekommen, ohne dass an den technischen Aufwand und Ihr Können große Anforderungen gestellt werden.

Vielleicht ergeht es Ihnen ja so wie mir, und Sie legen Ihren „Lichtmacher” zukünftig nicht mehr aus der Hand. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung eigener Ideen und vor allem „blitzgeladene” Ergebnisse!

DER AUTOR

Michael Nagel kennt die Fotobranche seit über drei Jahrzehnten und ist als Dozent und Trainer im Photo+Medienforum Kiel tätig. Fast ebenso lange beschäftigt er sich mit den vielen Facetten der Blitzfotografie und experimentiert gerne mit dem entfesselten Blitz in der linken Hand.
www.michaelnagel.me

Der pinkfarbene Schirm setzt einen leuchtenden Farbtupfer gegenüber den Grautönen von Nebel, Wasser und Bootsanleger. Der Blitz wurde von der Person unter dem Schirm in Richtung Schirmmitte gehalten


Auch in der Available-Light-Fotografie lässt sich der Blitz, hier mit Blaufilter auf den Baum im Vordergrund gerichtet, nutzen, um die Trennung von Vorder- und Hintergrund bei sehr diffusem Licht zu verbessern


Einstieg: Blitzen? Na klar!

Viele Fotografen sehen keine Notwendigkeit zu blitzen. Wir schon

Die Kamerahersteller trumpfen seit Jahren mit immer höheren ISO-Werten auf und suggerieren somit: Verzichte auf den Blitz und fotografiere bei wenig Licht einfach mit „ISO auf Anschlag!" Das geht natürlich auch. Doch es ist ein Gewinn, den Blitz als Erweiterung seiner fotografischen Ausdrucksmöglichkeiten zu betrachten. Denn so können Sie etwa den Vordergrund stärker hervorheben, die Farbtemperatur anpassen und eben auch die Lichtrichtung bestimmen. Zudem ermöglicht der Blitz coole Effekte! Ob Sie nun bestimmte Lichtstimmungen mit Blitzlicht fotografieren möchten, hängt vor allem davon ab, welche Bildergebnisse Ihnen vorschweben – darüber hinaus aber auch von Ihrem fotografischen Können.

Ein Gespür für die Lichtstimmung

Das vorhandene Licht behutsam durch ein Blitzlicht zu ergänzen, ohne den Charakter des Motivs dadurch stark zu verändern, kann durchaus eine größere Herausforderung sein. Von fotografischen Kenntnissen und technischen Voraussetzungen abgesehen ist es entscheidend, ein Gefühl für die Lichtstimmung am Aufnahmeort zu entwickeln und so das richtige Verhältnis zwischen Blitzlicht und vorhandenem Licht zu finden.

Kamera: Die besten Einstellungen

Bevor wir uns mit der Aufnahmepraxis befassen, werfen wir einen kurzen Blick auf die wichtigsten Grundeinstellungen Ihrer Kamera, die beim Fotografieren mit Blitz zu berücksichtigen sind

Ein niedriger ISO-Wert reduziert das vorhandene Licht, sodass der Hintergrund insgesamt weniger dominant ist


FOTO: SABINE UND PETER DICKMANN

Die Lichtempfindlichkeit bewusst wählen

Der ISO-Wert bildet in der Blitzfotografie die Grundlage der Belichtung und hat Einfluss auf die Leitzahl des Blitzgeräts – also auf die Reichweite. Wenn Sie sich für die ISO-Automatik entscheiden, wird der ISO-Wert in Abhängigkeit von Blende, Belichtungszeit und den vorherrschenden Lichtbedingungen von der Kamera automatisch gewählt. In bestimmten Situationen, z. B. bei wechselnden Lichtverhältnissen, ist diese Option sinnvoll. In Hinblick auf eine konstante Bildqualität sollten Sie besser manuell einen ISO-Wert vorgeben. Wählen Sie einen Wert, der sowohl das Umgebungslicht in der gewünschten Form berücksichtigt, als auch Spielraum für die Gestaltung mit Blende und Belichtungszeit lässt. Tipp: Erstellen Sie zunächst eine Aufnahme ohne Blitz, um den optimalen Wert zu ermitteln.

Die richtige Farbbalance finden

Bei unterschiedlichen Lichtquellen, also Farbtemperaturen am Aufnahmeort bildet der automatische Weißabgleich (AWB) einen Mittelwert oder richtet sich nach der Farbtemperatur von nur einer Lichtquelle im Bild. Unerwünschte Farbstiche können die Folge sein, die selbst in der RAW-Entwicklung nur für eine Farbtemperatur korrigiert werden können. Mehr auf der nächsten Seite.

Der manuelle Weißabgleich sorgt für die richtige Farbbalance in der Aufnahme


Autofokus und Blitz arbeiten zusammen

Richten Sie das aktive AF-Feld auf den Motivbereich, der vom Blitz erfasst werden soll, z. B. auf eine Person im Vordergrund. Das AF-System ermittelt, wo und in welcher Entfernung von der Kamera sich das Objekt befindet. Das dient dazu, eine exakte (Blitz-)Belichtung sicherzustellen. Vorab „checken“ kurze, schwache Messblitze die Reflexionseigenschaften des Hauptobjekts in den entsprechenden Messfeldern der Belichtungsmatrix. Ein perfekt aufeinander abgestimmtes System!

Die Belichtung messen

Die Mehrfeld- oder Matrixmessung (bei Olympus „ESP”) verfügt über eine hohe Trefferquote und ist meine Standard- Messmethode in der Blitzfotografie. In Verbindung mit dem Autofokus- System erkennt die Kamera kritische Belichtungssituationen und gleicht große Kontrastunterschiede zwischen dem vorhandenen Licht und dem Vordergrund mithilfe der automatischen Blitzkorrektur aus.

Die Mehrfeldmessung zeigt im Aufhellblitz-Modus das ganze Spektrum ihrer Möglichkeiten. Nach meiner Erfahrung dosiert die automatische Blitzkorrektur insbesondere bei Porträts die abgegebene Lichtmenge oftmals etwas zu hoch

Die Situation blitzschnell in den Griff bekommen

Wenn Sie mit der Farbtemperatur bzw. mit der Farbwiedergabe Ihrer Aufnahme unzufrieden sind, sollten Sie den Weißabgleich für den Hintergrund manuell wählen


Der Strandkorb wurde frontal angeblitzt. Eine Blitzkorrektur von -2 EV und ein leichter Orangefilter bewirken, dass sich der Korb harmonisch in die Lichtstimmung der Abenddämmerung einfügt


Legen Sie den Weißabgleich bei konstanten Lichtbedingungen manuell fest, indem Sie entweder eine fixe Einstellung (z. B. »Glühlampe«) wählen, einen Kelvinwert (»K«) vorgeben oder ein Preset auf eine neutral graue bzw. weiße Fläche setzen. Der gesetzte Wert muss neu ermittelt werden, sobald sich die Farbtemperatur am Aufnahmeort (z. B. Wechsel von Sonne zu Wolken) verändert. Verwenden Sie in Innenräumen wenn möglich Lichtquellen mit identischer Farbtemperatur, um eine einheitliche Farbstimmung zu erhalten. Schnelle Abhilfe kann auch ein passender Farbfilter schaffen, der vor den Blitzreflektor gesetzt wird und die Farbtemperatur des Blitzgeräts an das Umgebungslicht anpasst.

Filteralternative
Der Musterkatalog von LEE ist für rund 7 Euro (z. B. über das Musikhaus Thomann) zu beziehen und bietet eine riesige Auswahl an hitzebeständigen Filterfolien. Leider muss das Set erst in mühevoller „Heimarbeit“ zerlegt werden, um eine Auswahl der wichtigsten Filterfarben (Orange, Blau, Rot, Gelb) zusammenzustellen.

Legen Sie die favorisierten Filterfolien mit dem beigefügten „Farbcode-Zettel” in ein kleines Etui, um schnell Zugriff darauf zu haben


CTB und CTO

Mit CTB („Color Temperature Blue” = Blaufolie) und CTO („Color Temperature Orange” = Orangefolie) werden Korrekturfolien bezeichnet, mit denen sich warmes oder kaltes Licht erzeugen bzw. Farbstiche in Aufnahmen korrigieren lassen. Diese Filter werden in unterschiedlichen Dichtestufen angeboten.

Der Folien-Filterhalter von B.I.G. und das dazu passende Filterfolien-Set mit 30 Filtern gehört in jeden Kamerarucksack! Der Filterhalter wird einfach mit Klettband am Reflektor befestigt


Blitz: Einstellungen am Blitz

Blitzen kann so einfach sein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihr Gerät einstellen müssen, um auf Anhieb erste Erfolge zu erzielen

Motive in Bewegung fotografieren

Die Belichtungszeit nimmt Einfluss auf die Umgebungshelligkeit und auf die Darstellung von Bewegung in der Aufnahme. Bei der Wahl der richtigen Belichtungszeit spielt die Bewegungsgeschwindigkeit des Objekts natürlich eine große Rolle. Außerdem vermischen sich das einfrierende Blitzlicht und das Umgebungslicht mit der Objektbewegung, da der Blitz die Bewegungsphase auf einer „zusätzlichen Ebene” einfängt. Genau dieser Effekt macht den besonderen Reiz aus!

In Abhängigkeit vom ISO-Wert und der gewählten Belichtungszeit wird die Blende automatisch nachgesteuert. Doch: Bevor Sie bewegte Objekte fotografieren, sollten Sie sich Gedanken über die Bildaussage machen. Wie soll die Bewegung festgehalten werden? Eingefroren oder dynamisch verwischt? In Verbindung mit einem Blitzgerät stehen Ihnen bei längeren Belichtungszeiten (z. B. 1/15 s) deutlich mehr Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung.

Fotografieren Sie in der Blendenautomatik (»S« bzw. »TV«), wenn die Belichtungszeit manuell vorgegeben werden soll


Das Umgebungslicht bestimmen

Am Anfang steht immer die Idee für eine Blitzaufnahme. Bevor jedoch ein Blitzgerät zum Einsatz kommt, wird im ersten Schritt zunächst die „Grundbelichtung“ für das Umgebungslicht bzw. den Hintergrund festgelegt – sprich das Fundament Ihrer Aufnahme. Hierfür stehen, neben dem bereits erwähnten ISO-Wert, zwei weitere fotografische Parameter zur Verfügung, um die Lichtmenge zu steuern: die Blende und die Belichtungszeit. Und wie beim Fotografieren ohne Blitz auch wirkt sich die Größe der Blende auf den Schärfebereich und die Dauer der Belichtungszeit auf die Darstellung von Bewegung in der Aufnahme aus. Tipp: Erstellen Sie zunächst eine Aufnahme ohne Blitz, um die Umgebungshelligkeit zu bestimmen.

Diese drei bekannten Parameter bilden gemeinsam die Basis für das Foto und nehmen auch maßgeblich Einfluss auf die Umgebungshelligkeit in der Blitzaufnahme.

Mitzieher erstellen

Experimentieren Sie mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und ziehen Sie die Bewegung des Objekts in exakter Geschwindigkeit „aus der Hüfte“ mit. In Verbindung mit der ISO-Automatik haben Sie genügend fotografischen Spielraum für effektvolle Aufnahmen. Tipp: Um die Bewegung realistisch wiederzugeben, gilt es das vorhandene Licht etwas zu reduzieren und den Blitz auf den zweiten Verschlussvorhang (z. B. »REAR SYNC«) zu synchronisieren. Sie finden die Taste bzw. das Symbol für diese optionale Funktion am Blitzgerät oder/und im Blitzmenü Ihrer Kamera.

Das Rennauto auf der Carrera-Modellbahn wurde mit langer Belichtungszeit exakt in der Bewegung mitgezogen und der Blitz frontal auf den zweiten Verschlussvorhang synchronisiert. Entscheidend ist immer, die exakte Balance zwischen der Verschlusszeit, der Kamerabewegung (Mitziehen) und der Objektbewegung zu finden! Nur so bekommen die Aufnahmen die gewünschte Wisch-Dynamik.

Im Menü der Fujifilm X-T3 findet sich die Synchronisation auf den zweiten Vorhang unter »Sync-Modus«


Statische Objekte in Bewegung bringen

Sie können die Fahrzeuge auch dynamisch in der Bewegung abbilden, wenn die Kamera mit Frontalblitz an den stehenden (!) Fahrzeugen horizontal vorbeigezogen wird. Der Bewegungseffekt wird so ausschließlich von der Kamerabewegung hervorgerufen. Um die von der Bahnbeleuchtung erzeugte Lichtstimmung zu erhalten, wurde ein hoher ISOWert eingestellt. Für gelungene Aufnahmen benötigen Sie etwas Übung und Ausdauer.

@ Hier hat der interne Blitz als „Master” fungiert und einen externen „Slave” angesteuert, wobei die Kamera zügig horizontal am Motiv vorbeibewegt wurde – bei langer Belichtungszeit


Die gleiche Aufnahmetechnik, nur aus einer anderen Perspektive fotografiert


Der Blitz wurde mit einem Diffusor versehen und frontal eingesetzt; als „SYNC-Modus” habe ich »Bitzen auf den ersten Vorhang« gewählt


Der gleiche Ablauf mit Blitzsynchronisation auf den zweiten Vorhang. Jetzt folgen die Lichtspuren der Fahrzeugbewegung


Blende und Blitz

Fotografieren Sie in der Zeitautomatik »A« (»Av« bei Canon), wenn Sie die gestalterische Wirkung der Blende zur gezielten Steuerung des Schärfenbereichs einsetzen wollen – also vorzugsweise im Porträtbereich oder in der Makro- und Landschaftsfotografie. Zu beachten ist dabei: Die Wahl der Blende beeinflusst neben dem Schärfenbereich in zweiter Linie auch die Leitzahl, also die Reichweite des Blitzgeräts.

Hier wurde der Fokus auf die Kerze im Vordergrund gelegt und die Blende weit geöffnet, um den Hintergrund in leichter Unschärfe verschwinden zu lassen. Ein extern angesteuerter Blitz im hinteren Bereich hellt die hohe Decke der Kirche zusätzlich etwas auf.

Schritt für Schritt

1. Blitz auf »TTL« stellen.
2. Umgebungslicht beurteilen und ISO-Wert festlegen.
3. Ggf. eine Belichtungskorrektur vornehmen.
4. Weißabgleich auf Automatik (»AWB«) bzw. bei Mischlicht manuell setzen.
5. Bevorzugte Blende einstellen (abhängig von der gewünschten Schärfentiefe).
6. Den Fokus manuell auf das Hauptmotiv legen.
7. Optional: Manuelle Blitzkorrektur auf das Objekt im Vordergrund vornehmen.

Die Blitzintensität des externen Slaves wurde manuell korrigiert (»-2 EV«), um die Lichtbalance auf den dunklen Hintergrund abzustimmen, der ebenfalls mit einer Belichtungskorrektur von »-3 EV« unterbelichtet wurde, um die Dramatik zu steigern


Die Intensität des Umgebungslichts steuern

In der Programm-, Zeit-, oder Blendenautomatik können Sie Ihre Aufnahme per „Manueller Belichtungskorrektur” heller (+) oder dunkler (-) belichten. Das ist bekannt. Leider werfen viele Kameras das Umgebungslicht und den Vordergrund (Blitz) in einen Topf. Bei einigen Kameramodellen (z. B. Nikon) ist es jedoch möglich, die »Belichtungskorrektur« auf das Umgebungslicht zu begrenzen (»Nur Hintergrund«). Werfen Sie einen Blick ins Einstellungsmenü Ihrer Kamera und entkoppeln Sie – falls möglich – die Korrektur für das Umgebungslicht und den Blitz, um eine perfekte „Lichtbalance” erreichen zu können. Falls diese Option nicht verfügbar ist, sollten Sie im manuellen Modus fotografieren und mit Blende und Belichtungszeit das Umgebungslicht festlegen. Tipp: Testen Sie zunächst Ihre „Bordwerkzeuge”, bevor Sie zu dieser Maßnahme greifen, da sich der manuelle Modus nicht für alle Motivsituationen eignet.

Bei einigen Kameras (z. B. Nikon) kann die Belichtungskorrektur auch nur auf den Hintergrund angewandt werden. So soll es sein!


Die Blitzintensität für den Vordergrund steuern

Prinzipiell setzt sich eine geblitzte Aufnahme aus zwei unterschiedlichen Lichtarten zusammen: Dem vorhandenen Dauerlicht und dem Blitzlicht. In der automatischen Blitzaufhelltechnik regelt die Kamera die Gewichtung selbsttätig. Insbesondere im Bereich der Porträtfotografie und in stimmungsvollen Motivsituationen (z. B. Dämmerung, Innenaufnahmen) kann es notwendig sein, eine individuelle Korrektur der Blitzintensität vorzunehmen. Die manuelle Blitzkorrektur wird in EV-Werten („Lichtwerten”) angegeben und kann in allen Belichtungssteuerungsmodi mit dem externen oder dem eingebauten Blitz verwendet werden. Häufig erstreckt sich der Bereich von »-3 EV« bis »+3 EV«.

Belegen Sie eine schnell zu erreichende Funktionstaste mit der Blitzkorrekturfunktion


Die schnelle Wahl der manuellen Blitzkorrektur am Blitzgerät


TIPP

Für den raschen Zugriff sollten Sie die Blitzkorrektur auf eine gut zu erreichende Taste an der Kamera oder am Blitzgerät legen.

Da die TTL-Messzelle der Kamera die gesamte Lichtmenge der Blitzgeräte automatisch berücksichtigt, gelingen perfekt geblitzte Aufnahmen


Entfesselt blitzen

Die einfachste Möglichkeit, in den Genuss der entfesselten Blitzfotografie zu kommen, ist ein eingebauter Kamera-Blitz mit »TTL Master«-Funktion und ein kompatibles »Slave«-Blitzgerät, das von der Kamera aus angesteuert wird. Es können bis zu drei Gruppen aus einer beliebigen Anzahl an Blitzgeräten arrangiert und kabellos gesteuert werden. Die TTL-Steuerung berücksichtigt nicht nur die allgemeinen Blitzleistungsverhältnisse der einzelnen Gruppen, sondern auch die Helligkeit des Motivs. Bei vielen Kameras lässt sich auch der interne Blitz zusätzlich für eine leichte Aufhellung im Vordergrund einsetzen. Hinweis: Die Empfängermesszelle (hinter dem roten Kunststofffenster am Blitzgerät) muss bei dieser Technik, wie die Fernbedienung für das TV-Gerät, zum Kamerablitz zeigen, damit sie die Steuersignale empfangen kann.

Hier der Aufbau der vorherigen Aufnahme mit einem entfesselten Blitz, der ein hartes Seitenlicht setzt. Der Weißabgleich wurde auf das sehr warme Licht der Tribüne gesetzt


Funksteuerung

Internetshops bieten eine fast unüberschaubare Auswahl an Funkblitz-Sendern und -Empfängern für den 2,4-GHz-Bereich von asiatischen Herstellern, und das in allen denkbaren Preiskategorien und Qualitäten. Der klare Vorteil der Funksteuerung: Es wird kein Blickkontakt mehr zum Steuergerät („Master”) benötigt und es sind Reichweiten bis zu 100 Meter möglich! Leider funktionieren manche „Billigauslöser” nicht immer zuverlässig und nicht alle Modelle übertragen die TTL-Steuerung. Informieren Sie sich daher sehr genau und greifen Sie nicht zum billigsten No-Name-Produkt!

Entfesseltes Blitzen per Funk bietet Fotografen einen fantastischen kreativen Freiraum


Drahtlos verstehen

Master: Der „Chef”-Blitz in der Kamera oder auch auf der Kamera. Er leitet die Steuerbefehle an einen oder mehrere Slaves weiter.
Slave: Das externe Blitzgerät, das die Befehle vom Master empfängt und ausführt.
Kanal: Der Radiosender, auf dem der Master mit den Slaves kommuniziert.
Gruppe: Mehrere Slaves können einer Gruppe zugehören und z. B. in der Leistung gesteuert werden.

Workshops: Blitzen in der Praxis

Im Winter gilt es früh aufzustehen, um noch vor dem Sonnenaufgang solche Bilder im Kasten zu haben. Von den ersten Strahlen erfasst, schmilzt der morgendliche Frost schnell dahin, wenn die Umgebungstemperatur nur leicht unter dem Gefrierpunkt liegt


Weißabgleich: 5500 K |Blende f/ 3,5 |Belichtungszeit 1/1.000 s |ISO 200 |Belichtungskorrektur: 0 |Filterhalter + Filter LEE 105 Orange

Ein Blitz lässt sich vielfältig einsetzen. Hier kommen zwei schöne Szenarien für Einsteiger

Anhand von Praxisbeispielen zeige ich Ihnen im Folgenden, wie Sie ein entfesselt angesteuertes TTL-Blitzgerät in verschiedenen Aufnahmesituationen einsetzen können. Für die Umsetzung der Aufnahmen benötigen Sie nur wenig Equipment und geringen technischen Aufwand. Nehmen Sie den Blitz am ausgestreckten Arm in die linke Hand oder verwenden Sie den mitgelieferten Blitzfuß bzw. ein leichtes Blitzstativ, um ihn einfach und schnell platzieren zu können. Natürlich kann im Rahmen dieses Artikels nicht alles, was möglich ist, aufgeführt und umfassend beschrieben werden. Und natürlich werden Sie noch viel mehr entdecken und fotografieren. Und das ist auch gut so. Davon lebt die Fotografie.

Die Sonne anknipsen

Trübes Wetter? Kein Problem! Schieben Sie einfach einen Orangefilter (CTO) vor den Reflektor und setzen Sie den Blitz vorzugsweise entfesselt etwas seitlich von der Kamera ein, um Sonnenlicht zu simulieren. Ich verwende diese Methode gerne, um meinen Aufnahmen eine warme Lichtstimmung zu verleihen.

Weißabgleich: 6000 K |Belichtung: 1/50 s |F/1,4 |ISO 100 |Belichtungskorrektur: 0 |Blitzkorrektur -1EV |Filterhalter + Filter LEE 105 Orange

Farbiges Herbstlaub fotografieren die meisten Fotografen üblicherweise im warmen Sonnenlicht. An einem trüben Tag hilft nur der Blitz mit aufgesetztem orangefarbenem Filter!

Halten Sie einen entfesselten Blitz in der Hand und verwenden Sie ein Stativ und eine Kamera mit Fernauslöser, um den gewünschten Standpunkt für den Lichteffekt flexibel zu wählen

Für das Bild oben wurde der Blitz in unmittelbarer Nähe des Herbstlaubs in Bodenhöhe platziert und entfesselt ausgelöst


Das seitlich eingesetzte „Hand“-Blitzlicht mit Orangefilter zaubert Farbakzente und Tiefe in die Raureif- Motive. Mit dem MagMod-Set und dem „Snoot”-Spotvorsatz wird dem Lichtstrahl punktuell auf kleine Details gelenkt

Der MagMod-Blitzvorsatz erzeugt dank Snoot einen punktuellen Lichtspot


Pack den Regenschirm ein

Einen kompakten farbigen Regenschirm habe ich immer griffbereit im Fotorucksack dabei, um ihn als Motivmittelpunkt für Blitzaufnahmen zu verwenden.

Der pinke Schirm peppt das triste Grau in der Aufnahme auf. Setzen Sie den Fokus bei offener Blende bewusst auf den Schirm im Vordergrund und belichten Sie den Hintergrund etwas knapper, um den Farbeffekt zu verstärken

Der entfesselte Blitz wurde auf einem Objektivbeutel liegend platziert und der Hama-Blitzreflektor Vario eingesetzt, um eine diffusere Lichtwirkung zu erhalten

Der Hintergrund wurde mit einer Belichtungskorrektur von -2 EV dunkler belichtet, damit sich der Schirm besser absetzt

Schaufensterpuppen als spannende Motive

Nehmen Sie doch mal die coolen Puppen in Schaufenstern aufs Korn. Am besten spätabends, wenn es dunkel ist und keine Neugierigen stören. Tipp: Belichten Sie knapper, sodass sich der vom Schaufenster ausgehende Fremdlichtanteil nicht auswirkt. Verwenden Sie eine längere Zoom-Brennweite mit Polfilter.

Um das Blitzlicht zu bündeln, habe ich wieder den Spot-Vorsatz von MagMod verwendet. Außerdem wurde die Aufnahme in ein kontrastreiches Schwarz-Weiß umgewandelt


Hier wurde der MagMod-Filterhalter mit Blaufilter (CTB 1/2) eingesetzt

Um eine freundlichere Stimmung in dieser eher dunklen Werkstatt zu erzeugen, setzte ich den entfesselten Blitz mit oranger Filterfolie als leichtes Gegenlicht ein


FOTO: SABINE UND PETER DICKMANN

Alte Industrieanlage effektvoll fotografieren

Die Aufnahmen entstanden bei einem Blitzworkshop in der Alten Gießerei in Kiel. Der Hintergrund wurde mit einem manuellen Weißabgleich bewusst in den kühlen (2.500 Kelvin) oder den warmen Bereich (8.500 Kelvin) verschoben und der Blitz mit einem Filter der entsprechenden „Gegenfarbe” ausgestattet. Der anfänglich eher langweiligen Lichtstimmung in dem alten Gemäuer konnte durch diesen Effekt mehr Spannung eingehaucht werden. Achten Sie unbedingt auf einen ausreichenden Abstand des Objekts im Vordergrund zum Hintergrund und platzieren Sie den Blitz möglichst nah, um eine saubere Trennung zu erzielen. Mein Dank geht an Sabine und Peter Dickmann, die mir die Aufnahmen freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben.

Der manuelle Weißabgleich auf 3.000 Kelvin sorgt für ein kühles Blau im Hintergrund, während der Blitz mit Orangefilter den Vordergrund in ein warmes Licht taucht.


Der Weißabgleich erzeugt eine warme Farbwiedergabe im Hintergrund. Der frontal eingesetzte Blitz mit Blaufilter setzt einen frostigen Akzent auf die Metallblöcke im Vordergrund


Ein leichter Blaufilter vor dem Blitzreflektor sorgt für die kühle Stimmung auf dem Schild und auch auf der Wand dahinter. Dies betont den industriellen Charme der Location

Blitz auf TTL

Verwenden Sie die komfortable TTL-Steuerung des Blitzgeräts, damit die Intensität des abgegebenen Blitzlichts durch das Objektiv ermittelt und vom Sensor der Kamera gesteuert werden kann. In den meisten Motivsituationen können Sie sich voll auf die automatische TTL-Aufhellblitz- Technik verlassen.

Fotografieren im manuellen Modus

Im manuellen Modus der Kamera können Sie ganz kreativ Blende und Belichtungszeit frei bestimmen, um z. B. die Skyline einer Stadt bei Nacht vom Stativ aus aufzunehmen und den Vordergrund mit dem Blitz gezielt aufzuhellen. Oder Sie fotografieren mit einer Blitzanlage im heimischen Studio. Nutzen Sie die manuelle Einstellung aber vor allem bei konstanten Lichtverhältnissen (z. B. in Innenräumen) – so haben Sie die volle Kontrolle über das Umgebungslicht! Legen Sie zunächst den ISO-Wert fest und wählen Sie dann, je nach Priorität, Blende und Belichtungszeit.

Keine Automatik greift ein und Sie können sich völlig auf Ihr Motiv und die vorhandene Lichtstimmung konzentrieren. Ich bevorzuge diese Option beim Blitzen grundsätzlich, auch wenn sie etwas zeitintensiver ist

Insbesondere bei konstanten Lichtverhältnissen, z. B. in Innenräumen, sollten Sie die manuelle Einstellung wählen

BUCHTIPP

Noch mehr Blitz

Weitere technische und praktische Tipps und noch viel mehr finden Sie in meinem Buch „Blitz und Licht“.

Gebundene Ausgabe und als E-Book, 288 Seiten, ISBN-10: 3832803572

Der Not-Aufheller aus der Hosentasche

Sollten Sie den Blitzdiffusor vergessen haben, bleibt noch eine sehr effektive und fast kostenlos Alternative: Der Papiertaschentuch- Diffusor. Zerknüllen Sie das Taschentuch zunächst etwas, damit es eine unregelmäßige Struktur bekommt, und falten Sie es doppelt zusammen. Befestigen Sie die längere Seite des Taschentuchs mit Tesafilm oder Gummiband an der oberen Seite des Blitzreflektors und das andere Ende an der unteren Seite. Halten Sie mindestens zwei Zentimeter Abstand zur Frontseite des Blitzes ein, damit sich das Taschentuch nicht entzündet oder das Frontglas aufgrund von Überhitzung möglicherweise einen Schaden nimmt.