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Bohrerschrank aus Massivholz: Einer für alle


HolzWerken - epaper ⋅ Ausgabe 87/2020 vom 19.06.2020
Artikelbild für den Artikel "Bohrerschrank aus Massivholz: Einer für alle" aus der Ausgabe 87/2020 von HolzWerken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HolzWerken, Ausgabe 87/2020

Ich kenne viele Holzwerker, die sagen, sie „brauchen kein Werkzeug mehr“, sie „haben schon alles.“ Ich kenne aber keinen Holzwerker, der – nachdem er das gesagt hat – kein Werkzeug mehr gekauft hat. Aus diesem Grund sollten Sie sich beim Bau von Werkzeugschränken maximale Flexibilität erhalten. Befestigen Sie Halterungen nur mit Schrauben und achten Sie darauf, dass zum Beispiel Einlegeböden leicht austauschbar sind. Ändert sich Ihre Ausstattung, passt sich Ihr Schrank genau ihrem Zubehör und ihrem Werkzeug an. Wichtig war mir, Ihnen hier aufzuzeigen, dass es einfache Lösungen gibt, die großartige ...

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„Schön machen“ aus Prinzip

Für diesen Bohrerschrank, so mein Plan, sollte überwiegend Material aus der Holz-Resteecke herhalten. Eine Art „Patchwork- Schrank“ aus verschiedenen Hölzern hatte ich schon länger als Idee im Hinterkopf. Begeistert hat mich das sägeraue, angewetterte Eichenbrett (Bild 1). Die schönere Seite wird mit einer Messingbürste vom groben Schmutz befreit und nur die spätere Türinnenseite abgerichtet. Stellen Sie dazu mit dem Schrupphobel eine plane Fläche her und schieben Sie diese einmal über den Abrichttisch der Hobelmaschine. Die sägeraue Außenseite wird mit dem Exzenterschleifer (Korn 180) „handfreundlich“ gemacht. Die Türfront entsteht aus drei Teilen der aufgetrennten Eichenbohle (Bild 2): sie ist unterschiedlich im Aussehen (gestockt, astig, verwittert), in Materialstärke und Haptik (gehobelt und sägerau) – Patchwork halt. Ohne Nut und Feder kommt man aus, wenn man die seitlichen Bretter, die stärker sind als das mittlere Brett, mit einem einfachen Falz überlappen lässt. Auch das ist schnell und einfach mit Hilfe der Tischkreissäge erledigt (Bild 3).

Eckverbindung mit Dübelschloss

Als nächstes werden die Teile für den Schrankkorpus und die Koffertür vorbereitet. Um diese „Rahmenteile“ im rechten Winkel zu verbinden, habe ich mich bei diesem Projekt für eine „gespundete Eckverbindung“ entschieden (siehe Kasten). Sie kann einfach und schnell an einer Tischkreissäge hergestellt werden. Wichtig ist, dass die Holzteile beim Bohren des Dübelloches mit einer Schraubzwinge zusammengespannt sind. Sind alle Löcher gebohrt, nehmen Sie die Rahmenteile der Koffertür wieder auseinander. Erst jetzt wird Leim aufgebracht, der Rahmen mit Schraubzwingen gespannt und Dübel werden eingetrieben (Bild 4). Der Rahmen für die Koffertür ist fertig.

Projekt-Check Zeitaufwand › 50 Stunden Materialkosten › 60 Euro Fähigkeiten › Könner

Die drei Frontbretter der Koffertür werden nur im Bereich der Holzdübel (bei dieser Arbeit sind Dübelmarkierer eine große Hilfe) mit dem Rahmen verleimt (Bild 5). Lassen Sie einen kleinen Abstand zwischen den Brettern, dann kann die Türfront bei wechselnder Luftfeuchte arbeiten und die Gefahr der Rissbildung wird eliminiert.

Jetzt widmen wir dem Schrankkorpus unsere Aufmerksamkeit (Bild 6). Der Schrank soll später aufgehängt werden und bekommt eine massive Rückwand. Vorteile von Keilleisten (Bild 7) sind die einfache Montage und ihre Stabilität. Sowohl die Keilleiste (Pos. 6) als auch das Anschlagbrett (Pos. 7) werden mit jeweils vier Holzdübeln von innen in den Schrankkorpus geleimt (Bild 8). Dafür entstehen zunächst die Dübellöcher in den Multiplexkanten (15 mm tief), dann die im Korpus. Die Dübel werden eingeschlagen und alles verleimt (Bild 9).

Teile-Trick für eine bessere Optik

Kommen wir jetzt zum Thema Schubladenblock im Schrank und, ja, in dem Zusammenhang auch wieder zum Thema „schön & stimmig“. Die Maße für Höhe und Breite der Schubladen und des Schubladenblocks sind nicht dem Zufall überlassen. Höhe und Breite sind je in fünf Teile aufgeteilt. In Bild 10 ist die Gesamthöhe gelb, die Teilhöhe des Schubladenblocks blau und die Breite rot dargestellt. Zum Test können Sie (wie hier gezeigt) ein Modell aus MDF und Heißkleber, aus Karton oder Tonpapier herstellen. Für den Schubladenblock habe ich 11 mm starkes Eichenholz verwendet. Alle Verbindungen wurden mit Nut und Falz hergestellt. Bei den größeren Teilen geht das noch gut mit Hilfe der Tischkreissäge, die kleineren Teile können sicherer mit einem Frästisch bearbeitet werden (Bild 11).

Wenn Sie die Einzelteile verleimen, sollten Sie unbedingt in Etappen vorgehen. Das reduziert den Stressfaktor enorm in der Werkstatt. Eine tolle Hilfe beim Verleimen der Einzelteile ist ein Holzanschlag im 90°-Winkel aus Multiplex, den Sie mit einer Folie auslegen (Bild 12). Dieses Vorgehen garantiert, dass der Block später im rechten Winkel steht. Wenn der Leim trocken ist, bohren Sie noch 5-mm-Dübellöcher. Holzdübel aus Nussbaum verleihen dem Block nicht nur zusätzliche Stabilität, sondern sorgen für einen schönen Kontrast (Bild 13). Gespaltenes Holz als Gestaltungselement für die Schubladenfronten zu verwenden, war nicht geplant, sondern eher ein Zufallsprodukt. Das Endstück einer Eschenbohle war mir beim Hantieren mit dem Holz gebrochen. Dabei ist mir aufgefallen, dass Esche kaum splittert und eine wunderbare Oberfläche an der Bruchstelle hinterlässt.

Mit dem Spaltmesser oder der Axt sind schnell ein paar Spaltversuche gemacht. Von den besten Resultaten schneidet man mit der Gestellsäge Streifen ab und hobelt lediglich die Rückseite, bis eine Brettchenstärke von 11 mm erreicht ist. Auf der Abrichte werden danach die Kanten auf 90° gehobelt. Die gespaltene Oberfläche wird nur mit der Messingbürste und Schleifpapier (Korn 400) handfreundlich gemacht (Bild 14).

Alle Seiten der kleinen Schubladen werden passend auf Gehrung geschnitten. Anschließend wird in Bodenstärke ein Falz gefräst (Bild 15). Der 90°-Winkelanschlag ist auch beim Verleimen der Seitenteile wieder eine tolle Hilfe (Bild 16). Nachdem der Boden aufgeleimt ist, werden die Gehrungsverbindungen noch mit kleinen Holzdübeln (5 mm) verstärkt (Bild 17). Die Schubladengriffe sind auch aus einer 5-mm-Dübelstange entstanden. Da die Griffe jedoch in die Koffertür ragen, müssen Sie beim Bestücken der Tür dafür auch Platz vorsehen. Falls dieser Platz in Ihrem Schrank schon anderweitig vergeben ist, können auch alternativ kleine Grifflöcher in die Schubladenfront gebohrt werden.

Schrank mit starkem Rückgrat

Die Rückwand besteht, der Design-Logik folgend, ebenfalls aus fünf Teilen. Bewusst habe ich mich für eine massive Rückwand (Kernesche, 19 mm) entschieden und nicht für einen Rahmen mit Füllung. Das macht den Schrank flexibler. Mit einer massiven Rückwand hat man immer die Möglichkeit, eine Halterung zu befestigen.

Die gespundete Eckverbindung

Im Grunde genommen besteht diese Nut-und-Feder-Verbindung lediglich aus einem Falz, der in eine passende Nut geleimt wird. Eine Zugentlastung für die Leimverbindung wird zusätzlich durch ein Dübelschloss erreicht: ein Holzdübel, der mechanisch den Falz in der Nut blockiert. Beachten Sie dazu bitte unsere Zeichnung. Wer eine gespundete Eckverbindung ohne Dübelschloss anfertigt, sollte nicht so weit ins Material gehen: Die Feder sollte nur zwischen einem Viertel und einem Drittel der Materialstärke betragen und die Nut nicht tiefer als 4/10 sein. So wird das Material weniger geschwächt und bietet dennoch eine größere Leimfläche als eine stumpfe Verbindung.

Nut und Feder sorgen dafür, dass die Rückwand immer dicht ist und das Holz trotzdem arbeiten kann. Die Nut ist mit der Tischkreissäge hergestellt (Bild 18). Schieben Sie das Brett über das abgesenkte Sägeblatt, drehen Sie das Werkstück um 180° und schieben es ein zweites Mal über das Sägeblatt. Auf diese Weise ist die Nut immer genau in der Mitte. Längen Sie die Bretter exakt ab und passen Sie sie genau um den Schubladenblock herum ein (Bild 19). Der Schubladenblock ist „unter“ der Rückwand und die Rückwand sitzt auf dem Block auf (siehe Zeichnung).

So gewinnen Sie für die Schubladen 19 mm mehr Tiefe. Ich habe den Schubladenblock im Schrank nicht fixiert. Durch die umlaufenden Rückwandbretter kann er nicht verrutschen. Die Bretter der Rückwand werden von hinten mit 30 mm langen Schrauben fixiert (Bild 20).

Solide Scharniere für die Tür

Jetzt ist es an der Zeit, die Tür zu montieren. Werkzeugschränke brauchen stabile Scharniere. Wenn Sie Aufwand und Mühe in den Bau investieren, sollten Sie nicht bei den Beschlägen sparen. Schauen Sie sich ein wenig im Internet um. Dort wo Sie Normteile bestellen können, bekommen Sie meist auch richtig gute Scharniere zu vernünftigen Preisen. Die Firma Kipp (hier im Einsatz) oder Mädler sind zum Beispiel gute Adressen.

Um ein Scharnier bündig im Holz zu versenken, ist die Oberfräse in Verbindung mit einer kleinen Kopierhülse der beste Partner. Machen Sie sich eine passende Schablone (Bild 21) und testen Sie das Ergebnis erst an einem Probestück, bevor Sie kurz vor der Fertigstellung Ihren schönen Schrank noch verunstalten. Die Koffertüre wird mit insgesamt vier Scheibenmagneten zugehalten, die oben und unten in die Schrankseitenteile und in den Rahmen der Koffertüre bündig eingeklebt werden. Achten Sie bei der Montage auf die richtige Polung.

Bevor Sie mit der Inneneinrichtung beginnen, sollten das Finish aufgetragen werden. Ich habe diesen Schrank mit einer Mischung aus Leinöl / Tungöl (50: 50) behandelt. Die Holzzeichnung wurde dadurch wunderbar angefeuert und die Kontraste der unterschiedlichen Oberflächen hervorgehoben.

Schönheit auch innen

Abschließend noch ein paar Worte zur Inneneinrichtung des Werkzeugschrankes. Sie ist, wie schon anfangs erwähnt, sehr individuell, weil sie natürlich auf das eigene Werkzeug angepasst ist. Gerne gebe ich an dieser Stelle aber Anregungen. Aufhängungen, wie zum Beispiel für lange Schlangenbohrer (siehe Zeichnung), sind dann symmetrisch, wenn sie paarweise erstellt werden. Wer also erst die Haken bohrt und aussägt, kann danach die Aufhängung einfach auftrennen. Fräser mit 8-mm- Schaft sind übersichtlich in einer Leiste mit 8,5-mm-Bohrungen aufbewahrt. Hilfreich ist, die Kärtchen mit den Fräserdaten dahinter zu klemmen. Hobeln Sie einen kleinen Falz zu diesem Zweck in die Rückseite der Leiste.

Regalbretter lege ich gerne so auf Bodenträger aus Leisten (siehe Zeichnung), dass sie nicht nach vorne rutschen können. Wenn die Bretter zu diesem Zweck ein wenig ausgenommen werden, wird das verhindert. Wo es hilfreich ist, sollten auch Beschriftungen angebracht werden. Schlagstempel sind für wenig Geld zu bekommen. Mit einem Fineliner ist der Stempelabdruck schnell nachgezogen und die Größe ist so gut lesbar. Kleine Aufsteller oder Halterungen für die langen Bohrer in der Koffertür halten sicher, wenn sie zusätzlich an der Unterseite oder Rückseite mit zwei kleinen Scheibenmagneten am Schrankboden gesichert werden.

Wenn unser Autor Volker Hennemann Möbel für seine Werkstatt baut, dann legt er Wert auf Schönheit und Funktionalität gleichermaßen. Beim Bau erweitert er gerne mit für ihn neuen Techniken seinen Horizont als Holzwerker.



Fotos: Volker Hennemann; Illustrationen: Sonja Senge