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BOOTE: Einstieg leicht gemacht


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 11.05.2018

Auf vielfachen Wunsch ihrer Händler hat die Jeanneau-Werft endlich wieder ein neues Neun-Meter-Schiff auf den Markt gebracht. Die Nachfrage nach Einsteigeryachten ist ungebrochen


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 60/2018


»Gelegentliche Blicke auf die Instrumente zeigen, dass die Einsteigeryacht an der Kreuz gut vorankommt«


TEST: SUN ODYSSEY 319

Kaum hatten die französischen Bootsbauer im vergangenen Jahr angekündigt, eine neue 31 Fuß Fahrtenyacht herauszubringen und erste Zeichnungen vorgelegt, begannen die Diskussionen. Die Sun Odyssey 319 sähe aus wie eine Delphia 31, hieß es, und dass nur ein neuer Name für ein altes Schiff gefunden sei. ...

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... Tatsächlich zeigte der Vergleich beider Risskonstruktionen verblüffende Ähnlichkeiten, eine Eins zu eins Kopie war es dennoch nicht. Was dann? Ein Plagiat? Nein, sondern eine gründlich überarbeitete Delphia 31. Nach Übergabe der Formen und Baurechte an die französische Werft hatte Jeanneau ein aufwendiges Relaunch betrieben, um das polnische Ursprungsmodell in ihre eigene Sun Odyssey-Baureihe einzugliedern. Auf vielfachen Händlerwunsch sollte ein neues Einsteigermodell auf den Markt gebracht werden und zwar zu einem annehmbaren Preis. Da vor allem die Entwicklungskosten extrem hoch sind und sich letztlich auf den Endpreis niederschlagen, wurde entschieden, auf eine bereits bewährte Yacht zurückzugreifen.

Der Entwurf von Andrzej Skrzat bekam ein komplett neues Deck, langgezogene Salonfenster und eine französisch-mediterran anmutende Inneneinrichtung. Das Rigg kommt nun von Seldén und ist flexibler zu trimmen. Bestellt man das Performance-Paket dazu (wie im Falle der Test-Yacht), erhält man neben hochwertigeren, durchgelatteten Mylarsegeln von Technique Voile unter anderem ein justierbares Achterstag. Auch das Bugsegment wurde modifiziert. Um das Setzen und Bergen des optionalen Gennakers zu vereinfachen, erhielt die neue Einsteigeryacht einen festen, kurzen Bugspriet. Man wollte so viel Sun Odyssey-DNA wie möglich in die polnische Yacht einpflanzen. Die deutlichste Veränderung betraf allerdings das Rumpfdesign, genauer gesagt den Heckbereich. Statt mittig angelegtem Ruderblatt gibt es auf der SO 319 eine Doppelruderanlage mit leicht angeschrägten Ruderblättern. Außerdem wurde das Heck insgesamt verbreitert und mit Kimmkanten versehen, wodurch sich nicht nur der Linienriss, sondern auch die Segeleigenschaften ändern und womit letztlich klar ist: Trotz großer Ähnlichkeit handelt es sich um zwei unterschiedliche Yachtmodelle. Hinsichtlich Produktion und Vertrieb einigte man sich darauf, dass der Bau komplett bei Delphia in Polen erfolgt, Verkauf und Service aber in Händen der Jeanneau-Werft und ihrer Händler liegen.

Die Kunst besteht darin, die markentypischen, individuellen Charaktereigenschaften zu erhalten und herauszuarbeiten. Im Falle der Sun Odyssey 319 erwartet man gute Geschwindigkeit bei unkompliziertem Handling und ein helles, luftiges Interieur, in dem man sich auch auf längeren Urlaubstörns wohlfühlen kann. Die Chance, herauszufinden, ob und in wieweit die DNA-Implantation erfolgreich war, bot Spannung und trug zur Vorfreude auf den Testtörn bei. Auch das Wetter spielte mit, es wehte ein leichter Wind mit zwei Beaufort, und die Sonne schimmerte durch leichte Schleierwolken hindurch, als wir die Albert Edouard Pier in Cannes zum Boot herunterliefen.

Unterwegs in leichter Frühlingsbrise

‚Römisch-katholisch‘ eingeparkt, wartet die Testkandidatin auf ihre Crew. Weil das Heck offen gestaltet ist, fällt das Übersteigen an Bord leicht, zumal die Badeplattform als Trittstufe genutzt werden kann. Zu viert an Bord haben wir uns schnell auf eine Sitz- und Aufgabenverteilung geeinigt. Drei finden vorn auf den Crewbänken Platz, der Rudergänger steht mittig hinter dem Steuerstand, weil hier der Gashebel für den 21 PS starken Yanmar-Innenborder liegt. Der schiebt uns mit guten 5,5 Knoten Marschgeschwindigkeit aus dem Hafen von Cannes hinaus in eine leicht kabbelige See.

TECHNISCHE DATEN

DECKSLAYOUT: Komfortables Cruisen

1. Ankerkasten: Im hinteren Bereich recht flach gehalten, bietet er zum Bug hin reichlich Platz für die Kette


2. Cockpit: Die Sülls sind sehr hoch, sodass die Crew sowohl gut geschützt als auch bequem sitzt


3. Fallumlenkung: Alle Fallen und Strecker werden nach achtern umgelenkt


4. Komfort: Der Cockpittisch kann weggeklappt werden


UNTER DECK: Französisch-mediterran

1. Salon: Helle Hölzer und weiße Flächen. Handläufe entlang des gesamten Salons


2. Pantry: Große Pantry mit reichlich Staufächern und einem eigenen Platz für den Mülleimer


3. Stauraum: Unter den Salonkojen ist noch reichlich Stauraum. Einige Plätze sind beispielweis durch die Batterien belegt


4. Vorschiff: Große Doppelkoje im Vorschiff, die nur im Fußbereich etwas an Höhe einbüßt


5. Achterkajüte: Achtern sind die Kojen etwas kleiner und enger, aber noch immer mehr als ausreichend


6. Kartentisch: Großer Kartentisch in einer klassischen und selten gewordenen Navigationsecke


7. Nasszelle: Klein und pragmatisch gehalten


Segel setzen ist einfach. Das Groß wird aus dem Lazybag nach oben gekurbelt, die leicht überlappende Genua einfach nur ausgerollt. Für die Einstellung der Segel stehen Harken-Winschen zur Verfügung. Die für die Genuaschoten sitzen auf den Seitendecks in Griffnähe des Skippers, die für die Großschot oben auf dem Kajütdach, denn sie ist entsprechend des German Mainsheet-Systems gespreizt angeschlagen. Der Vorteil dieser Schotführung auf dem Aufbau liegt klar auf der Hand: Das Cockpit bleibt frei, und der Tisch kann, falls gewünscht, sogar während des Segelns aufgebaut bleiben.

Das Garagendach des Schiebeluks ist zu einem Instrumentensockel ausgeformt, was dafür sorgt, dass sowohl Crew als auch Rudergänger einen guten Überblick über Geschwindigkeitsund Kursangaben bekommen, egal wo sie sitzen oder stehen. Ob man lieber im Sitzen oder im Stehen steuert, ist einerseits Geschmackssache, andererseits abhängig von Törnlänge und Komfortansprüchen. Auf der Sun Odyssey 319 kann man das Rad problemlos von der Cockpitbank aus greifen. Sich beim Steuern entspannt zurücklehnen geht leider nicht, denn das Süll ist im Skipperabteil sehr flach, und um sich auf die hohe Kante zu setzen und den Seezaun als Lehne zu nutzen, ist der Weg zum Rad zu weit.

Die Crew hat es deutlich bequemer. In ihrem Cockpit-Abteil ist das Süll merklich höher gezogen und die sind Sitzflächen breiter, sodass man komfortabel und sicher sitzen und sich bei Schräglage auf der gegenüberliegenden Bank abstützen kann.

Mit dem Seewind von vorn, geht es Schlag auf Schlag an der Île Sainte-Marguerite vorbei auf das offene Meer hinaus. Ähnlich wie die Mannschaft, die das Segeln nahezu tiefenentspannt genießen kann, hat auch der Steuermann wenig zu tun. Das Schiff hält gut seinen Kurs. Gelegentliche Blicke auf die Instrumente zeigen, dass die Einsteigeryacht an der Kreuz gut vorankommt. Schnell klettert die Logge auf fünf Knoten. Später, bei drei Beaufort, sogar auf 5,5 und mehr. Der Kreuzwinkel, den die SO 319 bei diesen Wind- und Wellenbedingungen am liebsten mag, liegt zwischen 35 und 40 Grad, was für eine reinrassige Fahrtenyacht einwandfrei ist.

Auf unserem langen Rückweg durch den Golfe du la Napoule nehmen wir die anderen Kursarten genauer unter die Lupe, fahren halbwinds, segeln raumschots und auch platt vor dem Laken. Mit einem Gesamtgewicht von 5,1 Tonnen gehört die SO 319 nicht gerade zu den Leichtgewichten ihrer Klasse, doch fünf Knoten schafft sie auch hier. Jetzt bekommt der Rudergänger allerdings etwas mehr zu tun, denn er muss immer mal wieder korrigieren.

Die Handhabung der Segel funktioniert einfach. Wer am Niedergangschott sitzt fiert das Groß auf, der Rudergänger übernimmt den Genuatrimm, es sei denn, jemand anderes rutscht nach achtern, um ihm zur Hand zu gehen. Platz genug ist vorhanden.

DIE TESTDATEN: Wichtige Ergebnisse

Segeltragezahl: 4,0

Ihr Wert gibt das Verhältnis von Segelfläche zur Verdrängung an. Wie viel Segelfläche eine Yacht bis zum Reffen tragen kann, hängt jedoch von der Tiefe des Gewichtsschwerpunkts und der Stabilität ab. Der Wert einer typischen Fahrtenyacht liegt bei 4,2 – steife Cruiser-Racer erreichen über 5.

Ballastanteil: 32 %

Mit einem Ballastanteil von 32 % liegt die Sun Odyssey 319 im mittleren Bereich. Einen Ballastanteil von 25 % sollten Fahrtenyachten mit dem üblichen moderaten Tiefgang aus Gründen der Seetüchtigkeit nicht unterschreiten.

Längen-Breitenverhältnis: 2,7 : 1

Das Längen-Breitenverhältnis von 2,7 : 1 spricht für eine ausgewogene Fahrtenyacht. Reinrassige Regattayachten können das Verhältnis 2,2 : 1 haben. Zusammen mit dem Ballastanteil und der Lage des Gewichtsschwerpunkts hat dieser Wert großen Einfluss auf die Segeleigenschaften.

Rumpfgeschwindigkeit: 7,3 kn

Maximal erreichte Fahrt durchs Wasser beim Test: 7,5 kn, Windgeschwindigkeit: 12 kn, Lage: 15 bis 20°

Bei den Testbedingungen kam die SO319 bei allen Kursen auf fünf Knoten Fahrt


Überhaupt ist das Platzangebot auf der neuneinhalb Meter langen Yacht groß. Die durchgehenden Cockpitbänke sind lang genug für vier bis sechs Personen und bilden die Basis für zwei große Backskisten auf der Steuerbordseite und das Gasflaschen-Schapp an Backbord. Gemessen an der Schiffsgröße reichen die Backskisten außergewöhnlich tief. Resultat einer ausgetüftelten Innenraumgestaltung und eines hohen Freibords.

Stehhöhe im gesamten Schiff

Aufgrund dieses hohen Freibords hat man unter Deck erstaunlich viel Bewegungs-beziehungsweise Kopffreiheit. Überall beträgt die Stehhöhe mindestens 1,80 Meter, in Salon und Pantry sind es sogar 1,95 Meter.

Die Raumaufteilung ist klassisch. In der Vorschiffskabine findet man die obligatorische Dreieckskoje und zwei Schränke. Dahinter folgt der Salon mit zwei Längsbänken und mittig aufgestelltem Tisch. Erfreulicherweise gibt es auch hier viele Ablage- und Staufächer hinter den Rückenlehnen, in Hängeschränken und in den Sofakästen. Mit wenigen Handgriffen lassen sich aus den Salonbänken Kojen bauen. Dafür braucht man nur die Rückenlehnen anzuheben und nach oben auf die Schwalbennester zu schwenken, schon verbreitern sich die Sitzflächen auf im Schnitt 70 Zentimeter. Zwischen Salon und Nasszelle, die mit WC, Waschbecken und Duschschlauch ausgestattet ist, befindet sich ein vollwertiger Kartentisch mit Klappfach für Papierseekarten, Navi-Besteck und weitere Kleinutensilien. Gegenüber liegt die Pantry.
Wie es sich eigentlich für jede Fahrtenyacht gehören sollte, wurde an einen extra Schrank für den Mülleimer gedacht. Hinzu kommen Schubladen für Besteck, Hängeschränke für Geschirr, Zweiflammenherd mit Backofen, Spüle und Kühlbox.

Im Backbordachterschiff ist die zweite Doppelkabine untergebracht, auch sie mit Kleiderschrank und Stauraum unter dem Bett. Leider ist diese Kajüte zu dunkel geraten. Tageslicht fällt nur durch eine einzige, schmale Luke ins Innere, und diese ist eingelassen in das Seitenteil der Plicht.

Betrachtet man die Einrichtung in ihrer Gesamtheit, lässt sich sagen: Alles, was man braucht, ist vorhanden und Stauraum und Kopffreiheit mehr als gedacht. Die Raumatmosphäre ist freundlich und einladend. Feinschliff zeigen die Möbel zwar nicht, aber bei einem Gesamtpreis von 85.000 Euro inklusive Segel ist das wohl auch nicht machbar. Wohlfühlen kann man sich an Bord der Sun Odyssey 319 auf jeden Fall, egal, ob für einen kurzen Wochenendtrip oder einen langen Urlaubstörn.

KOMMENTAR:segein- Testerin Silke Springer

Raumwunder

Bei der Sun Odyssey 319 handelt es sich tatsächlich um eine Fahrtenyacht, die für Einsteiger infrage kommt. Ihre Segeleigenschaften sind solide, der Preis ist attraktiv, die Handhabung einfach. Wenn man es sich noch leichter machen möchte, sollte die optionale Selbstwendefock mitbestellt werden. Das Fundament für die Travellerschiene ist serienmäßig in das Deck integriert. Für die Einrichtung gilt: Zwei Doppel-Betten in zwei separaten Kabinen bieten Wohnlichkeit und Privatsphäre für zwei Paare oder eine vierköpfige Familie. Dank des hellen Holzes und der weißen Verkleidung ist die Raum-Atmosphäre im Wohnbereich freundlich und einladend.

Hundertprozentiges Sun Odyssey-Feeling darf man jedoch nicht erwarten. Tatsächlich ist einiges an Jeanneau-DNA in den Skrzat-Entwurf geflossen. Die hochbordige Silhouette allerdings ähnelt eher einer Delphia denn einer Sun Odyssey, auch das große Gewicht ist nicht Sun Odyssey-typisch. Wer aber eine Einsteigeryacht sucht, die leicht zu führen ist und viel Wohnkomfort bietet, sollte die SO 319 mit auf seine Auswahlliste setzen.


Fotos: Silke Springer