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Bonsai- Katze


Traktor Classic - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 05.09.2019

EICHERS EINZYLINDER Mit klangvollen Namen wie „Königs tiger“ ist Eichers Raubtier-Reihe seit jeher legendär. In deren Schatten stehen dabei oft die kleinen Modelle – besonders der EM 100 Leopard. Wie schlägt sich der kleine Einzylinder- Schlepper von 1966 heute als Hobby-Traktor?


1 Zylinder 15 PS

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Bildquelle: Traktor Classic, Ausgabe 6/2019

In seinem zweiten Leben als Sammlerschlepper dieselt dieser gepflegte EM 100 hin und wieder zu Traktor - treffen in der Umgebung von Heinsberg


Bei Eicher haben mit Sicherheit großartige Techniker gearbeitet, mit ebenso großer Sicherheit aber keine Zoologen. Ansonsten hätten die Forsterner ihrer Raubtier-Serie kein ...

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... urzeitliches Mammut zugeordnet und auch keinen Panther, der eigentlich ein schwarzer Leopard oder Jaguar ist.

Und wer würde heute beim Leopard, der nach Tiger, Löwe und Jaguar größten Raubkatze, an einen kleinen 15-PS-Schlepper mit Einzylindermotor denken? Doch genau das ist der EM 100 Leopard – das kleinste Mitglied der berühmten 60er- Jahre-Baureihe von Eicher.

Sehr gut erhalten

Und einer davon gehört Marion und Willibert Nolten aus Unterbruch im rheinischen Kreis Heinsberg. Ihren EM 100 aus dem Baujahr 1966 durften wir uns für diesen Bericht einmal ganz genau ansehen. In Unterbruch treffen wir auf einen auffällig kleinen, in rahmenloser Blockbauweise gefertigten Traktor im Originalzustand:

Äußerlich bedeutet das, dass der Glanz alter Tage zwar etwas verblichen ist, dafür aber noch alle originalen Beschriftungen und Aufkleber auf dem alten Lack zu finden sind.

„Gerade darum habe wir diesen Traktor vor einem Jahr gekauft und in diesem Zustand belassen“, erklärt Willibert Nolten. „Ein neu lackierter oder gar restaurierter Leopard wäre für uns uninteressant.“

Apropos restauriert: Auch für eine technische Aufbereitung besteht bei Noltens EM 100 kein Bedarf: „Technisch ist er fast wie neu“, schwärmt der Eicher-Fan. In der Tat hat sein Exemplar nur fast unglaubliche 1.007 Stunden auf der Uhr. Hat sie vielleicht schon einmal die 9.999 überrundet?

Genau hingeschaut …

„Nein“, ist sich Nolten sicher, „vom Vorbesitzer weiß ich, dass der Leopard erst den zweiten Satz Reifen drauf hat. Außerdem erkennt man zum Beispiel an der immer noch vorhandenen Farbe auf den Pedalen und den ebenfalls erhaltenen Aufschriften, dass der Traktor wenig strapaziert und sehr pfleglich behandelt wurde.“

Markt- und Ersatzteillage

Grundsätzlich ist die Lage bei Eicher - Ersatzteilen sehr gut. Traktor Classic kann zwei Ersatzteilquellen besonders empfehlen: An erster Stelle die Eicher Vertriebs GmbH, die seit Ende der Produktion in Deutschland weiterhin die Ersatzteilversorgung sicherstellt.

Außerdem Willibert Nolten, der nicht nur seinen eigenen EM 100 als Anschauungsobjekt für diesen Bericht bereitgestellt hat, sondern als Inhaber von „Traktorteile Nolten“ auch sämtliche Eicher-Ersatzteile anbietet. Er weiß daher: „Wie auch für seine Brüder der Raubtierreihe gibt es für den EKLMotor des EM 100 sämtliche Teile.“

Blech: Mangelware

Blechteile gäbe es hingegen gar nicht mehr. Für sie muss man auf ausgeschlachtete Leoparden zurückgreifen oder selbst nachfertigen. Allerdings: „Bei so starkem, gefühlt drei Millimeter dickem Blech, wie es Eicher an seinen Traktoren verwendet hat, gibt es bei gut gepflegten Exemplaren auch keine Durchrostungen.“

Mit Nachfertigungen 100 Prozent

Die Ersatzteilverfügbarkeit in allen anderen Bereichen schätzt Nolten auf etwa 80 Prozent. Den Rest, so etwa Sitzfedern oder Elektrozubehör, lässt er selbst nachproduzieren; und zwar in einer Qualität, die zumindest auf Niveau der Originalteile am Schlepper liegt, teils aber auch darüber, wie er versichert. „Ich biete nur an, was ich selbst an meinen Traktoren verbaue, und suche nach einer Lösung, wenn es etwas nicht gibt.“ Fazit: Sowohl einen EM 100 als auch die entsprechenden Ersatzteile zu finden, gestaltet sich relativ einfach – auch in dieser Hinsicht erfüllt der Leopard alle Anforderungen an den perfekten Einsteigerschlepper.

DAS KLEINSTE RAUBTIER

Eicher-Spezialisten: Willibert Nolten und seine Ehefrau Marion betreiben gemeinsam den Ersatzteil-Shop „Traktorteile Nolten“


Wie die Plakette bestätigt, wurde der Sicherheitsbügel von Binger Seilzug „nach dem Merkblatt der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften“ hergestellt


Die doppelt blattgefederte Pendelvorderachse verleiht dem EM 100 eine sehr gute Geländegängigkeit und Fahrkomfort. Die Spurweite lässt sich durch Umdrehen der Räder verändern


Vorleben des Raubtiers

Sein erstes Leben führte Noltens EM 100 bei einem Landwirt aus Durbach in der Schwarzwald-Region. Der war im Nebenerwerb Winzer und setzte den kleinen Traktor für Arbeiten im Weinbau ein. Genau für solche Anwender hatte Eicher den Leopard konzipiert. Allerdings musste der Hersteller in diesem Fall wohl etwas länger auf einen Käufer warten.

Obwohl der Leopard nur bis 1966 produziert wurde, erhielt Noltens Exemplar laut Fahrzeugbrief erst im August 1967 seine Erstzulassung. „Offenbar war der Traktor wohl ein Ladenhüter“, schmunzelt der heutige Besitzer, der dafür eine durchaus nachvollziehbare Erklärung parat hat: „Mitte der 60er-Jahre war die Zeit für einen Einzylinderschlepper mit knapp einem Liter Hubraum und 15 PS Leistung abgelaufen. Die moderne Landwirtschaft verlangte weitaus mehr Leistung. Daher gab es für den EM 100 auch kein Nachfolgermodell“, weiß Nolten.

Reichlich Sonderausstattung

Allerdings bekam man für den Leopard einiges an Sonderausstattung, mit der sich etwas mehr aus den wenigen Pferdestärken machen ließ. An Noltens Exemplar findet sich zum Beispiel ein von Eicher samt Hydraulikpumpe selbst hergestellter hydraulischer Kraftheber (AG 78) mit einer Hubkraft von 430 Kilo. Das ist sogar für damalige Verhältnisse nicht viel, reichte aber, um die zu einem 15-PS-Schlepper passenden Anbaugeräte zu stemmen. Ebenfalls Sonderausstattung und auch an Noltens Leopard zu finden ist der äußerst bequeme und Bandscheiben-schonende Eicher-Gesundheitssitz „Cumulus“, der sich an das Gewicht das Fahrers anpassen lässt und Stöße daher sehr gut abfängt. „Auch in puncto Ergonomie war Eicher damals federführend“, meint Nolten.

Sein Schlepper fällt zudem durch einen orangefarbenen Überrollbügel auf. „Der wurde von der Firma Binger Seilzug zugeliefert und nachgerüstet, als Überschlagschutz für Traktoren 1970 von der Berufsgenossenschaft vorgeschrieben wurde“, berichtet der Besitzer. Gefunden hat er seinen Leopard dank seiner Mitgliedschaft bei den Eicher-Freunden Wassenberg. Die stehen im engen Austausch zu Gleichgesinnten aus Forstern sowie aus dem Schwarzwald und haben Willibert Nolten als einen in der Szene inzwischen sehr bekannten Eicher-Sammler darüber informiert, dass sich ein Landwirt von seinem EM 100 trennen wollte.

„Zum Anlassen des kalten Motors stets Vollgas geben“, lautet die Aufschrift am Handgashebel – und genauso macht es Willibert Nolten auch heute noch


Bis auf die Blechteile ist die Ersatzteilversorgung beim Leoparden so gut wie komplett gesichert


Öltemperatur (links), Motordrehzahl und Betriebsstunden (rechts) müssen dem Fahrer an Infor - mationen reichen. Es gibt allerdings noch einen Platzhalter für ein weiteres Instrument (Mitte rechts)


Kaufpreis 3.000 Euro

Obwohl der Erstbesitzer seinen Eicher beim Landmaschinenhändler seines Vertrauens seit 1968 jedes Jahr in Inspektion gab, bot der ihm für den 50 Jahre alten, aber dennoch einwandfrei erhaltenen Traktor nur lächerliche 850 Euro. Nolten bekam ihn für 3.000 Euro. Dieser Preis liegt sehr genau auf dem Niveau, das Interessierte für einen Eicher in dieser Qualität einkalkulieren sollten.

„Für einen Leopard, der eine gute Grundlage für eine eigene Restaurierung bietet, kommt man auch mit 2.000 bis 2.500 Euro hin“, schätzt der Eicher-Kenner die aktuelle Marktlage realistisch ein. Daher – und wegen der einfachen, soliden Technik – ist der EM 100 ein idealer Einsteiger- Schlepper.

Einsteigern empfiehlt Nolten einen ab 1962 gebauten Leoparden – mit verbessertem Getriebe

Allerdings konkurriert man bei der Suche nach einem der immer noch ausreichend vorhandenen Leoparden mit denjenigen Sammlern, die einen solchen zur Vervollständigung ihrer eigenen Raubtier- Reihe benötigen. Einsteigern empfiehlt Nolten einen ab 1962 gebauten Leoparden.

Auch er hat ganz gezielt nach einem „neueren“ Exemplar gesucht, das etwas einfacher zu finden ist. Hintergrund: 1962, nach nur zwei Jahren Produktionszeit, unterzog Eicher den EM 100 einer kleinen Modellpflege.

Äußerlich unterscheiden sich die intern als EM 100 B bezeichneten Leoparden der zweiten Generation von ihren Vorgängern nur durch die veränderte Anordnung der Scheinwerfer: Erst waren sie am Tankträger angebracht, später direkt an der Motorhaube.

Trotz seiner kompakten Abmessungen bietet der EM 100 vor dem Motorraum ausreichend Stauraum für Werkzeug und Zubehör


Das Getriebe A-4 von ZF mit sechs Vorwärts- und zwei Rückwärtsgängen lässt sich mit etwas Erfahrung ziemlich leicht schalten


Einen alten Traktor nicht zu restaurieren oder zumindest nicht neu zu lackieren, kann durchaus Sinn machen: Während Gebrauchsspuren die individuelle Geschichte eines Einsatz schleppers bezeugen, sind auch noch die im Werk angebrachten originalen Aufschriften erhalten


Verstärkt und ausgereift

Noch wichtiger ist aber der Umstand, dass die späteren Exemplare eine verbesserte Version des Getriebes A-4 von ZF erhielten; nämlich das A-4 C. „Die Verbesserung bestand zum Beispiel aus verstärkten Achstrichtern mit verbesserter Bremsanlage.“

Denn während die fußbetätigten Trommelbremsen auf die Hinterräder wirken und sich auch als Lenkbremse verwenden lassen, wirkt die feststellbare Handbremse auf das Getriebe.

Der Eicher-Kenner bekräftigt: „Ein ganz alter Leopard wäre für uns weniger attraktiv gewesen; die sind dafür bekannt, dass sie ein etwas anfälligeres Getriebe hatten. Das ZF A-4 war nämlich eigentlich nur für 12 PS konzipiert.“

Das A-4 wurde auch bei vielen kleinen Traktoren anderer Marken sowie beim Eicher Geräteträger G 13 Muli und im LH 12 mit Hatz-Motor verbaut. Es bietet sechs Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge, Höchstgeschwindigkeit sind für damalige Zeiten akzeptable 20 Kilometer pro Stunde. Einen Schnellgang gab es nicht. „Dafür ist der Leopard aber recht leicht zu schalten“, findet Nolten, der generell ein Händchen für alte Traktoren hat und mit Zwischengas umzugehen weiß.

Der EDK-Motor (EDK steht für Eicher, Diesel, Kurzhuber) hat sich tausendfach auch bei den anderen Mitgliedern der Raubtier-Serie bewährt. Der geringe Hubraum von etwas weniger als einem Liter sorgt aber beim EDK 1 mit nur einem Zylinder dafür, dass weniger Drehmoment anfällt als bei den alten Einzylindermotoren des Hauses.

„Eicher suggerierte dem Landwirt fälschlicherweise, mit dem Leopard einen effektiv gleich starken Traktor zu bekommen, wie zuvor mit den Modellen EKL 15/II und ED 110/II. Die schöpfen ihre zumeist 16 PS aber aus 1,425 Litern Hubraum und erbringen ein maximales Drehmoment von 78 Nm bei 1.000 Umdrehungen. Der Leopard kommt auf nur 64 Nm bei 1.650 Umdrehungen – wahrlich kein Brüller für eine legendäre Raubkatze.

Motor – sehr verlässlich

Nur der Eicher-Geräteträger G 160 Kombi hatte den gleich schwachen Motor. Allerdings ist positiv anzumerken, dass die Motoren der EKL-Reihe für besondere Langlebigkeit bekannt sind – hier trifft die sprichwörtliche Eicher-Qualität nämlich schon auf mehr als zehn Jahre Erfahrung im Bau luftgekühlter Motoren.

Für heutige Anwender macht sich zudem günstig bemerkbar, dass ein Direkteinspritzer mit nur einem Zylinder sehr wenig Diesel verbraucht, wie Willibert Nolten bestätigt. Auch mit der erforderlichen Ölfüllmenge von nur drei Litern für den Motor gibt sich der Leopard sehr bescheiden.

Hinzu kommen nur 7,5 Liter Öl für das Getriebe. Nolten wechselt das Öl nur alle zwei bis drei Jahre – „weil es eventuell nicht mehr gut ist“, ergänzt er. Allerdings wird er ja nur noch für gelegentliche Fahrten zu Veranstaltungen genutzt.

Unter der runden Haube verbirgt sich mit dem luftgekühlten Diesel-Direkt-Einspritzer EDK 1 erstaunlich wenig Motor – der dafür mit bewährter und haltbarer Technik auftrumpft


Ölverbrauch – unkritisch

Wer häufiger mit dem Traktor unterwegs ist, oder ihn noch seiner Bestimmung entsprechend einsetzt, kommt natürlich auf kürzere Ölwechselintervalle, die das Hobby-Budget bei gutem technische.

Der Leopard blieb als einziges Modell der Raubtierserie ohne Nachfolger. Mit nur einem Zylinder, einem knappen Liter Hubraum und 15 PS war er bereits Mitte der 60er-Jahre zu schwach für die immer größeren landwirtschaftlichen Betriebe


Die – Raubtierreihe

Der EM100 war kleinster Schlepper der Raubtierreihe


Nach dem Rekord von mehr als 140.000 produzierten Schleppern und fast 100.000 Neuzulassungen in Deutschland im Jahr 1955 zeigte der Schleppermarkt hierzulande erste Sättigungserscheinungen, vor allem im Kleinschlepper- Segment. Ende 1958 präsentierte Eicher eine neue Baureihe, die sich durch Vereinheitlichung der Bauteile kostengünstiger fertigen lassen sollte. Die Schlepper erhielten von nun an Namen, die sich aus der Welt der Raubtiere bedienten.

Von Panther bis Mammut

So starteten die Forstener mit der Produktion der Zweizylindermodelle EM 295 Panther und EM 200 Tiger mit 19 beziehungsweise 25 PS. Ein Jahr später folgten die Dreizylindermodelle EA400 Königstiger (35 PS) und ED 310 Mammut (45 PS), Letzteres übrigens mit verblüffender Freiheit in der Namensgebung.

1960 rundete der Einzylinderschlepper EM 100 Leopard (15 PS) das Programm nach unten ab, gegen Ende des Jahres kam der Schmalspurschlepper ES 200 Puma (28 PS) mit Zweizylindermotor hinzu. Mit dem EM 600 Mammut 2 stand ab 1962 erstmals auch ein Vierzylindermodell mit 55 PS Leistung zur Verfügung. Für die Topmodelle Königstiger und Mammut gab es ab Ende 1963 auch Allradversionen (EA 400 und EA 600).

Neue Motoren

Unter der Motorhaube verbarg sich Neues: Bis auf den ED 310 und den ED 500 (Mammut) wurden die „Raubtiere“ mit den neuen kurzhubigen, luftgekühlten Direkteinspritzern der EDK-Reihe ausgestattet.

Sie waren kompakter und leichter als ihre Vorgänger. Durch ihren relativ kurzen Hub ermöglichten sie bei gleichem Hubraum höhere Drehzahlen als die frühen Langhuber, ohne dass die Kolbengeschwindigkeiten nennenswert stiegen. Das hält den Verschleiß offensichtlich nicht nur theoretisch im Zaum, denn noch heute existieren viele Raubtiere, die auch ohne Motorüberholung zuverlässig schnurren wie ein Kätzchen. Technisch herausragend und zugleich enorm langlebig, genießen sie daher zu Recht Kultstatus.

Ab 1968 gab es eine Neuauflage der Raubtiermodelle. Ein neues, kantiges Design, stärkere EDK-Motoren und neue Vorderachsen waren die wichtigsten Merkmale. Da diese Modelle technische Bezeichnungen mit Zahlen im 3000er-Bereich erhielten, spricht man bei ihnen von der „3000er-Reihe“.

Der Leopard war nicht mehr dabei. Als Einstiegsmodell fungierte der inzwischen 28 PS starke Tiger.

Dass sich auf den Pedalen noch so viel Farbe befindet, passt zur niedrigen Zahl auf dem Stunden - zähler: Als Einsatzschlepper wurde dieser Leopard wenig gebraucht und dazu pfleglich behandelt


Obwohl Noltens Exemplar keinerlei Undichtigkeiten aufweist, gilt seiner Meinung nach: „Ein Eicher ist nie undicht; er markiert nur sein Revier.“ Als weitere Vorzüge des Traktors hebt er die kompakten Abmessungen des EM 100 – nur zweieinhalb Meter lang –, sein geringes Gewicht von wenig mehr als einer Tonne und seine Wendigkeit von sechs Meter für eine komplette Wendung um 180 Grad hervor.

Klein und wendig

Das verlieh Eichers letztem Bauernschlepper trotz der nicht ganz zeitgemäßen Leistung Attraktivität für Kleinbetriebe und im Bereich Sonderkulturen. Als Pflegeschlepper, der keine hohe Leistung erfordert, war der Leopard mit fast 40 Zentimetern Bodenfreiheit eine gute Besetzung.

Pro und Kontra

+ Je nach Ausstattung hohe Ergonomie für Schlepper der 1960er-Jahre

+ Gute Marktverfügbarkeit und Preislage

+ Sehr gute Ersatzteillage

+ Sehr gute Informationslage

+ Solide Technik u. gute Verarbeitung

+ Leicht zu reparieren und zu warten

+ Relativ leicht zu finden

- Geringes Gewicht, kompakt, wendig

- Nutzwert wegen der Motorleistung auf leichte Arbeiten begrenzt

- Bei früh gebauten EM 100 ist das A4- Getriebe von ZF noch nicht verbessert worden (daher möglichst spät gebaute Exemplare wählen)

- Höchstgeschwindigkeit 20 km/h, kein option. Schnellgang-Getriebe

Das Ende der Einzylinder

1966 stellte Eicher die Produktion des EM 100 ein. Der Leopard hatte ausgedient und blieb daher als einziges Einzylinder-Modell der Raubtierserie ohne Nachfolger. Die Ära der Bauernschlepper war vorbei.

Dennoch fanden in den sechs Produktionsjahren und – wie unser Beispiel belegt – auch in den Monaten danach, noch fast 5.400 Exemplare einen Abnehmer. Das macht den Leopard im Vergleich zu den weit über 10.000 Mal gebauten Eicher-Bestsellern Tiger und Königstiger nicht größer. Aber vielleicht sogar etwas besonderer.


Fotos: Sascha Jussen