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Bollwerke, Bastionen und Bombarden: Erste bastionäre Befestigungen in Deutschland – Dresden und Leipzig


Archäologie in Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 13.09.2019

In Dresden und Leipzig entstanden seinerzeit nach niederländischem Vorbild die modernsten Vertei - digungsanlagen Deutschlands. Erhalten sind nur noch Rudimente der Gebäude – vor allem die Archäologie kann uns deshalb eine zuverlässige Vorstellung von den Festungsbauten vermitteln.


Die Quellen der Festungsforschung sind sehr vielfältig: von den erhaltenen Überresten der Anlagen über bauzeitliche Pläne und spätere Kartierungen bis hin zu literarischen Verarbeitungen. Nicht nur in Sachsen spielt die Archäologie aufgrund der mannigfaltigen Bodeneingriffe der letzten 30 Jahre eine wichtige Rolle im ...

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Bildquelle: Archäologie in Deutschland, Ausgabe 5/2019

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... Quellencorpus. Auch die beiden ersten vollständigen bastionären Stadtbefestigungen im heutigen Deutschland wurden und werden zum Teil archäologisch untersucht: die Städte Leipzig und Dresden.

Dresden: Eine durch starke Fugen geliederte (rustizierte) Schießscharte in der nörd - lichen Flankenmauer der Bastion Saturn.


Leipzig: Die Zitadelle Pleißenburg um 1650 mit dem Trotzer im Vordergrund.


Unter dem Rathaus Leipzigs: die Pleißenburg

Die Pleißenburg war ein besonderer Bestandteil der bastionären Umwallung Leipzigs, eine gesondert gegenüber der Stadt befestigte Zitadelle. Der Baukörper stand auf dem Grundriss eines gleichschenkligrechtwinkligen Dreiecks und hatte einen mehrgeschossigen, runden Geschützturm in der Ecke mit dem rechten Winkel. Feld- seitig befand sich vor dem Schloss eine Spitzbastion mit eingezogenen Flanken und Flankenhöfen für jeweils zwei Geschützstände. Die Stadtseite wurde durch zwei Halbbastionen geschützt. Der Zugang erfolgte von der Stadt durch das mächtige Torhaus »Trotzer«. Halbbastionen und Trotzer verbanden jeweils eingeschossige Seitenflügel.

Dresden: Luftbild der Ausgrabungen auf dem Postplatz. Oben die Zwingermauer mit Schalenturm 1427, unten der Zugang zur Bastion Saturn.


Neue, grundlegende Erkenntnisse zur Bauweise und zum Aussehen der nur noch in Rudimenten vorhanden Pleißenburg erbrachten die archäologischen Ausgrabungen 1995/96 auf dem stadtseitigen Burgplatz. Demnach hatte der Zitadelle und Stadt trennende Wassergraben eine Breite von ca. 9m. Seine Konterescarpemauer, die Grabenmauer auf der Feldseite, bestand aus sorgfältig gesetztem Zyklopmauerwerk. Dazu wurden die großen Natursteine unförmig und unbearbeitet belassen und auch nicht in horizontalen Lagen vermauert. Diese Grabenmauer besaß Auslassöffnungen für das städtische Abwasser. Auch die Erdgeschossebene des Torhauses »Trotzer« konnte ergraben werden. Es fanden sich Mauerreste aus Bruchsteinen und die Laibungen des Hoftores aus wiederverwendeten Bausteinen (Spolien) spätgotischer Gebäude. Diese Abschlusssteine der Mauer zur Toröffnung stammten ursprünglich entweder vom Vorgängerbau, der alten Pleißenburg, oder von der Georgenkirche. Es ist aus den Schriftquellen bekannt, dass die Georgenkirche für den Festungsbau abgetragen wurde. Die alte Pleißenburg wurde bei der Belagerung 1547 z.T. zerstört. Heute ist der Grundriss des Trotzers im Pflaster des Platzes nachgezeichnet.

Festungsbauten über dem Elbufer Dresdens

Ebenso wie in Leipzig finden sich auch in Dresden bei bauvorbereitenden Ausgrabungen immer wieder originäre Zeugnisse der Festungsgeschichte. Dresden besaß eine Stadtbefestigung mit sechs Bastionen und der bis heute erhaltenen Piatta Forma, einer Geschützstellung an der Umfassungsmauer auf rechteckigem Grundriss, am Elbufer. Wichtige Erkenntnisse aus verschiedenen Phasen der Stadtbefestigung ab ca. 1200 erbrachten zuletzt die seit 2015 stattfindenden Ausgrabungen unter dem Postplatz in der Dresdener Altstadt. Genannt seien hier insbesondere Bauteile der Bastion Saturn aus gut gearbeiteten Elbsandsteinquadern. Nur durch die Ausgrabungen konnte eine für Dresden bisher einzigartige Schießschartenform nachgewiesen werden: eine rustizierte (durch starke Fugen gegliederte) Rechteckscharte in der Bastionsflanke. Die Rustizierung war ein beliebtes und typisches Stilmittel der Renaissance, bei der die Steinoberflächen deutlich über die breiten Fugen der Mauer ragte. Von hier aus wurde die nördlich an die Bastion anschließende Kurtine bestrichen. Im Bereich Wallstraße und Postplatz wurden bei mehreren Ausgrabungen Relikte der Dresdener Stadtbefestigung von der Stadtmauer um 1200 bis zur Bastionärsbefestigung ab der Mitte des 16. Jh. dokumentiert.

Allerdings reichen die Anstrengungen der Denkmalpflege und der Politik noch nicht aus, um die im Bodenarchiv lagernden Überreste der bedeutenden Festungsgeschichte zu erhalten. So ist vor allem ein sichtbarer, zumindest exemplarischer Erhalt vor Ort wünschenswert, aber oft nicht realisierbar.