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BÖSE ÜBERRASCHUNG NACH DER RENOVIERUNG


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RZ - Trends Interior Design - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 05.10.2022

BODEN-PROFI – FOLGE 204

Das Verhältnis Renovierung zu Neubau beträgt in Deutschland ungefähr 70 zu 30. In den Jahren der Finanzkrise ab 2007 stand die Quote sogar zeitweise auf 80/20 – eine Veränderung, die uns für die kommenden Jahre ebenfalls bevorstehen wird. Grundsätzlich kein Problem, denn der Raumausstatter ist für alle Arbeiten, egal ob Erstausstattung oder Sanierung, gerüstet. Wenn es um das Verlegen von Bodenbelägen geht, könnte das Arbeiten im Bestand sogar lukrativer sein als das Ausstatten von Neubauten. Immer vorausgesetzt, dass er seinen Job gewissenhaft macht und die Gegebenheiten vor Ort kritisch hinterfragt. Ein teilfiktives Beispiel soll verdeutlichen, dass am Boden nicht immer alles so ist, wie es scheint.

LAMINAT GEGEN LVT GETAUSCHT

Im Erdgeschoss eines Einfamilienhauses aus den 1960er-Jahren sollen großflächig LVT-Beläge verlegt werden. Beim Aufmaß der Flächen – Eingangsbereich ...

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Bildquelle: RZ - Trends Interior Design, Ausgabe 10/2022

Vorher In einem Altbau wurde rund zehn Jahre lang ein schwimmend verlegter Laminatboden schadensfrei genutzt, bevor dieser herausgerissen und durch einen festverklebten LVT-Belag ersetzt wurde.
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... mit Verbindungsflur, Küche mit offen angrenzendem Essplatz sowie Wohnzimmer mit Kamin – stellt der Bodenleger fest, dass der dort seit rund zehn Jahren verlegte Laminatboden einwandfrei beschaffen ist. Sein Auftraggeber gibt auf Nachfrage an, dass es nie Probleme mit dem Belag gab, aber er im Zuge der Renovierung nun etwas Neues möchte. Schließlich wird auf den genannten Flächen ein Dryback-Designbelag (Gesamtstärke 2 Millimeter) vollflächig verklebt, nachdem der alte Laminatboden entfernt wurde. Die Arbeiten erfolgten zur Zufriedenheit des Kunden.

PRÜFPFLICHT VERNACHLÄSSIGT

Die Erkenntnisse über die Bausubstanz hätte auch der Bodenleger mit ein paar einfachen Fragen an seinen Auftraggeber vor der Verlegung gewinnen können. Zudem wäre er in der Pflicht gewesen, den Untergrund sowohl auf Tragfähigkeit als auch auf Feuchte zu prüfen. Spätestens eine mechanische Untergrundprüfung – Hammerschlag-, Gitterritz- und Drahtbürsten-Prüfung – hätten ihm gezeigt, dass hier mehrere alte Verlegewerkstoff-Schichten vorliegen, die keinen festen Verbund aufweisen. Auch wenn möglicherweise eine CM- oder KRL-Feuchtemessung zum Zeitpunkt vor der Verlegung keine erhöhten Werte gezeigt hätte, wäre er mit Kenntnis der baulichen Gegebenheiten – nicht unterkellerte Fläche, Baujahr 1964 – in der Pflicht gewesen, Bedenken anzumelden. In diesem Zusammenhang hätte er seinem Auftraggeber Möglichkeiten darlegen können, wie die Flächen dennoch schadenfrei mit neuen Bodenbelägen ausgestattet werden können, beispielsweise durch eine Sperrgrundierung oder eine Trennlage. Der entstandene Schaden wäre vermeidbar gewesen.

FAZIT

Einen schadensfrei liegenden Altbelag als Indiz dafür zu nehmen, dass es bei einer Neuverlegung keine Probleme mit dem Untergrund geben kann, ist grob fahrlässig. Auch die Annahme, dass der Estrich in einem Altbau „trocken“ ist, ist Unsinn. Das hier aufgezeigte Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren und vieler anderer (!), die zu einem Schaden führen können, sind in Bestandsgebäuden an der Tagesordnung. Daher sind eine gewissenhafte Untergrundprüfung sowie eine Feuchtemessung immer verpflichtend durchzuführen. Um möglichst viel über die Gegebenheiten auf der Baustelle in Erfahrung zu bringen, hat sich das Abarbeiten von Checklisten bewährt. Diese Checklisten können selbst zusammengestellt werden. Als Grundlage bieten sich unter anderem die Ausführungen im Kommentar zur DIN 18365 an, aber auch der Blick in vorhandene Listen, beispielsweise von der Verlegewerkstoff-Industrie.

WIESO ERST JETZT?

Warum es im vorliegenden Fall, der in der Konstellation der Gegebenheiten nicht ungewöhnlich ist, nicht schon früher zu einem Schaden gekommen ist, liegt auf der Hand. Im nachträglichen Anbau des Gebäudes wurden vermutlich dem Stand der Technik entsprechende Feuchtesperren eingebaut, die im Altbau von 1964 noch fehlten. Zudem konnten im Wohnzimmer die maroden alten Verlegewerkstoff-Schichten sowie die möglicherweise vorhandene Untergrundfeuchte den schwimmend verlegten Laminatboden nicht negativ beeinflussen: Eine Dampfbremse sowie eine Dämmunterlage entkoppelten die Laminatboden-Fläche vom Untergrund und verhinderten einen Feuchteeintrag in den Holzwerkstoff-Träger. Ein direkt verklebter Bodenbelag hätte auch schon früher Schäden aufgewiesen.

WISSENS-WERTES

Im BEB-Kommentar zur DIN 18365 „Bodenbelagarbeiten“ heißt es zum Punkt 3.1.1 unter anderem: „Altuntergründe, wie bereits genutzte Bodenbeläge, Fliesen, Beschichtungen stellen grundsätzlich keine normgerechten Untergründe dar. Hier sollten Bedenken angemeldet werden. Sollte dennoch ein Bodenbelag darauf verlegt werden, besteht ein erhebliches Risiko. Aus diesem Grund sind eventuell weiterführende Prüfungen und daraus resultierende Maßnahmen notwendig, die bereits im Vorfeld (Planer/Fachplaner) festzulegen sind. Dies gilt sinngemäß auch für alte Spachtelmassen und Klebstoffschichten. Diese sind zu entfernen.“

Zudem wird in der DIN 18365 „Bodenbelagarbeiten“ sinngemäß darauf hingewiesen, dass der Auftragnehmer „einen Untergrund hinsichtlich der Feuchte zu überprüfen hat; das heißt, liegt ein nicht genügend trockener Untergrund vor, sind Bedenken anzumelden beziehungsweise Maßnahmen zu ergreifen, um die vorhandene überhöhte Feuchte von den aufzubringenden Verlegewerkstoff-Schichten fernzuhalten.“