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BOOTE: SAFFIER SE 37 LOUNGE : Dieser Daysailer traut sich was


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 50/2019 vom 17.04.2019

Durch ihre beiden Steuerräder hinter dem Kajütaufbau und ihr langes Achterdeck zieht dieSaffier SE 37 Lounge alle Blicke auf sich, doch wie steht es mit ihren Segeleigenschaften? Kann die extravagante Yacht auch mit guten Segeleigenschaften verblüffen?


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 50/2019


„Glücklich über den erfrischenden Segeltag mit fünf Beaufort im Rücken und schäumender Bugwelle voraus“


Sam legt ordentlich vor: 13,2 Knoten zeigt die Logge bei einem besonders schönen Ritt. Sehr zur Freude der restlichen Crew, die sich prompt herausgefordert fühlt. Einer nach dem anderen übernimmt das Steuer und versucht, es ihm gleichzutun, ...

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... besser noch, ihn zu übertrumpfen. Also: Blick zurück auf die raue, graue Nordsee, warten auf die richtige Welle, dann ein kurzer, aber sanfter Ruck am Rad, und ab geht die wilde Fahrt! Hoch oben auf dem Wellenkamm, mit dem Bug in der Luft, dem Heck in der Glitsch und breitem Grinsen im Gesicht.

So viel sei verraten: Alle kratzen an der 13-Knoten-Marke, doch keiner ist so gut wie Sam.

Wir geben uns geschlagen. Lachend. Glücklich über den erfrischenden Segeltag vor I-Jmuidens flacher Dünenküste, mit fünf Beaufort im Rücken und schäumender Bugwelle voraus.

Dabei sollte der Test ganz anders verlaufen. Geplant war, bei allerfeinstem Sonnenschein auszulaufen und in leichter Sommerkleidung, gemütlich in die Cockpitpolster gelehnt, mit einem gut gekühlten Getränk in der Hand die Parade abzunehmen – unter Code Zero selbstverständlich, der mit seinem leuchtenden Orange die Blicke aller Strandspaziergänger auf sich lenken würde. Der Wetterbericht hatte versprochen, dass sich ein umfangreiches Hoch durchsetzen würde, und zwar vor dem Test und nicht danach.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Eingemummelt in dickes Offshore-Ölzeug jagen wir über das aufgewühlte Meer und warten auf den nächsten heißen Ritt. Unsere Hoffnung, die Wolkendecke könnte doch noch aufreißen, geben wir am frühen Nachmittag auf. Wirklich traurig sind wir nicht, dafür ist das Segelerlebnis viel zu schön. Schade ist es nur um die Fotos. Sie sind zwar energiegeladen, aber grau in grau, statt leuchtend bunt.

Luxus für entspannte Segelstunden

Für derart harte Wind- und Seebedingungen (am Ende des Testtages messen wir sechs Beaufort) ist die Saffier SE 37 eigentlich nicht gedacht. Umso erfreulicher ist es für uns, miterleben zu dürfen, wie sie es mit Bravour meistert. Die wahre Bestimmung der schönen Holländerin liegt darin, Eignern wie Gästen angenehme Segelstunden in entspannter Atmosphäre zu bescheren. Ablegen bei allerfeinsten Wetteraussichten mit zwei bis drei Windstärken und lauschigen Temperaturen, dann ein paar Stunden segeln, danach in einer idyllischen Bucht den Anker werfen, dort in aller Ruhe das Grillgut auf den Außengrill legen und den Tag mit einem leckeren Snack ausklingen lassen, bevor es zurück in den Hafen geht. Für dieses Konzept ist das Schiff ausgelegt, darauf haben Dennis und Dean Hennevanger Riss, Decks- und Innenraumgestaltung abgestimmt, als sie die Saffier SE 37 Lounge entwarfen.

Wie alle Saffiers vor ihr, sollte auch die neue hübsch aussehen und trotzdem ausgewogen segeln. Weil die Brüder Hennevanger in ihrer Kindheit acht Jahre lang mit ihren Eltern um die Welt segelten und während dieser Langfahrt einige brenzlige Situationen abwettern mussten, steht für sie außer Frage, dass Yachten von Haus aus seetüchtig sein müssen, egal, ob sie als Daysailer oder Fahrtenyacht konzipiert sind. Seit Mitte der 1990er

TECHNISCHE DATEN

DECKSLAYOU: Entspanntes Segeln

1. Steuerstand: Mit den Fußrasten lässt sich auch von Luv aus bequem steuern


2. Cockpit : Große Liegewiese für die Crew. Gesegelt wird am Niedergang


3. Motorraum: Der Motor ist auch von oben zugängig


4. Außenküche: In den Backskisten im Cockpit versteckt sich so manche Annehmlichkeit


SAFFIER SE 37 LOUNGE

UNTER DECK: Lauschige Lounge

1. Salon: Indirektes Licht, bequeme Sitzbänke. Eine vollwertige Koje gibt es auf dem Daysailer nicht


2. Stauraum: Im Bereich der Pantry gibt es für einen Daysailer erstaunlich viel Stauraum


3. Pantry: Elektrisches Kochfeld, Spüle und die Luxuskaffeemaschine für einen entspannten Törn


4. Navigation: Kein vollwertiger Kartentisch, die Instrumente und Paneele sind hinter einer Blende versteckt


5. Vorschiff: Ganz am vorderen Ende des Bootes ist ein Flachbildschirm eingelassen


6. Nasszelle: Erstaunlich geräumig und sogar mit einem Schrank für das nasse Ölzeug


Seit Mitte der 1990er führen Dennis und Dean den Betrieb, den Vater Richard in den 1980ern, nach Beendigung der Weltumseglung, aufgebaut hat. Wie das Familienoberhaupt zuvor sorgen sie seither dafür, dass nur ausgesprochen formschöne Segelschiffe das Werftgelände verlassen. Aktuell umfasst die Angebots-Palette vier Modelle der Baureihe SE, die für Saffier-Eleganz-Yachten steht, und drei Schiffstypen mit dem Namenszusatz SC, wobei das C als Abkürzung für Classic dient. Genauso gut könnte es für Cruiser stehen, denn alle drei SC-Modelle sind fürs Fahrtensegeln gedacht, sogar die kleinste, nur sechseinhalb Meter lange Saffier SC 6.50 Cruise.

Bezüglich der Bauqualität setzen Dennis und Dean ebenfalls hohe Maßstäbe. Ein Beispiel: Rumpf-Deck-Verbindungen werden erstens geklebt, zweitens geschraubt und drittens von innen überlaminiert.

Bis auf das Aufbringen des synthetischen Teakdecks, mit dem eine externe Firma betraut ist, werden alle Arbeiten unter Hennevanger-Regie erledigt. Die Laminate entstehen in einer Dependance außerhalb von I-Jmuiden, die Hochzeit von Rumpf und Deck findet dann in den Haupthallen statt. Hier fertigt und bearbeitet die werfteigene Schreinerei auch sämtliche Holzteile und Möbel.

Daysailer mit Potenzial zum Cruisen

Schon am Namen lässt sich ablesen: Die Saffier SE 37 Lounge gehört in die Eleganz-Modellreihe. Zwar eignet sich das Schiff auch für Törns, weil es eine schützende Kabine mit vier vollwertigen Schlafplätzen bietet, doch der bevorzugte Einsatzzweck ist das Tagessegeln. Trotz elf Metern Länge findet man daher auch keine Stehhöhe unter Deck. Wer nur tagsüber segelt und die Nächte zu Hause verbringt, verzichtet gern auf eine hohe, voluminöse Wohnkabine, welche die attraktive Silhouette zerstören würde. Im Aufenthaltsraum für nette Plauderstunden, (falls es draußen doch einmal zu kühl werden sollte) reichen 1,46 Meter Deckenhöhe allemal.

Wer am Wind in Luv steuern möchte, muss sich an den Fußrasten abstützen


Und mit einem guten Meter ist die Sitzhöhe so großzügig bemessen, dass man bequem und aufrecht in den breiten Sofas relaxen kann. Tatsächlich erinnert die Polsterlandschaft mit ihren wuchtigen Arm- und Rückenlehnen eher an eine Lounge, denn an eine klassische Kajüteinrichtung. Passend dazu gibt es einen schmalen Tisch, der an der Maststütze hängt und gerade einmal groß genug ist zum Abstellen von Cocktailgläsern oder Espressotassen.

Zusätzlich zur Kaffeemaschine gibt es eine zweiflammige Herdplatte, die in einen kleinen Pantryblock gleich backbord neben dem Niedergang eingebaut ist, dazu ein Spülbecken und eine zweite Kühlbox, in der Lebensmittel gestaut werden können. (Die größere Kühlbox, außen im Cockpit, ist eher als Flaschenfach gedacht.) Gegenüber liegt die Nasszelle. Auf Schiffen dieser Größe und Preisklasse sind separate WC-Räume unerlässlich, unabhängig davon, ob es sich um einen Daysailer oder eine Fahrtenyacht handelt. Erfreulicherweise finden wir im Bad noch ein extra Fach für nasses Ölzeug samt Kleiderstange und Haken.

Überraschend einfach ist die Wartung des Motors: Die komplette Niedergangsleiter kann abgehängt und beiseitegelegt werden, danach braucht man nur noch das Inspektionsschott zu öffnen. Für aufwendigere Wartungen oder Reparaturen gibt es eine zweite, große Luke, die in den Cockpitboden eingelassen ist.

Das ist aber innovativ!

Weil nur drei flache Stufen zwischen Cockpit und Innenraum liegen, die Niedergangsöffnung ungewöhnlich breit und der Einstieg extra lang ist, hat jeder, der sich unter Deck aufhält, das Gefühl, direkt am Bordgeschehen teilzunehmen. Abgeschaut haben sich Dennis und Dean diese großzügige Eingangsgestaltung von Motoryachten, genau wie die Idee, die Steuerstände von achtern in die Schiffsmitte zu rücken. Auf der Saffier SE 37 liegen beide Steuerräder direkt hinter dem Kajütaufbau. Dadurch bleibt im hinteren Teil des Cockpits viel mehr Platz zum Entspannen, sowohl auf den Bänken als auch auf einem breit angelegten Achterdeck. Außerdem ist die Kommunikation mit dem Skipper einfacher, denn er kann sich mit jedem unterhalten, egal, ob er sich in der Kajüte oder in der Plicht aufhält. Weil man davon ausgeht, dass der Skipper in der Regel die segelkundigste Person an Bord ist und die meisten Gäste (oder sogar alle) lieber passiv den Segelausflug genießen, sind alle Leinen zu den Steuerständen umgelenkt. Der Rudergänger kann die Yacht also einhand bedienen, heißt es von der Werft.

Ungewohnte Steuer-Position

Die harten Wetterbedingungen am Testtag sind eine echte Herausforderung, um auszuprobieren, ob das Solosegeln tatsächlich möglich ist, auch weil sich jeder, der neu an Bord kommt, zunächst einmal an die besondere Steuerposition gewöhnen muss. Das gilt vor allem auf Kreuzkursen. Obwohl die Krängung dank des hohen Ballastanteils von 44 Prozent und des großen Tiefgangs von 2,10 Metern moderat bleibt, muss man sich mit der Handhabung zunächst vertraut machen, denn bei ordentlich Lage im Stehen zu steuern, funktioniert nur von Lee aus. Wer von Luv aus operieren möchte, muss sich auf die hohe Kante setzen und die Fußrasten hochziehen. Die Talje zum Aufstellen der Rasten kann der Steuermann selbst bedienen.

Verblüffend gut sind die Speedwerte, die wir während der Kreuz ablesen können. Sie betragen immer über sieben Knoten, selbst nachdem wir ein Reff ins Groß eingebunden haben. Bemerkenswert gut sind sie auch deshalb, weil das Schiff nicht nur schnell ist, sondern auch hoch an den Wind geht. Der Wendewinkel liegt bei circa 70 Grad, teils sogar darunter. Und der Ruderdruck bleibt durchweg angenehm.

Die Saffier SE 37 Lounge beeindruckt durch eine große Leichtigkeit, mit der sie über die Nordsee gleitet. Wer steuert, hat volle (und alleinige) Kontrolle über Segeltrimm und Kursgestaltung, sofern er das möchte und die entsprechende Routine entwickelt hat. Will er sich helfen lassen, steht dem nichts im Wege. Platz für ein oder zwei Helfer ist allemal vorhanden. Außerdem sind die Fallen und Schoten zu beiden Steuerständen umgelenkt und die dortigen Winschen mit E-Motoren ausgestattet, sodass man sowohl von Luv als auch von Lee aus zupacken kann.

In den Wenden sind die Manöver schnell erledigt, denn die Fock läuft auf einer Selbstwendeschiene. Soll das Groß nachjustiert werden, reicht ein Druck auf den Elektro-Knopf. Für den Rudergänger besteht die Schwierigkeit eher darin, schnell wieder die richtige Sitzposition zu finden, beziehungsweise die Fußraste optimal einzustellen. Doch mit jeder neuen Wende fällt das leichter, denn das Justieren ist eine Frage der Übung. Genau wie der Umgang mit dem Code Zero, der sich laut Dennis Hennevanger auch solo erledigen lässt – was wir natürlich ausprobieren.

„Just for fun“ allerdings, denn einen Code Zero würde man mit einer Gästecrew bei sechs Windstärken nicht setzen, nicht zuletzt, weil es dem Charakter des Schiffes widerspricht. Doch wir wir wollen es wissen und stellen fest: Tatsächlich kann einer alleine rudergehen, sämtliche Schoten, auch die des Code Zero, trimmen und sogar das komplette Halsen-Manöver ohne weitere Hilfe erledigen. Allerdings braucht er dafür Übung und muss das Verhalten des Schiffes kennen, denn er muss es möglichst lange vor dem Wind halten, damit die neue Leeschot schon mal ein gutes Stück dichtgeholt werden kann, bevor der Großbaum auf die andere Seite schwingt.

Auf Anhieb ist das nicht zu schaffen. Mit dieser Tatsache finden wir uns ab, genau wie damit, dass die Cockpitpolster am Testtag unter Deck bleiben müssen, weil die Sonne den Sprung durch die Wolken nicht schafft. Im Gegenzug dürfen wir richtig schön segeln, mit 13,2 Knoten über die Nordsee heizen und uns am Ende des Tages eine ordentliche Portion Salzwasser aus dem Offshore-Ölzeug schütteln.

KOMMENTAR:segeln -Testerin Silke Springer

Extravagant und leistungsfähig

Das optimale Szenario für die Saffier SE 37 Lounge wäre: Blauer Himmel, leichte Brise und eine hübsche Bucht, in der man nach entspannten Segelstunden vor Anker geht, die bequemen Cockpitpolster auspackt und ein paar leckere Snacks auf dem Außengrill zubereitet. Schampus und Sekt warten wohltemperiert in der Kühlbox. All das bietet der Daysailer aus den Niederlanden, dazu noch gute Bauqualität und verlässliche Segeleigenschaften. Die wiederum begeistern durch Schnelligkeit und leichte Handhabung.

Dass man auf dem Daysailer auch übernachten kann, ist kein Muss, wohl aber ein großes Plus.


Fotos: Silke Springer

Fotos: Silke Springer

Fotos: Silke Springer