Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

Bonjour ma belle


Logo von Donna
Donna - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 03.08.2022

Life Stories

Artikelbild für den Artikel "Bonjour ma belle" aus der Ausgabe 9/2022 von Donna. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Inès de la Fressange backstage während einer Modenschau in Paris 1994

PParis ist nicht, wie die Chansonnière Mistinguett gesungen hat, eine Blonde. Paris ist brünett wie Inès de la Fressange: zeitlos schön, von innen leuchtend und unberechenbar. Wenn ihr Name in Frankreich fällt, folgt eine Reihe von Superlativen. Inès? Ein Supermodell, lange bevor diese Kategorie erfunden wurde. Business Woman. Role Model. Stil-Ikone des effortless chic, um den die ganze Welt die Pariserin beneidet. Keine andere Frau, keine andere Französin, keine Schauspielerin, keine Première dame verkörpert wie sie die Idee der Pariserin. In ihrer Stilbibel „Pariser Chic“ – in 17 Sprachen übersetzt, mehr als eine Million Mal verkauft – erklärt Inès de la Fressange, worauf es ankommt: Mode muss Spaß machen, sie muss unkompliziert sein und – ja – auch bequem. „Wenn Sie sich in ihrem Pulli mit tiefem Dekolleté, enger Jeans und auf High Heels nicht wohlfühlen“, rät sie in „La ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Donna. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 9/2022 von Liebe Leserin, lieber Leser. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserin, lieber Leser
Titelbild der Ausgabe 9/2022 von Nur Fliegen ist schöner. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nur Fliegen ist schöner
Titelbild der Ausgabe 9/2022 von Lust auf Open Air. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lust auf Open Air
Titelbild der Ausgabe 9/2022 von Lucinde ist 50. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Lucinde ist 50
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
„Ich war unsicher und bin es noch”
Vorheriger Artikel
„Ich war unsicher und bin es noch”
Sie ist der Boss
Nächster Artikel
Sie ist der Boss
Mehr Lesetipps

... Parisienne“, so der Originaltitel, „dann ziehen Sie sich um!“ Außerdem: Besser ist es, keine Mode-Idole zu haben und sich höchstens an Jane Birkin zu orientieren – Regeln sind da, um sie zu übertreten. Als Pariserin wird man nicht geboren. Es ist eine Geisteshaltung. Oft sind es die Zugereisten, verrät de la Fressange, die diese Freiheit am besten verkörpern.

Ihr voller Name Inès Marie Laetitia Eglantine Isabelle de Seignard de la Fressange erzählt bereits eine Geschichte. Sie wird 1957 in der Nähe von Saint-Tropez in eine bunte, jüdisch-aristokratische Familie geboren. Die Mutter, groß und gertenschlank, Mannequin für Guy Laroche, kommt aus Argentinien. Der Vater ist der Enkel des Bankiers André Lazard und arbeitet als Börsenmakler. Sie beschreibt ihn als eine Art James Dean, sieht ihn als „exzentrischen Mathematiker“. Und beide Eltern sind beim berühmten Psychiater Jacques Lacan in Behandlung.

Mit dem polnischen Kindermädchen Toya lebt sie in ih ren zwei Brüdern und einer Wohnung über der ihrer Eltern im gutbürgerlichen 16. Arrondissement von Paris. Am Muttertag ist es Toya, die die Geschenke der Kinder bekommt. „Ich begegnete meinen Eltern regelmäßig, aber erinnere mich nicht, nur ein einziges Mal mit ihnen gegessen zu haben“, erzählt sie ohne Bitterkeit.

Später ziehen sie in eine große Mühle weit vor Paris. Nach dem frühen Abi will sie Kinderpsychiaterin werden, dann Anwältin, schließlich Bildhauerin oder Malerin. „In meiner Familie musste man ein Genie sein, oder man war gar nichts.“ Sie entscheidet sich, aus dem Nichts ins Lampenlicht zu treten. Nach wenigen Semestern Kunstgeschichte wird sie entdeckt. Doch als sie ihre Karriere beginnt, Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre, ist ein ganz anderer Frauentyp gefragt. Auf den Titelseiten der Magazine posieren durchtrainierte Blondinen in knappen Badeanzügen, die Haut gebräunt, die Haare vom Surfen ausgebleicht. Die Männer träumen von Elle Macpherson. Inès de la Fressange ist das Gegenteil: Spargelfigur. Kaum Busen.

Dunkle kurze Haare. Wie soll so eine Frau als Model Karriere machen? Aber Jean Paul Gaultier und Thierry Mugler sind begeistert. Sie sehen sie als Zwitterwesen, wie eine ziemlich maskuline Frau oder wie einen irrsinnig weiblichen Mann. Das gefällt den jungen Modeschöpfern, und sie stecken Inès in futuristische, eckige Entwürfe. Einmal defiliert sie mit zwei Königspudeln über den Laufsteg und trägt einen weißen Fellmantel, wie eine Eiskönigin.

„Die Muttertagsgeschenke hat unsere Kinderfrau bekommen”

D ie Haute-Couture-Häuser rümpfen die Nase. Nur Modeschöpfer der Karl Lagerfeld nicht. Er erkennt eine Ähnlichkeit mit Coco Chanel und engagiert sie. Ab 1983 bekommt sie einen Exklusivvertrag mit Chanel, wird „Muse“ und das erste Model, das fest an ein Haus gebunden wird. Chanel? Das ist Inès. Inès ist Chanel. „Von ihm habe ich gelernt, nicht immer zu viel in die Dinge hineinzulegen, alles mit Leichtigkeit zu nehmen“, erzählt sie. Als sie zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution für die Büste der Marianne Modell steht, die in allen Rathäusern Frankreichs aufgestellt wird, eine Ehre für jede Französin, schmeißt Lagerfeld sie raus. Er fand es frivol, „ein Denkmal anzuziehen“. Jahrelang sprechen sie kein Wort. Als Model bricht Inès de la Fressange alle Codes. Während die anderen mit ernster Miene über den Catwalk laufen, lächelt und lacht sie. Sie scheint an allem, was sie tut, Spaß zu haben. Sie plaudert mit jedem, sogar mit Journalisten und Fotografen. Ihr Spitzname: „das Model, das spricht“.

„Mein Job war es, das Fantasieprodukt von Karl Lagerfeld zu sein”

Von außen sieht das alles leicht aus, aber das Leben ist kein Fotoroman. Sie hat Mühe, schwanger zu werden. Tochter Nine bekommt sie mit Ende 30, als Violette geboren wird, ist sie über 40. Die Jüngste ist sechs, als ihr Mann Luigi d’Urso, ein Kunsthändler, an einem Herzinfarkt stirbt. Inès trägt nur noch Schwarz. Der Pate ihrer Tochter fragt sie eines Tages, was sie im Flugzeug tun würde, wenn der Druck abfällt. „Meinen Töchtern die Sauerstoffmaske aufsetzen“, antwortet sie. „Falsch“, sagt der Freund. „Du musst sie dir zuerst aufsetzen.“ De la Fressange begreift, dass sie den Verlust überwinden muss, will sie die Töchter nicht mit runterziehen. „Ich denke jeden Tag an ihn. Das Weinen hört irgendwann auf, aber die Traurigkeit bleibt“, verrät sie Jahre später in einem Interview. Heute lebt sie mit Medienmanager Denis Olivennes, Ex-Freund von Ex-Kollegin Carla Bruni-Sarkozy. Inès de la Fressange trägt selbst Schicksalsschläge mit Eleganz. Ihre Grundregel lautet: kein Selbstmitleid. Und wer sich zu sehr um sein eigenes Image kümmert, verwandelt sich in eine Mumie.

Mit über 40 geht sie wieder auf den Laufsteg, erkämpft sich die Rechte über ihr eigenes Label zurück, die sie viele Jahre lang verloren hatte, wird Markenbotschafterin bei Roger Vivier, dem französischen Schuhmacher der Bourgeoisie, dessen Image sie aufpoliert, modernisiert und beginnt schließlich ihre Kooperation mit Uniqlo. Mit den Japanern ist es Liebe auf den ersten Blick. Das Label passt zu ihr. Seit acht Jahren dauert dieser coup de foudre schon.

Ob Blümchenbluse, Hemdkleid oder schlichte Hose in Khaki, es sind Klamotten, die in ihrem Garten in der Provence genauso funktionieren wie in den engen Gassen des Pariser Marais. „Schöne Sachen müssen nicht teuer sein“, sagt de la Fressange. Die Eleganz liegt im Mix aus günstiger Stangenware und teuren Designerteilchen. Die Perlenkette zur Jeans statt zum Abendkleid. Und den „Head to toe“-Look vermeiden. Klingt einfach, ist in Wahrheit aber Instinkt.

Gemeinsam m it Naoki Ta- kizawa,Chefdesigner von Uniqlo, hat sie bereits ihre 17. Kollektion vorgestellt. Takizawa weiß, dass alle Japanerinnen die Stilbibel von Inès de la Fressange gelesen haben und sich bei ihm „ein Stück der Geschichte von Inès kaufen wollen“. Das Thema der Kollektion dieses Sommers ist Marrakesch. Selbstverständlich steht Inès de la Fressange selbst vor der Kamera.

Niemand würde auf die Idee kommen, dass sie zu alt dafür wäre. Im August feiert sie ihren 65. Geburtstag. „Am Anfang hält man das eigene Leben für eine Wundertüte“, sagt sie, später merke man, dass man jeden Augenblick genießen müsse. Über all die Jahre und Jahrzehnte ist sie die Stilkönigin geblieben – la Parisienne, ein bisschen Gavroche, ein wenig Mistinguett, nie klagend, immer lächelnd.