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Bottom Picking statt Cotton Picking


Traders - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 30.09.2021

BODEN ODER ABPRALLER?

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Bildquelle: Traders, Ausgabe 10/2021

Einer der lohnenswertesten – aber auch gefährlichsten – Momente im Trading ist, wenn der Marktzyklus am Boden von bärisch auf bullisch umschwenkt. Viele Trader sind regelrecht vernarrt in die Idee, den Boden zu kaufen. Allerdings haben dabei auch schon viele Trader beträchtliche Verluste erlitten. Und das vor allem deshalb, weil sie den Unterschied zwischen einem echten Boden und einem bloßen Abpraller – einer Konsolidierung – nicht kennen.

Böden und Abpraller haben ihre eigenen Charakteristika. Ein wirklicher Boden ist ein Unterstützungsniveau, das mehrere Monate oder Jahre hält. Ein Abpraller hingegen ist eine bullische Bewegung von kurzer Dauer, die von einem Unterstützungsniveau ausgeht. Anschließend dreht der Kurs wieder, um das Tief zu testen. Es wird schließlich gebrochen und ein neuer Schub im vorherrschenden Abwärtstrend bildet sich.

Von Bulle zu Bär und wieder zurück ...

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Um zu begreifen, wie sich echte Böden ausbilden, muss man zunächst verstehen, was passiert, wenn der Marktzyklus von bärisch zu bullisch wechselt. Im kurzfristigen Trading sind Aktien einfach ein Produkt, das man kauft und verkauft. Betrachten Sie folgendes Szenario: Ein Fondsmanager trifft seinen Ölsektoranalysten. Ölaktien befanden sich längere Zeit in einem Aufwärtstrend, aber jetzt geht ihnen die Kraft aus. Die Aufwärtsbewegung war substanziell, die Werte haben sich gemäß den Analystenerwartungen entwickelt. Und jetzt gibt es Gewinne, die mitgenommen werden müssen.

Der Manager nutzt nun die in Rallyes zur Verfügung stehende Liquidität, um seine größten Positionen glattzustellen. Zunächst gibt es noch genügend willige Käufer. Und vielleicht setzt sich die bullische Bewegung sogar noch etwas fort. Diejenigen, die sich wünschten, sie hätten früher schon gekauft, haben das jetzt getan und die Nachfrage ebbt ab. Aufwärtstrendlinien werden gebrochen und die ersten tieferen Hochs bilden sich auf dem Chart aus.

„Top Pickers and Bottom Pickers become Cotton Pickers.“

(altes Börsianersprichwort)

An diesem Punkt beginnen die Fondsmanager ihre Aktien aggressiv zu verkaufen. Sie sind bereit, die Aktie nach unten zu drücken, bis sie sich auf einem für Käufer kurzfristig attraktiven Niveau befindet. Die Öffentlichkeit wird nun auf die Schwäche aufmerksam und der Verkaufsdruck steigt weiter.

Wenn die Preise nun weiter fallen, beginnen die ersten Anleger den vermeintlichen Wert der Aktie zu sehen und das „Bottom Fishing“ beginnt.

Diese Käufer unterstützen den Markt und verursachen eine kurzfristige Umkehrbewegung nach oben. Wenn Trader mit schwachen Short-Positionen und offenen Gewinnen diese Umkehrbewegung registrieren, beginnen sie sich mit Positionen einzudecken. Der Abpraller entwickelt sich zu einem Short Squeeze:

Short-Trader kaufen, um ihre Positionen einzudecken, und Bottom Fisher kaufen weiter, weil sie die Aufwärtsbewegung als Zeichen von Stärke interpretieren.

Irgendwann wird ein Punkt erreicht, an dem die Kurse attraktiv genug für die sind, die bereits verkaufen wollten, aber die erste Gelegenheit verpasst haben. Jetzt fluten diese Trader den Markt mit Verkaufsaufträgen und stoppen den Abpraller.

Da die Mehrheit der Käufer hauptsächlich aus Hoffnung und nicht aus logischen Gründen gekauft hat, sind sie auch schnell bereit, wieder zu verkaufen, wenn sich eine erste Schwäche abzeichnet. Der Preis fällt nun schnell unter das Unterstützungsniveau, das den Abpraller ermöglicht hat. Da jene, die den „Wert“ der Aktie auf diesem Niveau sahen, bereits eingestiegen sind, gibt es nun nicht mehr genug Käufer, um die Preise zu halten. Die Aktie fällt unter die Unterstützung, der Bärenmarkt setzt sich fort.

„Volumenanstieg ist eines der Schlüsselelemente eines echten Bodens.“

Nach einer Weile notieren die Kurse substanziell tiefer. Dann entdecken die Analysten den tatsächlichen Wert der Aktie. Große Marktteilnehmer nutzen die oft auftretende Verkaufspanik am Markt und die damit vorhandene Liquidität, um erste Positionen aufzubauen.

Dieser Volumenanstieg ist eines der Schlüsselelemente eines echten Bodens. Die Käufe unterstützen den Markt und der Bottom-Fishing/Short-Squeeze-Zyklus beginnt von vorne: Die Aktie steigt. Wenn sich der Kurs über die erste Kaufzone hinwegbewegt hat, warten die institutionellen Anleger erst einmal auf bessere Kurse. Der Kaufdruck nimmt in der Folge ab und die Rallye verliert an Intensität. Die Tiefs werden nochmals getestet. An diesem Punkt wird die Aktie für die institutionellen Anleger interessant. Das Volumen nimmt zu, sobald das Unterstützungsniveau erreicht wird – und diesmal hält die Unterstützung. Der Kursverlauf der Aktie weist nun alle Merkmale eines erstklassigen Bodens auf: hohes Volumen nach einer ausgedehnten Verkaufsperiode und einen erfolgreichen Test des vorherigen Tiefs. Nun sind die Voraussetzungen für einen Long-Trade mit gutem Gewinn/Verlust-Verhältnis ideal.

Bodenbildung in der Praxis

Bild 1 zeigt einen solchen Zyklus vom Bären-zum Bullenmarkt. Während des Abwärtstrends prallte die Aktie an Punkt A um 30 Prozent von ihrem Tief nach oben – eine klassische Short-Squeeze/Bottom-Fishing-Rallye.

Zum Zeitpunkt des Abprallers war die Aktie massiv überverkauft. An dieser Stelle – nach dem ausgeprägten Abwärtstrend – ist es wahrscheinlich, dass es viele Short-Verkäufer mit hohen offenen Gewinnen gab, die bereit waren, diese zu schließen. Das Volumen hat sich nicht erhöht, als der Boden ausgebildet wurde. Die Geschwindigkeit dieser Rallye lässt darauf schließen, dass beträchtliche Short-Eindeckungen vorgenommen wurden. Nachdem die Rallye sich allmählich erschöpft hatte, begann eine kleine Seitwärtsbewegung. Schließlich fielen die Kurse und das Unterstützungsniveau des Abprallers wurde schnell unterschritten. Im Februar schließlich wurde die Aktie mit hohem Volumen auf dem Niveau von 15 Dollar verkauft. Das war der erste Hinweis darauf, dass sich womöglich ein echter Boden ausbildet (Punkt B). Danach folgte eine kleine Rallye, die aber noch nicht die Kraft hatte, den Abwärtstrend zu beenden. Der Kurs testete noch einmal die Tiefs, wieder mit hohem Volumen. Das war ein klares Zeichen von Stärke. Die Trader zeigten damit, dass sie bereit waren, in die Schwäche hinein zu kaufen, anstatt ihre Positionen glattzustellen, wie sie es beim Abpraller taten.

So traden Sie den Boden

Ein Tageschart (Bild 2) zeigt den Bodenbildungsprozess noch deutlicher. Während des Ausverkaufs im Januar/Februar nahm das Volumen zu. Beachten Sie den sich anschließenden kurzen Abpraller und den nochmaligen Test der Unterstützung. Achten Sie vor allem darauf, wie das Volumen bei jedem Abpraller von der Unterstützung zunahm. Die letztliche Bestätigung kam dann im März, als die Aktie zwar ein neues Tief erreichte, aber nicht nach unten durchgereicht wurde. Das war der Beweis, dass das Vertrauen, das die Käufer in die Aktie hatten, hoch genug war.

„Ein Komplettausstieg sollte erst bei deutlichen Zeichen eines Trendwechsels erfolgen.“

An dieser Stelle ist das Long-Setup eines langfristigen Trades gegeben und die Position kann eröffnet werden. Den Stopp sollten Sie wenige Prozent unter den Tiefs platzieren. Läuft der Trade in den Gewinn, ziehen Sie den Stopp von Zeit zu Zeit nach. Der Trade kann lange gehalten werden. Gegebenenfalls können Teilverkäufe in überkauften Marktphasen durchgeführt werden. Ein Komplettausstieg sollte erst bei deutlichen Zeichen eines Trendwechsels erfolgen.

Der Unterschied liegt im Detail

Zu verstehen, was der Unterschied zwischen einem Abpraller und einem Boden ist, hilft Tradern ungemein dabei, ihr Risiko zu managen. Wenn die Bodensignale nicht auftreten, ist es wahrscheinlich, dass es sich nur um einen Abpraller handelt. In solchen Situationen müssen Sie sich darauf einstellen, Gewinne früher mitzunehmen und die Trailing-Stopps aggressiver nachzuziehen. Wenn die Signale sowohl in den Kursen als auch im Volumen sichtbar werden, müssen Sie bereit sein, größere Rücksetzer auszusitzen, und dem Trade genug Zeit geben, sich wirklich auszubilden. Sich am Boden einer Bewegung zu positionieren, genau dann, wenn der Markt dreht, ist eine der besten Möglichkeiten, an einem langfristigen Trend zu partizipieren. Wenn Sie die beschriebenen Techniken konsequent anwenden, geben Sie nur noch dann Geld in den Markt, wenn er den Einstiegspunkt mit dem niedrigsten Risiko zeigt.