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Borderlands 3


Play5 - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 02.10.2019

Fans bekommen vom lang ersehnten Loot-Shooter genau das, was sie erwarten. Jede Menge Spielspaß mit der bereits bewährten Borderlands-Formel.


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Bildquelle: Play5, Ausgabe 11/2019

Kammerjäger gegen Psychos, manche Dinge ändern sich nie. Auch nicht in Borderlands 3.


EGO-SHOOTER | Es ist gerade einmal knapp ein halbes Jahr her, da war Borderlands 3 nicht mehr als ein heißes Gerücht, ein offenes Geheimnis, das seit Jahren durch Diskussionsforen und Internetplattformen getrieben wurde. Sieben Jahre nach dem direkten Vorgänger und fünf Jahre nach dem etwas schwächeren Ableger The Pre-Sequel sehnten sich die Fans aber nach der Rückkehr nach ...

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EGO-SHOOTER | Es ist gerade einmal knapp ein halbes Jahr her, da war Borderlands 3 nicht mehr als ein heißes Gerücht, ein offenes Geheimnis, das seit Jahren durch Diskussionsforen und Internetplattformen getrieben wurde. Sieben Jahre nach dem direkten Vorgänger und fünf Jahre nach dem etwas schwächeren Ableger The Pre-Sequel sehnten sich die Fans aber nach der Rückkehr nach Pandora. Diese Sehnsucht haben die Entwickler von Gearbox und Publisher 2K Games in den vergangenen Monaten dann auch genutzt, um einen ordentlichen Hype auf das neue Borderlands aufzubauen.

Die Action findet auch wieder mit und gegen Fahrzeuge statt. Die Vehikel sind für die großen Areale aber auch nötig.


Das zeigte aber auch, dass die Macher trotz des hohen Erwartungsdrucks seitens der Fans viel Vertrauen in ihr Produkt hatten. Sie waren sich sicher, dass sie verstanden hatten, was Borderlands ausmachte – ein Spiel, das das Genre der Loot-Shooter geprägt hat, lange bevor dieses so genannt wurde. Wie sich in unserem Test herausstellte, war dieses Vertrauen der Entwickler gerechtfertigt. Borderlands 3 ist ein würdiger Nachfolger geworden, der alles das bietet, was Fans erwarten und das Ganze noch größer, besser und abgefahrener.

Die Calypso-Zwillinge machen ihren Job als Bösewichte ordentlich, erreichen aber nicht das Charisma eines Handsome Jack.


Kammern, Sirenen und Zwillinge

Dabei tritt das Spiel nicht gerade in kleine Fußstapfen. Besonders Handsome Jack hat als charismatisch- sympathischer Fiesling des Vorgängers einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Seit seinem Tod sind auf Pandora nun bereits einige Jahre vergangen. Seine Rolle als Oberbösewicht übernehmen nun gleich zwei Geschwister – die Calypso-Zwillinge Tyreen und Troy. Mit Live-Streams ihrer Morde und Foltertaten ins galaktische Echo-Net haben die beiden alle Banditen-Clans des Planeten unter sich vereint, die die Geschwister als Götter verehren.

Besonders Tyreen, die als Sirene über die Macht verfügt, allen lebenden Wesen die Kraft zu entziehen, strebt danach, dieser Verehrung auch Taten folgen zu lassen. Mithilfe einer Vault-Karte wollen die Calypsos mehrere Schatzkammern aufspüren, um sich die Macht der darin verborgenen mächtigen Kreaturen zu sichern. An die charismatische Präsenz eines Handsome Jack reichen die beiden Schurken dabei aber nie heran. Das völlig überzeichnete Bild von abgedrehten Live-Streamern, die natürlich auch ein wenig die heutige Internetkultur auf die Schippe nehmen sollen, erfüllen sie aber sehr ordentlich.

Dem Duo mit den infernalischen Plänen stellen sich abermals die Crimson Raiders unter der Führung von Lilith, der Sirenen-Heldin des ersten Teils, entgegen. Ihr zur Seite stehen jede Menge bekannte Figuren wie Patricia Tannis, Ellie, Marcus Kincaid, Mad Moxxi, Rhys, Maya, Tina und viele, viele mehr. Es wäre vermutlich einfacher, die Charaktere aufzuzählen, die keinen erneuten Auftritt haben. Hinzu kommt eine ganze Reihe spannender neuer Figuren wie der Erbe der Jacobs-Dynasty, Wainwright Jacobs, und Mayas junger Schützling Ava. Wie von Borderlands gewohnt, verfügen alle über einen eigenen, teils abgedrehten Charakter und alle sind Teil einer interessanten Story, die spannende neue Blicke auf die Lore von Borderlands erlaubt. Dabei wird ein gutes Tempo angeschlagen, das lediglich im Mittelteil ein wenig ins Stottern gerät. Später zieht die Handlung zum Glück wieder an und überrascht am Ende nicht nur einmal.

An Bord der Sanctuary III geht es von Pandora zu weiteren Planeten. Den hübsch animierten Anflug müssen wir uns aber nicht jedes Mal anschauen. Nach dem ersten Besuch reisen wir bequem per Schnellreise hin und her.


Viele liebgewonnene Charaktere aus den Vorgängern sind wieder mit dabei. Dazu gehören natürlich auch völlig durchgeknallte Figuren wie Tina, die inzwischen gar nicht mehr tiny ist.


Die einzelnen Gebiete fallen teils riesig aus. Zum Glück bietet die neue 3D-Karte ausreichend Übersicht.


Der derbe und teils auch rabenschwarze Humor der Serie ist trotz Autorenwechsel auf wunderbare Weise erhalten geblieben. Dazu trägt auch wieder der tollpatschige und viel zu sehr von sich selbst überzeugte Roboter Claptrap bei, den Spieler seit dem ersten Teil entweder abgrundtief hassen oder verehren. Zwar steht in weiten Teilen des Spiels die Gaudi im Vordergrund, uns hat aber auch besonders gut gefallen, dass es den Autoren dennoch gelungen ist, gerade in der Hauptstory auch einige ernste und düstere Momente unterzubringen. Schließlich ist so ein intergalaktischer Konflikt mit einem abgedrehten Kult und mörderischen Unternehmenskriegen keine reine Party-Veranstaltung.

Quer durch die Galaxis

Immerhin kommt man bei so einem Abenteuer gehörig herum. Die Spielwelt von Borderlands 3 beschränkt sich diesmal nicht nur auf Pandora. Neben dem bekannten Grenzplaneten geht es unter anderem auch auf die Atlas-Heimatwelt Promethia, die Jacobs-Heimatwelt Eden-6 sowie den abgeschiedenen Mönchsplaneten Athenas. Das sorgt für deutlich mehr Vielfalt in den Landschaften und Umgebungen, als es allein auf dem staubigen Grenzplaneten Pandora bisher geboten wurde.

Wie von den Vorgängern bekannt, besteht jeder Planet aus verschiedenen abgetrennten Bereichen, die jeweils aber auch sehr massiv ausfallen können. Das Erkunden der weitläufigen Gebiete lohnt sich, denn überall haben die Entwickler witzige Details oder interessante Herausforderungen versteckt. Bei Letzteren handelt es sich um bestimmte Aufgaben von verschiedenen Mitgliedern der Crimson Raiders. So sammeln wir Aufzeichnungen des ersten Kammerjägers für Patricia Tannis, entführen Autos mit besonders seltenen Bauteilen für Ellie, begeben uns für Zero auf Kopfgeldjagd und plündern für Claptrap Einzelteile von seinen „verstorbenen“ Kameraden, damit dieser sich einen neuen Freund zusammenbauen kann.

Als Ausgangspunkt für die Reisen zu den verschiedenen Welten und als Heimatbasis für die Crimson Raiders dient ein Raumschiff – die Sanctuary III. Mit Marcus’ Waffenladen, Moxxis Bar, Ellies Garage, dem einsiedlerischen Händler Crazy Earl sowie dem Labor von Patricia Tannis bietet das Schiff alle Annehmlichkeiten, die auch die Stadt Sanctuary im Vorgänger zu bieten hatte. Unser Kammerjäger hat diesmal sogar ein eigenes Quartier. Das ist je nach gewähltem Charakter unterschiedlich gestaltet. Zudem bietet es Plätze an den Wänden, wo wir liebgewonnene Waffen und Items sowie seltene Trophäen anbringen können.

In den meisten Gebieten bietet das Spiel eine gesunde Mischung aus Haupt- und Nebenmissionen. Für die Entwickler scheint die Qualität der sekundären Aufgaben wichtiger gewesen zu sein als deren Masse. So verbergen sich in den Sidequests häufig erstaunlich lange und spannende Handlungsstränge, die den Storymissionen in nichts nachstehen. Oberflächliche Sammel- und Bringaufgaben gibt es vereinzelt zwar auch noch, aber selbst diese haben meist eine witzige Hintergrundgeschichte, die es allemal wert ist, erlebt zu werden. So treffen wir auf jemanden, der von einer überbürokratischen KI auf einem Dixi-Klo festgehalten wird, erleben, wie die Reparatur eines Wasserentkeimers zu einem Trip durch die Kindheit von Handsome Jacks Tochter Angel wird, und säubern die Gänge der Sanctuary III von widerlichen Kevin-Kreaturen.

Schon an nur einem der drei Skillbäume von Amara wird die gestiegene Vielfalt bei der Ausgestaltung der Charaktere deutlich. Mehr aktive Fähigkeiten sowie Erweiterungen und Elemente für diese sorgen für Abwechslung.


Moze, Amara, Fl4k und Zane (v.l.n.r.) bilden das vielfältige Helden-Quartett, bei dem für jeden Spielstil etwas dabei ist.


Stufenaufstiege sind immer ein Grund zur Freude, lassen sie uns doch einen neuen Skillpunkt in passive Fähigkeiten investieren.


Klassenvielfalt

Erledigt werden diese Abenteuer in der Rolle von vier neuen Kammerjägern, die sich den Crimson Raiders anschließen. Mit Amara der Sirene, Fl4k dem Bestienmeister, Moze der Schützin und Zane dem Agenten ist das Heldenaufgebot in Borderlands 3 so vielfältig wie nie zuvor. Das liegt vor allem auch an den deutlich aufgebohrten Talentbäumen, die für jeden Charakter jetzt eine ganze Reihe von interessanten aktiven Fähigkeiten und Skillmöglichkeiten bieten. Jede Klasse verfügt zunächst über drei Basis-Skills, einer für jeden Talentbaum. Durch Levelaufstiege verdiente Skillpunkte werden wie gewohnt in passive Verbesserungen innerhalb der Bäume investiert. Dabei schalten sich mit der Zeit auch neue aktive Fähigkeiten sowie sogenannte Skillerweiterungen und -Elemente frei. Mit diesen lassen sich Wirkung und Schadensart von Skills zusätzlich anpassen.

So macht der Phasenschlag von Amara in seiner Grundform normalen physischen Schaden. Mit dem Element „Saurer Tiger“ wandeln wir seine Schadenswirkung in Korrosionsschaden um. Rüsten wir zudem noch die Erweiterung „Offenbarung“ aus, erzeugt der Phasenschlag zusätzlich eine Nova, die Feinde in der Umgebung schädigt. Dies ist nur eine von vielen Kombinationsmöglichkeiten, die sich bei allen vier Heldencharakteren ergeben. Es lassen sich auch die Skills, Elemente und Erweiterungen der drei Bäume beliebig miteinander kombinieren – vorausgesetzt, es wurden entsprechende Skillpunkte zur Freischaltung investiert. Dadurch bietet jede Klasse deutlich mehr Möglichkeiten, seinen eigenen Spielstil zu finden, als noch die recht eindimensionalen Helden des Vorgängers.

Zusätzlich animiert uns das Spiel immer wieder, mit unserer Skillung zu experimentieren und neue Fähigkeiten auszuprobieren. Das geschieht vor allem durch die Klassenmods. Diese Gegenstände steigern bestimmte passive Fähigkeiten und bieten in der Regel auch zusätzliche Effekte für einen der aktiven Skills. Auch Artefakte können bei der Skillwahl eine Überlegung wert sein. Haben wir zum Beispiel ein Artefakt ausgerüstet, dass unseren Korrosionsschaden steigert, bietet es sich an, das Element unserer aktiven Fähigkeit auch auf Korrosion umzustellen. Eine neue Variable in diesen Überlegungen sind spezielle Kammerjäger-Waffen, die Crazy Early in seinem Shop für Eridium verkauft. Diese mächtigen Schießprügel gibt es nur hier. Neben sehr guten Werten haben diese Waffen zusätzliche Effekte, die sich auf einen bestimmten Aktion-Skill oder allgemein auf die Nutzung von Fähigkeiten auswirken.

Es regnet Waffen

Wenn wir unsere Waffen nicht gerade teuer in einem Shop erwerben, steht natürlich wieder das massenhafte Looten auf der Tagesordnung. An allen Ecken und Enden lassen die Gegner, Kisten und Misthaufen die verschiedensten Knarren und Gegenstände fallen. Im Inventar lässt sich sehr gut erkennen, dass jede Waffe aus einer ganzen Reihe von verschiedenen Bauteilen besteht, die jeweils ihre eigenen Werte, Vor- und Nachteile und Wirkungen mit sich bringen. Durch die nahezu unendliche Zahl an Kombinationen dieser verschiedenen Bauteile entsteht eine gewohnt umwerfende Vielfalt an verschiedenen Wummen in den sechs Kategorien Pistole, Sturmgewehr, SMG, Schrotflinte, Scharfschützengewehr und Schwere Waffe.

Für zusätzliche Vielfalt sorgen zudem die verschiedenen Waffenhersteller, die sich noch deutlicher als im Vorgänger optisch und im Handling voneinander unterscheiden. So sind Atlas-Waffen jetzt immer mit einem Tracker-Mechanismus ausgestattet, mit dem wir auf markierte Gegner auch um die Ecke schießen können. Jacobs zeichnet sich dagegen durch hohe Durchschlagskraft, dafür aber recht kleine Magazine aus. Hyperion-Waffen haben einen Schild und Tediore-Knarren sorgen unter anderem für die seit der Ankündigung schon zum Meme gewordenen „Waffen auf Beinen“. Neben dem eigentlichen Schaden spielen natürlich auch wieder die Elemente wie Schock, Feuer und Frost eine wichtige Rolle. Neu dabei ist diesmal das radioaktive Element, das das etwas zu übermächtige Slack aus dem Vorgänger ersetzt.

Erneut können bis zu vier Waffen gleichzeitig ausgerüstet werden. Die dazu benötigten Slots werden automatisch im Verlauf der Kampagne freigeschaltet. Die taktischen Möglichkeiten während des Gefechts werden aber zusätzlich dadurch erhöht, dass viele Waffen jetzt über zwei Feuermodi verfügen. So schalten wir zum Beispiel zwischen zwei verschiedenen Elementen um, wechseln zwischen Vollautomatik und Feuerstößen oder machen aus einer Pistole kurzerhand einen Mini-Raketenwerfer. Um die Qualität der gefundenen Gegenstände besser vergleichen zu können, weisen diese nun auch sogenannte Objektpunkte aus. Vollständig darauf verlassen sollte man sich allerdings nicht. Immerhin kann eine laut Itemscore schlechtere Waffe aufgrund ihrer Handhabung für unseren Spielstil dennoch die bessere Wahl sein gegenüber einem Item, das objektiv besser eingestuft ist. Leider fällt das Vergleichen im Inventar umständlich aus.

Sehr gut gefallen hat uns übrigens die Ausgewogenheit des Loots. Bei der schieren Masse ist natürlich sehr viel Schrott dabei, den wir schnell links liegen lassen. Dennoch stellt sich auch häufig genug das befriedigende Gefühl ein, wenn man wieder etwas Tolles aufgesammelt hat. In den ersten Spielstunden steigert sich das Spiel dazu behutsam von den gewöhnlichen weißen Items über grüne und blaue bis hin zu den epischen lila Gegenständen. Legendärer Loot ist zunächst recht rar und vor allem bei Bossen zu finden. Das erzeugt aber auch ein gutes Gefühl, wenn man den mächtigen Gegner endlich bezwungen hat und dann mit besonderer Beute belohnt wird. Für den gewissen Loot-Kick zwischendurch haben sich die Entwickler außerdem bei Diablo 3 etwas abgeschaut. So gibt es jetzt in Borderlands eine eigene Form von Loot-Goblins, die mit viel Lebenspunkten und dem starken Drang zur Flucht ihrem Schicksal entkommen wollen. Gelingt es aber, einen dieser kleinen Racker zu erwischen, regnet es regelrecht Beute.

Was will man mehr in einem Loot-Shooter als einen wahren Regen von toller Beute?


In der linken oberen Ecke jedes Gegenstands wird ein Gearscore angezeigt, der Vergleiche erleichtert.


Waffen von Atlas können dank Tracker-Dart, den wir zuvor am Gegner angebracht haben, auch um die Ecke schießen. So nehmen wir hier den gefährlichen Boss aus sicherer Deckung aufs Korn.


Flotte und spaßige Action

Neben dem Looten kommt auch im Shooter-Part des Loot-Shooters jede Menge Spielspaß auf. Die Kämpfe sind rasant, voller Action und fordern vom Spieler permanente Aufmerksamkeit. Das Schießgefühl ist hervorragend und unterscheidet sich entsprechend deutlich zwischen den verschiedenen Waffen. Das Spiel wirft uns die verschiedensten Arten von Gegnern entgegen. Von Banditen über hochgerüstete Maliwan-Soldaten bis zur vielfältigen Fauna der verschiedenen Planeten wird einiges geboten. Natürlich kommen jegliche Gegnertypen gelegentlich auch als fiesere Badass-Version auf uns zu, was für zusätzlichen Nervenkitzel, aber auch erhöhte Ausbeute sorgt.

Die Gegner versuchen immer wieder, unseren Angriffen auszuweichen, und nutzen auch gerne Deckung aus, um sich in Sicherheit zu bringen. Eine hyperintelligente KI sollte man allerdings nicht erwarten. Die größte Gefahr geht meist vor allem von der Masse der Gegner aus. Auch auf dem leichten der beiden Schwierigkeitsgrade wird man da schnell mal überrumpelt, wenn man nicht aufpasst. In Borderlands gehört es aber schon immer auch dazu, immer wieder mal am Ende seiner Lebenspunkte angekommen zu sein. Für diesen Fall gibt es wieder die „Kämpfe um dein Leben“-Funktion, bei der wir für kurze Zeit weiterkämpfen können. Gelingt uns in dieser Zeit ein Kill, stehen wir direkt wieder auf und können weitermachen. Diesmal können wir uns in dieser Phase sogar recht ordentlich bewegen, was die Erfolgsaussichten noch mal deutlich erhöht.

Dumm nur, wenn man zum Beispiel gegen einen Boss kämpft, der kein Kanonenfutter um sich herum spawnt, mit dem wir uns schnell wiederbeleben könnten. Bei den meisten Bossmonstern ist das jedoch der Fall, was die mächtigen Gegner in der Regel aber nicht zwingend einfacher macht. Mit einigen interessanten Mechaniken haben sich die Entwickler spannende Kämpfe für die Bosse ausgedacht. So kämpften wir fast eine halbe Stunde gegen ein riesiges Wesen, während wir uns auf einer wackeligen Plattform befanden, die der Boss immer wieder in Schräglage versetzte, um uns in den Abgrund stürzen zu lassen.

Gegner mit einem „Badass“ im Namen halten mehr aus, teilen härter aus, versprechen aber auch bessere Beute.


Vier Freunde sollt ihr sein

Diese herausfordernden Endkämpfe sind übrigens auch alle als Einzelspieler zu meistern. Borderlands 3 ist zwar wie alle Teile der Reihe in erster Linie ein Koop-Spiel, wir hatten aber wenig Probleme, die Kampagne im Test komplett alleine durchzuspielen. Aber natürlich haben wir für den Test auch zumindest zu zweit einige Passagen absolviert. Bis zu vier Spieler können das Abenteuer zusammen erleben. Dazu werden entweder Freunde direkt eingeladen oder über ein Matchmaking Gleichgesinnte für bestimmte Aufgaben gesucht. Letzteres konnten wir vor Release mangels Spielern aber noch nicht wirklich vernünftig ausprobieren.

Sobald sich mehrere Spieler in einer Partie befinden, werden die Gegner spürbar anspruchsvoller und zahlreicher. So konnten wir ein verstärktes Auftreten von Badass-Gegnern feststellen, was im Umkehrschluss aber natürlich auch bessere Beute verspricht. Besonders lobenswert sind die neuen Systeme, die für ein faires Miteinander sorgen. Im sogenannten kooperativen Modus gibt es jetzt keinen Streit mehr um die Beute, denn jeder Spieler bekommt seinen eigenen Loot in der Spielwelt angezeigt. Außerdem ist das Zusammenspiel von Helden mit unterschiedlichen Stufen absolut kein Problem mehr, da alle Gegner entsprechend angepasst werden. Der erste Spieler mit Stufe 30 hat demnach auch Gegner der Stufe 30 vor sich, während der zweite Spieler, der nur Level 10 erreicht hat, die gleichen Gegner mit Stufe 10 vor sich sieht.

Auch abseits der Kämpfe haben die Entwickler sichergestellt, dass es bei der Zusammenarbeit zwischen Spielern an nichts mangelt. Zur Kommunikation steht ein integrierter Voice-Chat sowie ein Text-Chat zur Verfügung. Gegenstände können sowohl im direkten Handel als auch per Mail untereinander ausgetauscht werden. Das Zusammenspiel funktioniert zunächst nur auf die jeweilige Plattform beschränkt. Die Entwickler haben jedoch versprochen, dass sie in Zukunft auch Crossplay zwischen PC, PS4 und Xbox One ermöglichen wollen.

Sobald unsere Lebenspunkte aufgebraucht sind, haben wir in „Kämpfe um dein Leben“ die Chance, wieder aufzustehen.


Im Koop-Modus hat man es natürlich leichter, was das Spiel aber mit mehr und vor allem stärkeren Gegnern auszugleichen versucht.


Immer mehr Herausforderungen

Egal ob für Solisten oder Teamkämpfer, zu tun gibt es in Borderlands 3 mehr als genug. Die Kampagne hatten wir nach rund 40 Stunden beendet. Wir haben aber unterwegs auch diverse Nebenquests erledigt. Am Ende standen in unserer Statistik 61 von 95 Missionen zu Buche. Das reine Durchspielen der Story ist daher wohl auch in etwas weniger Zeit machbar. Auf der anderen Seite bietet das Spiel aber noch viel mehr, sodass man auch gut und gerne das Doppelte für einen kompletten Durchgang einrechnen kann. Neben den diversen Nebenaufgaben warten an die 200 Crew-Herausforderungen und viele weitere interessante Dinge, die es in der Spielwelt zu entdecken gibt.

Zudem beginnt nach dem Ende der Story das sogenannte Endgame. Für die laufende Partie lässt sich der Chaosmodus in drei verschiedenen Stufen aktivieren. Damit werden die Lebenspunkte, Schilde und Rüstung bei Gegnern erhöht. Im Gegenzug erhöht sich aber auch die Beutequalität sowie die Menge an aufgesammeltem Geld, Eridium und Erfahrungspunkten deutlich. In der dritten Stufe steigen die Einnahmen gleich um ganze 900 Prozent. Dafür halten die Gegner auch mehr als doppelt so viel aus. Zusätzlich treten willkürlich eine Reihe weiterer Modifikatoren auf, die selbst erfahrene Spieler vor eine gewaltige Herausforderung stellen.

Ebenfalls erst nach dem Ende der Hauptstory zugänglich sind der Ring des Gemetzels und das Prüfungsgelände, die zusätzliche Möglichkeiten bieten, um an mächtige neue Beute zu gelangen. Wem das alles noch nicht genug ist oder wer bereits alles im Spiel gesehen hat, kann mit dem „Wahre Kammerjäger“-Modus von vorn beginnen und sich der Kampagne erneut mit härteren Gegnern und besserem Loot stellen. Damit all diese Endgame-Herausforderungen zu meistern sind, wird nach dem Ende der Story der sogenannte Wächterrang freigeschaltet. Für dieses System, das die bekannten Badass-Ränge ablöst, sammeln wir ebenfalls Erfahrungspunkte und lösen nach jedem Rangaufstieg Marken ein, um verschiedene Bonuswerte zu steigern. Unterteilt in die drei Kategorien Kämpfer, Heiler und Jäger lassen sich auf diese Weise auch interessante zusätzliche Perks freischalten. Das motiviert ungemein, seinen Charakter auch im Endgame stets weiterzuentwickeln.

Nach Abschluss der Story schaltet sich das Wächterrang-System frei. Ähnlich den Badass-Rängen im Vorgänger verdienen wir uns hier zusätzliche Bonuswerte und sogar ein paar neue Perks.


Kleine technische Mängel

Dank Unreal Engine 4 macht das Spiel optisch einen modernen Eindruck. Die Entwickler blieben aber dem gewohnten Cel-Shading-Look der Reihe treu, der mit scharfen Texturen und satten Effekten überzeugt. Leider kommt es vereinzelt zu unschönen Texturnachladern. Das fällt besonders auf der normalen PS4 auf, die spürbar am Limit läuft und dennoch nur 30 FPS liefern kann. In den Menüs kann es sogar zu leichten Rucklern kommen. Das betrifft auch die PS4 Pro, die dagegen mit dem eigentlich Spiel weniger Probleme hat. Auf der verbesserten Konsole besteht die Wahl zwischen zwei Betriebsmodi. Mit der Einstellung „Auflösung“ wird das Spiel in höchstmöglicher Auflösung bis hin zu 4k mit 30 FPS dargestellt. Wer im flotten Shooter lieber auf flüßige Darstellung setzt, wählt die Einstellung „Leistung“, damit das Spiel in 60 FPS bei 1080p dargestellt wird. Abstürze oder andere unschöne technische Ereignisse sind bei uns im laufenden Betrieb glücklicherweise nicht aufgetreten.

Der Stil von Borderlands ist unverkennbar, im Detail sieht man aber deutliche Verbesserungen bei der Grafik.


Auch Bugs und Glitches hielten sich erfreulicherweise in Grenzen. Im Inventarbildschirm scheint es noch ein Problem bei der Aktualisierung der dargestellten Gegenstände zu geben. Wenn wir ein Item löschen oder ausrüsten, bleibt an der Stelle das Bild des vorherigen Gegenstands stehen, obwohl diesen Platz im Inventar inzwischen ein nachrückendes Item eingenommen hat. Zwei oder drei Mal ist es uns passiert, dass ein Gegner in der Levelgeometrie verschwunden ist und damit nicht mehr angreifbar war. Dabei handelte es sich jedoch nie um kritische Gegner, also wurde es von uns ignoriert.

Die Mängel halten sich auf jeden Fall so stark in Grenzen, dass wir immer noch von einem durchaus runden Erlebnis sprechen können. Das trifft vor allem auch auf den Inhalt zu. Den Entwicklern ist es gelungen, die Borderlands-Formel ohne große Anpassungen zu modernisieren und zur bisher besten Fassung zu machen. Klar könnte man die mangelnde Innovation kritisieren. Wir denken aber, dass die Fans nach der langen Wartezeit ein unverfälschtes Borderlands-Erlebnis haben wollen, und genau das bekommen sie mit Borderlands 3. Als Fazit können wir festhalten, dass wir wieder verdammt viel Spaß bei unseren Abenteuern in den Grenzlanden hatten und das ist im Endeffekt doch das Wichtigste.

Meinung


„Genau was ich von Borderlands erwartet habe.“
Matthias Dammes Redakteur


Trotz der durch Zeitdruck anstrengenden Testbedingungen hatte ich mit Borderlands 3 einen Heidenspaß, denn das Spiel liefert genau das, was ich von der Reihe erwarte. Eine abgedrehte Geschichte mit jeder Menge schräger Charaktere sowie einer andauernd motivierenden Loot-Spirale. Das Spiel gewinnt keine Innovationspreise, aber es ist wiederum auch sehr erfrischend, dass die Entwickler hier mal keine unnötigen Experimente eingegangen sind. Es ist Borderlands mit einem modernen Anstrich, nicht mehr und nicht weniger. Sehr gut gefallen hat mir die abgedrehte Story um die Calypso-Zwillinge. Besonders für Lore-Fans wie mich hält die Geschichte wahnsinnig viel Interessantes bereit, dreht sich die Story doch sehr stark um die Ursprünge der Vaults und die Rolle der Sirenen im Universum. Aber natürlich geht es im selbsternannten „Shlooter“ vor allem auch ums Schießen und Looten. Auch in dieser Disziplin komme ich voll auf meine Kosten. Man merkt Borderlands 3 in jeder Faser an, dass den Entwicklern der Spielspaß das Wichtigste war. Entsprechend kann ich das Spiel auch jedem Fan der Reihe uneingeschränkt empfehlen. Das Gleiche gilt aber auch für alle anderen, die einfach nur eine gute Zeit mit einem Videospiel verbringen wollen. Für mich steht das Spiel vorerst jedenfalls ganz oben auf meiner Liste der Spiele des Jahres.